Warum solltest du dein Pferd regelmäßig dehnen?
Regelmäßiges Dehnen hält die Muskeln, Sehnen und Bänder deines Pferdes elastisch, wodurch du das Verletzungsrisiko senkst und die Regeneration nach dem Training beschleunigst. Indem du die Muskulatur gezielt streckst, linderst du tiefe Verspannungen und förderst die Durchblutung, was den anschließenden Muskelaufbau effektiv unterstützt. Gleichzeitig steigert diese verbesserte körperliche Beweglichkeit das allgemeine Wohlbefinden deines Pferdes im Alltag spürbar.
Ein gedehntes und geschmeidiges Pferd kann seine Gelenke freier bewegen, was direkt zu einer größeren Schrittlänge und einer besseren Balance beiträgt. Dadurch fällt es deinem Pferd leichter, deine Reiterhilfen feiner und ohne körperliche Blockaden umzusetzen. Langfristig sorgt diese gesteigerte Flexibilität dafür, dass dein Pferd dein Reitergewicht optimal ausbalancieren kann und bis ins hohe Alter gesund bleibt.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für das Stretching?
Der einzig richtige Zeitpunkt für das Dehnen deines Pferdes ist der aufgewärmte Zustand nach einer aktiven Bewegungsphase, um schmerzhafte Muskelfaserrisse und Gewebeschäden zu verhindern. Kalte Muskeln, Sehnen und Bänder besitzen keine Elastizität und nehmen unter Zugspannung sofort Schaden. Führe Dehnübungen daher entweder direkt im Anschluss an deine Reiteinheit oder nach einer mindestens 15-minütigen, aktiven Schrittphase an der Hand durch.
Je nach Trainingsphase unterscheidet sich die Art des Stretchings grundlegend. Nach dem Training eignet sich die Phase des “Cool-Downs” hervorragend für intensivere, statische Dehnübungen, da die Muskulatur maximal durchblutet und dehnbar ist, was die anschließende Regeneration beschleunigt. Vor dem Training darfst du nach einer gründlichen Aufwärmphase im Schritt lediglich sanfte, dynamische Dehnreize setzen, um die Gelenkschmiere zu aktivieren und die Muskeln auf die anstehende Arbeit vorzubereiten.
Nach dem Training: Ideal für intensives Dehnen zur Entspannung.
Vor dem Training: Nur sanftes Anreizen nach einer gründlichen Aufwärmphase im Schritt.
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Übung 1: Die Halsdehnung nach unten (Karotten-Trick)
Die Halsdehnung nach unten (auch als „Karotten-Trick“ bekannt) dehnt die gesamte Oberlinie, den Nacken und die lange Rückenmuskulatur deines Pferdes. Durch das tiefe Absenken des Kopfes spannen sich die Bauchmuskeln an, was gleichzeitig die Lendenwirbelsäule entlastet und den Rücken sanft nach oben wölbt. Diese Dehnung eignet sich hervorragend, um die Durchblutung entlang der Wirbelsäule nach dem Reiten anzuregen und Verspannungen im Sattellagenbereich effektiv zu lösen.
Zudem fördert diese Dehnübung die Balance und die Körperwahrnehmung deines Pferdes im Stand. Da das Pferd sein Gewicht aktiv verlagern muss, um das Gleichgewicht beim Tiefbücken zu halten, kräftigt die Übung die tiefe Rumpfmuskulatur. Für dich als Reiter bietet die Übung eine einfache Möglichkeit, die tägliche Beweglichkeit der Halswirbelsäule deines Pferdes ohne großen Aufwand direkt am Putzplatz zu überprüfen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: So geht der Karotten-Trick:
Führe diese Übung nur mit einem aufgewärmten Pferd und auf einem rutschfesten, ebenen Untergrund durch.
Schritt 1: Die Ausgangsposition einnehmen
Stelle dein Pferd auf ebenem Boden auf und sorge dafür, dass es mit allen vier Hufen gleichmäßig und geschlossen steht. Stelle dich selbst seitlich auf Schulterhöhe neben dein Pferd.
Schritt 2: Das Lockmittel positionieren
Präsentiere deinem Pferd ein langes Leckerli (zum Beispiel eine Karotte) direkt vor dem Maul, um seine volle Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Schritt 3: Den Weg nach unten führen
Bewege deine Hand mit dem Leckerli langsam und in einer fließenden Bewegung nach unten und hinten zwischen die Vorderbeine deines Pferdes. Dein Pferd soll dem Futter mit der Nase in Richtung seiner Karpalgelenke (Vorderknie) oder Fesseln folgen.
Schritt 4: Auf die korrekte Haltung achten
Achte streng darauf, dass dein Pferd die Knie nicht beugt, nicht mit den Hinterbeinen nach hinten ausweicht und den Kopf im Genick nicht schief hält oder verwirft.
Schritt 5: Die Dehnung halten und belohnen
Halte die tiefe Dehnposition für 5 bis 10 Sekunden stabil. Füttere das Leckerli erst am tiefsten Punkt als Belohnung und richte den Pferdehals danach wieder langsam und kontrolliert auf.
Übung 2: Die seitliche Halsbiegung
Die seitliche Halsbiegung dehnt gezielt die seitliche Hals- und Schultermuskulatur deines Pferdes und verbessert so die Längsbiegung unter dem Sattel. Durch die Dehnung der äußeren Halsseite und das gleichzeitige Zusammendrücken der inneren Muskulatur wird die Halswirbelsäule mobilisiert. Dies hilft deinem Pferd, sich in Wendungen reeller zu biegen und beugt schmerzhaften Blockaden im Bereich der Halswirbel und des Schulterblatts vor.
Darüber hinaus schult diese Übung die Koordinationsfähigkeit und verfeinert das Körpergefühl deines Pferdes. Da es lernen muss, den Hals extrem zu biegen, ohne dabei mit der Hinterhand auszuweichen, kräftigt die Übung die stabilisierende Rumpfmuskulatur. Für dich als Reiter ist die seitliche Halsbiegung zudem ein hervorragender Indikator, um muskuläre Unterschiede zwischen der linken und der rechten Hand deines Pferdes frühzeitig zu erkennen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: So führst du die seitliche Halsbiegung aus:
Führe diese Übung nur mit einem gut aufgewärmten Pferd auf einem ebenen, rutschfesten Untergrund durch.
Schritt 1: Die Ausgangsposition einnehmen
Stelle dein Pferd auf ebenem Boden auf, sodass es geschlossen und mit gleichmäßiger Gewichtsverteilung auf allen vier Hufen steht. Positioniere dich seitlich auf Höhe des Pferdehalses.
Schritt 2: Das Leckerli präsentieren
Zeige deinem Pferd ein Futterlob (zum Beispiel eine Karotte) direkt vor seiner Nase, um seine Aufmerksamkeit zu fokussieren.
Schritt 3: Den Kopf seitlich führen
Bewege das Leckerli in einem weiten, langsamen Bogen seitlich am Pferdekörper entlang nach hinten in Richtung der Flanke oder des Steigbügels. Dein Pferd folgt dem Futterlob mit der Nase, während der restliche Körper ruhig stehen bleibt.
Schritt 4: Die korrekte Haltung kontrollieren
Achte genau darauf, dass dein Pferd sich in der Ganasche biegt, ohne den Kopf schief zu halten (zu verwerfen). Die Hüfte und die Hinterhand des Pferdes dürfen während der Drehung nicht zur Seite ausweichen.
Schritt 5: Die Dehnung halten und wiederholen
Halte die Dehnung am tiefsten Punkt für 5 bis 10 Sekunden, bevor du das Leckerli fütterst. Führe die Übung danach auf der anderen Seite im gleichen Maße aus, um muskuläre Dysbalancen effektiv auszugleichen.
Übung 3: Das Dehnen der Vorderbeine (Schulter-Stretching)
Das Dehnen der Vorderbeine dehnt die Brust- und Schultermuskulatur deines Pferdes und fördert die Schulterfreiheit. Durch diese Übung lockerst du den Bereich um das Schulterblatt und den Ellenbogen, was deinem Pferd hilft, die Vorderbeine in den Verstärkungen freier nach vorne herauszubringen. Besonders nach intensiver Arbeit unter dem Sattel oder auf tiefem Boden hilft dieses Stretching, die beanspruchte Brustmuskulatur zu entspannen und die Regeneration zu beschleunigen.
Darüber hinaus beugt das Schulter-Stretching Stolpern vor und verbessert das allgemeine Gleichgewicht des Pferdes. Wenn die Muskulatur rund um das Schultergelenk flexibel bleibt, kann dein Pferd Unebenheiten im Boden besser ausgleichen und sich geschmeidiger in engen Wendungen bewegen. Du kannst diese Übung zudem nutzen, um die Gelenkbeweglichkeit der Vorderbeine regelmäßig zu kontrollieren und Steifheiten frühzeitig zu erkennen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: So dehnst du die Vorderbeine richtig:
Führe dieses passive Stretching nur mit einem gut aufgewärmten Pferd auf einem absolut rutschfesten, ebenen Untergrund durch.
Schritt 1: Sicher aufstellen
Bringe dein Pferd in einen sicheren, geschlossenen Stand. Stelle dich seitlich auf Höhe der Schulter des Beins auf, das du dehnen möchtest, mit dem Blick nach hinten zum Pferdeschweif.
Schritt 2: Das Bein anheben und anwinkeln
Umgreife das Fesselgelenk des Vorderbeins und hebe es vorsichtig an. Winkle das Bein im Karpalgelenk (Vorderknie) zunächst locker an, damit sich die umliegende Muskulatur entspannt.
Schritt 3: Das Bein nach vorne führen
Führe das angewinkelte Bein langsam, kontrolliert und flach über dem Boden nach vorne-unten heraus. Der Huf zeigt dabei flach nach hinten, während das Bein sich sanft streckt.
Schritt 4: Ruckartige Bewegungen vermeiden
Ziehe das Bein deines Pferdes niemals mit Gewalt nach oben oder reiße es nach vorne. Die Dehnungsbewegung erfolgt immer fließend und flach in Richtung des Bodens, um Gelenke und Sehnen zu schonen.
Schritt 5: Die Dehnung halten und absetzen
Halte diese gestreckte Position für 5 bis 10 Sekunden. Setze das Bein danach wieder behutsam und kontrolliert auf dem Boden ab und wiederhole den Vorgang auf der anderen Seite.
Beim Training mit meiner Reitbeteiligung Coquett merke ich sofort, ob sie locker im Rücken ist oder noch Zwickmühlen hat, deshalb gehört eine kurze Dehnungsrunde für uns fest zum Trainingsprogramm. Für mich ist das effektive Wellness fürs Pferd, die mit minimalem Aufwand maximalen Nutzen für die Rittigkeit und die Gesundheit bringt.
Michelle
Redakteurin bei ehorses
Worauf musst du beim Dehnen deines Pferdes achten?
Du darfst eine Dehnungsbewegung niemals erzwingen, sondern musst immer penibel auf die körperlichen Signale deines Pferdes achten. Jedes Pferd besitzt eine individuelle anatomische Grenze, die du respektieren musst. Sobald dein Pferd Gegendruck erzeugt, zittert, den Huf unruhig wegzieht oder Anzeichen von Unbehagen zeigt, brichst du die Dehnübung sofort ab. Zudem führst du alle Übungen ausschließlich statisch aus und hältst die Position ruhig, da federnde oder wippende Bewegungen zu gefährlichen Mikrorissen im Muskelgewebe führen können.
Für ein sicheres und effektives Stretching benötigt dein Pferd einen absolut ebenen, rutschfesten Untergrund wie eine Stallgasse mit Gummimatten oder einen griffigen Hallenboden. Ein unsicherer Stand führt zu Ausweichbewegungen und erhöht das Verletzungsrisiko für dich und dein Pferd massiv. Darüber hinaus ist der vorherige Gesundheitscheck Pflicht. Du dehnst niemals ein Pferd, das eine ungeklärte Lahmheit, akute Entzündungen, Schwellungen oder frische Verletzungen am Bewegungsapparat zeigt. Halte in diesen Fällen oder bei anhaltenden Blockaden immer erst Rücksprache mit deinem Tierarzt oder Pferdephysiotherapeuten.
Woher weißt du, ob das Dehnen deinem Pferd wirklich guttut?
Du erkennst den Erfolg der Dehnübungen sofort an den direkten Entspannungsreaktionen deines Pferdes während oder unmittelbar nach dem Stretching. Wenn dein Pferd tief durchatmet, abkaut, die Lippen leckt oder demonstrativ abschnaubt, signalisiert es dir ein direktes Nachlassen der muskulären Spannung. Auch ein sichtlich tieferes Absenken des Halses in den Ruhephasen nach den Übungen zeigt dir, dass die gedehnte Muskulatur locker geworden ist und dein Pferd sich körperlich sichtlich entspannt hat.
Langfristig macht sich der Erfolg durch ein deutlich verbessertes Reitgefühl und eine gesteigerte Bewegungsfreude im täglichen Training bemerkbar. Du spürst, dass dein Pferd unter dem Sattel schneller in eine reelle Dehnungshaltung findet, sich in den Wendungen geschmeidiger biegen lässt und raumgreifendere Tritte zeigt. Zudem verbessert sich die allgemeine Tragekraft des Rückens, was dir das tägliche Satteln erleichtert und sich in einer zufriedenen, losgelassenen Ausstrahlung deines Pferdes widerspiegelt.
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Fragen & Antworten
Für dein Pferd gibt es aktive Stretching-Übungen, bei denen es sich mithilfe von Futterreizen selbst dehnt, sowie passive Übungen, bei denen du seine Beine sanft anhebst und dehnst.
Du dehnst dein Pferd richtig, indem du es vorab mindestens 15 Minuten im Schritt aufwärmst, jede Bewegung ohne Ruck oder Zwang ausführst, die Dehnung für 5 bis 10 Sekunden hältst und sofort aufhörst, wenn dein Pferd Widerstand zeigt.
Du löst Verspannungen bei deinem Pferd am besten durch eine Kombination aus einer langen Schrittphase beim Aufwärmen, gezielten Dehnübungen nach dem Training, regelmäßigen Massagen und abwechslungsreicher Bewegung an der Hand und unter dem Sattel.











