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Diagnose Spat: das Aus als Reitpferd?

von Michelle Breitenfeld
Veröffentlicht: Letztes Update am

Vielen Pferdebesitzern ist der Name der Krankheit durchaus bekannt. Allerdings wirft sie immer wieder einige Fragen auf, wenn der Tierarzt Spat bei deinem Pferd diagnostiziert. Was ist denn Spat überhaupt? Hat mein Pferd Schmerzen und wie kann es behandelt werden? Gibt es die Möglichkeit, es weiter zu reiten und was bedeutet Spat für unsere Turnierkarriere? Fragen über Fragen, auf die Du in diesem Artikel nun Antworten findest!

Inhalt – Alles im Überblick

  1. Was ist Spat und was sind die Ursachen?
  2. Das sind die typischen Symptome von Spat
  3. So läuft die Behandlung der Erkrankung
  4. Wichtige Maßnahme: der Spatbeschlag
  5. Zu guter Letzt: Bleibt mein Pferd mit Spat ein Reitpferd?

Was ist Spat und was sind die Ursachen?

Der Begriff bezeichnet keine einzelne Krankheit, sondern ist ein Sammelbegriff für Erkrankungen im Sprunggelenk des Pferdes. Das sind einerseits Entzündungen im Gelenk, der Knochenhaut oder arthritische Veränderungen sowie eine Entkalkung des Fußwurzelknochens. Spat gehört zu den häufigsten Ursachen für Lahmheiten an den Hinterbeinen. Die Krankheit kann Pferde in jedem Alter treffen.

Spat beim PferdEs handelt sich dabei um eine chronisch verlaufende Krankheit bei Pferden, die nicht heilbar ist. Allerdings treten die Symptome meistens in Schüben auf, sodass dein Pferd nicht dauerhaft unter Schmerzen leiden muss. Es gibt verschiedene Formen der Krankheit: der normale Spat bezeichnet Knochenwucherungen an der Innenseite des Sprunggelenks, die aufgrund der Entzündungen gebildet werden. Diese werden Exostosen genannt und verlaufen zackenförmig an den Rändern des Gelenks entlang. Bei dem sogenannten Rehspat treten die Wucherungen an der Außenseite auf. Weiterhin gibt es den osteolytischen Spat, wobei sich die Knochenstrukturen zurückbilden. Mit jeder neuen Entzündung im Gelenk entstehen neue Knochenzuwächse und das Gelenk versteift fortschreitend. Nach einer Zeit, je nach Verlauf des Spats, wird das betroffene Sprunggelenk komplett steif und das Pferd spürt keine Schmerzen.
Um allerdings den Verlauf von Spat zu verstehen, müssen wir die Anatomie des Sprunggelenks zunächst unter die Lupe nehmen.

Ein Puzzle aus 15 Knochen – das Sprunggelenk

Im Gegensatz zu anderen Gelenken besteht das Sprunggelenk aus mehreren Gelenken, die aus insgesamt 15 Knochen gebildet werden. Dadurch entstehen vier Gelenkspalten, die horizontal verlaufen, wobei die drei unteren nicht für die Beweglichkeit verantwortlich sind. Sie sind wichtige Puffer, die Stoß- oder Drehbewegungen abfangen. Wenn ein Pferd unter Spat leidet, entstehen in genau diesen Gelenkspalten Entzündungen oder knöcherne Veränderungen. Die Ursache für die Erkrankung von Spat ist in den meisten Fällen Überbelastung, wobei damit eine einmalige, enorme Belastung wie bei einem Sturz oder einem Schlag gemeint ist. Außerdem kann eine übermäßige Beanspruchung Ursache sein. Darunter versteht man eine falsche Belastung, wie zu frühes Versammeln oder zu hohe Sprünge. Alle Pferde müssen für solche Anforderungen, wie sie im Sportbereich üblich sind, korrekt vorbereitet sein, damit sie langfristig gesund und leistungsfähig bleiben.

Neben den beiden Hauptgründen können Fehlstellungen eine Spaterkrankung verursachen. Dazu gehören einerseits falsch gepflegte Hufe, die nicht mehr in der Hufachse stehen. Andererseits sind die Gelenke bei einer Fehlstellung in der Beinachse ebenfalls falsch belastet, sodass eine Überbeanspruchung entsteht. Auch ein Mangel an Mineralstoffen, die für feste Knochen wichtig sind, oder an Eiweiß kann die Erkrankung begünstigen. Dasselbe gilt für Bewegungsmangel und das damit oft verbundene Übergewicht. Untersuchungen deuten außerdem darauf hin, dass hormonelle Störungen eine Rolle spielen können, zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion beim Fohlen.

Welche Pferde sind besonders gefährdet?

Ein höheres Risiko haben ältere Pferde und vor allem Pferde, deren Sprunggelenke stark beansprucht werden. Bei Trabern gilt Spat fast schon als Berufsrisiko. Auch im Leistungssport ist die Erkrankung verbreitet, und zwar unabhängig von der Disziplin. Dressur-, Spring- und Rennpferde sind genauso betroffen wie Westernpferde, deren Sprunggelenke vor allem beim Reining Schwerstarbeit leisten.

Das sind die typischen Symptome von Spat

Der Spat ist beim Pferd eine schleichende Krankheit, die degenerativ ist, also nicht heilbar. Deswegen erkennen Reiter nicht unmittelbar, dass das Pferd eine Entzündung im Hinterbein hat. Ein typisches Zeichen ist Steifheit in der Hinterhand, besonders nach längerem Stehen. Sobald sich das Pferd bewegt, läuft es sich meist nach und nach ein. Am Anfang der Erkrankung kann es 20 bis 30 Minuten dauern, bis die Lahmheit ganz verschwunden ist. Viele Spat-Pferde geben außerdem ungern die Hinterbeine und können die Sprunggelenke kaum beugen. Manche heben die Hinterbeine beim Gehen nicht mehr richtig an. Sie stolpern dann leichter und können im schlimmsten Fall stürzen. Während eines akuten Schubes kann Dein Tierarzt die Diagnose stellen, weil das Pferd hier eine deutliche Lahmheit zeigt. Zusätzlich ist das Gelenk angeschwollen und fühlt sich warm an. Zu den Untersuchungen des Veterinärs gehören eine Lahmheits- oder eine Spatprobe sowie weitere Maßnahmen wie Röntgen, Ultraschall, eine Arthroskopie oder eine Leitungsanästhesie des betroffenen Beins. Spätestens mit den Röntgenaufnahmen kann der Tierarzt die eindeutige Diagnose Spat stellen.

So verläuft die Behandlung der Erkrankung

Aufgrund der degenerativen Eigenschaften linderst Du die Symptome mithilfe einer Therapie aus entzündungs- sowie schmerzhemmenden Medikamenten. So geht die Schwellung an dem betroffenen Bein zurück und der Schub des Spats wird eingedämmt. Eine mögliche Behandlung, die Entzündung im Sprunggelenk zu bekämpfen, ist die Verabreichung von Hyaluronsäure. Sie wird mit einer Spritze direkt im Gelenk platziert und optimiert die Nährstoffversorgung im Gelenksknorpel.
Je nach Verlauf des Spats und wie weit er bereits fortgeschritten ist, verabreichen einige Tierärzte Präparate mit Kortison. Das Kortison wird direkt in das betroffene Gelenk gespritzt und hemmt dort die Entzündung. Die Verknöcherung des Gelenks schreitet meist trotzdem weiter voran. Ist das Gelenk irgendwann vollständig versteift, hat das Pferd in der Regel keine Schmerzen mehr.

Gelenkinjektionen setzt der Tierarzt unter streng sterilen Bedingungen, meist am sedierten Pferd. Eine Infektion im Gelenk ist zwar selten, aber eine ernste Komplikation. Wie lange dein Pferd danach geschont werden muss, bespricht dein Tierarzt mit dir.

Wenn nichts mehr hilft: die Operation des Sprunggelenks

Falls die leichteren Behandlungen nicht ausreichen und dein Pferd weiterhin stark unter den Spatschüben leidet, ist eine Operation eine zusätzliche Therapiemaßnahme. Logischerweise birgt ein operativer Eingriff immer einige Risiken und hohe Kosten. Hilfreich ist hier eine passende Pferde-OP-Versicherung, die die Kosten für die Narkose, den Eingriff sowie für den Klinikaufenthalt teilweise oder sogar komplett übernimmt. Die Konditionen sind bei den Versicherungen variabel und lassen sich individuell gestalten.
Auch hier gilt, dass der Spat nicht geheilt werden kann, allerdings versprechen die Operationen, in denen das Gelenk versteift wird oder der Tierarzt die Spatsehne zur Entlastung des Schleimbeutels durchtrennt, eine schnelle Linderung der Schmerzen.

Wichtige Maßnahme: der Spatbeschlag

Da die entstandenen Arthrosen im Sprunggelenk nicht rückgängig zu machen sind, ist ein passender und korrekter Beschlag besonders wichtig. Manche Pferde können mit der passenden Hufqualität auch barhuf laufen, weil so der Huf Stöße besser abfedert und sie nicht bis ins Sprunggelenk gehen. Jedoch müssen dabei auch die Reitböden für barhuf reiten geeignet sein.
Wenn das Pferd passend beschlagen werden soll, bekommt es einen orthopädischen Beschlag. Dieser wird gemeinsam mit dem Schmied und dem Tierarzt auf die Diagnose abgestimmt.

 

 

Haltung von Pferden mit Spat

Bewegung tut Spat-Pferden gut. Eine reine Boxenhaltung ist deshalb ungünstig, denn beim langen Stehen werden die Gelenke steif. Ideal ist täglicher Auslauf auf dem Paddock oder der Koppel. Auch ein Offenstall kommt infrage, wenn die Gruppe ruhig ist. Wichtig ist, dass dein Pferd sich ausruhen kann, wann immer es das braucht.

Zu guter Letzt: Bleibt mein Pferd mit Spat ein Reitpferd?

Sobald bei Deinem Pferd Spat diagnostiziert ist, kommt diese Frage auf. Besonders wenn es keinen Schmerzschub hat und keine Lahmheit zu sehen ist, wirkt es so, als ob reiten kein Problem sein sollte. Im Allgemeinen sind Pferde, die Spat haben immer noch Reitpferde! Natürlich muss die Bewegung während einer Schmerzphase angepasst werden und das Pferd nur bewegt werden, wenn es lahmfrei ist. Wenn der Spat so weit fortgeschritten ist, dass das Gelenk teilweise oder komplett versteift ist, spürt das Pferd keine Schmerzen und kann durchaus geritten werden.

Eine falsche oder zu hohe Belastung kann Spat begünstigen. Sprich deshalb mit deinem Tierarzt und deinem Trainer ab, wie das richtige Training für dein Pferd aussieht. Durch die Erkrankung verändert sich das Gangbild und Spat-Pferde laufen meist steifer als andere Pferde. Sie müssen sich oft eine Zeit lang „einlaufen“ und diese Zeit solltest du beim Reiten berücksichtigen. Plane deshalb immer eine lange Aufwärmphase ein. Reite möglichst viele lange, gerade Linien und verzichte auf enge Wendungen und Volten. Springen belastet die Sprunggelenke stark und ist für Spat-Pferde in der Regel tabu. Selbst Cavaletti-Arbeit kann schon zu viel sein. Was für dein Pferd möglich ist, klärst du am besten mit deinem Tierarzt. Tiere, die auf Turnieren vorgestellt wurden, können ihre früheren Leistungen im Zweifel nicht mehr liefern, aber sie sind trotzdem tolle Partner im Freizeitbereich!