Home PferdewissenFrühlingspower sicher im Griff: 5 Tipps für einen kontrollierten Start in die Ausreitsaison

Frühlingspower sicher im Griff: 5 Tipps für einen kontrollierten Start in die Ausreitsaison

von Michelle Breitenfeld

Endlich Sonne, endlich raus! Doch während du dich auf entspannte Galoppsprünge über weiche Waldwege freust, scheint dein Pferd ganz andere Pläne zu haben: Jeder Grashalm wirkt plötzlich verdächtig und der sanfte Windhauch im Schweif löst eher einen Raketenstart als Frühlingsgefühle aus.

Frühlings-Power sicher im Griff: So kanalisierst du die Energie deines Pferdes im Gelände

Das „Projekt Frühjahrsausritt“ gleicht oft einem Drahtseilakt zwischen herrlicher Idylle und unkontrolliertem Rodeo. Mit dem steigenden Lichteinfall und den milderen Temperaturen erwacht bei vielen Pferden ein natürlicher Vitalitätsschub, der die Konzentration im Gelände zur echten Herausforderung machen kann. Was für den Reiter als entspannter Saisonstart geplant war, entwickelt sich durch hormonelle Umstellungen und gesteigerten Bewegungsdrang oft zu einer stressbehafteten Situation.

Damit du die erste große Runde im Gelände jedoch nicht mit Schweißperlen auf der Stirn, sondern mit einem Lächeln im Gesicht genießt, ist eine Strategie gefragt, die sowohl die physische Auslastung als auch die mentale Fokussierung berücksichtigt. Die sogenannte „Frühlingsnervosität“ ist kein unkontrollierbares Schicksal: Wir haben fünf Tipps für dich zusammengestellt, die dir dabei helfen, das Energielevel deines Pferdes professionell zu kanalisieren, um es wieder zu einem verlässlichen Partner zu machen.

Tipp 1

Das „Dampf-Ablassen“ vorab

Setze dich nicht direkt auf ein „geladenes“ Pferd. Ein Pferd, das den ganzen Winter über vielleicht weniger Bewegung hatte, sprüht im Frühling vor Energie. Lass dein Pferd vor dem Ausritt kontrolliert auf dem Platz oder in der Halle laufen oder longiere es kurz an. Es geht nicht darum, das Tier zu ermüden, sondern den ersten überschüssigen „Dampf“ abzulassen, damit der Fokus wieder bei dir liegt.

Tipp 2

Paddock-Zeit vor Sattel-Zeit

Ein häufiger Fehler: Das Pferd kommt frisch aus der Box und soll sofort im Gelände funktionieren.

Gönne deinem Pferd vor dem Reiten mindestens ein bis zwei Stunden freie Bewegung auf dem Paddock oder der Weide. Wenn die Muskulatur bereits durch leichtes Grasen und Umherlaufen aufgewärmt ist, sinkt die Neigung zu explosiven Freudensprüngen unter dem Sattel deutlich.

Tipp 3

Die „Sicherheits-Begleitung“ wählen

Im Frühling ist alles neu: Die Gerüche ändern sich, Bauern fahren mit großen Maschinen aus und das Wild wird aktiver. Das verunsichert selbst routinierte Pferde. Suche dir für die ersten Runden im Gelände ein erfahrenes, gelassenes Begleitpferd. Die Ruhe des „alten Hasen“ überträgt sich auf deinen Youngster oder dein aufgekratztes Pferd. Ein entspanntes Vorbild wirkt oft Wunder gegen Frühlings-Gespinstern.

Tipp 4

Kopfpausen einbauen

Wenn dein Pferd draußen nur „nach vorne“ will, hilft es oft nicht, am Zügel zu ziehen – das sorgt nur für Gegendruck.

Beschäftige den Kopf! Baue kleine Volten ein, reite Schlangenlinien um Bäume oder fordere ein paar Schritte Rückwärtsrichten oder Seitwärtsgänge auf dem Waldweg. Wenn das Pferd sich auf deine Hilfen konzentrieren muss, bleibt weniger Kapazität für das Erschrecken vor dem Osterglöckchen.

Tipp 5

Ruhe übertragen (und im Zweifel absteigen)

Pferde sind Spiegel unserer eigenen Emotionen. Wenn du schon mit der Erwartung aufsteigst, dass dein Pferd heute „spinnt“, wird es das vermutlich auch tun. Achte auf deine Atmung. Tiefes Ausatmen in den Bauch signalisiert dem Pferd: „Alles ist okay.“ Und wenn es doch einmal zu brenzlig wird? Keine falsche Scham: Steig ab und führe ein Stück. Vom Boden aus gibst du deinem Pferd Sicherheit, und du vermeidest einen ungewollten Abgang. Sobald die Situation entspannt ist, kannst du wieder aufsitzen.

Mit Sicherheit und Schwung in die grüne Saison

Der Frühling ist eine wunderbare Zeit im Sattel, wenn man die biologischen Gegebenheiten respektiert. Doch bei aller Vorfreude gilt: Sicherheit geht immer vor. Es ist keine Schande, im Zweifelsfall einen Gang zurückzuschalten oder die Route zu verkürzen, wenn die Energie des Pferdes die eigenen Grenzen fordert. Ein kurzer Check-in bei Stallkollegen, wohin man reitet und wann man zurück sein will, gehört zur Routine dazu, besonders wenn die Frühlingsgefühle unter dem Sattel mitfahren.

Mit der nötigen Portion Vorbereitung und Gelassenheit wird aus dem „Frühlings-Zappelphilipp“ schnell wieder der verlässliche Partner für deine Touren. Wer die neue Energie nicht unterdrückt, sondern mit Verstand, Fokus und dem Bewusstsein für das eigene Sicherheitsgefühl in die richtigen Bahnen lenkt, gewinnt ein motiviertes Pferd und unvergessliche Momente in der erwachenden Natur.

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