Startseite » Diagnose Kissing Spines beim Pferd

Diagnose Kissing Spines beim Pferd

von Lisa Thoben
5 Kommentare

Seit Dezember 2015 haben wir die Diagnose Kissing Spines beim Pferd mit einem stark ausgeprägten Befund. Das zu erfahren war ein großer Schock, aber ich habe mich entschieden, das mit ihm durchzustehen und habe zum Glück nach langem Suchen jemanden gefunden der mir dabei hilft!

Das ist mein Wildi – Kissing Spines beim Pferd

Anne Schmatelka von los-gelassen steht uns immer zur Seite, wofür ich unendlich dankbar bin! Hier möchte ich Euch teilhaben lassen an unserem bisherigen Weg und hoffe, dass das Mut macht, nicht aufzugeben, wenn einem dieser Befund mitgeteilt wird!

Ich hatte eigentlich nie so ganz das Gefühl, dass mit meinem Pferd alles hundertprozentig in Ordnung ist. Erklären konnte ich es nicht. Ich habe ihn nun seit zwei Jahren. Schon als ich ihn gekauft habe war er viel zu dünn, unförmig und falsch bemuskelt (was mir damals noch nicht auffiel, da mir das nötige Wissen fehlte). Lange dachte ich, er sei einfach nur total faul. Allein von der Abstammung her, hätte er aber viel mehr Bewegungsdrang haben müssen. Um jeden Schritt musste ich betteln, nach dem Reiten war ich schweißnass und alle haben gesagt, ich sollte mich endlich einmal durchsetzen, der würde mich nur verarschen. Da ich davon aber nie so ganz überzeugt war, habe ich schon damals versucht herauszufinden, woran das denn wirklich liegen könnte. Blutbild, Osteopathietermine, Lesen, Lesen und noch mehr Lesen. So wirklich etwas verbessern konnte ich trotzdem nicht. Im Gegenteil, irgendwann während einer Springstunde war es dann vorbei.

Kissing Spines beim Pferd

Wildi blieb stehen und wollte ab da nicht mehr galoppieren. Auch Schritt und Trab wurden immer mühsamer. Sogar im Gelände wollte er nicht mehr vorwärts. Aber keiner hat mich ernst genommen. Auch die „Experten“ waren immer noch der Meinung, dass da nichts wäre und dass ich mich endlich durchsetzen sollte…

Zum Glück hat eine befreundete Tierärztin – die selbst reitet – davon gehört und mir geraten, den Rücken sofort röntgen zu lassen, da sie der Überzeugung war, dass Pferde die sich so verhalten wahrscheinlich Schmerzen haben. Diese Bestätigung hatte ich irgendwie gebraucht und habe dann auch endlich Bilder machen lassen. Dabei bestätigte sich das, was ich insgeheim schon lange befürchtet hatte. Kissing Spines. Da brach für mich eine Welt zusammen! Ich dachte: Das war‘s jetzt.

Nachdem ich unendlich viele Meinungen von endlos vielen Menschen und auch Ärzten gehört habe, die von Einschläfern über einfach vorwärts abwärts reiten alles beinhalteten, mir jedoch keiner richtig helfen wollte oder konnte,  habe ich zum Glück das Buch „Über den Rücken“ (handelt von Rückenproblemen beim Pferd) von Anne Schmatelka gelesen und Kontakt zu ihr aufgenommen. Sie hat mir dann sehr schnell geantwortet und angeboten, mir zu helfen.

Behandlung durch den Tierarzt

Einen Monat später sind wir dann von Bayern nach Niedersachsen zu ihr gefahren. Das ist jetzt drei Monate her und es war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Und heute  bin ich überzeugt, auch die einzige, die Wildi ein schmerzfreies und schönes Pferdeleben ermöglichen konnte.

Vor der Reise hat er erst einmal Mittel gegen die Schmerzen und Entzündungen im Rücken bekommen. In den drei Wochen habe ich ihn nur auf die Koppel gestellt und ihn verwöhnt wo es nur ging. Das fand er glaube ich auch gar nicht so schlecht und man hat sofort gemerkt, dass ihm das gut tat. Das erste Mal, dass ich das Gefühl hatte, es geht ihm wirklich etwas besser. Im Gegensatz zu den Spritzen und der Stoßwelle, die er vorher auf Anordnung des Tierarztes bekam. Da konnte man nämlich leider keine Verbesserung feststellen… Geritten hatte ich ihn bis zu dem Zeitpunkt schon fast drei Monate nicht mehr. Heute bin ich mehr als froh, dass ich da immer auf mein Bauchgefühl gehört habe. Hätte ich auf den Rat vom Arzt gehört, nämlich einfach weiterzumachen, hätte ich ihm noch mehr Schmerzen zugefügt.

Bevor wir mit dem eigentlichen Training beginnen konnten, kam erst einmal die Osteopathin. Die erste übrigens, die vorhandene Blockaden wirklich gelöst hat und ihm durch ihre Arbeit Erleichterung schaffen konnte, so dass auch die vielen, teilweise sehr alten Bewegungseinschränkungen beseitigt werden konnten. Der erste Schritt zurück in ein schmerzfreies Reitpferdeleben. Ich bekam Hausaufgaben und Massageübungen gezeigt, die ich jeden Tag wiederholte. Unterstützend durfte er die Equusir BIOS System Decke tragen, die er vom ersten Moment an liebte.

Kissing Spines beim Pferd: Beschlag und Zubehör

Frank Diekmann hat ihn dann zusätzlich noch anders beschlagen. Er stolperte auf einmal nicht mehr und hatte durch die perfekte Anpassung auf ihn und seine Bedürfnisse auch eine Entlastung im Rücken. Frank Wohlhorn hat parallel einen Sattel angemessen, denn von meinen Sätteln passte keiner und das, obwohl ich dachte, einen guten Sattler zu haben. Meine Sättel waren so unpassend und viel zu eng, dass Anne Schmatelka schon beim ersten Auflegen der Sättel sagte: „Die nehmen wir nie wieder. Das muss sich Frank anschauen!“.

Gleichzeitig haben wir auch das Futter umgestellt. Wildi war schon immer etwas schlechtfuttrig und hat viele Futterzusätze nicht dauerhaft aufnehmen wollen. Michael Dierks von Mühldorfer hat uns dann ein ganz spezielles Aufbaufutter empfohlen. Das hat ihm von Anfang an super geschmeckt und er hat nie ein Körnchen übrig gelassen. Wir haben dann auch auf dreimal Kraftfutter am Tag umgestellt und ich habe ihm sein Müsli mittags auf die Weide gebracht. Wenn er den Eimer sah, kam er schon angetrabt und hat freudig gegrummelt und gewiehert. Total süß!

Nachdem alle Rahmenbedingungen passten haben wir begonnen zu longieren. Erst an der einfachen Longe und dann an der Doppellonge. Schon nach dem ersten Mal „richtig Longieren“ begann er zufrieden abzuschnauben und ging etwas besser vorwärts. Bis zu dem Zeitpunkt bin eigentlich nur ich bis zur Erschöpfung gerannt und mein Pferd wollte sich überhaupt nicht bewegen.

Kissing Spines beim Pferd: Reiten

Nach knapp drei Wochen durfte ich dann das erste Mal wieder in den Sattel. Er war zwar fleißiger als früher, aber so richtig geändert hatte sich noch nichts, obwohl er schon ein wenig an Masse und Muskulatur zugelegt hatte. Von da an bekam ich Sitzschulungen an der Longe. Es war frustrierend, denn ich hatte das Gefühl, ich kann eigentlich gar nichts und begann jeden Tag mehr, mein Können und Wissen übers richtige Reiten zu hinterfragen. Mit der Zeit hat Anne dann angefangen Wildi mit zu reiten und auch auszubilden. Denn von Ausbildung oder nur im Ansatz gerade gerichtet sein, konnte man überhaupt nicht sprechen. Auch das war mir nie wirklich bewusst gewesen. Sie hat ihn geritten, wie eine junge Remonte und das, obwohl er schon neun Jahre alt ist. Galoppiert hat sie ihn die ersten Tage überhaupt nicht. Er war noch so steif und machte sich schief, sprang nicht durch und klemmte. Nach ungefähr zwei Wochen wollte er dann auf einmal von sich aus angaloppieren. Das war für mich einer der schönste Momente überhaupt!

Nach fast sechs Wochen musste ich dann leider wieder nach Hause fahren. Ich habe mich dazu entschieden meinen Wildi bei Anne zu lassen und jedes Wochenende zu ihm zu fahren. Er hat seitdem schon so große Fortschritte gemacht, dass es mir richtig schwerfällt mitzuhalten. Obwohl ich seit gut 15 Jahren reite und auch immer Dressur- und Spring-Unterricht hatte, weiß ich heute, dass ich leider eigentlich nichts gelernt habe…zumindest nichts, was mit pferdegerechtem Reiten und Gymnastizieren zu tun hat. Ich konnte mein Pferd zwar super mit der Hand zusammenziehen und auch irgendwie durch einen Parcours quetschen, aber mit richtigem Reiten hatte das nichts zu tun…

Fazit: Krankheit und Behandlung

Momentan bin ich froh, wenn ich es schaffe anzutraben. Das klingt unmöglich, ist aber wirklich so. Mein Pferd reagiert nämlich mittlerweile auf minimale Hilfen und wenn ich meine Hüfte einen Tick zu weit in die falsche Richtung drehe, läuft Wildi im Kreis oder traversartig schief durch die Bahn. Ich hätte niemals gedacht, dass Reiten in Wirklichkeit so unfassbar schwer ist. Doch mein Großer ist der beste Lehrer, den ich haben kann. Er versteht so viel mehr als ich und kann das richtige auch tausendmal schneller umsetzen. Anne zitiert in diesen Momenten dann immer Herrn Stecken: „Die Pferde gehen so gerne richtig….“. Das ist so wahr. Dann sind sie zufrieden und machen es gerne….

Ich schäme mich für jedes Mal, das ich meinem Pferd in der Vergangenheit mit Grobheit, Unwissenheit und fehlender Fairness Unrecht getan habe. Nicht nur wegen seinem Befund, den ich auch mit verschuldet habe, sondern auch, weil er mir immer wieder vergeben hat und mir so viele Chancen gab, es endlich richtig zu machen. Er hat mir immer all‘ seine Liebe geschenkt und dafür bin ich unendlich dankbar. Mit Anne an meiner Seite habe ich nun das erste Mal in meinem Leben als Reiter das Gefühl oder viel mehr die Gewissheit es richtig zu machen und die Veränderungen meines Pferdes geben uns mehr als Recht.

Ähnliche Beiträge

5 Kommentare

Claudia 4. Juli 2016 - 19:34

Vielen Dank für diesen Artikel!
Bei meinem neun jährigen Pony wurde auch vor kurzem Kissing Spines diagnostiziert und bei ihm war es das gleiche, denn auf einmal wollte er keinen Schritt mehr laufen unter dem Reiter obwohl er sonst eher zu temperamentvoll war.. Da wusste ich etwas ist nicht in Ordnung. Und so war es.. Aber leider konnte mir keiner, nichtmal der Tierarzt, wirklich helfen wie wir arbeiten sollen. Ich habe alles nach Gefühl gemacht, longiert & fange nun langsam an vorsichtig zu reiten. Ich kann mich total mit dem was du schreibst identifizieren,Danke ! 🙂

Antworten
Anonymous 5. Juli 2016 - 21:10

Freut mich wenn ich dich mit dem Text in irgendeiner Art und Weise unterstützten konnte 🙂 und wenn es auch nur in so fern war das du jetzt weißt das es auch andren so geht und du nicht allein bist;) ich drücke euch ganz fest die Daumen und wünsche euch das ihr für euch einen Weg findet damit umgehen zu können! LG lisa

Antworten
Lisa 5. Juli 2016 - 21:19

Es freut mich wenn ich euch mit meinem Text irgendwie, zu mindest ein ganz kleinen wenig helfen konnte 🙂 Und wenn es nur ist das du jetzt weißt das du nicht ganz allein mit deinem Problem dastehst. Ich drück euch ganz fest die Daumen und hoffe das ihr für euch einen guten Weg findet damit umzugehen! LG lisa

Antworten
Bianca Thalmeier 10. November 2020 - 15:58

Hallo ich hätte ein paar Fragen zu dem weiteren Verlauf. 🙂
Habe gestern die Diagnose Kissing Spines bekommen.

Antworten
Michelle Holtmeyer 11. November 2020 - 8:31

Hallo Bianca,

was sind denn Deine konkreten Fragen? Wir versuchen natürlich gerne zu helfen.

Ganz liebe Grüße
Dein Team von ehorses

Antworten

Schreibe einen Kommentar

* Mit der Nutzung der Kommentarfunktion erklärst Du Dich mit der Speicherung und Verarbeitung Deiner Daten durch diese Website einverstanden.