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Fruktangehalt im Gras: Das sollten Pferdehalter wissen

von Michelle Breitenfeld

Mit der Weidezeit kommt in vielen Ställen auch wieder die Fruktan-Unsicherheit. Denn das Kohlenhydrat gilt als problematisch. Doch stimmt das wirklich? Hier die wichtigsten Fakten zum Fruktangehalt im Gras, und was das beim Pferd macht.

Für Pferde ist die Weidezeit sicherlich die schönste Zeit des Jahres: Saftiges Gras als „All-You-Can-Eat-Büffet“, viel Spielzeit mit Artgenossen – einfach herrlich. Doch Pferdebesitzer gucken oft sorgenvoll auf diese Zeit. Der Grund: Fruktan. Oder besser gesagt: Die Unsicherheit, wie gefährlich dieser Stoff, der im Gras steckt, für Pferde wirklich ist.

Was ist Fruktan eigentlich? Es ist ein langkettiges Kohlenhydrat, das in Pflanzen als kurzzeitiger Energiespeicher dient. Und genau diesen Effekt können Pferde auch nutzen. Denn Kohlenhydrate wie Fruktane werden vom Pferdekörper zum Beispiel im Dünndarm aufgespalten, um daraus Energie zu gewinnen.

Auch Pferde brauchen Eiweiß.
Foto: pixabay.com/dendoktoor (Symbolbild)

Was macht Fruktan beim Pferd?

Das Problem: Ist der Fruktangehalt im Gras zu hoch, kann er den Pferdekörper belasten. Doch das gilt nicht nur für Fruktan, sondern insgesamt für nicht-strukturiere Kohlenhydrate, zu denen neben Fruktan auch Zucker und Stärke zählen. Wenn Pferde zu viele nicht-strukturierte Kohlenhydrate aufnehmen, können unverdaute Kohlenhydratrückstände in den Dickdarm gelangen. Und dort belasten sie die empfindliche Darmflora. Dadurch entstehen Gase und Toxine. Mögliche Folgen können Durchfall oder Kotwasser sein.

Vor allem aber steht Fruktan im Ruf, Hufrehe auszulöst. Und tatsächlich zeigen Studien: Nehmen Pferde zu viel Fruktan auf, steigt die Gefahr für Hufrehe deutlich an. Das „Institut of Grasland and Environmental Research“ in Wales bewies: Die Aufnahme von 7,5 Gramm Fruktan pro Kilo Lebendgewicht führt bei gesunden Pferden innerhalb von zwei Tagen zu Hufrehe.

Aber: So viel Fruktan nimmt ein Pferd nicht auf. Denn: Ein 500 Kilo schweres Pferd müsste demnach 3,5 Kilo Fruktan futtern. Auf der Weide nimmt ein Pferd zwar täglich etwa 30 Kilo frisches Gras zu sich. Doch das entsprach bei der Untersuchung nur 480 Gramm Fruktan – also deutlich weniger als die kritische Menge. Unklar ist jedoch noch, welche Fruktanmengen in Kombination mit anderen Hufrehe-Risiken wie zum Beispiel Übergewicht, Cushing oder EMS das Risiko steigern.

Pferd wälzt sich im Gras.
Foto: pixabay.com/Stefan Schweihofer (Symbolfoto)

Fruktangehalt kann variieren

Daher solltest Du den Fruktangehalt der Weiden im Auge behalten. Denn der kann variieren. So steckt in einer abgefressenen Weide deutlich mehr Fruktan. Der Grund ist simpel: Je kürzer die Pflanze ist, desto schneller will sie wachsen und produziert demnach viel Energie – also Fruktan. Andererseits zeigt ein US-amerikanische Studie von 2017, dass regelmäßiges Mähen die Konzentration von nicht-strukturieren Kohlenhydraten, zu denen auch Fruktan und andere Zuckerarten zählen, reduziert.

Pferde, die auf Weiden mit kürzerer Grasnarbenhöhe grasen, zeigten den Studienergebnissen zufolge eine abgeschwächte Insulinreaktion im Blut. Die Schlussfolgerung der Forscher: Durch Beibehaltung einer kürzeren Weidegrashöhe kann das Hufreherisiko potenziell gesenkt werden.

Und auch das Wetter beeinflusst den Fruktangehalt. Eine Doktorarbeit am Institut für Tierernährung der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover von 2003 ergab: Im Frühjahr und Herbst ist der Fruktangehalt hoch, im Sommer eher niedrig. Dabei zeigte sich: Scheint die Sonne viel, ohne dass die Temperaturen hoch sind, ist der Fruktangehalt hoch. Steigen die Temperaturen, verringerte sich der Fruktangehalt.

Pferde abends bei Dämmerung auf der Koppel.
Fot: pixabay.com/Boris Trost (Symbolfoto)

Aufgrund das schwankenden Fruktangehalts gibt es einige Empfehlungen, wann Pferde bedenkenlos auf der Weide stehen können – und wann nicht. So lautet etwa eine Tempfehlung, Pferde nach kalten Nächten nicht gleich am frühen Morgen auf die Weide stellen. Und wenn es sehr heiß und trocken ist sowie die Weide abgefressen, sollte die Weidezeit verkürzt werden.

Der Fruktangehalt im Gras hängt aber auch von anderen Faktoren ab, etwa von der Art des Grases. Besonders Deutsches Weidegras und Wiesenschwingel gelten als furktanreiche Gräser. Wer seine Weiden neu ausseht, kann also darauf auchten, fruktanarme Saatmischungen oder Gräser wie Knaulgras, Rotschwingel oder Wiesenlischgras zu sähen.

Fruktan steckt auch in Heu

Pferde nehmen nicht-strukturierte Kohlenhydrate wie Zucker aber nicht nur über das Weisegras auf. Auch in Möhren und Obst sowie in vielen Fertigfuttermitteln steckt Zucker. Daher solltest Du die gesamt Ernährung Deines Partners auf vier Hufen berücksichtigen, wenn es anfällig für Futterrehe ist.

Pferd frisst Heu
Foto: pixabay.com/Congerdesign (Symbolfoto)

Übrigens: Fruktan steckt nicht nur im frischen Gras. Untersuchungen von 15 Heusorten des Grasforschungsinstituts „Rocky Mountain Research and Consulting“ in Colorado zeigten, dass im Heu auch hohe Anteile von Fruktan vorhanden sind. Teilweise im Vergleich zu frischem Gras. Experten sagen, dass die Witterungsbedingungen des Schnittzeitpunkts über den Fruktangehalt entscheiden.

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