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Cushing Syndrom – Stoffwechsel außer Kontrolle

von Dr. Gabriele Alber
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Anzeige: Zweimal im Jahr stellt der Fellwechsel für den Stoffwechsel jedes Pferdes eine Herausforderung dar. Falls Dein Pferd Probleme mit dem Fellwechsel hat, solltest Du aufmerksam werden. Denn es könnte sich um ein mögliches Symptom des Equinen Cushing Syndroms (ECS) handeln. Hier erfährst Du alles zum Cushing-Syndrom beim Pferd.

Dem 18-jährigen Warmblut-Wallach Jonny fällt  der Fellwechsel dieses Jahr besonders schwer. Viel zu langes, teilweise lockiges Fell schmückt das schmächtige Pferd mit den auffälligen Fettpolstern über den Augen und an der Kruppe. Während seine Stallgenossen über die Koppel toben, steht Jonny oft teilnahmslos am Rand. Schon kleine Anstrengungen bringen ihn trotz der kühlen Temperaturen richtig ins Schwitzen. Jonny‘s Besitzer machen sich große Sorgen um ihren einst so fitten Liebling. Sie entscheiden sich schlussendlich Jonny tierärztlich untersuchen zu lassen. Schnell steht fest, Jonny leidet am Equinen Cushing Syndrom.

Das Cushing Syndrom beim Pferd – Ein komplexes Krankheitsbild

Eine kleine tumorartige Veränderung an der Hypophyse des Pferdes führt zu einer vermehrten Bildung des Hormons ACTH, welches wiederum die Bildung von Cortisol in der Nebenniere anregt. Normalerweise reguliert ein anderer Botenstoff, Dopamin, durch seinen hemmenden Effekt auf die ACTH Produktion diesen fein abgestimmten Regelkreis. Bei Cushing Pferden sind die dopamin-transportierenden Nervenbahnen geschädigt – die ACTH Produktion an der Hypophyse und in Folge der Cortisolspiegel geraten außer Kontrolle. Mit all den negativen Folgen für den Stoffwechsel.

Wie häufig tritt das Cushing Syndrom bei Pferden auf?

Diverse Untersuchung in Großbritannien und Australien haben gezeigt, dass mittlerweile 20 bis 30 Prozent der älteren Pferde unter dem Cushing Syndrom leiden. Jedoch wird die Krankheit nur von einem sehr geringeren Teil der Pferdebesitzer als solche erkannt. Auch in Deutschland wird die Hormonstörung immer häufiger festgestellt.

Equine Cushing Syndrom – An diesen Symptomen erkennst Du die Hormonstörung

Cushing Syndrom Pferd: Pinto auf der Wiese

Cushing Pferde haben oft eine übermäßige Behaarung und leiden unter Übergewicht.

Neben dem Leitsymptom Hirsutismus (übermäßige, oft lockige Behaarung), zeigt sich Cushing beim Pferd meist durch verminderte Leistungsfähigkeit und starkes Schwitzen ohne nennenswerte Belastung. Viele betroffene Pferde, insbesondere jene mit einer Störung im Zuckerhaushalt, neigen zu Hufrehe. Veränderungen im Fett- und Eiweißstoffwechsel führen zu einer auffälligen Fettumverteilung und zu Muskelabbau. Durch die katabole Stoffwechsellage werden insbesondere die Leber und die Nieren belastet, Polyurie (vermehrter Urinabsatz) und Polydypsie (vermehrtes Trinken) treten häufig auf. Der fehlregulierte Cortisolspiegel bei Cushing Pferden resultiert in verminderter Stresstoleranz, Immunsuppression und Fruchtbarkeitsstörungen. Generell gilt, dass die Ausprägung und die Kombination der möglichen Symptome individuell bei verschiedenen Cushing Pferden unterschiedlich sein können

Eine rasche Diagnose ist bei Cushing entscheidend

Obwohl das Equine Cushing Syndrom in den letzten Jahren stark an Bekanntheit gewonnen hat, denken viele Pferdebesitzer bei den klassischen Symptomen häufig zunächst an banale Alterungserscheinungen ihres Pferdes. In der Folge bleibt Cushing bei vielen Pferden, mit seinen belastenden Symptomen, lange unentdeckt.

Um das Cushing Syndrom als solches zu erkennen, braucht der Tierarzt eine Blutprobe des Pferdes. Oft wird vor allem im Herbst (August, September, Oktober) untersucht, da verschiedene Studien gezeigt haben, dass der Blutspiegel von Cushing-Pferdes deutlich höher ist als bei Vierbeiner, die nicht unter dem Equine Cushing Syndrom leiden. Die Diagnose Cushing wird durch die Auswertung definierter Blutparameter, insbesondere ACTH und Cortisol, sowie Insulin, Glukose und verschiedener Leberwerte unter Berücksichtigung des klinischen Erscheinungsbildes des Pferdes gestellt. Auf dieser Basis entscheidet die Tierärztin/der Tierarzt über die notwendigen Therapiemaßnahmen. Wichtig, wenn auch nicht immer einfach, ist die Abgrenzung zum Equinen metabolischen Syndrom (EMS). Letzteres betrifft im Kontrast zum Equinen Cushing Syndrom eher jüngere Pferde unter 15 Jahren und geht in der Regel mit einem adipösen Erscheinungsbild einher. Das Cushing Syndrom tritt meist bei älteren Pferden ab dem 15. Lebensjahr auf.

Mehr Lebensqualität für Cushing Pferde mit der richtigen Fütterung

Trotz der Tatsache, dass es sich beim Equinen Cushing Syndrom um eine chronisch progressive Erkrankung handelt, lässt sich im Bereich der Ernährungsmedizin und durch weitere entsprechende Maßnahmen die Lebensqualität, die Vitalität und die Prognose des Pferdes deutlich verbessern. Ob eine Medikation notwendig ist, muss die Tierärztin/der Tierarzt individuell entscheiden. Allgemein gilt jedoch:

Die Grundfutterration eines am Cushing Syndrom erkrankten Pferdes sollte aus hochwertigem Heu und/oder Futterstroh ad libitum (zur freien Verfügung) bestehen.

Als empfehlenswerte Energielieferanten gelten beispielsweise unmelassierte Rübenschnitzel, Leinsamen und hochwertige Öle. Vor allem bei Vorliegen einer Insulinresistenz oder bei Hufrehe muss die Fütterung von frischem Gras und Müsli (reich an Zucker und Kohlenhydraten) individuell entschieden werden. Allgemein ist hier jedoch Zurückhaltung geboten.

Zur Erhaltung einer gesunden Muskulatur empfiehlt sich die Fütterung hochwertiger und bedarfsgerecht kombinierter Aminosäuren zum Beispiel aus proteinhaltigen Ergänzungsfuttermitteln.

Die besondere Stoffwechsellage bedingt einen erhöhten Bedarf an Antioxidantien und anderen Mikronährstoffen. Die Fütterung einer ausgewogenen und bedarfsgerechten Kombination von Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen in Form hochwertiger Nutraceuticals ist zur Unterstützung aller Stoffwechselprozesse notwendig und sollte vorgenommen werden.

Die Fell- und Hufpflege, sowie die generelle Belastung, muss den neuen Bedürfnissen angepasst werden.

Ein neues Pferdeleben trotz Cushing Syndrom

Wie viele Pferdehalter waren auch Jonny’s Besitzer mit der Diagnose Cushing zunächst etwas überfordert. Durch das Ergreifen der entsprechenden Maßnahmen und das Eingehen auf Jonny’s neue Bedürfnisse, ist er heute wieder ein lebensfrohes und weitestgehend beschwerdefreies Pferd.

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