Je älter wir Menschen werden, desto größer wird auch das Krebs-Risiko. Das gilt leider auch für unsere Partner auf vier Hufen. ehorses gibt einen Überblick über die Tumorarten, Symptome – und welche Therapien es für ein Pferd mit Krebs gibt.
Krebs – die Diagnose ist immer ein Schock. Und immer häufiger sind auch Pferde von dieser Krankheit betroffen. Studien zeigen: Acht von hundert Pferden zwischen 15 und 19 Jahren erkranken an einem Tumor. Am häufigsten kommt dabei mit 44 Prozent aller Tumore das Equine Sarkoid vor.
Dabei steht die Tumordiagnostik mit sogenannten Tumormarkern bei Pferden eher noch am Anfang. Das sind Substanzen im Blut, die bei Tumorerkrankungen in erhöhter Konzentration auftreten können – und damit auf eine Krebserkrankung hindeuten.
Und auch die Frage warum Pferde an Krebs erkranken ist noch häufig unklar. Dennoch gibt es erste Studien-Erkenntnisse, dass bestimmte Rassen ein erhöhtes Risiko haben:
- Bei Arabern ist die Erkrankungsrate für Melanome höher als bei anderen Rassen
- Appaloosa und American Paint Horse haben eine höhere Erkrankungswahrscheinlichkeit für durch UV-Strahlen verursachte Tumore
- Haflinger haben eine erbliche Anfälligkeit für das okulare Plattenepithelkarzinom
Auch andere Merkmale sind bereits in Studien aufgefallen. Danach haben zum Beispiel Ponys ein erhöhtes Risiko für Melanomerkrankungen. Und Vollblüter erkranken häufiger an Lymphomen. Dafür hatten Stuten ein geringeres Risiko für eine Erkrankung an Plattenepithelkarzinomen.

Die ersten Symptome sind meist unspezifisch
In Deutschland erkranken Pferde vor allem an vier Krebs- beziehungsweise Tumorarten: Equines Sarkoid, Lymphom, Melanom und Plattenepithelkarzinom. Auch wenn jeder Tumor seine speziellen Symptome hat, gibt es auch sogenannte unspezifische Symptome, die bei einer Krebserkrankung auftreten können. Dazu gehören:
- Mattheit/Müdigkeit
- Bewegungsunlust
- Verändertes Fressverhalten
- Appetitlosigkeit
- Gewichtsverlust
- Erhöhte Körpertemperatur
- Probleme bei der Verdauung
- Probleme beim Kotabsatz
- Allgemeine Schwäche
- Leistungsverweigerung
Equine Sarkoid – der gutartige Hautkrebs
Das Equine Sarkoid ist ein Hauttumor, der als gutartig eingestuft wird. Er bildet keine Metastasen. Aber: Das Sarkoid weist ein unvorhersehbares Wachstum auf. Und das ist das Problem: Der Tumor kann sich so stark ausbreiten, dass er auch in das umliegende Gewebe wächst.
Die Hauptstellen für das Equine Sarkoid sind zum Beispiel Augen- und Ohrbereich, Lippen, Unterhals, Brust, Achsel, Unterbauch, Gurtenlage, Leistengegend sowie die Oberschenkelinnenseite. Und: Pferde aller Altersgruppen und Rassen erkranken an diesem Tumor.
Die Ursache von Sarkoiden ist noch nicht vollständig geklärt. Sicher ist, dass auch verschiedene Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Und: Der Krebs kann auch durch die Infektion mit bovinen Papillomaviren entstehen. Diese Viren können über Fliegen oder Putzzeug übertragen werden. Sie dringen über die kleinsten Verletzungen in den Pferdekörper ein.
Es gibt sechs verschiedene Typen von Sarkoiden:
- Okkultes Sarkoid – meist rundliche, flache, haarlose Stellen. Die Haut zeigt sich verdickt/verhornt, enthält oft kleine Knötchen. Der Tumor wächst langsam.
- Noduläres Sarkoid – einzelne oder mehrere Knoten in unterschiedlicher Grösse, die sich unter der Haut befinden und meist in der Unterhaut verschieblich sind.
- Fibroblastisches Sarkoid – fleischige Wucherungen mit geschwürartiger Oberfläche, bluten häufig.
- Verruköses Sarkoid – warzenförmige, haarlose, schuppige Stelle, die sehr großflächig sein kann.
- Malevolentes Sarkoid – derbe, knotige Wucherungen unter der Haut, die sehr schnell wachsen.
- Gemischtes Sarkoid – eine Kombination aus verschiedenen Formen.
Es gibt viele unterschiedliche Therapieformen zur Behandlung des Equinen Sarkoids. Zu den möglichen Therapien gehören die chirurgische Entfernung mit Skalpell oder Laser, Strahlen-, Chemo- und Immuntherapie.
Melanom – trifft häufig Schimmel
Melanome sind ebenfalls eine der häufigsten Hauttumore beim Pferd. Bei dieser Krebsart wird zwischen gutartigen und bösartigen Melanomen unterschieden. Die bösartigen Melanome können auch metastasieren.

Obwohl Melanome bei allen Fellfarben vorkommen können, sieht man sie besonders oft bei Schimmeln. Studien zeigen: Bis zu 80 Prozent aller Schimmel entwickeln irgendeine Form von Melanomen. Als Ursache wird eine Störung des Pigment-Stoffwechsels vermutet, was zu einer zunehmenden Ansammlung der Pigmente in den Zellen führt. Dies führt dann zur Entartung und Umwandlung der Pigmentzellen in Tumorzellen.
Oft zeigen Pferde mit einzelnen, kleinen Melanomen keine Symptome. Und: Die meisten Melanome beim Pferd sind gutartig. Sie wachsen langsam und treten als einzelne kleine oder mehrere Knoten auf. Besonders betroffen sind Stellen unter der Schweifrübe, um den After, in der Penisregion beziehungsweise am Euter, an den Augenlidern oder Lippen.
Bei der Behandlung können einzelne kleine Melanome chirurgisch entfernt werden. Bei großen, mit dem umliegenden Gewebe verwachsenen Geschwülsten ist eine Operation jedoch nicht möglich. Dann bliebt zum Beispiel die Bestrahlung. Dazu wird die Immuntherapie erforscht, seit 2015 auch an der Tierärztlichen Hochschule Hannover.
Die Therapie setzt auf die Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte von betroffenen Pferden. Erkrankte Tiere bekommen einen Impfstoff. Die Studie zeigt bereits große Erfolge. Zu den Studienteilnehmern gehört seit kurzem auch die berühmte Schimmelstute Jenny, die sehr gut auf die Behandlung anspricht. Bei ihr konnte das Wachstum des Tumors bereits gestoppt werden.

Plattenepithelkarzinom tritt meist an Genitalien auf
Plattenepithelkarzinome sind ebenfalls Hauttumore. Sie entstehen aus Epithelzellen, die durch äußere Einwirkung, vor allem durch die dauernde Einwirkung von UV-Strahlung, verändert werden. Daher sind Pferde, die viel Sonnenlicht ausgesetzt, spärlich behaart oder an exponierten Hautstellen weniger pigmentiert sind, häufiger betroffen. Also zum Beispiel Pferde mit vielen weißen Abzeichen.
Bei diesem Krebs mutieren sogenannte Keratinozyten – das sind hornbildende Zellen in der Oberhaut. Das Plattenepithelkarzinom tritt am häufigsten an den Augenlidern oder im Bereich der Genitalien auf, kann sich aber auch auf der Augen-Bindehaut oder der -Hornhaut bilden.
Erste Anzeichen für ein Plattenepithelkarzinom können ein unter der Haut liegendes Knötchen, Warzen oder schuppige Stellen auf der Haut sein. Am Auge können eine gerötete Bindehaut oder Augenausfluss ein Hinweis sein. An den Augenlidern oder an der Penis-Vorhaut bildet sich meist ein chronisches Geschwür, das Blumenkohl-ähnlich wächst. Im fortgeschrittenen Stadium können die Geschwüre auch einen fauligen Geruch entwickeln.
Die Behandlung hängt von Tumor und Grad der Veränderung ab. Es gibt verschiedene operative Methoden zur Entfernung des Tumors. Dazu kommen die Bestrahlung und Immuntherapie.
Equines malignes Lymphom
Wenn Ärzte von einem malignen Lymphom sprechen, meinen sie eine bösartige Neubildung, die von lymphatischen Zellen beispielsweise in Lymphknoten ausgeht. Dazu können sich Lymphome im Bereich von Milz, Leber, Niere, Lunge, Herz, Magen, Darm und Knochenmark, in der Haut oder in der Brusthöhle entwickeln.
Und: Das Lymphom tritt weder bei bestimmten Rassen noch tritt es bei einem Geschlecht häufiger auf. Es kann in jedem Lebensalter vorkommen. Die meisten Pferde sind allerdings zwischen vier und zehn Jahren alt.
Beim Equinen Lymphom wird zwischen vier verschiedenen Formen unterschieden:
- Am häufigsten tritt die multizentrische Form auf. Das Lymphom kommt an vielen lymphatischen Organen gleichzeitig vor, meistens sind Lymphknoten, Milz und Leber betroffen.
- Am zweithäufigsten tritt das intestinale Lymphom auf. Dieses ist auf den Magendarmtrakt beschränkt.
- Die dritthäufigste Form ist das mediastinale Lymphom – es kommt im Brustkorb vor.
- Das zentralnervöse Lymphom ist die seltenste Form des Lymphoms – die Tumorzellen befinden sich hier im Gehirnwasser.
Bei betroffenen Pferden zeigen sich oft Symptome wie Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Fieber oder Flüssigkeitsansammlungen am Bauch. Bei vielen Pferden fallen zunächst Schwellungen an Lymphknoten auf. Diese Vergrößerung der Lymphknoten kann in jedem Stadium auftreten, äußert sich jedoch vermehrt meist erst in späteren Stadien.
Es gibt leider wenige Möglichkeiten, das Equine Lymphom zu behandeln. Aktuell gibt es die Chemotherapie und Bestrahlung. Bei lokalen Tumoren kann das betroffene Gewebe chirurgisch entfernt werden. Aber: Die Behandlung kann das Pferd nicht „heilen“ – jedoch die Lebenserwartung erhöhen.
Neue Behandlungsmöglichkeiten geben Hoffnung
Bei der Behandlung von Krebs beim Pferd wird aktuell viel erforscht. Zu den klassischen Therapien gehören die chirurgische Entfernung des Tumors und die Chemotherapie. Bei Pferden wird dabei das Medikament meist direkt in den Tumor gespritzt oder äußerlich aufgetragen. Dadurch verlieren Pferde, im Gegensatz zu uns Menschen, keine Haare.
Auch die Strahlentherapie wird erfolgreich eingesetzt. Damit das gesunde Gewebe verschont bleibt, werden die Strahlen millimetergenau auf den Tumor gerichtet. Die Pferde sind während der Bestrahlung in Narkose.
Zu den neuen Therapien gehört auch die Impfung gegen Equine Sarkoide. Sie wird von der Vetmeduni Wien entwickelt. Das Ziel: Die Impfung im Jungpferdealter soll Risikopatienten schützen.
Eine Behandlung mit Betulinsäure testeten Forscher in Hannover. Für eine erste Studie wurden 18 Lipizzaner-Stuten mit Tumoren im Frühstadium behandelt. Ergebnis: Die Tumore waren ab Tag 80 im Vergleich zu den mit Placebo behandelten Tumoren deutlich kleiner. Jetzt sollen größere Studien folgen.

Erste Studien mit der Misteltherapie bei Equinen Sarkoiden zeigten, dass 63 Prozent der behandelten Pferde nach fünf Jahren als geheilt beurteilt wurden. Die Inhaltsstoffe der Pflanze sollen das Wachstum der Tumorzellen verringern und das Immunsystem stärken. Aktuell führt das das Schweizer Institut Suisse de Médecine Équine ebenfalls eine Studie der Misteltherapie bei Pferden mit Equinen Sarkoiden durch.











