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Tierquälerei-Vorwurf: Dressurreiter Andreas Helgstrand angezeigt

von Michelle Breitenfeld

Er gewann Olympia-Bronze, wurde zum „Pferde-Milliardär“. Doch nachdem eine Doku über den Dressurreiter und Pferdehändler Andreas Helgstrand ausgestrahlt wurde, wenden sich große Teile der Reitszene von ihm ab. Und Tierschützer zeigten ihn an – wegen Verdachts der Tierquälerei…

Der Däne Andreas Helgstrand hat ein wahres Pferde-Imperium aufgebaut. Und er ist schon lange umstritten. Jetzt sorgt eine zweiteilige Dokumentation des dänischen Senders „TV 2“ für Schlagzeilen. Für den Film war eine Journalistin vier Wochen als Pferdepflegerin bei Helgstrand – und nahm alles, was sie erlebte, mit einer verdeckten Kamera auf. Das Ergebnis: schockierend!

Im ersten Teil der Dokumentation, die am 22. November erschien, werden Pferde gezeigt, die offene Sporenwunden oder deutliche Striemen haben.  Dazu die Pfleger, die Stellen mit Schuhcreme abdecken oder eine Decke darüberlegen, damit Kunden nichts sehen. Im Training werden Pferde oft mit Schlaufzügeln geritten, sehr eng eingestellt. Die Rollkur als Trainingsmethode? Vermutlich, denn auch hier gibt es die Ansage: Kunden kommen, dann dürfen keine Schlaufzügel genommen werden.

„Es ist eine Fabrik. Sie trainieren die Pferde so schnell wie sie können und die Pferde müssen unter Kontrolle sein. Es ist Tierquälerei“, sagt Tierärztin Karin Leibbrandt in der Doku „Operation X: Geheimnisse des Pferdemilliardärs“.

Helgstrand war schon lange umstritten

Die Doku sorgt für einen Skandal. Und der war bereits vorher abzusehen. Da versuchte Helgstrand noch die Ausstrahlung mit allen Mitteln zu verhindern, ging dafür sogar vor Gericht. Er ahnte wohl, was auf ihn zukommen würde…

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Dabei war der Däne schon vorher umstritten. Als Reiter sorgte er zum Beispiel in der letzten Hallensaison für Schlagzeilen, weil er bei den Turnieren in Stockholm und Herning abgeklingelt wurde. Der Grund: Sein Pferd hatte blutigen Schaum im Maul. Bei den Dänischen Meisterschaften wurde Helgstrand schon mal disqualifiziert, weil sein Pferd verbotene Medikamente im Körper hatte. Auch als Pferdehändler ist Helgstrand „berüchtigt“. Schon vor zehn Jahren soll er bei Pferdeverkäufen in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Im vergangenen Jahr erhoben wieder ehemalige Partner Betrugsvorwürfe gegen ihn.

Erste Konsequenz: Helgstrand flog aus den Nationalteam

Doch trotz aller Vorwürfe machte der Däne weiter. Bis jetzt. Noch am Tag der Ausstrahlung reagierte der Dänische Reiterverband – und schmiss Helgstrand vorerst aus dem Nationalteam.  Außerdem wurde die Zusammenarbeit mit „Helgstrand Events“ beendet. 48 Stunden nach Ausstrahlung der Doku reagierte dann auch der Weltreiterverband.

„Die ‚FEI‘ ist sich der beunruhigenden Bilder bewusst, die in der Dokumentation von ‚TV2‘ Dänemark, ‚Operation X: Geheimnisse des Pferdemilliardärs‘ mit Beteiligung von Andreas Helgstrand gezeigt wurden. Die ‚FEI‘ nimmt alle Vorwürfe von Pferdemissbrauch sehr ernst, und zu jeder Zeit steht das Wohl des Pferdes an erster Stelle“, heißt es in einer Stellungnahme.

Auch Helgstrand selbst reagiert – und gibt sich einsichtig: „Was wir in den Aufnahmen von ‚TV 2‘ gesehen haben, macht einen großen Eindruck auf uns. Es ist nicht in Ordnung. Es handelt sich um schlechtes Reiten und eine Behandlung von Pferden, die wir bei ‚Helgstrand Dressage‘ nicht sehen wollen“, heißt es auf der Homepage. Und weiter: „Es entspricht nicht unseren Richtlinien und Werten und spiegelt nicht unsere Kultur wider. Das müssen wir korrigieren.“

Zwar habe man in der Doku nichts gesagt, aber „es darf kein Zweifel daran bestehen, dass wir den Inhalt sehr ernst nehmen. Deshalb haben wir auch auf die Kritik gehört und bereits eine Vielzahl von Verbesserungen in unserem Geschäft eingeführt.“

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Tierschützer verklagen Helgstrand

Man geht sogar noch weiter. Auf Facebook heißt es: „Als einer der weltweit renommiertesten Ausbildungsstandorte für Dressurpferde ist es für uns selbstverständlich, eine Vorreiterrolle zu übernehmen und neue Maßstäbe für die Branche zu setzen“.  

Für viele ist klar: Das ist der Versuch der Schadensbegrenzung. Ob er funktioniert, wird sich zeigen. Klar ist: Noch ist das Thema nicht vorbei. Jetzt hat die dänische Tierschutzorganisation „Dyrenes Beskytselse” „Helgstrand Dressage“, Andreas Helgstrand und seine Bereiter wegen des Verdachts auf Tierquälerei angezeigt.

„Bei ‚Dyrenes Beskytselse‘ sind wir entsetzt über den Dokumentarfilm“, so Yvonne Johansen, Tierschutzleiterin und auf Pferde spezialisierte Tierärztin. „Die Aufnahmen zeigen, dass die Pferde bei ‚Helgstrand Dressage‘ systematisch auf eine Weise behandelt werden, die zutiefst besorgniserregend ist und gegen die Grundprinzipien einer verantwortungsvollen Ausbildung und des Tierschutzes verstößt.“

Keine Olympia-Teilnahme 2024 für Helgstrand

Am 29. November dann die Veröffentlichung des zweiten Teils der Dokumentation. Doch schon bereits am Abend zuvor kam der Dänische Reiterverband zu einem Treffen zusammen, um über die weitere Zukunft von Helgstrand zu entscheiden. Das Ergebnis: Die Sperre für das dänische Nationalteam wurde verlängert, und zwar bis zum 1. Januar 2025. Damit wird Helgstrand nicht bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris antreten, berichtet das dänische Reitermagazin „Rideheste“ unter Berufung auf die Regionalzeitung „Nordjyske“. Außerdem regte der Verband die Eröffnung eines Disziplinarverfahrens gegen Helgstrand an.

Das bedeute allerdings nicht, dass Helgstrand ab dem Stichtag am 1. Januar 2025 zurück ins Nationalteam kommt. „Nach diesem Tag können wir darüber reden, ob und unter welchen Umständen er zurückkommen kann“, erklärt Jakob Ravnsbo, Vorsitzender des dänischen Reiterverbandes. Er übernahm den Posten von Andreas Helgstrands Vater Ulf Helgstrand, der nach der Ausstrahlung der Dokumentation von seinem Posten beurlaubt wurde.

Gegenüber „Nordjyske“ kommentierte Andreas Helgstrand in einer schriftlichen Stellungnahme: „Ich war immer stolz darauf, Dänemark im Nationalteam zu repräsentieren, und ich habe mich auch sehr darauf gefreut, vielleicht für Dänemark bei den Olympischen Spielen zu reiten. Deshalb bin ich natürlich sehr traurig über die Entscheidung des dänischen Reiterverbands. Ich nehme die Entscheidung zur Kenntnis.“

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