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Dual-Aktivierung: Training der besonderen Art

von Michelle Breitenfeld
Veröffentlicht: Letztes Update am

Von der Gasse zu mehr Geschicklichkeit, Grundfitness, Gelassenheit, Balance und Beweglichkeit. Das verspricht Dual-Aktivierung, eine Trainingsmethode, die Sport- und Freizeitpferde genauso wie Youngster und erfahrene Pferde unterstützen kann.

Die Trainingsmethode, die vor allem durch ihre blauen und gelben Schaumstoffstangen auffällt, geht auf Michael Geitner zurück. Gemeinsam mit seiner Trainer-Kollegin Alexandra Schmid hat er die Methode immer weiter verfeinert und sich mit mehreren erfahrenen Pferdemenschen ausgetauscht, um Dual-Aktivierung stetig zu verbessern und an die Bedürfnisse der Pferde anzupassen.

Was ist Dual-Aktivierung?

Die Dual-Aktivierung sorgt dafür, dass die Pferde zwischen den beiden Gehirnhälften schneller hin- und herschalten können, wodurch die Balance des Pferdegehirns gefördert und gefordert wird.

Damit legst Du den Grundstein für nachhaltiges Training, denn ein ausgeglichenes Gehirn bietet die optimale Voraussetzung, um zu lernen und ebnet damit den Weg zum körperlichen Muskelaufbau.

Herunter gebrochen bedeutet das, dass die mentale Stärke die Voraussetzung für die körperliche Stärke ist. Im Laufe einer Trainingseinheit finden ständige Richtungswechsel statt, das Pferd muss sich biegen, gerade richten und konzentriert mitarbeiten.

Führungsqualitäten im Umgang mit Pferden beweisen

Oft wird in der Pferdeausbildung falsch verstanden, dass man sich das Pferd mit Gewalt unterordnen muss – in einer Pferdeherde wird schließlich auch nicht der Radikalste der Herdenanführer, sondern der, der die besten Führungsqualitäten besitzt. Im Alltag mit Pferden testen diese immer mal wieder, ob der Mensch am Boden oder auf dem Rücken in der Lage ist, die korrekte Entscheidung zu treffen.

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Das Pferd bewertet anhand von kleinsten Bewegungen, inwiefern der Mensch bereit ist, die Führung zu übernehmen. Dabei geht es nicht automatisch um Dominanz, stattdessen soll Vertrauen und Sicherheit geboten werden.

Damit ein Pferd, das immer noch ein Fluchttier ist, Dir folgt, musst Du souverän Entscheidungen treffen und Deinem Pferd damit vermitteln, dass Du zu jeder Zeit genau weißt, was Du tust. Manchmal sind es nur minimale Bewegungen, die einen großen Unterschied machen können. Um das richtige Maß zu finden, können die Übungen der Dual-Aktivierung helfen.

Um Dich tragen zu können, braucht Dein Pferd ausreichend und vor allem die richtigen Muskeln. Durch eine verkürzte Muskulatur, zu wenige Muskeln oder auch eine Dysbalance zwischen den Muskeln können Haltungsschäden und Verspannungen entstehen. Wenn die Muskulatur infolgedessen dann auch noch falsch oder zu wenig belastet wird, können beispielsweise Arthrose oder andere irreparable Schäden die Folge sein.

Mit Hilfe der Dual-Aktivierung schaffst Du ein Trainingskonzept, mit dem Du die Pferde dabei unterstützt, sich gerade zu richten, die richtige Muskulatur aufzubauen und gesund zu sein und vor allem auch zu bleiben.

Die verschiedenen Methoden der Dualaktivierung

Es gibt unterschiedliche Ansätze, um gemeinsam zu arbeiten:

  • Arbeit mit der Fahne: Das Pferd soll in einem gleichmäßigen Tempo geradeaus laufen und dabei den Kopf und Hals von links nach rechts bewegen, indem es mit den Augen einer Fahne folgt, die Du vor dem Kopf von links nach rechts schwingst. Diese Aufgabe fordert ein hohes Maß an Koordination des Pferdes.
  • Longieren mit Dual-Aktivierung: Hier kommen die den meisten bekannten gelben und blauen Schaumstoffstangen zum Einsatz. Das Pferd wird durch einfach aufgebaute Gassen longiert. Dabei stimmst Du die Größe des Zirkels auf die Größe Deines Pferdes ab. Ganz wichtig hierbei ist, dass das Pferd nur eine kurze Schrittphase in der Gasse absolvieren soll, ansonsten liegt das Hauptaugenmerk auf der Trabarbeit. Deswegen sollten Pferde, die eine etwas längere Aufwärmphase benötigen, diese vor der Longenarbeit abhalten .
  • Longe-Walking: Anders als beim Longieren wird das Pferd nun mit einer Doppellonge durch die Gassen gearbeitet. Dabei läuft der Zügelführende hinter dem Pferd mit. Um das empfindliche Pferdemaul zu schonen, wird auf ein Gebiss verzichtet und stattdessen wird ein Kappzaum genutzt. Der klare Vorteil gegenüber des Longierens ist, dass Du deutlich mehr Rechts- Linkswechsel einbauen kannst, sodass die Koordination, Balance und Konzentration noch mehr gefördert wird.
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  • Gerittene Dual-Aktivierung: Auch bei dieser Variante bewegst Du das Pferd durch die blauen und gelben Schaumstoffstangen, dieses Mal jedoch aus dem Sattel heraus. Auch hier kommen die ständigen Wechsel zwischen Links und Rechts der Koordination und Balance zu Gute.
  • Equikinetic: Hierbei handelt es sich um ein Longierprogramm, bei dem Du Dein Pferd nach einem festen Zeitschema in Stellung longierst. Es entsteht eine Mischung aus Intervalltraining und Longieren und eignet sich für Pferde jedes Alters und Trainingsstands. Es unterstützt sowohl Reha-Pferde, als auch Sportpferde oder Jungpferde, die noch nicht unter dem Sattel gewesen sind. Je regelmäßiger Du trainierst, desto besser wirkt diese Trainingsvariante. Einmal pro Woche solltest Du mindestens nach diesem Prinzip arbeiten. Nach der Equikinetic benötigen die Muskeln und auch der Kopf einen Tag Ruhe, da es mental und körperlich sehr anstrengend ist, Du solltest den Pferden also entweder frei geben oder nur spazieren gehen oder locker reiten.

Alles eine Frage der Zeit

Mit den Dual-Gassen wird nach folgendem Zeitsystem gearbeitet: Auf drei Minuten Arbeitsphase folgt eine einminütige Pause. Mit den Pferden machst Du im Schnitt vier bis sechs Trainingseinheiten, wobei jedes Pferd das Hindernis zweimal durchläuft, bis ein Handwechsel erfolgt. Dementsprechend wird jedes Hindernis acht Mal durchlaufen, bis Du zum nächsten wechselst.

Nur für Equikinetic gilt eine andere Trainingszeit, dort musst Du die Zeiten genau einhalten: Zwischen den Arbeitsphasen bekommt das Pferd dreißig bis fünfundvierzig Sekunden Pause, dabei wird die Hand gewechselt und Schritt gegangen. Um die Zeiten genau einzuhalten, kannst Du Dir entweder jemanden an die Seite holen, der die Zeit im Blick behält, oder Du arbeitest mit einer Stoppuhr.

Equikinetic

Möchtest Du mit Deinem Pferd Equinkinetic machen, so trainierst Du es an der Longe auf einer Quadratvolte. Dabei beträgt der Durchmesser für das Pferd circa acht Meter. An jeder Seite des gedachten Quadrats wird eine Gasse aus zwei Schaumstoffstangen gelegt, einer blauen und einer gelben. Jede zweite Gasse wiederholt sich farblich, sodass bei der ersten Gasse innen die blaue Schaumstoffstange und außen die gelbe liegt, in der zweiten ist es umgekehrt. Die dritte wiederum gleicht der ersten und die vierte der zweiten.

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Die Stangen einer Gasse sind jeweils circa eineinhalb Meter voneinander entfernt. Das sind jedoch nur Richtwerte, denn manche Schwierigkeiten kannst Du mit einem gezielten Aufbau aus dem Weg räumen.

Schert ein Pferd beispielsweise immer wieder mit der Hinterhand aus und absolviert die Übung demnach nicht korrekt, kann eine enger gelegte Gasse und ein verringertes Tempo das Problem lösen. Wenn ein Pferd beispielsweise in den Ecken stark nach außen driftet und versucht, auszuweichen, kannst Du die Ecken mit Pylonen begrenzen, um es dem Pferd leichter zu machen.

Bloß nicht zu viel

Im Idealfall wärmst Du das Pferd bereits vor den jeweiligen Einheiten auf, da die Arbeitsphase mit den Dualgassen sowohl vom Pferd als auch vom Menschen Konzentration erfordert, damit korrekt gearbeitet wird. Auch die Wiederholungen musst Du auf das jeweilige Pferd anpassen – vor allem Anfänger sind schnell überfordert und sollten daher nicht zu viele Runden gehen.

Der Takt ist immer wichtiger als das Tempo. Vor allem im Schritt ist ein kräftiger Viertakt nötig, damit die Muskeln korrekt und gut arbeiten können. Wenn Du merkst, dass das Pferd müder wird, solltest Du das jeweilige Training sofort beenden und dann bei der nächsten Trainingseinheit mit weniger Intensität arbeiten.

Du kannst auch je nach Tagesform die Schwierigkeitsstufen wählen. Wir Menschen trainieren schließlich auch eher weniger intensiv, wenn wir uns nicht zu einhundert Prozent wohl fühlen. Wichtig ist, dass Du Dein Pferd genau beobachtest und die Reaktionen korrekt und vor allem schnell liest.

Fazit

Als Fazit lässt sich also sagen, dass die Dual-Aktivierung für alle Pferde eine Bereicherung sein kann, wenn man sie korrekt ausführt. Es eignet sich für jedes Pferd, unabhängig vom Alter und Trainingsstand, ist eine ideale Ergänzung zum Trainingsplan von Sportpferden, aber auch eine tolle Möglichkeit, um junge Pferde auf den Start ins Reitpferde-Leben optimal vorzubereiten oder um Reha-Pferde wieder gesund aufzubauen.

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