Ein folgenschwerer Sturz im Jahr 2014 veränderte das Leben von Gianna Regenbrecht von einer Sekunde auf die andere. Trotz der Diagnose einer inkompletten Querschnittslähmung gab die junge Reiterin ihren geliebten Sport niemals auf. Heute zählt sie zu Deutschlands besten Para-Reiterinnen und blickt fest entschlossen in Richtung Zukunft.
Hinweis: Das Symbolbild ist KI-generiert und dient zur Veranschaulichung.
Ein tragischer Unfall verändert alles
Gianna Regenbrecht war gerade einmal 20 Jahre alt, als ein Reitunfall ihr Leben komplett auf den Kopf stellte. Um einem befreundeten Mädchen zu helfen, stieg sie auf ein ihr fremdes Pferd. Das Tier erschrak, stieg auf und stürzte nach hinten direkt auf die junge Reiterin. Die Diagnose war niederschmetternd: Der zweite Lendenwirbel war zersplittert und das Rückenmark beschädigt. Noch im Sand des Reitplatzes spürte Gianna Regenbrecht ihre Beine nicht mehr. Nach aufwendigen Notoperationen und einer Stabilisierung der Wirbelsäule mit Titan stand fest, dass sie eine inkomplette Querschnittslähmung davongetragen hatte.
Der harte Weg zurück und das erste Zehenwackeln
Obwohl die Ärzte ihr wenig Hoffnung machten, entwickelte die gebürtige Lippstädterin einen unbändigen Kampfgeist. Sie investierte jede freie Minute in die Rehabilitation und das Training. Nach acht Wochen im Krankenhaus folgte der erste große Meilenstein: Sie konnte ihren großen Zeh wieder bewegen. Es folgten zwei Jahre voller Höhen und Tiefen, Tränen und anstrengender Arbeit, in denen sie lernte, weitere Muskeln anzusteuern. Heute kann sie sich für kurze Momente abstützen und kurze Strecken stehen, ist im Alltag jedoch weitgehend auf ihren Rollstuhl angewiesen. Ihren Lebensmut verlor sie dabei nie. Gemeinsam mit ihrem Partner Marius unternahm sie Fernreisen und probierte sogar Mono-Ski im Winterurlaub aus.
Heimliches Training und der Weg in den Spitzensport
Die Rückkehr in den Sattel begann zunächst über die Hippotherapie, bei der die Bewegungen des Pferdes positive Reize an das Gehirn senden. Doch Gianna Regenbrecht wollte mehr. Heimlich trainierte sie mit ihrer Trainerin das richtige Reiten, bevor sie ihre Familie mit den Fortschritten überraschte. Da die Kraft in ihren Beinen nicht ausreicht, um dem Pferd präzise Signale zu geben, nutzt sie heute spezielle Hilfsmittel. Zwei Gerten dienen als Ersatzbeine, während Klettverschlüsse an den Oberschenkeln und besondere Steigbügel für die nötige Sicherheit im Sattel sorgen. Das Reiten steuert sie vor allem über die gezielte Spannung ihres Oberkörpers.
Internationale Ziele fest im Blick
Heute lebt und trainiert Gianna Regenbrecht am Bundesstützpunkt in Warendorf und studiert nebenbei Humanmedizin. Sie hat gelernt, ihren Pferden einen ganz eigenen Dialekt beizubringen, damit diese die veränderten Hilfen im Dressurviereck verstehen. Der Aufwand zahlt sich aus: Als erfolgreiche Kader-Athletin vertrat sie Deutschland bereits bei der Weltmeisterschaft 2022. Nach der Vorbereitung auf die Deutschen Meisterschaften in Balve hat die 32-Jährige bereits das nächste große Ziel vor Augen: die Paralympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Für sie bedeutet der Pferdesport mentale Stärke, Selbstbewusstsein und ein unschätzbares Stück Normalität.











