Home PferdewissenTrinkt dein Pferd genug? Faltentest + Tipps zum Trinken

Trinkt dein Pferd genug? Faltentest + Tipps zum Trinken

von Michelle Breitenfeld

Trinkt mein Pferd genug? Die Faustregel

Ein ausgewachsenes Pferd benötigt im Ruhezustand täglich etwa 30 bis 60 Liter frisches Wasser. Dieser Grundbedarf verdoppelt oder verdreifacht sich bei starker körperlicher Arbeit, hoher Trächtigkeit oder extremen Sommertext-Temperaturen auf bis zu 100 Liter pro Tag.

Wenn das Pferd saftiges Weidegras frisst, nimmt es darüber bereits erhebliche Mengen Feuchtigkeit auf. Die reine Heufütterung im Stall erhöht den Trinkwasserbedarf dagegen deutlich.

Bei starker Hitze oder intensiver sportlicher Belastung steigt der tägliche Wasserbedarf eines Großpferdes auf bis zu 100 Liter an. Nutze für die bedarfsgerechte Versorgung klare Entscheidungspfade:

  • Wenn die Temperaturen über 25 Grad Celsius liegen und leichte Arbeit ansteht, benötigt ein Pferd rund 50 Liter Wasser.
  • Wenn das Thermometer weiter steigt oder ein anstrengendes Training absolviert wird, erhöht sich der Bedarf auf bis zu 80 Liter.

Sorge dafür, dass deinem Pferd sowohl im Stall als auch auf der Weide jederzeit unbegrenzter Zugang zu sauberem Trinkwasser zur Verfügung steht.

Welche gesundheitlichen Folgen hat Wassermangel beim Pferd?

Eine ausreichende Wasserversorgung ist im Sommer lebenswichtig, da Pferde bis zu zehnmal schneller als Menschen überhitzen und enorme Flüssigkeitsmengen über den Schweiß verlieren. Bei sommerlichen Temperaturen verliert ein Großpferd bereits im Ruhezustand etwa einen halben Liter Flüssigkeit pro Stunde. Während intensiver Trainingsarbeit auf dem Reitplatz oder im Gelände steigt dieser Verlust rasant auf fünf bis zehn Liter Schweiß pro Stunde an. Dieser hohe Flüssigkeitsverlust entzieht dem Körper nicht nur reines Wasser, sondern auch lebenswichtige Mineralstoffe und Salze, die sogenannten Elektrolyte.

Ein unbemerkter Flüssigkeitsmangel beeinträchtigt die Gesundheit des Tieres sofort und führt im schlimmsten Fall zu lebensbedrohlichen Zuständen. Die verminderte Blutmenge verlangsamt die Blutzirkulation, wodurch Organe und Muskeln zu wenig Sauerstoff erhalten. Zudem verlangsamt sich die Darmtätigkeit, was das Risiko für schwere Verstopfungskoliken massiv erhöht. Im Extremfall drohen ein vollständiger Kreislaufschock, Organschäden oder akute Hufrehe. Daher müssen Reiter, Pferdebesitzer und Verkäufer das Trinkverhalten ihrer Tiere im Sommer lückenlos überblicken.

Dehydration beim Pferd erkennen: So geht der Hautfaltentest!

Du erkennst Wassermangel am schnellsten durch den sogenannten Hautfaltentest an der Pferdeschulter.

Du führst den Hautfaltentest mit einem einfachen Griff im mittleren Drittel des Pferdehalses oder direkt vor dem Schulterblatt durch. An diesen Stellen ist die Haut elastisch genug, um ein präzises Testergebnis über den Hydrationszustand zu liefern.

Gehe für den Test Schritt für Schritt vor:

  1. Haut greifen: Nimm eine Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger.

  2. Ziehen: Ziehe die Falte sanft einige Zentimeter vom Pferdekörper weg nach außen.

  3. Loslassen: Lass die Haut abrupt los und beobachte die Reaktion sekundengenau.

Bei einem gut hydrierten Pferd verstreicht die Hautfalte sofort innerhalb von unter zwei Sekunden vollständig. Bleibt die Falte länger als zwei Sekunden sichtbar stehen oder bildet sich nur in Zeitlupe zurück, leidet dein Pferd unter akutem Wassermangel. In diesem Fall drohen Kreislaufprobleme und Verstopfungskoliken, weshalb du umgehend reagieren musst.

Wichtig bei älteren Pferden: Das Hautbindegewebe verliert im Alter naturgemäß an Elastizität. Bei Senioren bleibt die Falte oft auch ohne Wassermangel etwas länger stehen. Passe den Test bei älteren Pferden daher immer an deren individuellen Normalzustand an und kontrolliere im Zweifel zusätzlich die Schleimhäute im Maul. Sind diese blass und trocken, liegt eine Dehydration vor.

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Warum trinkt mein Pferd zu wenig?

Die Ursachen für eine unzureichende Wasseraufnahme hängen meist mit der Wasserqualität, der Temperatur oder dem Haltungssystem zusammen.

  • Verschmutzung: Pferde besitzen einen feinen Geruchssinn und verweigern abgestandenes, veralgtes oder durch Kot verunreinigtes Wasser.

  • Zu geringer Durchfluss: Automatische Selbsttränken müssen mindestens 8 bis 10 Liter Wasser pro Minute liefern. Fließt das Wasser zu langsam, geben viele Pferde das Trinken vorzeitig auf.

  • Falsche Wassertemperatur: Im Winter frieren Tränken ein oder das Wasser ist zu kalt, was die Aufnahme hemmt. Im Sommer heizen sich Bottiche auf, wodurch sich Keime rasant vermehren.

  • Rangordnung: In der Gruppenhaltung blockieren dominante Herdenmitglieder oft den Zugang zur Wasserstelle, sodass rangniedrige Pferde zu kurz kommen.

Wie animiere ich mein Pferd zum Trinken?

Du animierst dein Pferd am effektivsten zum Trinken, indem du die Wassertemperatur optimierst, die Tränken täglich reinigst und das Wasser geschmacklich attraktiver gestaltest. Viele Pferde verweigern die Wasseraufnahme, wenn das Wasser verunreinigt ist, ungewohnt schmeckt oder eine unangenehme Temperatur aufweist. Auch der Wechsel von der gewohnten Stalltränke zu Eimern oder fremden Wasserquellen auf Turnieren führt häufig zu einer hartnäckigen Trinkverweigerung.

Mit diesen praktischen Maßnahmen und Beispielen steigerst du die Trinklust deines Pferdes:

  • Geschmack verfeinern: Gib einen Schuss Apfelsaft, etwas Malzbier oder einen Löffel Honig in den Wassereimer, um den Geschmack für wählerische Pferde attraktiver zu machen.
  • Wasserreiches Futter anbieten: Bereite ein dünnflüssiges Mash mit der doppelten Menge Wasser zu oder füttere saftige Snacks wie Gurken- und Apfelstücke direkt aus dem Bottich.
  • Die richtige Temperatur wählen: Biete im Sommer Wasser mit einer optimalen Temperatur zwischen 15 und 20 Grad Celsius an, da zu kaltes Brunnenwasser oder in der Sonne aufgeheiztes Wasser oft verschmäht wird.
  • Vertrautes Wasser mitnehmen: Transportiere bei Turnieren oder Stallwechseln das gewohnte Wasser von zu Hause in Kanistern, damit das Pferd den fremden, oft chlorhaltigen Geschmack am neuen Ort nicht verweigert.
  • Tränkart variieren: Biete Pferden, die ungern aus automatischen Rohrröhren- oder Zungentränken trinken, stattdessen einen großen, offenen Wassereimer an, da sie daraus größere Mengen auf einmal schöpfen können.

Reinige alle Selbsttränken und Weidetröge zudem mindestens einmal täglich gründlich. Dies unterbindet die schnelle Bildung von Algen und Bakterien im Sommer, welche den Geruch und Geschmack des Wassers negativ beeinflussen.

Viele Reiter unterschätzen, wie schnell Pferde an heißen Tagen oder bei Stallwechseln das Trinken verweigern. Ich empfehle dir, den Faltentest einmal im Normalzustand deines Pferdes zu machen. So entwickelst du ein Gefühl dafür, wie schnell die Haut im gesunden Zustand zurückfedert, und erkennst Warnsignale sofort.

Michelle
Redakteurin bei ehorses

Wann muss ich bei Flüssigkeitsmangel den Tierarzt rufen?

Du musst den Tierarzt sofort alarmieren, wenn die Hautfalte nach dem Loslassen mehrere Sekunden stehen bleibt, das Zahnfleisch trocken ist oder das Pferd deutliche Kreislaufsymptome zeigt. Ein fortgeschrittener Flüssigkeitsmangel lässt sich nicht mehr allein durch nachträgliches Wassertrinken beheben, da der Magen-Darm-Trakt die benötigten Mengen zu langsam aufnimmt. In diesen akuten Notfällen ist eine tierärztliche Infusionstherapie zwingend erforderlich, um den Kreislauf zu stabilisieren.

Rufe umgehend medizinische Hilfe, wenn dein Pferd zusätzlich apathisch wirkt, taumelt, zittert oder das Schwitzen komplett einstellt, obwohl extreme Hitze herrscht. Das Ausbleiben von Schweiß zeigt an, dass die Flüssigkeitsreserven des Körpers bereits gefährlich erschöpft sind und ein lebensbedrohlicher Hitzschlag droht. Führe das Pferd bis zum Eintreffen des Tierarztes unverzüglich in den kühlen Schatten. Kühle seine Beine und den Hals vorsichtig mit handwarmem Wasser ab und biete ihm ausschließlich kleine Portionen lauwarmes Wasser zum Trinken an.

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Fragen & Antworten

Säubere die Tränke gründlich, erhöhe bei Bedarf die Durchflussmenge auf mindestens 8 Liter pro Minute und animiere dein Pferd durch Zusätze wie Apfelsaft, Mash oder die Bereitstellung eines offenen Wassereimers zum Trinken.

Ein ausgewachsenes Pferd sollte im Ruhezustand täglich etwa 30 bis 50 Liter frisches Wasser trinken, wobei dieser Bedarf bei Hitze, Sport oder Trächtigkeit auf bis zu 100 Liter ansteigen kann.

Nierenprobleme beim Pferd machen sich vor allem durch Veränderungen beim Harnlassen – wie auffällig häufiges oder schmerzhaftes Urinieren und verfärbter Urin –, mattes Fell, Gewichtsverlust sowie angelaufene Beine und Leistungsabfall bemerkbar.

Säubere die Tränke täglich, biete offene Wassereimer an und aromatisiere das Wasser mit einem Schuss Apfelsaft oder Mash, um den Trinkanreiz deines Pferdes effektiv zu steigern.

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