Home PferdewissenGesundheitHat mein Pferd Schmerzen? 3 Warnzeichen beim Putzen erkennen

Hat mein Pferd Schmerzen? 3 Warnzeichen beim Putzen erkennen

von Michelle Breitenfeld

Warum zeigt das Pferd Schmerzen oft erst beim Putzen?

Pferde verbergen Schmerzen als evolutionär geprägte Fluchttiere so lange wie möglich, um in der Herde nicht als potenzielles Opfer aufzufallen. Im alltäglichen Umgang oder beim bloßen Beobachten auf der Weide maskieren die Tiere körperliche Beschwerden daher sehr effektiv. Beim Putzen lässt sich dieses Schutzverhalten jedoch nicht aufrechterhalten, da du mit Putzzeug und Striegel direkten physischen Druck auf den Körper ausübst. Dieser mechanische Druck trifft ohne Umwege auf tiefliegende Muskelverspannungen, blockierte Wirbelgelenke oder entzündete Hautnerven, was das Pferd zu einer unmittelbaren und unwillkürlichen Reaktion zwingt.

Darüber hinaus berührst du beim Putzvorgang gezielt hochempfindliche Reflexpunkte und sensible Muskelpartien wie die Gurtlage, den Rücken oder die Kruppe. Ein schmerzfreies Pferd empfindet diesen Druck als angenehme Massage oder ignoriert ihn gelassen. Liegen jedoch Reizungen im Gewebe vor, löst die Bürste einen Schmerzreiz aus, den das Pferd durch deutliche Abwehrgesten oder Ausweichbewegungen quittiert. Das Putzen fungiert somit als eine Art unbewusster Test, der verdeckte Probleme im Bewegungsapparat oder organische Leiden wie Magengeschwüre sofort sichtbar macht.

Was ist ein normales Verhalten beim Putzen?

Ein gesundes und schmerzfreies Pferd zeigt beim Putzen eine entspannte Grundhaltung und nimmt die Berührungen gelassen an. Es steht mit locker getragenem Hals, kaut gelegentlich ab, schleckt oder döst mit leicht gesenkten Augenlidern und entspannten Ohren. Die Skelettmuskulatur gibt bei sanftem Druck der Bürste elastisch nach, ohne dass das Pferd aktiv ausweicht, den Atem anhält oder die Muskeln starr anspannt.

Ein gesundes Pferd lässt sich an allen Körperstellen ohne Drohgebärden oder Fluchtversuche putzen und genießt den physischen Kontakt in der Regel als soziale Fellpflege. Kleinere Reaktionen wie ein leichtes, kurzes Muskelzucken im Sommer sind meist nur normale Abwehrreaktionen gegen lästige Insekten. Das Pferd bleibt dabei jedoch in sich ruhend und zeigt keine Anzeichen von Stress oder Angst.

Normales Verhalten auf einen Blick:

  • Entspannte Mimik: Halboffene Augen (Dösen), hängende Unterlippe, Ohren locker zur Seite oder nach vorne gerichtet.

  • Lockerer Körper: Das Pferd steht auf drei oder vier Beinen (Schildern eines Hinterbeins ist völlig normal), atmet ruhig und tief in den Bauch.

  • Akzeptanz von Druck: Die Muskulatur gibt unter der Bürste weich nach, ohne dass das Pferd den Rücken wegdrückt oder ausweicht.

  • Kauen und Lecken: Zeichen für Entspannung und ein aktives parasympathisches Nervensystem.

Wie erkennst du Schmerzen beim Pferd?

Um Schmerzen beim Pferd sicher zu identifizieren, kombinieren Tierärzte und Therapeuten die Beobachtung des schmerzbezogenen Verhaltens mit der Messung physiologischer Parameter. Die sichere Diagnose stützt sich immer auf zwei Säulen: die körperlich messbaren Werte des Organismus und die Verhaltensänderungen des Tieres. Während Tierärzte die Vitalwerte klinisch prüfen, liefert dir die genaue Beobachtung der Körpersprache im Stall die wichtigsten Hinweise auf akutes Unbehagen.

Physische Schmerzanzeichen (Physiologische Parameter)

Physiologische Parameter liefern messbare Beweise für physischen Stress und Schmerz im Organismus des Pferdes. Zu diesen klinischen Werten gehören eine spürbar erhöhte Herzfrequenz (Puls), eine beschleunigte, flache Atmung (erhöhte Atemfrequenz) sowie eine leicht ansteigende Körpertemperatur. Auch ein plötzlicher, kalter Schweißausbruch ohne körperliche Anstrengung oder starkes Muskelzittern an bestimmten Körperpartien weisen auf akute physische Schmerzen hin. Diese körperlichen Reaktionen steuert das vegetative Nervensystem, weshalb das Pferd sie nicht bewusst unterdrücken oder maskieren kann.

Psychische Schmerzanzeichen (Schmerzbezogenes Verhalten)

Schmerzbezogenes Verhalten äußert sich durch deutliche psychische und emotionale Veränderungen im Wesen des Pferdes. Sobald Schmerzen auftreten, verändert das Tier seine gesamte Interaktion mit der Umwelt: Es zieht sich entweder teilnahmslos in sich selbst zurück (Apathie) oder reagiert im Gegenteil unerwartet schreckhaft, dünnhäutig und defensiv bis aggressiv im Umgang. Das Pferd zeigt vermehrt Frustrationssignale, verliert das Interesse an Futter oder Sozialkontakten und reagiert auf vertraute Reize wie das Halftern oder Putzen plötzlich mit deutlichem Unwillen oder Angst.

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Typische schmerzbedingte Verhaltensweisen auf einen Blick

Wenn Pferde unter Schmerzen leiden, äußert sich dies meist durch spezifische Verhaltensänderungen, die du direkt im Alltag beobachten kannst:

  • Veränderte Mimik (Schmerzgesicht): Zusammengezogene Augenbrauen (Sorgenfalte über dem Auge), weit geöffnete oder kantige Nüstern, eine extrem angespannte Kinnkette und seitwärts gerichtete, flach angelegte Ohren.

  • Abwehrverhalten bei Berührung: Drohen mit dem Kopf, gezieltes Beißen in Richtung des Menschen, Anheben des Hinterbeins zum Treten oder Schlagen mit dem Schweif ohne Insektenvorkommen.

  • Auffällige Körperhaltung: Ein weggedrückter, brettharter Rücken, ein tief oder extrem hoch getragener, blockierter Hals sowie ein vorsichtiges, entlastendes Schildern der Gliedmaßen.

  • Apathie oder Übererregbarkeit: Das Pferd wirkt matt, nimmt kaum Anteil an der Umwelt und zeigt einen starren Blick – oder es reagiert im Gegenteil extrem schreckhaft und weicht jeder Berührung hektisch aus.

Eine Hand mit hell lackierten Fingernägeln putzt die Schulter- und Halsbeuge eines weißen Pferdes (Schimmel) mit einem grünen Gummistriegel. Das Pferd trägt ein braunes Halfter und ist im Profil zu sehen.

Welche Schmerzanzeichen zeigen Pferde beim Putzen?

Im Folgenden stellen wir dir die drei am häufigsten übersehenen Warnzeichen vor, an denen du Schmerzen beim Putzen sofort erkennst.

Warnzeichen 1: Muskelzucken und Ausweichen im Rückenbereich

Weicht dein Pferd der Bürste im Rückenbereich aus oder zuckt die Muskulatur sichtlich zusammen, deutet dies direkt auf Schmerzen im Bewegungsapparat oder einen unpassenden Sattel hin. Gesunde Muskeln geben bei leichtem Druck elastisch nach. Ein schmerzender Rücken dagegen spannt sich bretthart an. Häufig versucht das Pferd auch, dem Druck der Bürste durch das Absenken des Rückens zu entkommen.

Warnzeichen 2: Drohgebärden beim Putzen der Gurtlage und des Bauchs

Beißt, tritt oder legt dein Pferd die Ohren an, sobald du die Gurtlage oder den Bauch putzt, leidet es sehr wahrscheinlich unter Gurtzwang oder Magengeschwüren. Diese empfindlichen Zonen reagieren extrem sensibel auf Berührung, wenn Entzündungen im Magen-Darm-Trakt vorliegen. Putzt du diese Bereiche, verbindet dein Pferd den Reiz sofort mit dem unangenehmen Druck des Sattelgurts. Ignoriere dieses Abwehrverhalten niemals als reines “Zicken”.

Warnzeichen 3: Permanentes Schweifschlagen und das “Schmerzgesicht”

Ein peitschender Schweif und eine angespannte Mimik beim Putzen signalisieren Stress und Unbehagen durch körperliche Schmerzen. Achte besonders auf die Augen und Nüstern deines Pferdes. Zusammengezogene Augenbrauen, weit geöffnete Nüstern und eine feste Kinnkette bilden das typische Schmerzgesicht. Schlägt das Pferd zusätzlich ohne Fliegenplage mit dem Schweif, drückt es damit aktiven Widerstand gegen die Berührung aus.

Ein gesundes Pferd genießt die Berührung beim Putzen wie eine soziale Fellpflege. Weicht es der Bürste im Rücken aus, zeigt uns das direkt eine schmerzhafte Blockade oder Muskelverspannung, die sofort behandelt werden sollte, bevor chronische Schäden entstehen.

Michelle
Redakteurin bei ehorses

Achte auf die leisen Signale deines Pferdes

Nimm dir beim täglichen Putzen bewusst Zeit für dein Pferd, denn deine ungeteilte Aufmerksamkeit ist der beste Tierschutz im Stallalltag. Achte genau auf diese feinen Signale, um Verspannungen oder Magenprobleme sofort zu erkennen, bevor sie chronisch werden. Zeigt dein Pferd eines oder mehrere dieser Warnzeichen dauerhaft, solltest du nicht zögern und zeitnah einen Tierarzt, Osteopathen oder Physiotherapeuten für eine präzise Diagnose hinzuziehen.

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Fragen & Antworten

Du stellst Schmerzen bei deinem Pferd fest, indem du Verhaltensänderungen wie Abwehrreaktionen oder ein verändertes Ausdrucksverhalten mit körperlichen Anzeichen wie einer erhöhten Herzfrequenz oder flachen Atmung abgleichst.

Ein Pferd mit Schmerzen erkennst du an einem angespannten „Schmerzgesicht“ mit Sorgenfalten über den Augen, kantigen Nüstern und einer festen Kinnkette sowie an einer sichtlich steifen, verkrampften Körperhaltung.

Pferde drücken Schmerzen feinfühlig über ein angespanntes Gesicht aus und zeigen bei stärkerem Unbehagen deutliche Verhaltensänderungen wie Lahmheiten, Widersetzlichkeit beim Reiten, extremes Schweifschlagen, Zähneknirschen oder aggressive Abwehrreaktionen bei Berührung.

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