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Studie untersucht – Wo sind Pferde nachts am entspanntesten?

von Regina Schweizek
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Die verschiedenen Haltungsformen für Pferde sorgen immer wieder für reichlich Diskussionsstoff unter Pferdeleuten. Boxenhaltung mit Weidegang, Aktivstall oder doch lieber Offenstall? Verfechter von Offen- und Aktivställen plädieren dabei immer für die Bewegungsfreiheit der Tiere. Doch sind auch die Nächte im Freien für die Tiere wirklich entspannt oder schlafen sie in einer Box vielleicht sogar besser? 

Die Studie aus Italien

Dieser Frage ging ein Forscherteam aus Italien nach und erstellten eine Studie zum Thema Nachtstress bei Pferden.  Mittlerweile wächst das Bewusstsein für die Priorität der Bewegungsmöglichkeiten für Pferde. Ob eine reine Aktiv- bzw. Offenstallhaltung aber tatsächlich das Beste für die Tiere ist,  wollte das Team um Silvia Michela Mazzola anhand eines einjährigen Stress-Tests auf den Grund gehen.

Für die Studie wurde das Stresslevel von 47 Pferden bei unterschiedlichen Haltungsformen gemessen. Bei den Pferden handelte es sich um Freizeitpferde, welche in drei Ställen in der Gardasee-Region in Norditalien leben. In Hinblick auf Geschlecht und Alter ähnelten sich die Pferde. Unterteilt wurden die Tiere in drei Gruppen:

  1. Die Managementgruppe: Pferdebesitzer:innen konnten wählen, wie lange ihre Pferde tagsüber im Herdenverband auf die Weide sollen. Abends kamen alle Pferde in die Box und bekamen dort ihre abendliche Futterration.
  2. Die Weidegruppe: Diese Pferde blieben Tag und Nacht auf der Weide und erhielten dort ihr Futter. Ansonsten wurden sie genauso gepflegt wie die Managementgruppe und auch tierärztlich versorgt.
  3. Die natürliche Managementgruppe: Den Pferden dieser Gruppe standen sechs Hektar Gelände mit Wald, Olivenhainen und zwei natürlichen Teichen zur Wasserversorgung. Zudem gab es drei an einer Seite offene Unterstände und vier Heuraufen. Pferde, die Kraftfutter benötigten, trugen einen Chip, welcher vom Futterautomat gelesen wurde. Die Pferde wurden also in einer Art Aktivstall gehalten.

Zur Überprüfung des Stresslevel wurden alle drei Monate von allen Pferden am selben Tag Haarproben entnommen. Anhand der Proben konnte die Cortisol-Konzentration in den Haaren analysiert werden. Der Cortisol-Spiegel gilt als zuverlässiger Stressindikator.

Ergebnisse der Studie

Es wurden drei wesentliche Erkenntnisse durch die Studie bestätigt. Insgesamt wurden bei allen Probanden die höchsten Cortisolwerte im Herbst und Sommer festgestellt. Fellfarbe und Geschlecht waren dabei keine Indikatoren für Wertabweichungen. Allerdings wiesen Pferde über 15 Jahren einen signifikant höheren Wert auf. Daraus kann man schlussfolgern, dass ältere Pferde schlechter mit Stresssituationen zurecht kommen.

Ruhigere Nächte in der Box

Auch in Sachen Nachtruhe gab es eine interessante Erkenntnis. Denn es stellte sich heraus, dass die Vergleichsgruppe, die abends in die Box kam einen  deutlich niedrigeren Cortisolwert im Sommer und Herbst aufwies. Daraus schloss das Forscherteam, dass die Nacht in der Box sich positiv auf das Wohlbefinden der Pferde auswirkt.

Das geregelte Futterverhältnis, die Unabhängigkeit vom Wetter und die geringere Belastung durch Insekten , könnten zuträgliche Faktoren für die Ausgeglichenheit der Tiere sein. Laut den Forscher:innen kann der Stall also eine schlaffördernde Umgebung sein und damit auch die Schlafqualität der Tiere verbessern.

Decken: mehr Störfaktor als Unterstützung

Ein weiterer interessanter Punkt ergab sich in Bezug auf die Deckenthematik im Winter. Trotz der vergleichsweise kleinen Stichprobe, konnten anhand der Analysen bedeutende Unterschiede der Cortisolspiegel bei eingedeckten und uneingedeckten Pferden ausgemacht werden. Tiere ohne Winterdecke hatten einen vergleichsweise niedrigeren Cortisolwert.

Grund dafür könnte sein, dass der Winter um den Gardasee keine thermoregulatorischen Meisterleistungen von den Pferden verlangt. Das heißt sie können ihre Körpertemperatur auch bei kälteren Temperatur sehr gut beibehalten. Die Decke könnte den Pferden in Hinblick auf die Bewegungsfreiheit also eher einschränkten, so das Forscherteam.

Fazit – Wo sind Pferde nachts am entspanntes?

Die Nacht im Stall zu verbringen kann für Pferde weniger Stress bedeuten. Das Eindecken im Winter hingegen kann sogar mehr Stress verursachen, als vermindern. Zudem sollte man ältere Pferde so viel Stress wie möglich ersparen.

Des Weiteren plädieren die Forscher:innen für mehr Studien zum Thema Pferdehaltung, da es bislang noch zu wenig Fachliteratur gibt. Demnach können sich Halter:innen nur auf Erfahrung und den gesunden Menschenverstand verlassen. Pferde bieten also noch eine breite Forschungsfläche für die Wissenschaft.

Quelle: Studie

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