Du möchtest Kraft und Ausdauer bei Deinem Pferd trainieren? Dann solltest Du ein Hügel-Training einbauen. Denn dabei wird die Muskulatur des Pferdes auf ganz natürliche Weise gekräftigt. Dazu wird die Kondition gepusht sowie Balance und Geschicklichkeit verbessert. Kurz: Hügel sind das perfekte Ganzkörper-Workout für Pferde!
Für viele gehört ein Hügel-Training zum Trainingsplan in Sachen Muskelpower dazu. Denn: Auch bei einem guten Trainingsplan bleiben ein paar Muskeln „auf der Strecke“, weil sie kaum trainiert werden. Dann ist ein Ausritt ideal, wenn Du dabei Bergauf- und Bergabreiten kannst. Der Grund: Dabei werden Muskeln, Bänder und Gelenke trainiert, die Du im normalen Programm nicht so intensiv erreichst.
Wenn Du bergauf reitest, muss Dein Pferd seinen Körper mit der Hinterhand schieben. Dabei senkt es automatisch den Hals und nimmt so eine Dehnungshaltung ein – das perfekte Schubkrafttraining. Geht es bergab, richtet sich Dein Pferd automatisch auf und tritt mit seinen Hinterbeinen weit unter seinen Schwerpunkt – so wird jeder Schritt zum Tragkrafttraining. Durch diese Geländeritte förderst Du also Schub- und Tragkraft und Dein Pferd baut ganz allgemein Kraft auf.
Der richtige Plan für hügeliges Ausdauertraining
Aber: Du kannst ein Hügel-Training auch ganz bewusst für die Kraft und Ausdauer nutzen. Was Du brauchst: unterschiedlich „steile“ Hügel. Wichtig: Das Training solltest Du genau planen. Denn allein das Reiten durch ein steiles Gelände in der Hoffnung, das Pferd zu stärken – das funktioniert so nicht.
Im Gegenteil: Sind die Hügel zu steil und Dein Pferd zu untrainiert, wird es schlicht überfordert. Das gilt auch, wenn Du es nur manchmal machst. Denn dann sind am Ende nicht mehr Kraft und Ausdauer da, sondern eher gesundheitliche Probleme…

Doch wie sollte das Training dann aussehen? Hier rät Jec Aristotle Ballou in ihrem Buch „33 Strength and Fitness Workouts for Horses“ zum Aufbautraining. Heißt: Mit kleinen Hügeln anfangen und dann kann es langsam steiler werden.
Und was, wenn bei Dir kein steiler Hügel in der Nähe ist? Die meisten Hügel-Workouts brauchen nur leichte Steigungen. Ein idealer Neigungswinkel erfordert, dass das Pferd seinen Schwerpunkt ändert, seine Gelenke stärker beugt und seine Ober- und Unterlinien-Muskelketten mit größerer Kraft anspannt. Die meisten Weiden haben eine Senke oder einen Anstieg, der auf diese Beschreibung passt.
Unterschiedliche Hügel fürs Pferde-Training
Ideal sind drei unterschiedliche Steigungen fürs Hügel-Training:
- milde Steigung – ein sanfter Aufstieg, der allmählich an Höhe gewinnt. Auf etwa 30 Metern steigt das Gelände etwa um 1,50 Meter an.
- moderate Steigung – hier steigt das Gelände auf 30 Metern schon etwa um drei Meter an.
- steiler Hang – das ist schon ein kleiner „Berg“, bei dem ein Autofahrer in den niedrigeren Gang schalten würde. Das Gelände gewinnt sechs Meter Höhenunterschied über eine Entfernung von 30 Metern.
Wenn Du solche steilen Hügel nicht in der Nähe hast, empfiehlt Aristotle Ballou einfach die Teile des Workouts zu absolvieren, für die die natürlichen Gegebenheiten passen. Sprich: das passende Training zu den Hügeln in Deiner Nähe.

Das Hügel-Training ist übrigens nicht nur für fitte Pferde ideal. Du kannst es auch nutzen, um Dein Pferd in der Reha zu unterstützen. Dann solltest Du mit Deinem Tierarzt absprechen, welche Workouts Deinem Pferd helfen können. Und auch für Pferde-Senioren kann ein leichtes Hügel-Training gut sein.
Wichtig: Achte dabei ganz genau auf Dein Pferd. Gerade bei Arthrose sollte ein Pferd zumindest ein wenig Fitness haben, bevor es in den Genuss von hügeligen Ausritten kommt. Wenn Fitness vorhanden ist, sind Hügel für ein älteres oder arthritisches Pferd durchaus okay.
Hügel-Training: Auf die eigene Balance achten
Und worauf sollen die Reiter achten? Achte zum Beispiel auf die Position Deiner Unterschenkel. Denn: Bei langem Bügel neigen viele Reiter bergab dazu, mit dem Unterschenkel nach vorne zu gehen. Das ist für das Pferd nachteilig, da der Reitersitz dadurch stärker in den hinteren Teil des Sattels einsinkt. Wenn man hier Druck oder Spannung hinzufügt, können die Hinterbeine des Pferdes nicht mehr frei unter dem Körper nach vorne treten.
Ähnlich verhält es sich beim Bergaufreiten mit Reitern, die sich zu weit nach vorne lehnen und dabei die Unterschenkel nach hinten legen. Dadurch verlagern diese Reiter mehr Gewicht nach vorne in den Sattel, verkrampfen sich manchmal mit den Knien und landen vor dem Schwerpunkt des Pferdes. Das Ziel sollte es sein, so ausgewogen wie möglich im Sattel zu bleiben, ohne eine übertriebene Neigung nach vorne oder hinten. Denn: Die Hügel sind anstrengend genug für Pferde, Reiter sollten keine zusätzliche Belastung darstellen.

Wenn Du und Dein Pferd eine ausreichende Grundfitness haben, kann es mit dem Hügel-Training losgehen. Doch wie sieht so ein Training aus? Hier zwei Ideen:
1. Freestyle-Training am Hang
Dauer: ca. 35 Minuten
Steigung: leicht bis mittel
Vorteile: So trainiert Dein Pferd die Balance und Kraft. Es muss seinen Körper an das wechselnde Gleichgewicht und den Hangwinkel anpassen.
Und so geht’s:
- die ersten 15 Minuten aufwärmen mit Schritt und leichtem Trab auf flachem Boden (reiten oder longieren)
- die nächsten 15 Minuten einen sich wiederholenden Ablauf reiten, dabei folgende Aufgaben ohne Pausen durchreiten:
- Hang rauf und runter reiten mit großen Bögen – wie auf einer Serpentine
- seitwärts über die Hangfläche
- Schritte verlängern oder verkürzen, bergauf sowie bergab
- kleine und große Zirkel auf der Hangfläche
- Übergang zwischen den Gangarten.
Am Ende noch fünf Minuten Schritt auf ebenem Boden.
Tipp: Wähle für dieses Training die Gangarten – oder eine Kombination davon –, die zu dem aktuellen Trainings- und Fitnesstand Deines Pferdes passen. Die Übung funktioniert im Schritt, Trab und auch Galopp.

2. Power-Training am Hang
Dauer: ca. 40 Minuten
Steigung: moderat bis steil
Vorteile: Durch die Kombination von Geschwindigkeit und Widerstand können kurze Anstiege schnell zuckende Muskelfasern rekrutieren. Davon profitieren Aktivitäten, die Momente explosiver Kraft erfordern, wie z. B. Sammeln auf hohem Niveau, Beschleunigungen, Sprints und das Fahren schneller Hindernisse. Es trägt auch zur metabolischen Effizienz bei und ermöglicht es dem Athleten, zwischen verschiedenen Muskelfunktionen und Energiebahnen zu wechseln.
Und so geht’s:
- die ersten 15 Minuten „energiegeladen“ aufwärmen
- dann zehn Sekunden lang bergauf galoppieren – mit Tempo.
- 45 Sekunden lang: In einem ruhigen, leichten Tempo bergab reiten
- diese beiden Schritte insgesamt zehn mal wiederholen
- danach drei Minuten Schrittpause, dann leichtes Traben auf ebenem Boden
- das ganze drei mal wiederholen
Zum Schluss noch 10 Minuten lockeren Trab und Schritt auf ebenem Boden.
Tipp: Aufgrund des sich wiederholenden Formats kann es bei einigen Pferden vorkommen, dass sie sich entweder auf den Galopp oder auf die Schrittphase „freuen“ und unkonzentriert werden. Achte darauf, dass Du selbst fokussiert bleibst. Reite ein paar Übergänge, damit sich Dein Pferd wieder auf Dich konzentriert.











