Der Moment, in dem du das erste Mal in den Sattel deines potenziellen Traumpferdes steigst, ist voller Emotionen – doch genau jetzt ist ein kühler Kopf entscheidend. Damit aus der ersten Begeisterung keine Enttäuschung wird, musst du hinter die Kulissen der Verkaufsanzeige blicken. Wir zeigen dir, worauf es beim alles entscheidenden Termin wirklich ankommt.
Tipp 1:
Der Boden-Check: Die Wahrheit liegt vor dem Aufsteigen
Das Probereiten beginnt nicht erst im Sattel, sondern bereits bei der Ankunft. Komm am besten ein paar Minuten vor dem Termin an, um dir den Stall und die Haltungsbedingungen in Ruhe und ungestört anzuschauen. Danach geht es an die Vorbereitung: Sei beim Putzen, Satteln und Trensen dabei oder hilf selbst mit, um das Verhalten des Pferdes direkt in der Box zu erleben. Achte dabei auf kleine Macken oder Anzeichen wie Unruhe und Sattelzwang.
Wenn es ans Reiten geht, gilt: Sicherheit geht vor! Lass den Verkäufer oder Ausbilder zuerst aufsteigen und das Pferd vorreiten. Nimm dir die Zeit, dir genau anzusehen, wie sich das Pferd unter dem Reiter zeigt und ob es entspannt wirkt. So kannst du den Bewegungsablauf und die Rittigkeit „vom Boden aus“ neutral beurteilen und erkennst, ob im Viereck gemogelt wird.
Tipp 2:
Das Vier-Augen-Prinzip: Vertrauen ist gut, Expertise ist besser
Die rosarote Brille ist beim Pferdekauf dein größter Feind. Nimm daher unbedingt eine erfahrene, unabhängige Begleitperson mit – im Idealfall deinen Trainer oder einen Experten, der nicht emotional involviert ist. Vier Augen sehen mehr als zwei: Während du dich auf dein Reitgefühl konzentrierst, achtet dein Begleiter auf kleine Unstimmigkeiten im Gangbild oder im Verhalten, die dir vor lauter Vorfreude entgehen könnten.
Tipp 3:
Der Realitäts-Check und der eigene Ritt: Raus aus der Komfortzone
Wenn du schließlich selbst die Zügel übernimmst, gilt vor allem eines: Lass dir Zeit! Gib dir und dem Pferd die nötige Eingewöhnungszeit, um einander kennenzulernen. Mach dir bewusst, dass das hier keine Prüfung ist. Du musst niemandem etwas beweisen; es geht einzig und allein darum, ein gutes Gefühl zu bekommen und zu checken, ob die Chemie stimmt.
Ein Pferd, das in seiner gewohnten Reithalle glänzt, muss zudem im fremden Gelände noch lange kein souveräner Partner sein. Teste das Pferd deshalb auch in einer für ihn ungewohnten Situation. Und ganz wichtig: Mach im Zweifel einfach einen zweiten Termin aus, um deinen ersten Eindruck zu festigen. Ein seriöser Verkäufer wird dir diese Sicherheit geben, denn auch ihm sollte daran gelegen sein, dass Pferd und Reiter wirklich harmonieren.
Ein erfolgreiches Probereiten ist kein Test der reiterlichen Leistung, sondern ein Check der gegenseitigen Chemie. Nur wenn das Vertrauen zwischen Mensch und Pferd schon am Boden spürbar ist, wird daraus eine langfristige Erfolgsgeschichte.
Michelle
Redakteurin bei ehorses
Deine Take-aways für die Praxis
- Druck rausnehmen: Ein Probereiten ist kein Casting! Nimm dir die Zeit, die du brauchst, und lass dich nicht zu einer schnellen Entscheidung drängen.
- Bauchgefühl vs. Fakten: Wenn das Gefühl im Sattel toll ist, aber die Fakten (Gesundheit, Verhalten am Boden) nicht stimmen, bleib kritisch.
- Transparenz: Ein seriöser Verkäufer wird dir alle Fragen ehrlich beantworten und auch AKUs oder Tests nicht im Wege stehen.
Dein Weg zum Traumpferd
Am Ende ist das Probereiten der wichtigste Filterprozess auf dem Weg zum eigenen Pferd. Es geht darum, die Balance zwischen Herz und Verstand zu finden. Wenn die Chemie am Boden stimmt, die Expertise deines Begleiters grünes Licht gibt und du dich auch in ungewohnten Momenten sicher fühlst, steht einer gemeinsamen Zukunft nichts mehr im Wege. Ein Pferdekauf sollte sich nicht wie ein Risiko, sondern wie der Beginn einer großartigen Freundschaft anfühlen.
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Fragen & Antworten
Beim Probereiten testet du die gegenseitige Chemie sowie die Rittigkeit des Pferdes unter realen Bedingungen, um sicherzustellen, dass das Tier charakterlich und sportlich zu deinen Anforderungen passt.
Ein Probereiten kann etwas kosten, da viele Verkäufer mittlerweile eine Gebühr zwischen 20 € und 50 € erheben, um „Reittourismus“ zu verhindern; dieser Betrag wird jedoch beim Kauf des Pferdes meist mit dem Kaufpreis verrechnet.
Eine Beugeprobe ist Teil der klinischen Untersuchung (oft im Rahmen einer Ankaufsuntersuchung), bei der Gelenke und Weichteile eines Beins für kurze Zeit unter Spannung gehalten werden, um durch anschließendes Vortraben versteckte Schmerzpunkte oder Lahmheiten im Bewegungsapparat sichtbar zu machen.











