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Wallach Nasar lebt im Haus – seit neun Jahren

von Michelle Breitenfeld

Weil ein Orkan kam, holte Stephanie Arndt ihr Pferd kurzerhand ins Haus. Das war vor neun Jahren. Mittlerweile lebt das Paar in Spanien – und bildet immer noch eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft. ehorses sprach mit ihr über die ganz besonderen Eigenschaften ihres Araber-Wallachs und warum Nasar im Süden sein ganz privates Pferde-Paradies hat.

Als Orkan Xaver über Norddeutschland raste, machte auch Stephanie Arndt aus Holt in Schleswig-Holstein alles sturmsicher. Und holte ihren Araber-Wallach Nasar kurzerhand ins Haus. Eine Entscheidung, die ihr Leben auf den Kopf stellte…

Dabei fing eigentlich alles mit Christian an. Das Sturmtief raste Ende 2012 über Norddeutschland hinweg – „und verwüstete auch bei uns viel“, erinnert sich Stephanie Arndt. Vor allem entwurzelte das Sturmtief eine 300 Jahre alte Eiche neben Nasars Offenstall. „Da hatte ich wirklich Angst um ihn.“

Vorm Orkan kam Nasar ins Haus

Kurz danach wurde Orkan Xaver angekündigt. „Und er sollte noch viel schlimmer werden“, erinnert sich die Ärztin. Ihre größte Sorge galt dabei Nasar. „Um seinen Stall standen viele Bäume, manche 20 Meter hoch. Wenn die umstürzen, hätte der Stall keine Chance.“ Doch wohin soll Nasar? Die einfachste Antwort: ins Haus!

Foto: Patrick Lux

Also räumt sie ein Zimmer aus, legt es dick mit Stroh aus – und holt Nasar rein. Nach drei Tagen war der Orkan vorbei, doch Nasar blieb. „Er beschloss einfach, dass er ab jetzt auch im Haus lebt.“ Und Stephanie Arndt wusste: Wenn er sich etwas in den Kopf setzt, bleibt er dabei. Schließlich hatte sie ihn gekauft, als er gerade sechs Monate alt war.

Ein Pferd auf dem Flur?

Mit Nasar erfüllte sie sich damals einen Traum. „Schon als Kind liebte ich Pferde, typisch Mädchen“, sagt sie lachend. Von den Eltern gab es Reitkarten zu Weihnachten und zum Geburtstag. Aber ein eigenes Pferd? „Wir hatten ein Reihenhaus. Meine Eltern meinten nur: Wo soll es denn hin – auf den Flur?“

Nach der Schule ging sie zur Bundeswehr, studierte Humanmedizin – und startete sportlich als Triathletin durch. Doch der Traum vom eigenen Pferd blieb. Und als sie dann in Holt ein Friesenhaus bezog, war klar: Hier kann sie ihn sich endlich erfüllen – und das Pferd direkt am Haus halten.

Hauspferd Nasar wird zum Star

Und so kam Nasar zu ihr, „einen Tag nachdem er von seiner Mutter abgesetzt wurde“. Für ihn baute sie einen riesigen Stall. „Es sollte genug Platz für zwei Pferde geben“, erklärt Stephanie Arndt. Doch sie hatte die Rechnung ohne Nasar gemacht. „Er ist zurückhaltend, andere Pferde dominierten ihn zu sehr.“ Selbst ein Shetland-Pony drängte den Araber-Wallach zur Seite.

„Zum Schluss habe ich es mit einer Stute versucht. Und es klappte, es war sofort die ganz große Liebe“, erzählt Stephanie Arndt. „Doch die hielt genau drei Tage lang, dann stand Nasar wieder am Rand.“

Foto: Holde Schneider

Also blieb Nasar Pferde-Single – und fühlte sich damit rundum wohl. Und nach Sturm Xaver wurde er sogar zum „Mitbewohner“. „Er ist super neugierig und im Haus gab es so viel, was er erkunden konnte“, sagt Stephanie Arndt. Und da sie während des Sturms ein Foto von ihm in seinem „Zimmer“ ins Internet stellte, wurden Nasar und sie zum Star. Zeitungen und Fernseh-Teams besuchten Deutschlands ungewöhnlichste Wohngemeinschaft. „Ihm gefiel die Aufmerksamkeit“, sagt Stephanie Arndt lachend.

Auch in Spanien kam Nasar ins Haus

Doch mit dem gemeinsamen Leben im Friesenhaus war vor knapp sieben Jahren Schluss. Der Grund: Stephanie Arndt zog nach Spanien, genauer ins Terra Alta. Und Nasar? Kam natürlich mit. „Für ihn habe ich mir extra einen großen Transporter gekauft, in dem ich auch übernachten konnte.“ So hatte Nasar eben sein Haus auf Rädern…

Und auch in Spanien zog er direkt wieder mit ein. „Da gab es keine Diskussionen“, sagt Stephanie Arndt lachend. Das Leben mit einem Hauspferd ist übrigens viel unkomplizierter, als mancher denken mag – immerhin ist Nasar stubenrein. Sein Lieblingszimmer? „Die Küche – da könnte ja immer etwas für ihn zum Futtern sein.“ Und Nasar ist ganz selbstbewusst und bedient sich selbst, wenn er etwas vor seinen Nüstern findet…

Foto: Stephanie Arndt

Nach einem Unfall kämpft er um sein Leben

Während sich für Nasar das Leben kaum änderte, startete Stephanie Arndt in Spanien neu durch: Sie hat mittlerweile 130 Hektar, auf denen sie Oliven, Mandeln und Wein anbaut. „Ich mache auch mein eigenes Olivenöl, natürlich alles bio-zertifiziert“, sagt sie. Benannt hat sie ihre Firma natürlich nach ihrem Mitbewohner – NASAR:LAND.

Foto: Dirk Brotberg

Alles schien perfekt, bis zum 17. Juni 2017. Da brach Nasar in ein Erdloch ein. „Dort waren Wasserleitungen verlegt worden und das Loch war unzureichend zugeschüttet worden.“ Noch schlimmer: „Die Arbeiter vergaßen in dem Loch einen Stahlträger.“ Als Nasar einbrach, riss er sich daran das rechte Hinterbein 80 Zentimeter bis auf die Knochen auf. „Damals dachte ich, dass ich ihn gehen lassen muss.“

Doch Nasar hatte Glück: Vor Ort kämpfte eine Tierärztin um ihn. Mit Taschenlampen beleuchtet versorgte sie die Wunde und war überzeugt: Er hat eine Chance. Er kam in die Tierklinik in Barcelona. „Zuerst war es wichtig, dass sich Fleisch nachbildet, damit der Knochen bedeckt ist – wegen der Infektionsgefahr“, erklärt Stephanie Arndt. „Das war eine lebensgefährliche Situation.“

Unter Vollnarkose entnahmen die Ärzte Gewebeproben aus seiner Brust und seinem Bauch  und spritzen sie ins Bein. „Mit den Eigentransplantationen sollte das Zuwachsen beschleunigt werden.“ Zuerst schien das nicht zu helfen, doch dann wuchsen Hautzellen und sogar wieder weiße Haare.

Foto: Patrick Lux

Hier hat Nasar sein Paradies gefunden

Nach sieben Monaten durfte Nasar die Klinik wieder verlassen. „Als er den Transporter sah, ist er raufgerannt. Als wollte er sagen: Jetzt aber ganz schnell nach Hause.“ Kaum angekommen, ging er natürlich erst einmal ins Haus. „Er musste genau untersuchen, was sich geändert hatte…“

Seitdem genießt Stephanie Arndt jeden Tag mit ihm. „Und er führt hier das beste Leben, das es für ihn gibt“, sagt sie. „Er kann tun und lassen, was er will, sich vollkommen frei bewegen.“ Kein Wunder also, dass alle ihn kennen – und sogar Schulklassen an ihrem Wandertag Nasar besuchen. Oder er geht mit Stephanie Arndt, den Hunden und der Katze spazieren.

„Er ist ein Freigeist“, sagt seine Besitzerin. Ein typisches Pferdeleben wäre nichts für ihn. „Er wirkt so, als wäre er einfach im falschen Körper gelandet – und ist in Wirklichkeit ein Mensch. So will er auch behandelt werden.“

Und sie lässt ihm alle Freiheiten. „Er hat hier sein Paradies gefunden. Etwas Besseres gibt es doch nicht…“

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