Home PferdewissenStallgeflüsterGestatten: Pumuckel, das kleinste Therapiepferd

Gestatten: Pumuckel, das kleinste Therapiepferd

von Michelle Breitenfeld

Er ist 50 Zentimeter klein, aber sein Herz ist riesig: Pumuckel, ein Mini-Mini-Shetty, ist Deutschlands kleinstes Therapiepferd. Sein Auftrag: Senioren zum Lachen bringen. Und darin ist der Schecke ein ganz Großer! ehorses sprach mit seiner Besitzerin über die schönste Aufgabe im Leben, warum eine gute Ausbildung so wichtig und jedes Lächeln der beste Lohn ist.

Er ist zwar ein ganz Kleiner, gleichzeitig aber ein ganz Großer: Pumuckel, ein Mini-Shetty im Mini-Format, ist nämlich mit seinen zwei Jahren bereits ein echter Star. Kein Wunder: Der Schecke ist schließlich Deutschlands kleinstes Therapie-Pony!

Dass er einmal Karriere machen würde, hat seine 58-jährige Besitzerin Carola Weidemann zuerst nicht gedacht: „Er kam eigentlich eher durch Zufall zu uns“, erzählt sie. Es begann mit einem Anruf von Pumuckels Züchter. „Bei ihm hatte ich schon einen anderen Mini-Hengst gekauft und da er wusste, dass ich mit meinen Ponys in Altenheime gehe, hatte er an mich gedacht.“

https://www.instagram.com/p/CbVZdxwsaSa/?hl=de

„Oh Gott, der ist wirklich sehr, sehr klein“

Die ehemalige Springreiterin war interessiert: „Aber als ich ihn das erste Mal sah, dachte ich nur: ‚Oh Gott, der ist wirklich sehr, sehr klein‘. Ich war schon schockiert und fragte mich, was ich mit ihm machen soll“, gibt sie zu. Denn Mini-Shettys werden normalerweise 80 Zentimeter groß. Doch Pumuckel erreichte gerade mal die 50 Zentimeter. „Eine Laune der Natur“, sagt Weidemann.

Trotzdem nimmt sie den kleinen Hengst mit: „Als er bei mir auf dem Hof ausstieg, kamen sofort alle Kinder angerannt. Sie stürzten sich auf ihn, nannten ihn Muck.“ Und weil der Mini-Schecke rötliches Fell hat, stand sein Name damit fest: Pumuckel. Mit „E“, anders als der Kobold aus Ellis Kauts Kinderbuch.

Doch würde Pumuckel wirklich ein Therapiepony werden? „Das ist eine ganz besondere Aufgabe – und da braucht man ganz besondere Pferde“, erklärt Weidemann. Sie weiß, wovon sie spricht: Seit Jahren bildet die Pferdetrainerin Ponys als Therapiepferd aus. Wie sie dazu kam? „Durch meine Familie“, sagt sie lachend. Genauer: durch ihre Mutter und ihre Tante.

https://www.instagram.com/p/CbhhV3IMnyr/?hl=de

Mit der Tante fing alles an

„Ich komme aus der Landwirtschaft, bin mit Tieren aufgewachsen. Als meine Mutter 86 war, bin ich immer zu ihr geritten. So konnte sie Mal wieder Pferde sehen. Das hat ihr immer so viel Spaß gemacht“, erinnert sich Weidemann. „Ich kam mit einem Pony zu ihr und nahm es mit in ihre Küche. Da war sie ganz aus dem Häuschen.“ So kam sie schließlich auf die Idee.

Auch ihre Tante, damals 96, war begeistert. „Als sie dann ins Altenheim ging, habe ich ihr versprochen: Ich komme Dich dort mit meinem Pony besuchen. Sie hat nur gelacht, aber ich bin wirklich gekommen. Dort habe ich dann erlebt, dass nicht nur meine Tante glücklich war, sondern alle Senioren, die mein Pony sahen.“ Damit stand für Weidemann fest: „Das will ich richtig anbieten.“

Pumuckel kommt in die Ausbildung

Aber dafür mussten die Ponys erst einmal in die Ausbildung. Und vor allem: „Nicht jedes Pony kann diesen Job“, sagt Weidemann. „Die Ponys interagieren mit den Senioren. Da müssen sie klug sein – und sehr besonnen. Sie brauchen eine natürliche Freude und Neugierde am Menschen. Und sie dürfen natürlich weder ängstlich noch aggressiv sein.“ Selbst beim Anbinden müssten sie ganz ruhig stehen, dürften nicht mit den Hufen scharren.

https://www.instagram.com/p/COVzqL-siNi/?hl=de

Genauso ist Pumuckel – und so begann vor einem Jahr seine Ausbildung. Der erste Schritt: Er musste sich führen lassen: „und zwar in jeder Situation – egal, ob ich schneller oder ganz langsam ging. Pumuckel blieb immer ganz entspannt neben mir.“ Dann kam Schritt zwei: Rampen! „Ich habe hier unterschiedliche Rampen, mal breit, mal schmal, lang, kurz. Die hat er alle cool gemeistert.“ Was so leicht klingt, braucht jedoch seine Zeit: „Die Übungen müssen oft wiederholt werden und dann darf er nicht die Lust verlieren. Deshalb dauern schon diese ersten Schritte Wochen“, so Weidemann.

Autofahrt? Das Pferd Pumuckel sitzt auf dem Beifahrersitz

Danach ging’s dann zum ersten Mal ins Haus: „Pumuckel kam in meine Küche und tat, als wäre es das Normalste von der Welt.“ Auch den ersten Test bestand der Kleine sofort: Die Autofahrt: „Pumuckel kommt auf den Beifahrersitz und wird mit einem Hundegeschirr gesichert. Er ist ja gerade mal so groß wie ein Hund.“

https://www.instagram.com/p/CPK4GulLzGI/?hl=de

Nachdem die Autofahrt bestanden war, folgte der nächste Außentest: „Ich habe ihn in einen Blumenladen und einen Baumarkt mitgenommen. Die unterschiedlichen Böden, die vielen Gerüche, die Menschen, die auf ihn zukamen – das war ganz schön viel.“, berichtet Weidemann. Doch trotz allem: Pumuckel blieb cool.

Jede schnelle Bewegung kann zum Sturz führen

Zuhause lernte er dann auch neben einem Rollator und einen Rollstuhl zu gehen: „Jede schnelle Bewegung des Ponys heißt Sturz des Bewohners. Deshalb muss ich da hundertprozentig sicher sein.“ Und Pumuckel müsse auch clever sein: “Wenn er neben einem Senior zur Tür geht – und zusammen passen sie nicht durch – dann muss er stehen bleiben und darf sich nicht durchdrängeln. Er muss abwarten, wie sich der Senior entscheidet und dann entsprechend reagieren.“ Und selbstverständlich muss er Fahrstuhl fahren können. Denn im Altenheim besucht er auch die Senioren, die ihr Zimmer nicht mehr verlassen können.

https://www.instagram.com/p/CbhhBGCMFQO/?hl=de

Seinen ersten Besuch im Altenheim hat Pumuckel mit zwei tierischen Kollegen absolviert. „Ich nehme immer zwei oder drei Ponys mit. Für eins alleine wäre es einfach zu viel.“ Mit seiner besonderen Größe ist Pumuckel aber überall der Star. Und für ihn sind die Einsätze ein großer Spaß: „Er will immer gerne mit.“

„Alle Feiertage dieses Jahr waren heute“

Für Weidemann ist immer noch jeder Besuch im Altenheim einzigartig: „Die meisten Bewohner kommen aus der Landwirtschaft oder aus dem Bergwerk. Sie kennen Ponys – und verbinden ganz viele Erinnerungen mit ihnen.“ Dabei wird sie einen älteren Herrn nicht vergessen: „Er hat Pumuckel gesehen und fing an zu weinen. Ich bin später dann noch einmal zu ihm gegangen und habe lange mit ihm gesprochen. Er hat früher mit Pferden gearbeitet und auch gezüchtet. Am Ende hat er zu mir gesagt: ‚Alle Feiertage dieses Jahr waren heute‘. Das hat mich sehr berührt.“

https://www.instagram.com/p/COauhpxME5q/?hl=de

„Die Freude bei den Senioren zu sehen – das ist unbezahlbar“, sagt Weidemann: „Manche wurden abgeschoben, bekommen keinen Besuch. Für sie sind die Ponys ein Glücksmoment. Und: Wir könnten heute nicht so leben, wären diese Senioren nicht gewesen. Wenn ich ihnen mit meinen Ponys etwas wiedergeben kann, dann ist das wunderbar.“

Und Pumuckel? Der hat sich nach dem Besuch nicht nur eine Extra-Portion Streicheleinheiten verdient: Mit seinen tierischen Freunden tobt er in seinem Feierabend über die Weiden: „Ich achte sehr darauf, dass es meinen Ponys gut geht. Deshalb mache ich höchsten zwei oder drei Besuche pro Woche. Nach jedem Besuch haben sie zwei Tage Verschnaufpause. Und dann haben sie auch immer wieder drei Monate Auszeit, in denen sie einfach das Leben genießen können.“ Und das steht ihnen zu, den kleinen Helden der Herzen auf vier Hufen.

Dein direkter Draht zur Pferdewelt!

Mit unserem Newsletter für Pferdebegeisterte.