Urteil im Prozess: Ist ein nicht gerittenes Pferd “gebraucht”?

Wann ist ein Pferd “neu” und wann ist ein Pferd “gebraucht”. Das war Thema eines Prozesses, bei dem sich eine junge Reiterin bis zum Bundesgerichtshof klagte. Wie das abschließende Urteil im Prozess lautet, erfährst Du in diesem Artikel. 

Dieser Fall beschäftigte die Pferdewelt: Eine Amateur-Dressurreiterin kaufte sich im November 2014 auf einer Auktionen einen 2,5 Jahre alten ungekörten Hengst für knapp 27.000 Euro. Zu diesem Zeitpunkt war das Pferd weder geritten noch angeritten. Im Frühjahr 2016 stellte sie fest, dass das Tier für sie nicht reitbar ist. Sie war der Meinung, dass es unter einem Mangel litt und verlangte ihr Geld zurück. Doch der Verkäufer weigerte sich ihr den Betrag zurückzuzahlen, schließlich war laut den Auktionsbedingungen die “Verjährungsfrist” von drei Monaten bereits abgelaufen.

Klage ohne Erfolg

Das veranlasste die junge Frau zu einer Klage, die bis zum Bundesgerichtshof vorstieß, mit der Begründung: Das Pferd sei neu und die Verjährungsvereinbarung wäre dadurch unwirksam. Jedoch bildeten die Karlsruher Richter ein anderes Urteil: „Anders als unbelebte Gegenstände ‚gebraucht‘ sich ein Tier allein dadurch ständig selbst, dass es lebt und sich bewegt – hierdurch steigert es das ihm anhaftende Sachmängelrisiko“, argumentierte der BGH im abschließenden Urteil. Ein zweieinhalbjähriger Hengst, der bereits seit längerer Zeit von der Mutter getrennt ist und dementsprechend einen längeren Zeitraum eine eigenständigee Entwicklung vollzogen hat, sei “gebraucht” und nicht “neu”. Damit steht fest: Leben steigert das Sachmängelrisiko.

Michelle Holtmeyer

Michelle Holtmeyer

Michelle Holtmeyer hat nach ihrem Germanistik-Studium in Bangkok und Berlin gelebt, bevor sie zu ehorses & edogs kam. Nun versorgt sie Dich mit News und Ratgebern zum Thema Pferde & Hunde. Erreichen kannst Du Michelle unter m.holtmeyer@ehorses.de.

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