Es gibt Momente, da sind Pferdebesitzer überzeugt: Vor ihnen steht nicht ihr Partner auf vier Hufen, sondern ein Krustentier. Denn das Wälzen im Sand oder noch besser im Schlamm ist für Pferde ein echtes Wohlfühl-Programm – und mehr. ehorses verrät dir, warum Pferde sich so gerne dreckig machen.
Kaum ist Dein Pferd auf der Weide oder dem Paddock, schon legt es sich hin und wälzt sich genüsslich? Prima! Denn Wälzen ist ein echtes Grundbedürfnis für unsere Partner auf vier Hufen. Und da haben die meisten Pferde ihr ganz eigenes Ritual: Das eine legt sich fast sofort hin, das nächste dreht sich erst einmal dreimal um sich selbst, bevor es sich Richtung Boden begibt.
Vor allem aber werden erst einmal vorhandene Kuller-Kuhlen abgeschnüffelt. Warum? So klären Pferde, welcher tierische Kumpel hier schon gelegen hat. Dann wird gescharrt, so prüfen Pferde den Untergrund und wissen, ob sie sich wirklich sicher hinlegen können.
Manche Pferde rollen sich beim Wälzen von einer Seite auf die andere, während ihr Kumpel daneben genüsslich erst die eine Seite wälzt, aufsteht und sich dann mit der anderen Seiten wieder auf den Boden legt. Dass einseitige Wälzen ist angeboren. Pferde, die sich auf dem Boden „kullern“, haben das erlernt.
Übrigens: Wälzen ist „ansteckend“. Fängt ein Pferd damit an, wälzen sich in einer Pferdeherde oft mehrere Pferde gleichzeitig oder hintereinander. Wenn sie sich nacheinander wälzen, nutzen sie gerne alle dieselbe Stelle. Oft gilt dann: Das Pferd, das sich zuerst wälzt, ist ranghöher als ein anderes. Es markiert damit sein Revier. Bei Hengsten geht jedoch das ranghöchste Pferd oft erst als Letzter in die Kuhle. Warum? Ganz einfach: Sein Geruch überlagert dann alle anderen.

Doch warum wälzen sich Pferde eigentlich? Dafür gibt es gleich mehrere Gründe:
Massage fördert die Durchblutung
Beim Wälzen wird die Haut durch den Kontakt zum Boden abwechselnd be- und entlastet, das heißt: Sie wird zusammengedrückt und dann wieder entspannt. Das fördert die Durchblutung und sorgt so für eine gute Versorgung mit Nährstoffen im ganzen Körper. Auch das Bindegewebe wird durch das Herumrollen auf dem Boden massiert und gleichzeitig gestrafft.
Dazu ist es fast eine Ganzkörpermassage für die Muskeln. Und: Das Herumrollen verlangt und fördert eine gute Beweglichkeit im Rücken des Pferdes, vor allem im Übergang zwischen Hals- und Brustwirbelsäule. Deshalb ist es für Pferde mit Verspannungen wichtig, sich regelmäßig wälzen zu können. Der Kontakt mit dem Boden löst Blockaden und Muskelverspannungen auf natürliche Art. Buckelt Dein Pferd nach dem Aufstehen kräftig, unterstützt das den Effekt noch.
Wenn es juckt – einmal wälzen bitte
Einige Pferde sind übrigens echte Massage-Künstler: Sie liegen eine Zeitlang auf dem Rücken und bewegen sich dabei leicht hin und her. Der Effekt: Entlang der Wirbel, an den Flanken, im Bereich der Kruppe und am Hals befinden sich Reflexzonen und Akupunkturpunkte, die dann gleich mit behandelt werden. Auch das Aufstehen und Schütteln danach löst die Muskeln und den Bewegungsapparat.
Das Schütteln hat aber auch noch einen anderen Effekt: Wälzt Dein Pferd sich, werden lose Haare, abgestorbene Hautzellen, Parasiten und Schmutz aus der Haut gelöst. Steht es dann wieder und schüttelt es sich kräftig, fliegen diese Partikel raus. Somit ist Wälzen auch Fellpflege. Und ein cleverer Insektenschutz: Wenn sich Pferde durch den Schlamm rollen, bietet die „Schlammpackung“ einen Extra-Schutz vor Insekten und Sonneneinstrahlung.

Übrigens: Während des Fellwechsels wälzen sich Pferde besonders oft, genau wie an heißen Tagen. Der Grund: Kommen Pferde ins Schwitzen, juckt ihnen das Fell. Dann wollen sie sich wälzen – auch wenn gerade der Reiter obendrauf sitzt. Denn fer verkrustete Schweiß unter dem Sattel und der Trense juckt besonders stark. Deshalb solltest Du an warmen Tagen Dein Pferd nach dem Training schnell absatteln und abduschen – oder es wälzen lassen.
Wälzen bei Kolik kann helfen
Lange Zeit hieß es: Ein Pferd mit Kolik darf sich auf keinen Fall wälzen, weil sich der Darm dabei verschieben beziehungsweise verschlingen kann. Heute sagen Studien das Gegenteil. So werden in Kanada Pferde mit einer Kolik unter tierärztlicher Aufsicht in bestimmten Bewegungsmustern hin und her gerollt, um Darmverschlingungen zu lösen. Auf diese Weise lässt sich eine Operation eventuell vermeiden.
Auch das normale Wälzen kann eine leichte Verschlingung wieder lösen. Ist der Darm dagegen schon verschlungen, kann das Wälzen kaum zusätzliche Probleme anrichten. Aber natürlich musst Du bei einer Kolik auf jeden Fall einen Tierarzt rufen. Und Du solltest darauf achten, dass Dein Pferd sich beim Wälzen dann nicht festlegen oder verletzen kann.
Pferde mit Hautallergien (zum Beispiel Sommerekzem, Nesselsucht) oder bei Kontaktallergien sowie bei Hauterkrankungen sollten sich nicht wälzen. Denn sie leiden oft unter dem Juckreiz und neigen daher dazu, sich vermehrt zu Scheuern. Durch das Herumrollen im Dreck können Schmutzpartikel in die wunden Hautbereiche eindringen. Deshalb sollten sich betroffene Pferd bis zum Abheilen der Wunde nicht wälzen – oder eine gut angepasste Spezialdecke tragen.











