Home PferdewissenPferd geht im Gelände durch: 3 Sofort-Tipps

Pferd geht im Gelände durch: 3 Sofort-Tipps

von Michelle Breitenfeld

Was ist die sofortige Reaktion, wenn das Pferd durchgeht?

Atme tief aus, richte deinen Oberkörper auf und vermeide starr durchgehenden Zügeldruck.

Wenn dein Pferd im Gelände durchgeht, erzeugt dauerhaftes Ziehen am Zügel einen gegenteiligen Effekt. Durch den starren Druck legt sich das Pferd auf das Gebiss. Der entstehende Schmerz verstärkt den Fluchtreflex, sodass das Pferd noch schneller rennt. Bringe deinen Schwerpunkt stattdessen tief in den Sattel, indem du deine Absätze bewusst nach unten durchfedern lässt und den Oberkörper aufgerichtet hältst. Dadurch bleibst du austariert und behältst deinen Sitz.

Paraden gibst du im Notfall ausschließlich impulsartig im Rhythmus der Galoppsprünge. Nimm die Zügel für einen kurzen Moment auf, um kurz Druck aufzubauen, und gib sofort wieder nach. Dieser Wechsel aus Nachgeben und kurzem Annehmen unterbricht den starren Gegendruck. Das Pferd erhält wieder ein spürbares Signal über das Gebiss, ohne sich auf deine Hand stützen zu können. So gewinnst du Schritt für Schritt die Kontrolle über das Tempo zurück.

Kostenlose Downloads für dich (und dein Pferd) ✨

100% kostenfreie Downloads

Warum geht ein Pferd im Gelände plötzlich durch?

Pferde rennen im Gelände meist aus Angst, Schmerz, zu hoher Energie oder mangelnder Gehorsamkeit los. Als Fluchttier reagiert das Pferd auf Schreckreize primär mit Flucht.

Je nach Auslöser unterscheidet man verschiedene Ursachen für das Durchgehen:

  • Akuter Schreck (Fluchtreflex): Ein plötzliches Geräusch, ein Wildtier oder ein flatterndes Objekt löst Panik aus.

  • Schmerzen oder unpassendes Equipment: Ein drückender Sattel, ein scharfes Gebiss oder Blockaden im Rücken führen zu einer Flucht vor dem Schmerz.

  • Energiestau und Bewegungsmangel: Steht das Pferd viel in der Box oder hat wenig Auslauf, entlädt sich die überschüssige Energie im Gelände.

  • Dominanz- und Kontrollverlust: Fehlt die Rangordnung zwischen Reiter und Pferd, entscheidet das Pferd selbstständig über das Tempo.

Wenn ein Pferd im Gelände durchgeht, entscheidet oft kein technischer Kniff, sondern der eigene Kopf über den Ausgang. Als Reiterin weiß ich, wie schwer es ist, in diesem Moment nicht in Panik zu geraten. Aber genau das ist der Schlüssel: Ruhe ausstrahlen, tief durchatmen und dem Pferd die nötige Orientierung geben, statt gegen die enormen Kräfte anzukämpfen.

Michelle
Redakteurin bei ehorses

Tipp 1: Wie nutzt du die einseitige Zügelhilfe richtig?

Übernehme die Kontrolle über ein durchgehendes Pferd durch das gezielte Annehmen nur eines Zügels (One-Rein Stop).

Ein Pferd kann physisch nicht mit voller Geschwindigkeit geradeaus rennen, wenn du seinen Kopf leicht seitlich stellst. Verkürze dafür einen Zügel kontrolliert und führe deine Hand ruhig nach hinten-außen in Richtung deines Oberschenkels. Der gegenüberliegende Zügel muss dabei zwingend nachgeben. Durch diese deutliche Biegung im Hals bricht die Schwungmasse der Hinterhand zusammen und das Pferd wird gezwungen, das Tempo zu drosseln.

Diese Technik erfordert präzises Timing, um Stürze auf rutschigem Untergrund zu vermeiden. Wende den One-Rein Stop nicht durch ein abruptes Reißen an, sondern baue den seitlichen Zug dynamisch auf. Sobald das Pferd den Kopf seitlich nimmt und seinen Vorwärtsdrang unterbricht, parierst du zum Schritt oder Halt durch. Trainiere dieses Manöver unbedingt vorab im gesicherten Viereck oder auf der Reitbahn, damit der Bewegungsablauf im Notfall als automatischer Reflex sitzt.

Dein Praxis-Takeaway

Der One-Rein Stop ist deine effektivste Notbremse im Gelände, allerdings nur, wenn du ihn sanft aufbaust und nicht schlagartig am Zügel reißt. Gebe auf der Außenseite unbedingt nach, denn nur durch die echte Biegung verliert das Pferd seine Kraft nach vorne.

Tipp 2: Wie hilft das Reiten einer Volte beim Anhalten?

Lenke dein Pferd schrittweise auf eine große Kreisbahn, um das Tempo physikalisch zu drosseln.

Nutze den verfügbaren Platz auf dem Weg oder einer übersichtlichen Wiese, um eine Wendung einzuleiten. Beginne mit einem großen Kreis und verkleinere diesen schrittweise. Auf der Kreislinie kann das Pferd seine Hinterhand nicht mehr vollständig für den Vortrieb nutzen. Achte darauf, die Volte nicht abrupt einzuleiten, um ein Stürzen des Pferdes zu verhindern.

Sobald der Kreis enger wird, verliert das Pferd seine Balance für hohe Geschwindigkeiten. Behalte das innere Bein am Gurt, damit das Pferd nicht über die Schulter wegbricht, sondern sich korrekt um deinen Schenkel biegt. Mit jedem weiteren Zirkel nimmt die Geschwindigkeit spürbar ab, bis du das Pferd wieder sicher in den Trab oder Schritt parieren kannst.

Dein Praxis-Takeaway

Eine Volte bricht die Geradlinigkeit der Flucht. Wähle die Kreisbahn zu Beginn so groß wie möglich und verkleinere sie erst, wenn das Pferd spürbar an Tempo verliert.

Tipp 3: Wie nutzt du Gelände und Hindernisse zu deinem Vorteil?

Nutze natürliche Steigungen oder optische Begrenzungen, um den Fluchttrieb des Pferdes ohne Gewalt zu bremsen.

Wenn der Weg es zulässt, lenke dein Pferd leicht bergauf. Das Bergaufreiten erfordert eine hohe Kraftanstrengung der Hinterhand und bremst den Drang nach vorne naturbedingt ab. Das Pferd schaltet dadurch oft von selbst in eine langsamere Gangart um.

Alternativ kannst du das Pferd parallel zu einem Zaun, einer Hecke oder einer dichten Baumreihe reiten. Die optische Begrenzung nimmt dem Pferd den freien Blick nach vorne und veranlasst es dazu, das Tempo zu verringern. Auch das Zureiten auf eine sichtbare Barriere im Weg hilft dabei, den Vorwärtsdrang zu unterbrechen.

Dein Praxis-Takeaway

Arbeite mit der Umgebung, statt gegen sie. Eine Steigung nimmt dem Pferd physikalisch die Kraft zum Rasen, während Zäune oder Hecken als natürliche Bremsen für die Psyche wirken.

Checkliste: Was musst du tun, wenn dein Pferd durchgeht?

Nutze diese Schritt-für-Schritt-Checkliste als mentalen Leitfaden für den Ernstfall im Gelände:

  1. Ruhe bewahren: Tief in den Bauch ausatmen und Panik blockieren.
  2. Sitz korrigieren: Gewicht tief in die Bügel verlagern und den Oberkörper leicht aufrichten.
  3. Zügel lösen: Nicht dauerhaft starr ziehen, um Gegendruck zu vermeiden.
  4. Impulsparaden geben: Zügel im Rhythmus der Galoppsprünge kurz annehmen und wieder nachgeben.
  5. Biegung einleiten: Einen Zügel verkürzen (One-Rein Stop) oder eine große Volte reiten.
  6. Gelände nutzen: Das Pferd bergauf oder auf eine Begrenzung (z. B. Zaun oder Hecke) zusteuern.
  7. Nach dem Stopp sichern: Lobe das Pferd sofort beim Stillstand und reite vor dem Heimweg noch einige Meter ruhig im Schritt weiter.

Wichtig nach dem Vorfall: Reite nach dem Anhalten nicht direkt im Schritt nach Hause. Lobe dein Pferd, sobald es steht, und setze den Ritt ruhig fort. Wenn du sofort den Heimweg antrittst, verknüpft das Pferd das Durchgehen mit dem schnellen Erreichen des Stalls.

Du bist noch auf der Suche nach deinem Traumpferd? 🐴

Finde es jetzt auf ehorses, dem weltweit größten Pferdemarkt!

Fragen & Antworten

Wenn dein Pferd im Gelände durchgeht, bleibe ruhig, richte deinen Oberkörper auf und bringe das Pferd über impulsartige Zügelparaden, eine sanfte Halsbiegung (One-Rein Stop) oder das Reiten einer Volte kontrolliert zum Stehen.

Ein Pferd geht im Gelände meist aus Panik vor einem Schreckreiz, aufgrund von Schmerzen durch unpassendes Equipment, wegen eines überschüssigen Energiestaus oder durch ungeklärte Rangordnungsgrenzen durch.

Dein direkter Draht zur Pferdewelt!

Mit unserem Newsletter für Pferdebegeisterte.

Schreibe einen Kommentar

* Mit der Nutzung der Kommentarfunktion erklärst Du Dich mit der Speicherung und Verarbeitung Deiner Daten durch diese Website einverstanden.