Wenn Besitzer erzählen, wie sie zu ihrem Pferd kamen, heißt es oft: Das war Liebe auf den ersten Blick. Das kann ich nicht behaupten. Im Gegenteil: Bei mir und Fance fing es eher chaotisch an. Und doch wurde es ein Happy End – im zweiten Anlauf…
Fünf Worte entschieden unser Schicksal. Fünf Worte, ausgesprochen von meiner Reitlehrerin Sanne, abends auf der Stallgasse: „Wir müssen über Fance reden.“
„Na, klar“, antwortete ich und ging schnell weiter. Schließlich war ich auf dem Weg zu „meiner“ Gioia, eine süße Stute, die ich seit vier Monaten als Reitbeteiligung hatte. Darauf war ich stolz wie Bolle, andere Pferde interessierten mich nicht.
Und, ja, ich gebe es zu: Ich war auch wie immer viel zu spät dran. So kam es, dass ich das Thema Fance eine Sekunde später schon wieder vergessen hatte.
Magische fünf Worte
Als Sanne mich dann nach der Stunde zum zweiten Mal ansprach, wurde mir klar, was hinter diesen fünf Worten steckte: Fance war ein Scheidungspferd und suchte eine neue Besitzerin – und ich sollte sie mal ausprobieren.
Naja, probieren kann ich es ja mal, dachte ich. Und stand eine Woche später an einem Mittwoch auf der Stallgasse und versuchte mir einzureden, dass dies alles eine gute Idee war. Aber ehrlich: So ganz überzeugt war ich nicht.

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Warum? Nun, ich mag ruhige Pferde, eher so den kuscheligen Typ.
Diese Hannoveraner-Stute tanzte dagegen schon beim Putzen Tango auf der Stallgasse. Na super, das kann ja heiter werden, dachte ich und versuchte, mir nichts anmerken zu lassen.
Über die erste Reitstunde möchte ich eigentlich lieber schweigen: Meine Mitreiter hatten einen entspannten Abend. Meine Reitlehrerin Sanne gab alles für Fance und mich, ich versuchte es ebenfalls, trotzdem: Unter mir war kein Pferd, sondern eine Giraffe.
Die Stute trug die Nase so hoch, als wollte sie die Spinnweben unter der Hallendecke wegputzen. Für mich war das Thema damit eigentlich erledigt, Sanne sah es jedoch anders. Ihr Kommentar: „Das war doch schon ganz gut, das machen wir nächste Woche wieder…“
Ein mutiger Schritt
Die nächste Woche wurde kaum besser und auch der dritte und der vierte Versuch waren für mich niederschmetternd. Doch Sanne glaubte an uns. Und da ich ihr vertraute, passierte es: Vier Wochen später gehörten Fance und ich zusammen – zumindest auf dem Papier.
Doch im Alltag war davon nicht zu merken. Beim Putzen legten wir jedes Mal eine Zappel-Nummer hin, die mich verzweifeln ließ. Und beim Reiten? Da dachte sich Fance Woche für Woche etwas Neues aus.
Mal konnten wir nicht galoppieren, dann nicht traben, dann tatsächlich nur noch eins – nämlich in der Hallenmitte stehen. Also ehrlich: Jeden Wettbewerb „Schöner Stehen“ hätten wir um Längen gewonnen.
Ansonsten galt: Wir waren ein super Team – im „sich nicht verstehen…“
Aber wie es so ist im Leben: Es kommt immer anders. Irgendwann begriff ich, dass Fance schlicht kitzelig ist, und schon wurde aus unserem Putz-Chaos eine Schmusestunde.

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Als sie dann das erste Mal genießerisch die Oberlippe hochschob, den Hals reckte und sich entspannt von mir schrubben ließ – da ging mir das Herz auf.
Und als sie mich laut wiehernd begrüßte, als ich sie von der Weide holte – da war es endgültig um mich geschehen. Nicht dass sie zu mir kam, oh nein. Sie knabberte weiter am Gras. Aber man soll auch nicht zu viel verlangen…
Wunderschöne Jahre mit dem Zauberhü
Von diesem Moment an genoss ich jede Sekunde mit ihr. Aus „Fance“ wurde „Zauberhü“ und auch beim Reiten verstanden wir uns immer besser – nachdem ich begriffen hatte, was meine „Lütte“ mag. Doch das ist eine andere Geschichte.
Manchmal stehe ich heute noch vor Fance und frage mich, wie Sanne auf die Idee kam, dass wir zusammenpassen könnten. Aber eigentlich ist das gar nicht mehr wichtig.
Dass sie überhaupt auf diese Idee kam – das ist alles, was zählt. Denn ihr verdanke eine wunderbare Liebe auf den zweiten Blick und tierisch schöne Jahre mit der besten Stute der Welt!











