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Brauchen Pferde Hufeisen? Pro & Contra

von Michelle Breitenfeld

Lange war klar: Ein Pferd trägt Hufeisen. Doch die Zeiten sind vorbei, Barhuf liegt im Trend. Wir haben nachgesehen: Warum brauchen Pferde Hufeisen? Was spricht vielleicht dagegen? Hier die Vor- und Nachteile…

Pferde kommen ohne auf die Welt. Und in freier Wildbahn tragen sie sie auch nicht – die Hufeisen. Doch als wir Menschen in ihr Leben traten, wurde der Beschlag plötzlich zum Thema. Denn wir nutzten die Pferde als Lasttiere und im Krieg. Und da brauchten sie neben guten Nerven und viel Kraft vor allem auch harte Hufe. Und damit entstand sie, die Frage: Was kann man machen, damit die Hufe stark bleiben?

Xenophon, griechischer Schriftsteller und Pferdekenner, empfahl gepflasterte Böden in den Ställen. So sollten die Hufe abgehärtet werden. Das war im 4. Jahrhundert vor Christus. Seitdem kamen und gingen viele Ideen. Die alten Ägypter umhüllten die Hufe ihrer Pferde mit Lappen, die sie mit einer Kordel über dem Huf zuschnürten. Die Griechen flochten zum Beispiel aus Bast oder Gräsern eine Art Pferde-Sandalen.

Und dann, etwa im 9. Jahrhundert, kamen die ersten Hufeisen auf den Markt.

Hufschmied mit glühendem Eisen fürs Pferd.
Foto: unsplash.com/Jonathan Bean (Symbolfoto)

Hufeisen oder „back to the roots“?

Doch wieder dauerte es Jahrhunderte, bis sich die Eisen entwickelten, wie wir sie heute kennen. Der Vorläufer wurde um 1725 benutzt. Seitdem hat sich natürlich viel getan. Heute werden Hufeisen aus Eisen, Aluminium und Kupfer hergestellt. Und wenn es um die Form der Eisen geht, wird die Liste immer länger. Vom Hufeisen mit Zehenkappe über Rundeisen bis zum Wandgängereisen ist heute, je nach Bedarf, (fast) alles möglich.

Doch in den vergangenen Jahren stehen immer mehr Pferdebesitzer dem klassischen Hufeisen skeptisch gegenüber. Dadurch entstanden Trends wie die Klebeeisen. Und auch „back tot he roots“, also zurück zum Barhuf, wird heute von vielen favorisiert. Übrigens auch im Spitzensport: Im Springreiten waren die Schweden bei den Olympischen Spielen in Tokio das Maß aller Reiter und sicherten sich Mannschafts-Gold – zum ersten Mal seit 97 Jahren!

Dazu holte sich Peder Fredricson mit seinem Pferd H&M All Inn auch noch Einzel-Silber. Eine Sensation für das Team – und auch für die internationale Reitszene. Denn den Schweden gelang mit ihren Erfolgen noch etwas: Zwei Pferde gingen barhuf an den Start und zeigten damit, dass es Gold auch ohne Eisen gibt.

Hufrehe: Hufe von galoppierendem Pferd.
Foto: pixabay.com/secarter (Symbolfoto)

Zwar bleibt der Beschlag bislang die klassische Variante, doch die Diskussionen in den Ställen werden lauter. Falls Du vor der Frage „Hufeisen oder Barhuf“ stehst, haben wir hier eine Pro-und-Contra-Liste für Dich:

Warum brauchen Pferde Hufeisen?

Ganz klar: Hufeisen schützen vor Abrief – vor allem auf harten oder steinigen Böden. Das heißt: Pferde, die viel auf Straßen oder steinigem Gelände laufen, können von den Eisen profitieren.

Und es gibt noch mehr Pro-Argumente:

  • Korrektur: Bei Pferden mit orthopädischen Problemen können spezielle Hufeisen helfen und zum Beispiel entlasten.
  • Robustheit: Sportpferde, die stark beansprucht werden, haben oft einen Hufbeschlag, um Abnutzung vorzubeugen und die Hufe zu schützen. Besonders im Turniersport schwören die meisten noch immer auf den Schutz durch Hufeisen.
  • Individualität: Die Eisen können gut und vor allem individuell an den Huf angepasst werden.

Was spricht gegen Hufeisen?

Das Hauptargument ist: Pferde haben von Natur aus keine Hufeisen. Doch es gibt noch weitere Gründe, die gegen den Hufbeschlag sprechen.

Dazu gehören:

  • Verletzungsgefahr: Lockere oder verbogene Hufeisen können zu Verletzungen führen – beim eigenen Pferd und bei Artgenossen.
  • Risiko: Das Aufbrennen der Hufeisen trocknet die Hufe aus, dadurch werden sie brüchig. Und: Jeder Nagel, der eingeschlagen wird, hat zumindest ein potenzielles Verletzungsrisiko. Dazu können durch die Nagellöcher Keime eindringen.
  • Kosten: Ein Hufbeschlag muss alle sechs bis acht Wochen erneuert werden.
Barhuf, Hufeisen oder doch Klebeeisen? Diese Frage stellen sich immer mehr Pferdehalter.
Foto: Adobe Stock/rh2010 (Symbolfoto)

Die Vorteile von Barhuf

Ganz klar: Wenn Pferde Barhuf laufen, kann sich der Huf natürlich und frei bewegen, informiert etwa „Thieme Vet“. Das verbessert die Durchblutung.

Weitere Barhuf-Vorteile:

  • geringere Kosten: Da kein Hufbeschlag nötig ist, entfallen die Kosten für Hufeisen und das Beschlagen durch den Hufschmied. Aber: Auch Barhuf-Pferde brauchen regelmäßige Hufpflege!
  • Gesundheit: Der „nackte“ Huf absorbiert Stöße besser, das schont die Gelenke und Sehnen.
  • verbessertes Gangbild: Viele Pferde laufen ohne Eisen plötzlich lockerer.

Die Nachteile von Barhuf

Wer sein Pferd bislang beschlagen ließ, zögert bei der Umstellung oft. Einer der Gründe: Die Umgewöhnung auf Barhuf ist oft langwierig. Dazu kann es in dieser Phase sogar zu Lahmheiten kommen, weil die Pferde empfindlicher auf die Böden reagieren.

Dazu gibt es noch diese Argumente:

  • Abnutzung: Auf hartem Untergrund kann das Hufhorn schneller abgenutzt werden
  • Verletzungsgefahr: Verletzungen durch Steine oder scharfkantige Gegenstände sind möglich.
  • Empfindlichkeit: Ohne den Schutz eines Hufeisens können Pferde auf steinigen oder harten Böden empfindlicher reagieren.

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