Welche Ahornarten sind für Pferde giftig?
Der Bergahorn (Acer pseudoplatanus) und der Eschenahorn (Acer negundo) sind für Pferde giftig. Sie enthalten den Giftstoff Hypoglycin A. Der heimische Spitzahorn (Acer platanoides) sowie der Feldahorn (Acer campestre) enthalten diesen Giftstoff nach aktuellem Forschungsstand nicht und gelten für Pferde als ungiftig.
Hier findest du eine Übersicht:
| Ahornart | Giftig für Pferde? | Enthaltenes Gift |
| Bergahorn | Ja (hochgradig) | Hypoglycin A |
| Eschenahorn | Ja (hochgradig) | Hypoglycin A |
| Spitzahorn | Nach aktuellem Forschungsstand: Nein | Keines |
| Feldahorn | Nach aktuellem Forschungsstand: Nein | Keines |
Welche Teile des Ahornbaums enthalten das Gift?
Samen, Keimlinge und Blätter des Berg- und Eschenahorns enthalten den Giftstoff Hypoglycin A und sind für Pferde gefährlich. Die höchste Toxin-Konzentration weisen die flügelartigen Samen im Herbst sowie die frischen Keimlinge auf, die im Frühjahr massenhaft auf den Weiden sprießen. Schon die Aufnahme kleiner Mengen dieser Pflanzenteile reicht aus, um beim Pferd die lebensbedrohliche Atypische Weidemyopathie auszulösen. Obwohl die Blätter eine etwas geringere Giftkonzentration aufweisen, stellen sie bei hoher Aufnahmemenge ein ebenso großes Risiko dar.
Die Gefahr einer Ahornvergiftung bleibt auch nach dem Absterben der Pflanzenteile bestehen, da das Toxin Hypoglycin A extrem hitzebeständig und trockenresistent ist. Getrocknete Samen oder herabgefallenes Ahornlaub verlieren ihre Giftwirkung selbst nach Wochen auf der Weide oder im konservierten Heu nicht. Pferdehalter müssen deshalb sicherstellen, dass weder frische noch getrocknete Ahornteile in den Futterkreislauf oder auf den Paddock gelangen.
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Zu welcher Jahreszeit ist die Gefahr am größten?
Die Gefahr einer Ahornvergiftung ist für Pferde im Frühjahr und im Herbst am größten. In diesen beiden Jahreszeiten nehmen Pferde die Pflanzenteile des Bergahorns (Acer pseudoplatanus) und des Eschenahorns (Acer negundo) besonders leicht auf. Beide Baumarten enthalten das Toxin Hypoglycin A, das bei Pferden die lebensbedrohliche Atypische Weidemyopathie auslöst. Pferdehalter müssen ihre Weiden in diesen Monaten intensiv kontrollieren.
- Im Herbst fallen die reifen, flügelartigen Samen und die Blätter der Ahornbäume auf die Koppel. Da das Weidegras in den Herbstmonaten spärlicher wächst, fressen Pferde die giftigen Samen und das Laub bei der Futtersuche gezielt oder versehentlich mit. Der Giftstoff Hypoglycin A baut sich im absterbenden Blattwerk nicht ab, wodurch auch trockenes Falllaub hochgradig toxisch bleibt.
- Im Frühjahr keimen die im Boden überwinterten Ahornsamen und bilden flächendeckend junge Ahornkeimlinge auf der Weide. Diese Keimlinge weisen eine extrem hohe Dosis an Hypoglycin A auf und schmecken Pferden oft sehr gut. Schon das Fressen kleiner Mengen dieser jungen Pflanzen führt beim Grasauftrieb zu schweren Vergiftungen.
Zusätzlich bleibt das Toxin auch in getrockneten Pflanzenteilen stabil. Gelangen Ahornsamen oder Ahornblätter bei der Ernte in das Heu oder die Silage, bleibt die tödliche Giftwirkung im konservierten Raufutter über viele Monate hinweg bestehen.
Welche Krankheit löst der Giftstoff beim Pferd aus?
Die Aufnahme des im Berg- und Eschenahorn enthaltenen Giftstoffs Hypoglycin A führt beim Pferd zur Atypischen Weidemyopathie (engl. Atypical Myopathy). Das Toxin blockiert im Körper ein entscheidendes Enzym, das für die Energiegewinnung aus Fettsäuren verantwortlich ist. Da Muskelzellen für ihre Arbeit intensiv auf den Fettstoffwechsel angewiesen sind, bricht die Energieversorgung der Muskulatur schlagartig zusammen. Dies führt zu einem massiven und schmerzhaften Zerfall der Skelett-, Atmungs- und Herzmuskulatur.
Durch den rapiden Muskelzerfall gelangen große Mengen des rote Muskelfarbstoffs Myoglobin in die Blutbahn. Die Nieren filtern diesen Farbstoff aus dem Blut, was zu einer extremen Überlastung des Organs und zur typischen dunkelbraunen bis rotbraunen Verfärbung des Urins führt. Ohne eine unverzügliche intensivmedizinische Behandlung verläuft die Erkrankung bei etwa 70 bis 90 Prozent der betroffenen Pferde innerhalb weniger Tage tödlich.
Die Atypische Weidemyopathie tritt vor allem nach dem Weidegang im Herbst und Frühjahr auf und betrifft häufig mehrere Pferde einer Herde gleichzeitig. Da es kein spezifisches Gegengift gegen Hypoglycin A gibt, konzentriert sich die tierärztliche Therapie rein auf die Linderung der Symptome, die Verabreichung von Infusionen zur Nierenspülung sowie die Gabe starker Schmerzmittel.

Welche Symptome zeigen Pferde bei einer Ahorn-Vergiftung?
Die Symptome treten oft sehr plötzlich auf, meist innerhalb weniger Stunden nach der Aufnahme der Pflanzenteile.
Dazu zählen:
- Starkes Schwitzen und Muskelzittern
- Extreme Schwäche (das Pferd liegt viel oder kann nicht mehr aufstehen)
- Dunkelbraun bis rot gefärbter Urin (durch den Farbstoff Myoglobin aus zerfallenen Muskeln)
- Steifer Gang und Koordinationsstörungen
- Hängender Kopf und Teilnahmslosigkeit
- Normale bis leicht gesenkte Körpertemperatur
Im Alltag schleicht sich beim Koppel-Check schnell Routine ein. Schau im Frühjahr und Herbst lieber zweimal hin: Schon wenige Ahornkeimlinge oder Samen auf der Weide können dramatische Folgen haben. Vorsorge und ein wachsames Auge sparen am Ende Nerven und retten im Zweifel Leben!
Michelle
Redakteurin bei ehorses
Was musst du im Verdachtsfall sofort tun?
Wenn dein Pferd Anzeichen einer Atypischen Weidemyopathie zeigt, handelt es sich um einen akuten Notfall.
Rufe sofort den Tierarzt: Informiere den Tierarzt vorab über den Verdacht auf Atypische Weidemyopathie.
Bewege das Pferd so wenig wie möglich: Jeder Schritt zerstört weitere Muskelzellen. Transportiere das Pferd nicht unnötig.
Pferd warmhalten: Decke das Pferd ab, um die Muskeln vor dem Auskühlen zu schützen.
Stress vermeiden: Halte die Umgebung ruhig und biete frisches Wasser an.
Weide sofort sperren: Hole alle anderen Pferde sofort von der betroffenen Weide.
Wie kannst du dein Pferd vor giftigem Ahorn schützen?
Der effektivste Schutz ist das Fernhalten der Pferde von den giftigen Ahornarten und ihren Samen.
Bäume identifizieren: Prüfe, welche Ahornarten auf und an deinen Weiden stehen.
Weiden im Herbst kontrollieren: Zäune Bereiche unter Berg- und Eschenahornbäumen großzügig ab, sobald die Samen fallen.
Keimlinge im Frühjahr bekämpfen: Mähe oder reche Ahornkeimlinge im Frühjahr gründlich ab, bevor du die Pferde austreibst.
Zusatzfutter anbieten: Reiche auf der Weide ausreichend Raufutter (Heu) zu, damit die Pferde im Herbst nicht aus Hunger Samen aufnehmen.
Fragen & Antworten
Das Laub bestimmter Ahornarten wie dem Bergahorn und dem Eschenahorn ist für Pferde giftig, da es den tödlichen Giftstoff Hypoglycin A enthält.
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