Der deutsche Pferdesektor schlägt Alarm: Die massiven Kostensteigerungen durch die GOT-Novelle von 2022 haben die Branche in eine existenzielle Krise gestürzt. In einem gemeinsamen Vorstoß fordern die Spitzenverbände der Pferdesport- und -zuchtszene nun eine umfassende Korrektur der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT).
Kritik an der aktuellen Evaluierung
Momentan läuft eine Prüfung der Auswirkungen der GOT-Novelle durch das Unternehmen AFC Public Services. Die Verbände kritisieren diesen Prozess jedoch scharf als „weder umfassend noch realitätsnah“. Besonders pikant: AFC war bereits 2022 maßgeblich an der Ausarbeitung der aktuellen Gebührenstruktur beteiligt.
Ein Gruppeninterview zwischen den Verbänden und dem beauftragten Unternehmen verdeutlichte die Diskrepanz: Die Prüfer zeigten sich laut FN „sichtbar überrascht“ vom Ausmaß der Probleme. Dies beweise, dass die derzeitige Evaluierung die tatsächlichen Folgen für Tierhalter und Tierschutz bisher völlig unzureichend erfasse.
Dramatische Folgen für den Tierschutz
Die Schilderungen der Verbandsvertreter zeichnen ein düsteres Bild der aktuellen Lage im Land:- Rückgang der Zucht: Die Bedeckungszahlen sind massiv eingebrochen.
- Schulbetrieb vor dem Aus: Reitschulen schließen in alarmierender Häufigkeit.
- Existenzieller Druck: Pferdehalter können sich die Versorgung ihrer Tiere oft nicht mehr leisten.
- Tierschutz-Rückschritt: Notstationen (wie die Pferdeklappe) sind überfüllt; notwendige Behandlungen werden aus Kostengründen aufgeschoben oder Tiere wirtschaftlich bedingt getötet.
Die zentralen Forderungen an die Politik
In ihrem Schreiben an Minister Alois Rainer stellen die Präsidenten Prof. Dr. h.c. Martin Richenhagen (FN), Dr. Michael Vesper (Deutscher Galopp) und Peter Weihermüller (Traberzucht) klar: „Deutschland ist als Pferdeland in eine nie dagewesene Krise geraten.“
Die Verbände fordern konkret:
- Aufhebung der Verbindlichkeit: Die GOT soll kein starres Gesetz, sondern ein orientierender Rahmen sein (ähnlich wie in Österreich oder bei deutschen Architektenhonoraren).
- Erweiterung des Evaluationsauftrages: Eine umfassende Analyse unter Berücksichtigung aller Betroffenen gemäß § 12 der Bundes-Tierärzteordnung.
- Vergütung nach Absprache: Tierärztliche Leistungen sollen wieder verstärkt individuell zwischen Halter und Arzt vereinbart werden können.
Die Verbände betonen, dass sie kein „Gegeneinander“ mit den Tierärzten suchen, sondern einen verlässlichen Rahmen für Mensch und Tier benötigen. Dem Minister wurde ein persönliches Gespräch angeboten, um zeitnahe Lösungen zu erarbeiten.
Quelle: Equi-Pages











