Turniersport: Herpes-Impfpflicht und neue Regeln bei Nennungen

Bei den aktuellen Jahrestagungen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) wurden bedeutende Beschlüsse, besonders für den Turniersport, festgelegt. Die Beiräte der Bereiche Sport, Zucht und Persönliche Mitglieder tagen vor der Mitgliederversammlung um relevante Themen zu besprechen. Eines davon war diesmal eine mögliche Herpes-Impfpflicht für Turnierpferde sowie Verbesserungen im Bereich der Digitalisierung im Turniersport.

Herpes-Tragödien in 2021 Anlass der Debatte

Die dramatischen Ereignisse Anfang dieses Jahres in Valencia haben die ganze Reiterwelt aufgerüttelt. Etliche Pferde hatten schwere Krankheitsverläufe oder sind an der Viruserkrankung gestorben. Dabei verloren manche Reiter ganze Bestände ihrer Pferde. Alleine in Valencia sind in diesem Frühjahr 18 Pferde an dem Equine Herpesvirus 1 (EHV-1) gestorben. Die Zustände auf dem Turnier durch den Ausbruch des Virus waren tragisch.

Dass es nicht bei dem einen Ausbruch in Valencia blieb, war die nächste Tragödie. Denn das Virus ist hochansteckend und überträgt sich schnell auf andere Pferde. Das Problem ist, dass ein Bestand von Pferden nur dann hinreichend vor einem Virus-Ausbruch geschützt werden kann, wenn alle Pferde des Bestands geimpft sind. Zwar schützt die Impfung ein einzelnes Pferd nicht vor einer Infektion und Erkrankung, sobald jedoch alle Pferde des Bestands geimpft sind, sinkt die Menge der ausgeschiedenen Viren. Dies wiederum senkt das Risiko der Krankheitsübertragung auf andere Pferde.

Herpes-Impfpflicht für Turnierpferde ab 2023

Der Beirat der FN nimmt die Geschehnisse in Valencia sowie die Auswirkungen und vielen weiteren angesteckten und an Herpes erkrankten Pferde des Jahres ernst: Ab 2023 soll es eine Herpes-Impfpflicht für Turnierpferde geben. Dort, wo viele verschiedene Pferde zusammenkommen, muss mehr Sicherheit gegen einen Ausbruch einer solchen Erkrankung gegeben werden. Nicht nur in Stallzelten und auf Abreiteplätzen ist der enge Kontakt zwischen den Pferden unvermeidbar.

Der Impfstoff

Drei Hersteller führen aktuell Impfstoffe gegen EHV-1, was eine fiebrige Erkrankung der oberen Atemwege hervorrufen kann. Herpes Impfungen können bei Pferden jedoch auch zu Nebenwirkungen führen. Wie auch bei anderen Impfungen bleibt dieses Risiko auch gegen EHV-1 nicht aus. Dennoch sind sich Experten einig: Die Vorteile der Impfung überwiegen dem Risiko, das Pferde an Nebenwirkungen erkranken. Das grundsätzliche Impfen ganzer Pferdebestände bzw. von Turnierpferden bietet deutlich mehr Sicherheit.

In diesem Jahr zeigte sich, dass jedoch nicht ausreichend Impfstoff zur Verfügung stand, um die wachsende Nachfrage nach Herpes-Impfungen zu decken. Die Hersteller geben nun bekannt, den Bedarf an Impfstoff künftig decken zu können. Engpässe lassen sich jedoch trotzdem nicht ausschließen. Aus diesem Grund soll das kommende Jahr 2022 als Übergangsjahr genutzt werden, sodass alle Turnierreiter ausreichend Zeit haben, Herpesimpfungen zu planen und durchzuführen. Nachdem eine Grundimmunisierung erfolgt ist, muss wie auch bei einer Influenza Impfung halbjährlich eine Auffrischung erfolgen. 

Die Impfpflicht für Turnierpferde tritt am 01. Januar 2023 in Kraft!

Neue Schritte im Bereich der Digitalisierung im Turniersport

Ein weiterer Diskussionspunkt des Beirats der FN war die Digitalisierung. Künftig soll es weitere Funktionen und mehr Spielraum bei Turniernennungen geben. Die online Bereitstellung von Turnierergebnissen soll in Zukunft für alle Veranstalter nicht mehr nur empfohlen, sondern Pflicht sein. Außerdem wird die Verwendung des TORIS Live-Scoring-Systems grundsätzlich vorgeschrieben, sodass Turnierergebnisse direkt auf Fn-Erfolgsdaten veröffentlicht werden.

Wie Fritz Otto-Erley, Leiter der Abteilung Turniersport der FN erläutert: „Alle Turniersportinteressierten erwarten heute einfach, dass die Ergebnisse während oder zumindest unmittelbar nach Prüfungsende öffentlich zur Verfügung stehen. Gleichzeitig kann man davon ausgehen, dass inzwischen nahezu jeder Turnierstandort mit Internet versorgt ist. Einer Veröffentlichung über das Turnier-Organisations- und -Informationssystem steht daher nichts im Wege, zumal alle Veranstalter TORIS kostenlos nutzen können. Mit der neuen Regelung wird gleichzeitig sichergestellt, dass auch die Weiterverarbeitung der Daten durch die FN – Prüfung auf Korrektheit, Aktualisierung von Ranglistenpunkten und Gewinnsummen und so weiter – zeitnah erfolgen und auf fn-erfolgsdaten.de eingestellt werden kann“.

Entzerrung der Turniernennungen

Des Weiteren wurde beschlossen, dass Turnier Nennungen künftig bis kurz vor Turnier Beginn ohne Nachnennung erfolgen können, sodass der Nennprozess entzerrt wird. Wie besonders die letzten Jahre gezeigt haben, ist der Ansturm auf offene Nennungen für Turniere so groß, dass Server überlastet werden und zu viele Reiter gleichzeitig versuchen, einen Startplatz zu bekommen. Um Startplätze, die evtl. doch nicht mehr wahrgenommen werden können, in Zukunft wieder bereitzustellen, soll eine Nennung bis kurz vor dem Turnier möglich werden. Somit verkürzt die LPO den Nennungsschluss auf bis zu einen Tag vor Turnierbeginn. Die Bekanntgabe der Zeiteinteilung muss somit ebenso „rechtzeitig“ erfolgen, dafür wird es keinen vorgeschriebenen Zeitraum mehr geben.

Quelle: Pferd-aktuell

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