Studie zur Hengsthaltung – Ist Einzelhaltung wirklich nötig?

Die Haltungsform eines Pferdes hat auf das Wesen, die Ausgeglichenheit und vor allem die Umgänglichkeit mit dem Menschen einen maßgeblichen Einfluss. Die artgerechteste Haltungsform ist dabei ohne Frage die Haltung mit sozialen Kontakten und genügend Auslauf. Hengste schneiden dabei aber meist eher schlecht ab, da man fürchtet, dass sie sich verletzen – und zwar ganz besonders gegenseitig. Ein deutsches Forscherteam hat nun untersucht, was die beste Haltung für Hengste ist.

Die Studie zur Hengsthaltung

Hengst auf der Weide
Hengste können unter bestimmten Bedingungen gemeinsam auf der Weide gehalten werden.

Dafür wurden von einem dreiköpfigen Team 50 wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Hengsthaltung analysiert. Das Ergebnis zeigt, dass die Halter tatsächlich aus Angst vor Verletzungen von der Gruppenhaltung Abstand nehmen. Die Wissenschaftlerinnen können jedoch helfen!

Sie geben an, welche Voraussetzungen für die Hengsthaltung auf der Weide gegeben sein müssen und diese sehen wie folgt aus:

  1. Abwesenheit von Stuten
  2. genügend Platz auf der Weide
  3. eine gute Gruppenzusammensetzung
  4. mehrere Futter- und Wasserstellen
  5. mehrere Liege- und Ruhebereiche

Testlauf im Schweizer Nationalgestüt Avenches

Man testete diese Thesen im Schweizer Nationalgestüt Avenches und vergesellschaftete die Hengste unter den fünf genannten Voraussetzungen. Das Ergebnis ist bemerkenswert positiv! Die Hengste trugen keine schlimmen Blessuren von der Zusammenführung und ihr Aggressionsverhalten ging innerhalb weniger Tage signifikant zurück.

Das Problem ist nur, dass nicht jeder Pferdehalter die gleichen Möglichkeiten hat. Sollten beispielsweise auf einem Hof immer wieder Pferde kommen und gehen, dann sei Gruppenhaltung keine Option für einen Hengst. Auch bei Hengsten, die über lange Zeit keinen Kontakt zu anderen Pferden hatten, ist eine Gruppenhaltung keine Möglichkeit. Das Forscherinnen-Trio schlägt zwei alternative Möglichkeiten vor:

  1. tagsüber Weidegang mit einem Wallach, falls dies unter keinen Umständen realisierbar ist:
  2. Sicht-, Hör-, Geruchsweite zu Artgenossen. Sozialboxen wie im Schweizer Nationalgestüt sind dafür ein guter Weg. In diesen Boxen stehen zwei Pferde nebeneinander und können sich beschnuppern und gegenseitig pflegen.

Was passiert bei Einzelhaltung?

Durch Einzelhaltung können schwere Krankheiten ausgelöst werden. Man beobachtete Atemwegserkrankungen, Verdauungsprobleme und Probleme des Bewegungsapparates. Erschreckenderweise sind laut der Studie 50% der Hengste davon betroffen. Allem voran muss man jedoch die Verhaltensauffälligkeiten und Aggressionen vieler Hengste der Boxenhaltung zuschreiben. Kein Hengst ist von sich aus oder nur wegen seiner Hormone verhaltensauffällig. Wie wir aus dieser Studie ganz eindeutig und ohne Frage lernen konnten, sind Hengste bei artgerechter Haltung sehr umgänglich und deutlich ausgeglichener.

Quelle: MDPI

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