Wenn Dein Pferd beim Reiten die Zunge zeigt, solltest Du das als Reiter ernst nehmen. Erkennst Du es frühzeitig, kannst Du das Blatt eventuell noch wenden und so ein dauerhaftes Problem vermeiden.
Hat Dein Pferd einen Zungenfehler, muss Dir als Reiter bewusst sein, dass es sich hierbei nur um ein Symptom handelt. Die Gründe für den Fehler können nämlich vielschichtig sein. Ein Zungenfehler ist nicht nur das sichtbare Rausstrecken der Zunge, sondern umfasst alles, was das Spielen mit der Zunge oder eine starke Abwehrreaktion eben dieser angeht. Du musst also die Ursache suchen und diese beheben, sonst kannst Du die Situation sogar verschlimmern.
Der Hauptgrund für Zungenfehler ist häufig eine zu harten Reiterhand. Wenn Du also oftmals zu grob bist oder dauerhaft Druck auf das empfindliche Pferdemaul ausübst, werden viele Pferde früher oder später auf die ein oder andere Art versuchen, sich der Reiterhand zu entziehen. Manche Pferde legen sich auf das Gebiss, welches der Reiter an deutlich mehr Gewicht als sonst auf der Reiterhand merkt. Oder es beginnt, die Zunge herauszustrecken oder mit dieser zu spielen.
Zungenfehler können verschiedene Ursachen haben
Achte bei der Ursachenforschung darauf, ob das Pferd die Probleme mit der Zunge immer, also sowohl beim Reiten, als auch beim Longieren, zeigt. Wie verhält sich das Pferd unter dem Sattel, je nachdem, wie stark der Zügel angenommen ist oder wie deutlich er durchhängt? Hast Du das Problem beispielsweise sowohl ohne Sattel und Reiter auf dem Rücken, als auch bei einem lockeren Zügel, könnten gesundheitliche Ursachen den Zungenfehler auslösen.

Es ist also bei so einem Problem grundsätzlich wichtig, alle Möglichkeiten abzuklären, die gesundheitlicher oder mechanischer Natur sein könnten: Zahnkontrolle, Behandlung durch einen Physiotherapeuten und eventuell durch weitere Therapeuten, Sattelkontrolle, Überprüfung des Gebisses und der Trense. Auch eine schlecht sitzende Trense oder das falsche Gebiss können negativen Einfluss auf das Wohlbefinden des Pferdes haben.
Grundsätzlich gibt es folgende Ursachenmöglichkeiten für einen Zungenfehler:
- Überforderung/psychische Belastung
- harte Reiterhand
- fehlende Losgelassenheit
- schlecht sitzende Ausrüstung
- Zahnprobleme
- Maulprobleme
Das Schlimmste, was man bei einem Zungenfehler machen könnte, wäre ihn zu ignorieren. Denn dann kann es passieren, dass das Pferd unabhängig von der Situation beim Reiten die Zunge aus dem Maul streckt, weil es sich an diesen Zustand gewöhnt hat. So wird ein Zungenfehler zu einem chronischen Problem, auch dann, wenn die Ursache bereits behoben ist.
Ursachen bestimmen die Lösungen
Handelt es sich beim Zungenfehler um die Folge eines Ausrüstungsproblems, so kannst Du dieses schnell beheben, indem Du feinfühlig darauf achtest, womit sich das Pferd wohler fühlt. Und vor allem, dass jegliche Ausrüstung korrekt und passend verschnallt ist. Manche Ausbilder raten sogar dazu, den Nasenriemen etwas weiter zu schnallen, damit sich der Druck auf das Pferdemaul reduziert und das Pferd wieder Vertrauen fassen kann – dies funktioniert natürlich nicht bei jedem Pferd.
Tauschst Du Deine Ausrüstung aus, solltest Du nicht zu viel auf einmal verändern, lieber ein Teil pro Versuch. So kannst Du erstens nach dem Ausschlussverfahren vorgehen und zweitens das Pferd nicht überfordern. Ist der Reiter die Ursache für den Fehler, ist eine Lösung des Problems deutlich schwieriger. Grundsätzlich muss das gesamte Training überdacht werden, eventuell sollte auch der Reiter erst einmal das Pferd in fremde, möglicherweise weichere Hände geben, damit das Pferd wieder lernt, Vertrauen in die Reiterhand zu haben und sich fallen lassen kann.
Auch Reiter können aktiv werden
Der Reiter sollte an seiner eigenen Fitness und Balance arbeiten, um beim Reiten unabhängig von der Hand zu sitzen und sich zu bewegen. Dieser Punkt ist essentiell wichtig, um Pferd und Reiter wieder in einen harmonischen Einklang miteinander zu bringen. Möchtest Du dem Pferd mit einem Gebiss ein wenig unterstützen, kannst Du auf Gebisse mit Zungenfreiheit umsteigen. Auf Zungenstrecker sollte verzichtet werden, da sie meistens nur einen kurzen Effekt haben.
Zusammenfassend kann man also sagen, dass ein Zungenfehler keine Unart ist, sondern ein Hilfeschrei der Pferde. Deswegen muss man diesem auch genau so begegnen und alles Menschenmögliche tun, um der Ursache auf den Grund zu gehen und das Wohlbefinden des Pferdes wieder zu steigern.











