Es fängt oft scheinbar harmlos an: Das Pferd läuft nicht mehr klar, vielleicht ist auch der Huf leicht erwärmt. Keine große Sache, oder? Von wegen! Das können die ersten Anzeichen einer Hufgelenksentzündung sein. ehorses nennt die wichtigsten Fakten zu dieser häufigen Ursache für Lahmheiten.
Das Hufgelenk braucht Dein Pferd bei jedem Schritt: Es macht die Beugung und Streckung möglich und lässt auch leichte Drehbewegungen zu. So kann sich Dein Pferd unebenem Boden anpassen. Ist das Hufgelenk entzündet, ist deshalb schnelle Hilfe wichtig – denn bei einer Hufgelenksentzündung läuft nichts mehr wie geschmiert.
Der Grund ist schlicht, dass der Gelenkknorpel „falsch“ geschmiert wird. Normalerweise hat die Gelenkflüssigkeit, in der zum Beispiel Hyaluronsäure steckt, eine hohe Viskosität. Das heißt, sie ist eher dickflüssig. Und das muss sie auch sein: Sie sorgt für das reibungslose Gleiten der Knorpelflächen bei der Bewegung. Dazu ernährt sie den Knorpel.
Durch eine Entzündung in der Synovialmembran wird plötzlich verstärkt wässrige Gelenkflüssigkeit produziert. Die Folge: ein Gelenkerguss. Dazu kommt es durch die schlechtere „Schmiere“ zu Knorpelschäden.
Wird eine Hufgelenksentzündung nicht behandelt, wird sie schnell chronisch. Damit es nicht so weit kommt, erfährst Du hier alles, was Du über Symptome, Ursachen und Behandlung wissen solltest:
1. Harter Boden kann die Ursache sein
Es gibt viele Auslöser für eine Hufgelenksentzündung – was vielleicht auch erklärt, warum sie zu den häufigsten Ursachen für Lahmheiten gehört. Auslöser sind oft Vertreten, Verletzungen, Überanstrengungen oder Fehlbelastungen. Aber auch Knochenchips können die Ursache sein. Ebenso können ein falscher Beschlag oder eine nicht passende Hufbearbeitung eine Hufgelenksentzündung auslösen. Sogar zu harter Boden kann die Entzündung im Hufgelenk verursachen.
2. Bei den Symptomen genau hinsehen
Das Fatale an einer Hufgelenksentzündung: Die Symptome sind oft nicht eindeutig, daher kann es passieren, dass zuerst andere Ursachen gesucht werden – von Hufprellung bis Rückenproblemen könnte nämlich alles möglich sein.
Erster Hinweis: In den meisten Fällen tritt eine Hufgelenksentzündung in den Vorderbeinen auf. Zu den leichteren Symptomen gehören zum Beispiel ein ungutes Gefühl beim Reiten beziehungsweise ein „unrunder“ Gang. Die Haupt-Symptome sind:
- Lahmheit
- eine Schwellung der Gelenke, weil sich zum Beispiel oberhalb des Kronsaums Flüssigkeit sammelt
- erwärmte Gelenke

3. Ist die Hufgelenksentzündung infektiös?
Bei der Hufgelenksentzündung unterscheidet man vor allem zwei Formen: nicht-infektiös und infektiös. Die nicht-infektiöse Hufgelenksentzündung ist die häufigste Form. Sie kann viele Ursachen haben, zum Beispiel ein schlichtes Vertreten, eine Knochenzyste im Hufbein, Fehlstellungen, aber auch eine Hufrollenentzündung. Haben betroffenen Pferde nicht ausreichend Ruhe oder wird eine nicht-infektiöse Hufgelenksentzündung nicht behandelt, entsteht eine chronische Form. In schweren Fällen mit Knorpel- und Knochenverletzungen können sich auch Arthrosen entwickeln.
Übrigens: Manchmal kann die Anatomie das Risiko für eine Hufgelenksentzündung erhöhen. Sind Pferde zum Beispiel bergab konstruiert, tragen sie mehr Last auf der Vorhand – dadurch steigt der Druck auf die Hufgelenke.
Seltener tritt die infektiöse Hufgelenksentzündung auf. Sie wird durch Bakterien ausgelöst. Normalerweise ist das Hufgelenk fast vollständig von der Hufkapsel bedeckt und dadurch vor Verletzungen geschützt. Doch manchmal können Bakterien eindringen, zum Beispiel bei einem Nagel- oder Kronentritt. Die bakteriellen Entzündungen führen zu einer starken Bildung von Entzündungsprodukten, die sehr aggressiv sind. Folge: Sie schädigen sehr schnell den Gelenkknorpel, so dass meistens eine Arthrose die Folge ist.
4. Die genaue Diagnose
Um eine Hufgelenksentzündung festzustellen, tastet sich der Tierarzt im Prinzip langsam voran. Zuerst wird eine klassische Lahmheitsuntersuchung gemacht. Sind zum Beispiel Schwellung und Wärme nicht so deutlich ausgeprägt oder lassen sie sich nicht zweifelsfrei einem Gelenk zuordnen, kann eine Beugeprobe Klarheit bringen.

Meist folgt dann die diagnostische Anästhesie. Dazu wird ein Lokalanästhetikum an einen Nerv oder in ein Gelenk gespritzt und dieser Bereich betäubt. Geht das Pferd nach der Anästhesie lahmfrei, so weiß der Tierarzt, wo der Schmerz genau ist. Außerdem helfen folgende Untersuchungen:
- Gelenk-Punktion: Hierbei wird Gelenkflüssigkeit gewonnen. Die Beschaffenheit der Synovia lässt sich bereits mit bloßem Auge beurteilen, zudem kann die Zusammensetzung in einem Labor genauer bestimmt werden. Bei einer Gelenkpunktion kann man auch den Druck im Gelenk messen, der bei einem Gelenkerguss erhöht ist.
- Gelenkspiegelung: In einigen Fällen kann es nötig sein, mit einem Arthroskop in das Gelenk hineinzuschauen. Insbesondere beim Verdacht auf Knorpelschäden, die auf einem Röntgenbild nicht sichtbar sind, hilft die Gelenkspiegelung.
- Computertomografie oder Magnetresonanztomografie: Diese Verfahren helfen bei der konkreten Diagnose.
- Szintigraphie: Sie zeigt entzündliche Prozesse frühzeitig auf, die noch nicht zu Gewebeveränderungen geführt haben.
5. Ruhe und Spritzen helfen
Zu der klassischen Behandlung gehören zum Beispiel Hyaluronspritzen, die direkt ins Hufgelenk injiziert werden. Dazu heißt es erst einmal Boxenruhe – sie kann, je nach Schwere der Entzündung, für wenige Tage bis mehrere Wochen empfohlen werden. Teurer und aufwändiger sind die so genannten regenerativen Therapien, dazu gehört die Stammzellentherapie.
In besonders schweren Fällen kann auch ein Nervenschnitt als letzte Möglichkeit in Betracht kommen, um dem Pferd eine schmerzfreie Zeit zu ermöglichen. Dabei werden die Nerven, die für die Versorgung des Hufes zuständig sind, durchtrennt. Das Pferd spürt im Anschluss keine Schmerzen mehr. Für Freizeitpferde kann dies die Lebensqualität deutlich verbessern.

6. Spezial-Eisen helfen bei der Heilung
Zur anschließenden Behandlung gehört neben einem Aufbautraining auch ein orthopädischer Hufbeschlag. Oft wird dann ein Beschlag aus Kunststoff genommen, da dieser leichter als Eisen sind und besser abfedert. Durch den orthopädischen Beschlag wird der Huf etwas steiler gestellt und so das Hufgelenk entlastet. Auch ein zusätzliches Polster kann helfen, um das Gelenk zu entlasten.
7. Wie Blutegel helfen können
Um die Heilung zu unterstützen, können auch Naturheilverfahren eingesetzt werden. Bei der Blutegeltherapie kommen Beispielswiese durch den Speichel der Blutegel zum Beispiel entzündungshemmende Stoffe in den Pferdekörper.
Dazu kannst Du auch durch spezielles Futter Deinem Pferd helfen. Es gibt Produkte mit Grünlippmuschel, MSM (Methylsulfonylmethan) oder Hyaluronsäure, die unterstützend wirken. Auch Kräuter können sinnvoll sein: Zum Beispiel Ingwer und Teufelskralle wirken entzündungshemmend.











