Warum ist die Rangordnung zwischen Mensch und Pferd so wichtig?
Die Beziehung zu unserem Pferd basiert im Idealfall auf Vertrauen und Respekt, doch als Flucht- und Herdentier benötigt das Pferd im Alltag eine klare Hierarchie, um sich sicher zu fühlen.
In einer natürlichen Herde gibt es immer eine leitende Instanz, die Entscheidungen trifft und für Schutz sorgt. Fehlt diese Führung durch den Menschen, übernimmt das Pferd automatisch die Kontrolle. Ein Mangel an Akzeptanz zeigt sich dabei selten von heute auf morgen, sondern schleicht sich meist durch kleine, oft fälschlicherweise als “niedlich” oder “charakterstark” abgetane Verhaltensweisen in den Stallalltag ein. Wer diese Warnsignale frühzeitig erkennt, kann gezielt gegensteuern, bevor gefährliche Situationen beim Reiten oder Handling entstehen.
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Woran erkenne ich mangelnden Respekt beim Führen?
Anzeichen 1: Das Pferd überholt, drängelt oder zieht beim Führen.
Ein Pferd respektiert dich nicht als Chef, wenn es dich beim Führen ohne Erlaubnis überholt, anrempelt oder von dir hinterhergezogen werden muss. Das Pferd bestimmt in diesen Momenten eigenmächtig das Tempo sowie die Richtung, was in der Pferdewelt ein klares Privileg des Ranghöheren ist. Dieses Verhalten ist keine harmlose Unart, sondern ein aktives Austesten von Grenzen. Ein respektvolles Pferd spiegelt deine Bewegungen, hält von sich aus Abstand und passt sich stets deiner Schulterhöhe sowie deiner Gehgeschwindigkeit an.
Warum drängelt mein Pferd beim Füttern?
Anzeichen 2: Das Pferd fordert Futter ein und schnappt.
Wenn dein Pferd dir das Futter oder Leckerlis dreist aus der Hand reißt, Taschen durchsucht oder dich beim Betreten der Box wegdreht, beansprucht es die Ressource Nahrung komplett für sich. In einer natürlichen Herdenstruktur frisst der Ranghöhere immer zuerst und vertreibt die Rangniederen vom Futterplatz. Drängeln, Betteln und Schnappen zeigen deutlich, dass das Pferd dich in dieser Situation als rangniedriger einstuft und die Rangordnung zu seinen Gunsten verschiebt.
Was bedeutet es, wenn das Pferd meinen Raum einnimmt?
Anzeichen 3: Das Pferd ignoriert deine Individualdistanz und weicht nicht.
Das bewusste Einrennen, Rempeln oder Ignorieren deiner persönlichen Individualdistanz zeigt, dass das Pferd dich im wahrsten Sinne des Wortes nicht auf dem Schirm hat. In der Pferdepferde-Kommunikation gilt die goldene Regel: Wer bewegt wen? Weicht das Pferd deinem physischen oder energetischen Druck nicht weich und bereitwillig aus, sondern drängt dich aktiv zur Seite, akzeptiert es deine chefkorrekte Führung nicht. Ein dominantetes Pferd beansprucht den Raum für sich und zwingt dich zum Ausweichen.
Warum lässt sich mein Pferd nicht einfangen oder weicht aus?
Anzeichen 4: Das Pferd entzieht sich dir auf der Weide oder beim Aufsteigen.
Dreht sich dein Pferd auf der Weide demonstrativ von dir weg, läuft es beim Einfangen davon oder entzieht es sich dir durch ständiges Zappeln und Wegdrehen beim Aufsteigen, verweigert es aktiv die Zusammenarbeit. Dieses bewusste Ignorieren deiner Signale und das Entziehen aus der Situation ist ein passives, aber deutliches Anzeichen von mangelndem Respekt. Ein Pferd, das dich als verlässlichen Chef akzeptiert, sucht deine Nähe, schließt sich deiner Bewegung an und bleibt auf deine Aufforderung hin ruhig und gelassen stehen.
Was tun, wenn das Pferd bei Gefahr die Führung übernimmt?
Anzeichen 5: Das Pferd wird in Stresssituationen unkontrollierbar.
Ein Pferd, das dich im Alltag nicht als Chef akzeptiert, wird in unvorhersehbaren Stresssituationen kopflos die Flucht ergreifen oder dich schlichtweg über den Haufen rennen. Vertraut das Pferd deiner Führungskompetenz in ruhigen Momenten nicht, übernimmt es bei Gefahr sofort selbst die Entscheidung über Flucht oder Angriff, ohne auf deine Hilfen zu achten. Nur ein vom Pferd vollkommen akzeptierter und mental starker Anführer kann einem Fluchttier in Angstmomenten die nötige Sicherheit bieten, damit es steuerbar bleibt.
Ein Pferd, das im Stall die Rangordnung infrage stellt, wird im Gelände bei einem Erschreckmoment zur Gefahr für sich und den Reiter. Für mich steht der respektvolle Umgang deshalb an oberster Stelle. Nur wenn die Hierarchie in entspannten Momenten am Boden geklärt ist, wird dein Pferd dir auch in Stresssituationen vertrauen.
Michelle
Redakteurin bei ehorses
Aggression oder Unsicherheit?
Die unerwünschte Reaktion deines Pferdes erfordert je nach der zugrundeliegenden Ursache eine völlig unterschiedliche Herangehensweise von dir:-
Wenn das Pferd aus Dominanz handelt: Setze klare, unmissverständliche Grenzen durch sofortiges Rückwärtsrichten, konsequentes Verschieben der Pferdehinterhand oder eine raumgreifende Körpersprache. Du musst in diesem Fall die Bewegung des Pferdes kontrollieren, um deinen Chefstatus fair zu untermauern.
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Wenn das Pferd aus Angst handelt: Bestrafe das Pferd unter keinen Umständen für sein Verhalten. Bleibe stattdessen selbst absolut ruhig, biete mentale Sicherheit durch eine stabile, entspannte Körperhaltung und fordere einfache, dem Pferd bekannte Aufgaben ein, um den Fokus behutsam wieder auf dich zu lenken.
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Fragen & Antworten
Pferde zeigen Menschen ihre Zuneigung durch subtile Gesten wie sanftes Anhauchen, das Ablegen des Kopfes auf der Schulter, entspanntes Folgen ohne Strick oder das vorsichtige Knabbern mit den Lippen, was der gegenseitigen Fellpflege unter Freunden entspricht.
Ja, Pferde können ihre Besitzer vermissen, da sie als soziale Herdentiere enge Bindungen zu vertrauten Bezugspersonen aufbauen, deren Stimme, Geruch sowie Routine sie wiedererkennen und bei deren längerer Abwesenheit sie mitunter Stress, Trauer oder Appetitlosigkeit zeigen.
Du bekommst Respekt von deinem Pferd, indem du durch unmissverständliche Körpersprache, faire und sofortige Korrekturen sowie absolute Verlässlichkeit konsequent seine Bewegung im Raum kontrollierst, wodurch du für das Tier zum vertrauenswürdigen Anführer wirst.











