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Reitergewicht – Wie viel Gewicht kann ein Pferd wirklich tragen?

von Michelle Breitenfeld
Veröffentlicht: Letztes Update am

Das Reitergewicht ist ein heiß diskutiertes Thema. Denn wie viel dürfen Reiter wirklich wiegen, und wann lastet zu viel Gewicht auf dem Pferderücken?
In diesem Artikel klären wir auf, wie das Verhältnis von Reitergewicht und Pferd wirklich sein darf. Wann ist ein Reiter zu dick und welche Pferderassen sind geeignete Gewichtsträger? Mittels einer Tabelle kannst Du zudem prüfen, wie viel Reitergewicht die verschiedenen Pferderassen durchschnittlich tragen können und wie das Verhältnis vom Gewicht zwischen Reiter und Pferd aussehen sollte.

Auf dem Rücken der Pferde liegt das Glück der Erde. Nicht immer! Manchmal liegt auf dem Rücken der Pferde auch schlichtweg zu viel Gewicht. Wenn dick bzw. dickere Menschen reiten, steht stets zur Diskussion, ob das pferdefreundlich ist, denn zu viel Reitergewicht kann einem Pferd schaden. Doch zwischen den verschiedenen Pferderassen gibt es große Unterschiede, einige Pferde können mehr Gewicht tragen und sind eher für „dicke Reiter“ geeignet als andere.

Wie schwer darf ich für mein Pferd sein?

Die TVT empfiehlt, dass ein Reiter höchstens 15 Prozent des Pferdegewichts wiegen sollte. Wie viel ein Pferd tatsächlich tragen kann, hängt aber auch von Lendenbreite, Röhrbeinumfang, Trainingszustand und Reitvermögen ab.

Reitergewicht – Das sagt die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (kurz: TVT) hat ein Merkblatt inklusive Studie zum Thema „Reitergewicht: Beurteilung der Gewichtsbelastung von Pferden unter Tierschutzgesichtspunkten“ veröffentlicht und spricht darin Empfehlungen aus.

In dem Merkblatt empfiehlt der TVT, dass ein Reiter maximal 15 Prozent des Pferdegewichts wiegen sollte. Weitere Untersuchungen haben in diesem Zusammenhang aufgezeigt, dass es darüber hinaus vor allem um die Breite der Lende und den Umfang des Röhrbeins geht. Denn je breiter die Lende und je größer der Röhrbeinumfang im Verhältnis zum Gewicht des Pferdes ist, desto weniger dauerhafte Schäden wurden durch das zusätzliche Reitergewicht festgestellt. Die TVT unterscheidet dabei mehrere Stufen. Eine Gewichtsbelastung von 10 Prozent des eigenen Körpergewichts verkraften Pferde laut wissenschaftlichen Untersuchungen problemlos, unabhängig von Konstitution und Trainingszustand. Auch rund 15 Prozent stecken Pferde normalerweise ohne Schäden weg. Kräftige Pferde mit breiter Lendenregion und großem Röhrbeinumfang kommen damit aber besser zurecht als schmale, zierliche Pferde. Ab 20 Prozent kommt es bereits zu merklichen Verspannungen und Verhärtungen in der Muskulatur. So viel Gewicht ist laut TVT nur unter optimalen Bedingungen vertretbar: wenn das Pferd, wie etwa das Islandpferd, einen belastbaren Körperbau hat, sehr gut trainiert ist und die geforderte Leistung eher moderat bleibt.

Das „Optimal-Gewicht“ mit dem Röhrbeinbelastungsindex berechnen

Auch wenn es keinen „Rechner“ für das maximale Reitergewicht gibt, liefert der sogenannte Röhrbeinbelastungsindex (RI) einen guten Anhaltspunkt. Hat das Röhrbein, also der dritte Mittelfußknochen des Pferdes, einen Umfang von mehr als 20 cm pro 450 kg Körpergewicht, kann das Pferd verhältnismäßig viel Gewicht tragen.

Konkret wird der Röhrbeinbelastungsindex wie folgt berechnet:

Formel Röhrbeinbelastungsindex: Röhrbeinumfang in cm mal 100 geteilt durch Körpergewicht in kg

Ein Beispiel: Ein Hannoveraner mit 600 kg und 22 cm Röhrbeinumfang kommt auf einen RI von 22 ÷ 600 × 100 = 3,7. Je höher der RI, desto besser ist das Pferd im Verhältnis zu seinem Gewicht für das Tragen von Lasten gebaut.

Welches Reitergewicht für welches Pferd?

Wie viel Gewicht ein Pferd tragen kann, hängt von vielen Faktoren wie Körperbau, Trainingszustand, Ausrüstung etc. ab. Jedes Pferd kann ein anderes Reitergewicht tragen.

Reitergewicht – Tabelle mit der Maximal-Belastung verschiedener Pferderassen

Immer wieder liest man “Das Pferd ist ein Gewichtsträger” – Doch was heißt das? Wie schwer ein Pferd tragen kann, hängt von den Pferdetypen, der Nutzungsrichtungen und am allermeisten dem Körperbau ab. Pferde mit kurzen bis mittellangen, nicht durchhängendem Rücken können in der Regel ohne Probleme schwere Lasten tragen. Auch kräftige Beine und eine große Gurtentiefe wirken sich positiv auf die „Gewichts-Belastbarkeit“ des Pferdes aus. Vierbeiner mit einem besonders langen, geschwungenen oder sogar hängenden Rücken sollten hingegen nicht als Gewichtsträger eingesetzt werden. Weitere wichtige Komponenten sind außerdem reiterliches Können, Ausbildungsstand des Pferdes sowie die Konstitution des Vierbeiners. Auch die Ausrüstung wie beispielsweise der Sattel des Reiters spielt eine entscheidende Rolle und müssen auf das Pferd abgestimmt sein.

Reitergewicht: Haflinger im Trab

Es hängt von vielen Faktoren ab, wie viel Gewicht ein Pferd tragen kann.

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. hat eine Tabelle erstellt, die die durchschnittliche Belastungverschiedener Pferderassen zeigt.  Hier wird deutlich, dass Rassen, die oft als Gewichtsträger angesehen werden, nicht unbedingt welche sind.

Wichtig ist aber zu sagen, dass es sich lediglich um Durchschnittswerte handelt, es innerhalb der Rasse zu Abweichungen kommen kann und jedes Pferd stets individuell beurteilt werden sollte.

PferderasseKörpergewicht in kgRöhrbeinumfang in cmRI
Minishetland-Pony12011,49,5
Shetland-Pony19014,07,4
Welsh B-Pony33016,04,8
Deutsches Reitpony38017,04,5
Islandpony38018,04,7
Norweger42021,54,4
Arabisches Vollblut45018,34,1
Englisches Vollblut46020,34,4
Quarter Horse47018,23,9
Haflinger52018,83,6
Knabstrupper56019,03,4
Württemberger59020,03,4
Hannoveraner60022,03,7
Trakehner65020,03,1
Süddeutsches Kaltblut77023,03,0

Quelle: Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V

Wie viel kann ein Pferd tragen?

Zwischen den Pferderassen gibt es also deutliche Unterschiede. Nicht alle Pferde sind Gewichtsträger. Dieses hängt oft mit der ursprünglichen Nutzung und der dementsprechenden Zuchtintention zusammen. Gebirgspferde wie der Haflinger sind mit dem Ziel gezüchtet worden, schwere Lasten über die Alpen zu transportieren. Shetlandponys kommen von den schottischen Shetland Inseln, wo das Klima rau und das Futterangebot dementsprechend knapp ist. Um auch andere Pferderassen zu versorgen, zogen die schottischen Mini-Ponys jahrelang schwere Karren oder trugen schwere Lasten. So gehört das Shetlandpony zu den stärksten Pferderassen überhaupt, da sie bis zu 60 Kilo schleppen können, was durchschnittlich 30 Prozent ihres eigenen Gewichts entspricht.

Besonders hervorgehoben werden muss zudem das Islandpferd: „Islandpferde werden seit Jahrhunderten auf eine reiterliche Nutzung durch erwachsene Reiter gezüchtet. Trotz ihrer relativ geringen Widerristhöhe und des dadurch auch geringeren Gewichts gegenüber anderen Pferden und Kleinpferderassen haben Isländer in den vergangenen Jahrhunderten einige Besonderheiten entwickelt, die sie befähigen, relativ hohe Gewichte relativ schadlos zu tragen.“ So sieht man auch heute noch zahlreiche Erwachsene, die die verhältnismäßig kleinen Islandpferde reiten.

Reitergewicht beim Islandpferd

Islandpferde können viel Gewicht tragen.

Darüber hinaus zeigt die Tabelle, dass Rassen wie das Quarter Horse oder das Süddeutsche Kaltblut keinen sonderlich hohen RI haben. Für viele ist das vor allem in Bezug auf das Kaltblut eine Überraschung. Warmblutrassen wie der Hannoveraner oder Trakehner, die oft im Turniersport unterwegs sind, weisen ebenfalls einen eher niedrigen Röhrbeinbelastungsindex auf.

Reitergewicht: shetlandpony

Shetlandponys können bis zu 30 Prozent ihres eigenen Gewicht tragen.

Wie schwer darf man für einen Isländer sein?

Im Verhältnis zu ihrer geringen Körpergröße können Isländer recht viel tragen. Laut TVT sind bei Islandpferden bis zu 20 Prozent ihres Körpergewichts vertretbar, wenn sie gut trainiert sind und die geforderte Leistung eher moderat bleibt.

Welche Auswirkungen hat zu viel Gewicht auf das Pferd?

Muss ein Pferd dauerhaft zu viel Reitergewicht tragen, kann das erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Dazu hat der TVT eine Studie durchgeführt, in welcher sechs Pferden zwischen 500 und 600 kg von vier verschiedenen Reitern mit einem Körpergewicht zwischen 60,8 kg und 142,1 kg geritten wurden. Bei den schweren und sehr schweren Reitern zeigten die Pferde Unwohlsein, Schmerzen und Lahmheit, sodass das Reiten zeitig abgebrochen wurde. Die Gewichtsbelastung lag hier bei 20 Prozent des Pferdekörpergewichts und mehr. Bemerkenswert: Alle vier Reiter hatten die gleichen reiterlichen Fähigkeiten. Ein Pferd zeigte sogar mit einem nur moderat schweren Reiter in einem von zwei Durchgängen Lahmheit. Die Gewichtsbelastung lag bei diesem Paar bei 16,3 Prozent. In einer weiteren Untersuchung der TVT waren bei 15 Prozent Gewichtsbelastung noch keine messbaren Effekte festzustellen. Bei 20 Prozent zeigten sich je nach Lendenbreite erste schmerzhafte Muskelreaktionen, die bei 25 und 30 Prozent immer deutlicher und länger anhielten.

Das zeigt deutlich, dass gesundheitliche Folgen drohen, wenn Pferde mit zu viel Gewicht belastet werden. Die Vierbeiner zeigen häufig Veränderungen in der Muskulatur in Form von Verspannungen und Verhärtungen. „Es ist unbestritten, dass zusätzliches Gewicht auf dem Rücken eines Pferdes zu Veränderungen sowohl in der Anatomie als auch im Bewegungsablauf führt. Die Gewichtsbelastung des Rückens führt zu einem verstärkten Durchbiegen der Wirbelsäule nach unten und einer Versteifung in der seitlichen Bewegung. In der Bewegung sind u.a. eine Verlängerung der Standphase und eine Verkürzung der Hängephase der einzelnen Gliedmaßen messbar. Diese Veränderungen sind abhängig von der Höhe der Gewichtsbelastung und können auf Dauer zu Schmerzen und chronischen Veränderungen v.a. am Rücken und den Beinen führen“, folgert der TVT in dem veröffentlichten Merkblatt.

Vor allem Gewichtsbelastungen von 25 oder sogar 30% des Pferdegewichts bringen Schäden an der Muskulatur mit sich und verursachen dauerhafte Schäden am Rücken oder am gesamten Bewegungsapparat. Sie sind nach derzeitigem Wissensstand als tierschutzwidrig anzusehen.

Reitergewicht und Balance – Warum nicht nur das Gewicht zählt

Nicht nur das reine Körpergewicht des Reiters spielt eine Rolle, sondern auch dessen Balance, Sitz und Reitstil. Eine unausbalancierte Haltung kann das Pferd stärker belasten als ein schwerer, aber gut ausbalancierter Reiter.

Ein Reiter, der weich und im Gleichgewicht sitzt, bewegt sich harmonisch mit dem Pferd und entlastet dessen Rücken. Im Gegensatz dazu führen ein verkrampfter Sitz oder ein nach vorne kippender Oberkörper zu punktueller Mehrbelastung bestimmter Körperpartien.

Reiter mit einer ruhigen, kontrollierten Hilfengebung belasten das Pferd weniger als solche, die viel gegen die Bewegung arbeiten oder starke Stöße verursachen. Besonders wichtig ist dies in dynamischen Disziplinen wie dem Springreiten oder Distanzreiten.

Auch das Pferd selbst muss auf das Reitergewicht vorbereitet sein. Entscheidend ist, dass es seinen Rücken auch unter dem Reiter aufwölben kann. Dabei helfen regelmäßiges, korrektes Vorwärts-Abwärts-Reiten und Longieren, bei dem das Pferd den Rücken ohne Reitergewicht aufwölbt. Dazu gehört ein gut sitzender Sattel, der zu Pferd und Reiter passt.

Kann man mit 100 kg reiten?

Reiter mit 100 Kilogramm Körpergewicht können reiten, das Pferd sollte aber entsprechend belastbar sein. Nach der 15-Prozent-Empfehlung der TVT sollte es dafür rund 670 Kilogramm wiegen.

Fazit – Gibt es zu dicke Reiter und ein maximales Reitergewicht?

Bleibt festzuhalten – DAS Maximal-Reitergewicht gibt es zwar nicht, aber es gibt entscheidende Richtlinien, an die man sich zum Wohle des Pferdes halten sollte. Wie viel der Vierbeiner tragen kann, hängt von zahlreichen Faktoren wie dem Körpergewicht von Pferd und Reiter, dem Alter, dem Trainingszustand, den Trainingsgegebenheiten (Boden, Ausstattung etc) und der Ausrüstung ab. Auch das reiterliche Können und das Wetter beeinflussen, wie belastbar ein Pferd ist.

Bist Du Dir unsicher, ob Du zu schwer für Dein Pferd bist, empfehlen wir Dir, Rücksprache mit Deinem Reitlehrer oder Tierarzt zu halten. So könnt ihr gemeinsam darüber beratschlagen und stets die Gesundheit des Vierbeiners im Auge behalten. Auch ein guter Hufschmied und weitere Spezialisten können dabei helfen, die richtigen Entscheidungen für Dein Pferd zu treffen.

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