Hufgetrappel, den Wind im Gesicht und das Gefühl von Freiheit: Das verbinden so einige Menschen mit Pferden und dem Reiten. Wer einmal die Faszination der Pferde gespürt hat, ist von den großen Tieren ein Leben lang angetan. Doch wie kann man Reiten lernen? Dieser Leitfaden hilft Dir, die ersten Schritte im Reitsport zu meistern.
Warum sollte man reiten lernen?
Reiten hat zahlreiche Vorteile: Es stärkt die Muskulatur, fördert die Balance und verbessert die Koordination. Für Reiterinnen und Reiter bedeutet es oft absolute Entspannung und Zufriedenheit. Im Umgang mit den Tieren lernt man Vertrauen und Verantwortung, um nur ein paar positive Seiten des Reitens zu nennen.
Vom Drill zur Partnerschaft: Wie sieht moderner Reitunterricht aus?
„Absätze tief, Fäuste aufstellen, Oberkörper aufrichten!“ – Sätze wie diese sind vielen noch aus klassischen Reitstunden im Ohr. Über Jahrzehnte hinweg glich der Unterricht im Stall oft einem militärischen Drill: Der Reitlehrer rief Kommandos in die Halle, die Reitschüler führten sie stumm aus. Bei diesem rein instraktiven Lehrstil blieb der eigentliche Lernerfolg jedoch häufig auf der Strecke.
Ein durchdachtes und methodisch aufgebautes Training erzielt völlig andere Ergebnisse. Es bringt Mensch und Tier gleichermaßen voran. Doch worauf kommt es bei einer rundum gelungenen Reitstunde an? Der Schlüssel liegt im gemeinsamen Wachstum: Reiter und Pferd verfeinern ihre Feinabstimmung und wachsen zu einem eingespielten Team zusammen.
Hier setzt das Konzept des interaktiven Lehrens an. Statt nur Befehle abzuarbeiten, wird der Lernende aktiv in das Geschehen eingebunden. Er wird dazu angeregt, Situationen selbst zu analysieren, eigene Lösungsansätze zu finden und eine feinfühlige Einstellung gegenüber dem Lebewesen Pferd aufzubauen. Voraussetzung dafür ist ein angstfreies, motivierendes Lernklima und genau dieses zu schaffen, gehört zu den Kernaufgaben einer kompetenten Lehrkraft.
Unterricht bei Pferdewirten
Das Unterrichten ist eine der Kernkompetenzen von Pferdewirtinnen und Pferdewirten, besonders in den Fachrichtungen Klassische Reitausbildung, Pferdehaltung & Service sowie Spezialreitweisen. Sie erlernen schon in der Ausbildung das Fundament und die wichtigsten Werkzeuge für guten Reitunterricht. Der Bereich Unterrichtserteilung gehört zum Herzstück der Ausbildung und der Abschlussprüfung.
Alle Infos zur Pferdewirt-Ausbildung findest du hier:

Wie schaffen Reitlehrer einen Dialog auf Augenhöhe im Reitunterricht?
Ein zentrales Fundament für gelungenen Unterricht ist der respektvolle Umgang mit dem Reitschüler, völlig losgelöst von dessen Kenntnisstand oder dem Potenzial des jeweiligen Pferdes.
Gute Reitlehrer agieren nicht als reine Befehlsgeber, sondern binden den Schützling aktiv in die Unterrichtsgestaltung ein. Ziel ist es, Vorhaben gemeinsam abzustimmen. Fachwissen und Führung der Lehrkraft bleiben dabei unverzichtbar, doch der Reitschüler soll nachvollziehen können, warum eine bestimmte Lektion geritten wird und welche Wirkung sie erzielt. Letztlich liegt der Schlüssel zum Trainingserfolg beim Reitschüler selbst: Der Trainer liefert wertvolle Impulse und fundiertes Wissen, doch die Umsetzung und das Verinnerlichen geschehen auf dem Pferderücken. Aufgabe der Ausbilder ist es daher, den Unterricht so praxisnah und fesselnd zu gestalten, dass sich der Reitschüler intensiv mit dem eigenen Handeln und dem Verhalten des Partners Pferd beschäftigt.
Dieser Prozess wird vor allem durch gezieltes Hinterfragen angeregt. Erkundigt sich die Lehrkraft nach den eigenen Stärken sowie den Schwachstellen des Teams, beginnt der Schützling automatisch zu reflektieren. Diese Rückmeldungen fließen direkt in die Übungen ein. Sollten die Vorstellungen des Schülers einmal nicht zum aktuellen Ausbildungsstand passen, etwa wenn komplexe Lektionen wie fliegende Galoppwechsel gewünscht werden, obwohl die Grundlagen noch fehlen, führt der Trainer den Schützling durch geschickte Fragestellungen sanft auf den passenden Weg zurück.
Reiten lernen: Vorbereitungen für die erste Reitstunde
Für die ersten Stunden sind besonders wichtig ein gut sitzender Reithelm, eine enganliegende Reithose, die nicht scheuert und feste, knöchelhohe Schuhe mit kleinem Absatz aus, beispielsweise Reitsstiefel. Stiefel oder Stiefeletten mit Chaps sind eine sinnvolle Investition, weil sie dem Fuß guten Schutz und Stabilität bieten.
Beim Reiten steht die Sicherheit an erster Stelle. Deshalb sollten bei dem Reithelm keine Kompromisse gemacht werden. Manchmal kann man in der Reitschule einen Reithelm ausleihen oder sich beim Kauf beraten lassen.
Die richtige Ausrüstung zum Reiten lernen
Hier haben wir Dir einmal zusammengefasst, welche Dinge für das Reiten wichtig sind:
- Reithelm: Ein zertifizierter Reithelm ist unerlässlich für die Sicherheit.
- Reitbekleidung:
- Reithose: Speziell entwickelte Hosen, die keine Nähte an den Innenseiten der Beine haben, um Scheuerstellen zu vermeiden.
- Reitstiefel oder Reitschuhe: Mit einem kleinen Absatz, um zu verhindern, dass der Fuß durch den Steigbügel rutscht. Alternativ können auch Stiefeletten und Chaps getragen werden.
- Handschuhe: Reithandschuhe bieten besseren Halt und schützen die Hände vor Blasen.
- Sicherheitsweste (optional, aber empfohlen, besonders für Anfänger und Kinder): Schützt die Wirbelsäule und den Brustkorb bei Stürzen.
- Kleidungsschichten: Abhängig vom Wetter, z.B. ein leichtes T-Shirt oder ein Pullover und eine Jacke.
- Haarband oder Haargummi: Nötig, um lange Haare zusammenzubinden.
- Wasserflasche: Um während und nach der Reitstunde hydriert zu bleiben.
- Körperliche Fitness: Einfache Dehnübungen oder Aufwärmen vor der Reitstunde können hilfreich sein.
- Positive Einstellung und Geduld: Reiten erfordert Geduld und Offenheit, um zu lernen und um das Pferd zu verstehen.

Checkliste: Das solltest du beim Probereiten beachten
- Erster Eindruck der Anlage: Ist es sauber? Wie ist der Zustand der Reitplätze?
- Sicherheitsmaßnahmen: Ist die Reitausrüstung in Ordnung? Trägt jeder vor Ort einen Helm?
- Zustand und Pflege der Pferde: Kommen die Pferde nach draußen? Sind sie gut erzogen?
- Unterricht: Ist der Trainer qualifiziert? Hat er einen Trainerschein oder eine andere Ausbildung? Falls es Gruppenreitstunden sind: Ist die Gruppengröße angemessen?
- Reitumgebung: Ist der Reitplatz angemessen ausgestattet?
- Umgang im Stall: Sind die Reiter nett zueinander? Gibt es eine Möglichkeit, sich in die Stallgemeinschaft zu integrieren?
Flexibilität und Angebot: Gibt es ein Angebot verschiedener Kurse und Reitstunden (wie beispielsweise Dressur, Springen, Gelände)
- Preis-Leistungs-Verhältnis: Transparente Preisgestaltung und angemessene Preise, klare Informationen über zusätzliche Kosten
- Eigenes Gefühl: Wie fühlt man sich während und nach der Reitstunde?
Reiten lernen beginnt nicht erst im Sattel, sondern schon beim gemeinsamen Putzen und der Pflege im Stall. Wer die Körpersprache des Pferdes versteht und Fehler zuerst bei sich selbst sucht, legt den Grundstein für echtes Vertrauen. Das Reiten selbst ist dann nur noch der logische nächste Schritt einer funktionierenden Partnerschaft.
Michelle
Redakteurin bei ehorses
Wie findet man die geeignete Reitschule?
Eine Übersicht von Reitschulen in Deutschland gibt es auf der Landkarte von Pferdesport Deutschland. Im Pferdebranchenbuch gibt es außerdem eine Übersicht von Vereinen und Betriebe, die ständig aktualisiert wird. Bei den jeweiligen Landesverbänden besteht zudem immer die Möglichkeit, nach Angeboten in der Umgebung nachzufragen.

Erste Reitstunden werden häufig an der Longe durchgeführt, damit der Reiter ein sicheres Gefühl entwickeln und an seinem Sitz arbeiten kann.
Wie prägt zielgerichtete Kommunikation den modernen Reitunterricht?
Die aktive Einbindung des Reitschülers hört nicht bei der Vorbesprechung auf, sondern setzt sich mitten in der Einheit fort. Gerade in Erfolgsmomenten lohnt es sich einzuhaken: Muss der Schüler selbst begründen, weshalb eine Aufgabe auf Anhieb geklappt hat, schärft das sein analytisches Verständnis. Er beginnt zu begreifen, welche Signale welche Reaktionen beim Pferd auslösen. Je tiefgreifender dieses Verständnis wird, desto präziser und feiner fällt die spätere Hilfengebung aus. Basis hierfür ist ein von gegenseitigem Vertrauen geprägter Dialog zwischen Reitlehrer und Schüler.
Exzellenter Unterricht steht und fällt mit treffsicherer Kommunikation. Neben den gesprochenen Worten spielen Körpersprache, Gestik und der Tonfall eine sehr wichtige Rolle. Frei nach dem bekannten Leitsatz Paul Watzlawicks „Man kann nicht nicht kommunizieren“, überträgt sich die innere und äußere Haltung der Lehrkraft unmittelbar auf das Geschehen im Viereck. Ein hektischer, lautstarker Trainer wird kaum Ruhe und Gelassenheit in das Gespann bringen, wenn es etwa an das Anreiten eines Hindernisses geht.
In Bezug auf das Pferd lässt sich dieses Prinzip nahtlos übernehmen: Ein Pferd lernt in jedem Moment. Ob es dabei die gewünschte Lektion verinnerlicht oder sich unerwünschte Verhaltensweisen aneignet, hängt davon ab, wie klar und konsequent Signale gesendet werden.
Die richtige Balance im Training: Forderung mit Augenmaß und Vorbildfunktion
Ob eine Trainingsstund Früchte trägt oder überfordert, hängt von der passenden Intensität ab. Eine kompetente Lehrkraft beweist ein feines Gespür dafür, welche Aufgaben sie ihren Schützlingen in welcher Reihenfolge und Dosis zumutet. Der Unterricht muss fordern und den Lernfortschritt anregen, ohne Reiter oder Pferd zu überlasten, erst dieses Gleichgewicht macht exzellentes Training aus.
Darüber hinaus lebt hochklassiger Unterricht von Authentizität. Die Prinzipien, die vom Reitschüler verlangt werden, etwa das Tragen von Sicherheitskleidung, ein geduldiger, besonnener Umgang mit dem Tier, eine bedachtsame Wortwahl und die Bereitschaft zur Selbstreflexion, muss der Trainer konsequent selbst verkörpern.
Dazu gehört auch eine gesunde Fehlerkultur: Lehrkräfte sind nicht unfehlbar. Tritt im Unterrichtsverlauf einmal eine Fehleinschätzung auf, zeichnet es eine gute Ausbilderin oder einen guten Ausbilder aus, dies offen anzusprechen und den Trainingsplan gemeinsam für das nächste Mal anzupassen. Dieses ehrliche Verhalten vermittelt Reitschülern den Wert einer konstruktiven Selbsteinschätzung.
Optimaler Überblick: Wo sollte der Reitlehrer in Dressur und Springen stehen?
Sowohl in der Dressur als auch beim Springen spielt der Standort des Trainers eine Schlüsselrolle für die Unterrichtsqualität. Eine klug gewählte Position ermöglicht es der Lehrkraft, den gesamten Ablauf einer Übung lückenlos zu beobachten, vom ersten Anreiten über die Ausführung bis hin zum Einwirken der inneren und äußeren Hilfen.
In der Dressurarbeit hat sich der Stehplatz auf dem zweiten oder dritten Hufschlag nahe den Bahnpunkten E oder B bewährt, da von dort aus das gesamte Viereck bestens einzusehen ist.
Beim Hindernistraining lässt sich der Standort gezielt als Hilfestellung nutzen:
- Am Einzelsprung: Das Postieren an der linken oder rechten Seite des Hindernisses, abhängig von der Anreitewendung, dient dem Gespann als optische Orientierung und Begrenzung.
- Im Parcours: Hier empfiehlt sich ein Platz an der anspruchsvollsten Passage der Abfolge. So kann der Trainer bei kniffligen Linienführungen direkt unterstützen und das Geschehen präzise analysieren, um im Nachgang fundiertes Feedback zu geben.
Die Grundlagen des Reitens
Der richtige Sitz
Für den richtigen Grundsitz des Reiters wird in den ersten Reitstunden der Grundstein gesetzt. Für den Dressursitz gibt es folgende Merkmale:
- Reiter sitzt aufrecht im Sattel
- Schulter, Hüfte, Absatz liegen in einer Linie
- Entspannt sitzt der Reiter im tiefsten Punkt des Sattels
- Gewicht auf beide Gesäßhälften verteilt
- Knie liegen flach am Sattel
- Hände stehen aufrecht und sind locker zu einer Faust geschlossen
- Pferdemaul, Züngelverbindung, Hände des Reiters und Unterarme bilden eine Linie
Die verschiedenen Gangarten
Die Grundgangarten des Pferdes sind Schritt, Trab und Galopp und unterscheiden sich in der Fußfolge, im Takt und in der Geschwindigkeit. Einige Pferderassen haben aber noch weitere Gangarten.
Der Schritt ist die langsamste Gangart. Es ist ein Viertakt und wird ebenso wie die anderen Gangarten in verschiedenen Tempi geritten. Der Trab ist ein Zweitakt und die nächst schnellere Gangart. Im Galopp springt das Pferd in einem Dreitakt. Als Tempi gibt es unter anderem den Arbeitsgalopp, Mittelgalopp und den starken Galopp. Bei allen Gangarten gilt es, sich in den Rhythmus hineinzufühlen. Beim Trab gibt es die Unterscheidung des Leichttrabens und das Aussitzen.
Leichttraben und Aussitzen sind zwei wichtige Techniken im Reitsport, die vor allem beim Trab angewendet werden. Beim Leichttraben steht der Reiter im Takt des Pferdes aus dem Sattel auf und setzt sich wieder hin. Dies reduziert die Belastung des Pferderückens und erleichtert es dem Reiter, den Rhythmus und Takt des Pferdes zu spüren. Diese Technik wird häufig beim Aufwärmen und Training von jungen Pferden verwendet.
Im Gegensatz dazu bleibt der Reiter beim Aussitzen die ganze Zeit im Sattel und bewegt sich im Takt des Pferdes mit. Diese Methode erlaubt eine engere Verbindung und bessere Kommunikation mit dem Pferd, da der Reiter konstanten Kontakt zum Sattel und somit zum Pferderücken hat. Aussitzen ist besonders wichtig im Dressurreiten, wo präzise Hilfengebung und feine Abstimmung zwischen Reiter und Pferd erforderlich sind. Es erfordert mehr Erfahrung und Balance, weshalb es oft erst nach einer gewissen Reitpraxis gelehrt wird.
Andere Pferde wie beispielsweise das Islandpferd beherrschen zudem noch die zusätzliche Gangart Tölt. Es ist ein Schritt ähnlicher Viertakt, der zwischen Ein- und Zweibeinstützen wechselt. Außerdem können sie auch den Pass, der überwiegend auf kurzer Distanz in hohem Tempo geritten. Die Fähigkeit zu den beiden Gangarten wurde bei den meisten Warmblütern weg gezüchtet.

Zu den Grundlagen gehören das korrekte Sitzen der verschiedenen Grundgangarten sowie das Erlernen einer sanften Hilfengebung.
Das Lenken und Anhalten des Pferdes
Das Lenken eines Pferdes ist eine grundlegende Fähigkeit beim Reiten und erfordert die Koordination und das Zusammenspiel von verschiedenen Hilfen (Körperhilfen, Zügelhilfen und Schenkelhilfen).
Um ein Pferd beim Reiten anzuhalten, kombiniere ebenfalls verschiedene Hilfen und Signale. Setze Dich tief in den Sattel und entspanne Dich, um dem Pferd zu signalisieren, langsamer zu werden. Verlagere Dein Gewicht leicht nach hinten, um das Signal zu verstärken. Nimm die Zügel gleichmäßig an, ohne ruckartige Bewegungen, und halte Deine Hände ruhig. Verwende auch Deine Stimme mit einem ruhigen „Whoa“ oder „Halt“. Halte dabei Deine Beine leicht am Pferd, um es im Gleichgewicht zu halten. Mit konsequenter Übung wird Dein Pferd lernen, zuverlässig auf diese Hilfen zu reagieren.
Vermeide folgende Fehler: Zu starkes Ziehen am Zügel kann das Pferd irritieren oder Schmerzen verursachen. Halte Deine Hände ruhig, um das Signal klar und konsistent zu halten. Gib klare, eindeutige Signale, um das Pferd nicht zu verwirren.
Sicherheitstipps
- Trage die richtige Ausrüstung
- Kontrolliere regelmäßig die Ausrüstung
- Wärme Dich und Dein Pferd ausreichend auf
- Bleibe aufmerksam
Perfektes Anreiten im Parcours: Warum Vorbereitung wichtiger ist als die reine Distanz
Das Treffen des idealen Absprungpunkts gehört zu den Dauerbrennern im Springtraining. Doch anstatt sich starr auf Meterangaben oder die reine Distanz zum Hindernis zu fixieren, liegt das Geheimnis erfolgreicher Sprünge in der gründlichen Anreitephase.
Ein verlässliches Gespür für den richtigen Absprungpunkt lässt sich nicht auf Knopfdruck abrufen oder theoretisch einpauken. Es entwickelt sich organisch durch stetige Wiederholung. Aufgabe des Trainers ist es daher, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen der Reitschüler immer wieder vergleichbare Abläufe durchläuft. Der große Fokus liegt dabei auf vier Grundpfeilern: Linienführung, Tempo, Rhythmus und Balance.
Stimmen diese Faktoren, ergibt sich eine passende Absprungposition fast von selbst. Durch das ständige Wiederholen dieser sauberen Anreitephase wächst Schritt für Schritt ein natürliches Distanzgefühl. Ein vorzeitiges Thematisieren von „zu dicht“ oder „zu weit“ bewirkt im Training oft das Gegenteil: Der Reiter verliert den Blick für den Rhythmus und verkrampft auf der Suche nach dem perfekten Punkt. Konkrete Distanzdiskussionen sollten daher erst dann Einzug halten, wenn das Grundgefühl im Sattel bereits gefestigt ist.
Häufige Fehler beim Reiten lernen und wie man sie vermeidet
Fehler bei der Körperhaltung
Ein häufiger Fehler bei der Körperhaltung ist der Stuhlsitz. Der typische Stuhlsitz hat vier Komponenten: Der Oberkörper kippt nach hinten, die Arme werden nach vorne gestreckt, die Knie hochgezogen und die Füße befinden sich zu weit vorne. Ein Tipp, um den Stuhlsitz zu korrigieren ist, dass Du beide Beine aus den Steigbügeln nimmst und sie vor- und zurückschwingen lässt. Aber auch der Spaltsitz ist ein häufiger Sitzfehler, den Reiter machen können. Das gestreckte Knie sorgt hier für einen unflexiblen, steifen Sitz. Er rührt daher, dass oft die Steigbügel zu lang verschnallt sind und ist daher durch ein korrektes Verschnallen oft schnell behoben.
Fehlende Kommunikation mit dem Pferd
Auch die fehlende Kommunikation ist ein häufiger Fehler, den Reitanfänger machen. Sie geben unklare Hilfen und lösen beim Pferd Unverständnis aus. Das kann nur durch ein andauerndes Training verhindert werden.
Überforderung des Pferdes und des Reiters
Ohne den Reiter oder das Pferd zu überfordern, sollte der Reitunterricht gestaltet werden. Wenn die Trainingsanforderungen zu schnell gesteigert werden, kann das zu Irritationen und Frustrationen führen. Deshalb sind regelmäßige Pausen und realistische Ziele für ein nachhaltiges Training umso wichtiger.

Vor und nach dem Reiten steht die Pflege des Pferdes im Mittelpunkt. Dies stärkt das Vertrauen und ermöglicht das Erkennen kleiner Wunden.
Die Pflege des Pferdes vor und nach dem Reiten
Für die Pflege des Pferdes und die Beziehung zwischen Pferd und Reiter ist eine ausführliche Putzroutine erforderlich. Regelmäßiges Putzen verbessert die Durchblutung, hält die Haut gesund und stärkt die Bindung zwischen Dir und Deinem Pferd.
Grundlegende Pflegeroutinen
Beim Putzen eines Pferdes beginnt man am Hals und arbeitet sich nach unten und hinten weiter, während der Kopf zuletzt mit einer weichen Bürste gereinigt wird.
Der grobe Schmutz auf dem Körper wird zunächst mit einem Striegel in kreisenden Bewegungen entfernt, bevor eine weichere Kardätsche verwendet wird, um den Staub aus dem Fell zu entfernen. Die Beine reinigst Du mit einer Wurzelbürste und die Hufe werden abschließend mit einem Hufauskratzer gesäubert. Wichtig ist, dass jede Körperstelle, an der im späteren Verlauf Equipment aufliegt (wie eine Satteldecke, ein Sattel, eine Trense oder Gamaschen) frei von Schmutz ist. So vermeidest Du Scheuerstellen.
Erkennen von Gesundheitsproblemen vor, während & nach dem Reiten
Durch das Pflegen des Pferdes können Gesundheitsprobleme schnell erkannt werden. Kleine Verletzungen und Macken können so frühzeitig behandelt werden.
Das Pflegen des Pferdes nach dem Reiten ist ebenso wichtig wie vor dem Reiten. Verletzungen, die während des Ritts entstanden sind, können entdeckt werden. Wenn man das Pferd nach einem langen Ritt im Sommer abwäscht, hat es die Chance schneller zu regenerieren.
Wer kann Reiten lernen?
Jeder Mensch kann grundsätzlich reiten lernen. Trotzdem gibt es wichtige Unterschiede zwischen dem Unterricht für Kinder und Erwachsene. Der Reitlehrer sollte im Reitunterricht auch darauf Rücksicht nehmen.
Außerdem sollte bei den Reitschülern eine gewisse Grundfitness vorhanden sein oder der Wille eine solche aufzubauen. Ebenso wichtig ist die Einstellung gegenüber sich selbst und des Pferdes. Wer gut reiten lernen möchte, sollte sich mit dem Pferd, seinem Verhalten und seinen Bedürfnissen beschäftigen und auch Interesse am Umgang mit dem Pferd haben. Ein guter Reiter sucht die Fehler zuerst bei sich selbst. Außerdem bildet er sich immer weiter.
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Fragen & Antworten
Die ersten Reitstunden sind meist Longenstunden. Dabei geht das Pferd an der Longe auf dem Zirkel um den Reitlehrer herum und der Reitschüler kann sich auf seinen Sitz konzentrieren.
Über den Autor:
Die Bundesvereinigung der Berufsreiter (BBR) im Deutschen Reiter- und Fahrer-Verband e.V. (DRFV) ist die Interessenvertretung für den Beruf des Pferdewirtes/der Pferdewirtin.
Sie versteht sich als Kompetenz- und Beratungszentrum für Pferdewirte/Innen und PferdewirtschaftsmeisterInnen aller fünf Fachrichtungen.
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