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Haflinger

von Frederieke Wenning
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Kaum eine andere Pferderasse ist allein aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes so eindeutig zu erkennen wie der Haflinger. Mittelgroß, kompakt, Fuchs mit hellem Langhaar – das ist ein Haflinger. Aufgrund seines umgänglichen Temperaments, seines einwandfreien Charakters, seiner handlichen Größe und seiner Vielseitigkeit hat sich der Haflinger zum ausgesprochenen Familienpferd entwickelt. Aber auch heute noch tun die fleißigen kleinen Pferde Dienst auf Bergbauernhöfen oder bei Holzrückearbeiten im Wald. Sie sind unter dem Sattel ebenso anzutreffen wie vor der Kutsche, werden im Freizeitreiten und im Turniersport eingesetzt. Der Haflinger ist eben ein Multitalent – allerdings wird er oft missverstanden.

Wichtige Daten im Überblick

  • Herkunft: Tirol, Österreich
  • Hauptzuchtgebiet: Österreich, Deutschland
  • Typ: harmonisch, wohlproportioniert, kompakt
  • Kopf: trockener Kopf mit breiter Stirn, geradem bis leicht konkavem Nasenrücken, große Nüstern, kleine, bewegliche Ohren, lebhafte, große Augen
  • Hals: relativ kurz, aber gut angesetzt, pyramidenförmig
  • Körper: relativ steile Schulter, breite Brust, ausgeprägte Sattellage, langer, kräftiger Rücken, kompaktes Rechteckpferd, üppiges Langhaar
  • Beine: trocken, starke Fesseln und Gelenke, gut bemuskelte Hinterhand. Gut geformte, harte Hufe
  • Größe: Nach Rassestandard zwischen 138 und 148 cm Stockmaß, es kommen auch größere Tiere vor, die jedoch nicht zur Zucht zugelassen werden.
  • Farben: Alle Fuchsfarben erlaubt, vom Kohlfuchs bis zum Isabellen. Abzeichen an den Beinen nur bedingt erwünscht, Abzeichen am Kopf nur begrenzt, beispielsweise Stern oder Blesse, Laterne unerwünscht.
  • Eignung: Freizeit, Reitsport, Fahrsport

Herkunft/Ursprung der Haflinger

Als der Tiroler Pferdezüchter Josef Folie aus dem Dorf Hafling seine Stute im Jahre 1873 zum als Deckhengst aufgestellten Araberhengst bringt, kann er nicht ahnen, dass dieses Fohlen, das im Jahre 1874 geboren wird, der Stammvater einer neuen Pferderasse werden wird. Josef Folie erhoffte sich von der Verbindung ein trittsicheres, leichteres Pferd für die Arbeit auf den Saumpfaden am Berg. Seine Hoffnungen wurden nicht nur erfüllt, sondern weit übertroffen. Das Goldfuchshengstfohlen, als „249 Folie“ eingetragen, entwickelte sich so vorteilhaft, dass er seinerseits zur Zucht eingesetzt wurde. Er und seine Nachkommen sind die Stammväter aller Haflinger, die nun auf allen Kontinenten gezüchtet werden. Im Jahr 2005 gab es weltweit etwa 250.000 Haflinger, was die Beliebtheit der coolen Blonden bestätigt.

Wie alt kann ein Haflinger werden?

Haflinger sind spätreif, dafür werden sie sehr alt. 30 Jahre bei bester Gesundheit sind keine Seltenheit.

Haflinger Verkaufspferde bei ehorses

Über 100 Jahre Zuchtgeschichte

Gemessen an der Geschichte anderer Pferderassen sind 100 Jahre nicht viel – aber beim Haflinger haben sich in diesen nunmehr fast 150 Jahren einige umwälzende Dinge ereignet. Als Folie geboren wurde, gehörte seine Heimat zu Österreich. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Südtirol italienisch. Ein bedeutender Zuchtstutenbestand war in Südtirol, nur wenige Hengste befanden sich auf österreichischem Gebiet. Glücklicherweise fanden sich weitblickende Züchter und Pferdefreunde, es wurden Stuten nach Österreich exportiert, Hengste in Italien als Deckhengste aufgestellt. So entwickelte sich auf beiden Seiten des Brenners die Haflingerzucht weiter, allen politischen Schwierigkeiten zum Trotz.

Schon 1921 wurde in Italien eine Landespferdezuchtkommission eingesetzt, zeitgleich in Nordtirol die erste Haflinger Pferdezuchtgenossenschaft gegründet. In den Jahren zwischen den Kriegen nahm die Haflingerzucht einen erfreulichen Verlauf, in den Dreißigerjahren wurden viele Haflinger an die Armee verkauft, hauptsächlich für den Einsatz im Gebirge. So kamen die blonden Alleskönner auch nach Bayern, wo sie viele Anhänger fanden. Der Zweite Weltkrieg bedeutete zunächst einen Einschnitt, in den Nachkriegsjahren konnte die Zucht jedoch erfolgreich weiter ausgebaut werden. Insbesondere der Haflinger Pferdezuchtverband Tirol hat sich um die internationale Verbreitung der Rasse verdient gemacht.

Haflinger Stute mit Fohlen

Schon 1921 wurde in Italien eine Landespferdezuchtkommission eingesetzt, zeitgleich in Nordtirol die erste Haflinger Pferdezuchtgenossenschaft gegründet.

Zuchtlinien und Einkreuzungen

Wenn auch der Haflinger zur Hälfte auf das arabische Vollblut zurückgeht, wurde das weitere Einkreuzen von Fremdblut stark eingeschränkt. Man wollte die Rasse, nachdem sie sich als Typ gefestigt hatte, möglichst rein erhalten und ausschließlich durch gezielte Anpaarungen verbessern. Es entstanden die sieben Blutlinien A, B, M, N, H, S, St und W, welche jeweils einen berühmten Gründer besitzen: Anselmo, Bolzano,Massimo, Nibbio, Hofrat, Salurn, Student und Willi. Die A- und die N-Linie zählen heute zu den bekanntesten.

Nachdem zur Verbesserung der Reitpferdeeigenschaften in einigen Ländern entgegen der Zuchtrichtlinien des Tiroler Haflingerzuchtverbandes Araber eingekreuzt wurden, entstanden neue Zuchtbücher für die Rassen Edelbluthaflinger und Araber-Haflinger, auch als Arabo-Haflinger bekannt.

Zu den unschönen Seiten der Haflingerzucht gehört, dass es vornehmlich in Italien und Frankreich Zuchtbetriebe gibt, die den Haflinger ausschließlich zur Pferdefleischerzeugung züchten. Auch der Tiroler Zuchtverband gibt alljährlich Hengstfohlen, die nicht zuchttauglich sind, als Schlachttiere ab. Immer wieder werden Haflingerfohlen aufgekauft, um sie nach dem Motto „Haflinger in Not“ vor dem Schlachter zu retten.

Wenig bekannt ist die Tatsache, dass Haflinger auch zur Lebensmittelgewinnung eingesetzt werden – und zwar nicht als Schlachttiere, sondern zur Gewinnung von Stutenmilch. Haflingerstuten verfügen in der Regel über so viel Milch, dass die Hälfte abgemolken werden kann und immer noch genug für das Fohlen übrig bleibt. Ein Großteil der in Deutschland für den menschlichen Verzehr verfügbaren Stutenmilch wird von Haflingerstuten gewonnen.

Welches Stockmaß hat ein Haflinger?

Das Stockmaß liegt zwischen 138 und 148 cm.

Beschreibung der Haflinger Pferde

Haflinger sind umgänglich im Wesen, optisch ein Blickfang unter den Pferden und vielseitig einsetzbar – Sie zählen nicht umsonst zu den beliebtesten Ponys schlechthin. Die ursprünglich aus Südtirol stammende Rasse hat sich vom robusten Zug- und Tragpferd zu einem modernen, rittigen Familien- und Freizeitpony entwickelt, das mit vielseitigen Einsatzmöglichkeiten überzeugt. Ob Dressur und Springübungen, Fahren oder Wanderreiten, Haflinger erweisen sich stets als verlässlicher und trittsicherer Begleiter. Aber auch ihr edles Erscheinungsbild kann sich mehr als sehen lassen, denn mit ihrem harmonischen, mittelstarken Gebäude wirken sie robust und dennoch elegant. Wer ihnen begegnet, erkennt die Rasse meist auf Anhieb und dies, ohne ein Pferdeexperte zu sein – die typische Fuchsfarbe gepaart mit hellem Langhaar ist beim Haflinger unverkennbar.

Exterieur

Der Haflinger erreicht ein Stockmaß von etwa 138 bis 148 Zentimetern und präsentiert sich als mittelstarkes, edles Pony mit korrekten, kräftigen Formen und einem harmonischen Körperbau. Der gut angesetzte, trockene Kopf erscheint mit seinen großen Nüstern, beweglichen Ohren und lebhaften Augen sehr ausdrucksvoll. Erwünscht sind ein nicht zu kräftiger, pyramidenförmiger Hals von guter Länge, der harmonisch in den Rumpf übergeht, sowie ein deutlich ausgeprägter, trockener Widerrist und eine muskulöse, breite und lange Kruppe.

Insgesamt sollte sich der Körperbau rechteckig zeigen und mit einer längsovalen Rippung, einer breiten, gut bemuskelten Brust sowie einer langen, gut geneigten Schulter überzeugen. Das korrekte, trockene Fundament zeichnet sich durch klare, große Gelenke, nicht zu flache und harte Hufen sowie starke Fesseln und eine sehr muskulöse Hinterhand aus. Markant ist beim Exterieur darüber hinaus die rassetypische Fellfärbung. Haflinger erscheinen als Fuchs mit unterschiedlichen Farbabstufungen, vorzugsweise als Goldfuchs, und verfügen über helles, glattes Langhaar. Unerwünscht sind Stichelhaar sowie Abzeichen im Bereich der Beine.

Impressionen der Rasse

Interieur

Haflinger sind äußerst umgängliche und robuste Ponys, die sich aufgrund ihrer hohen Leistungsbereitschaft und ausgeprägten Lernwilligkeit hervorragend als Familien- und Freizeitpferd eignen. Leichte Übungen in der Dressur oder im Springreiten, als Wagen-, Reit- oder auch Therapiepferd – Haflinger sind vielseitig einsetzbar und beweisen stets Verlässlichkeit, Trittsicherheit und Treue. Sie zeigen sich menschenbezogen, freundlich und unkompliziert in der Haltung, einhergehend mit einer bemerkenswerten Genügsamkeit und Leichtfuttrigkeit.

Haflinger – dicke, sture Ponys?

Dieser Ruf eilt dem kompakten Gebirgspferd leider voraus. Und nicht immer ganz unberechtigt. Der Haflinger ist meist recht intelligent und weiß sich durchzusetzen. Wenn ihm das beispielsweise gegenüber seinem Besitzer oder Betreuer gelingt, führt das dazu, dass der Haflinger immer öfter selbst entscheidet, was für ihn das Beste ist. Er widersetzt sich, um seinen eigenen Willen durchzusetzen. Und schon hat er das Prädikat „stur“ erworben. Ja, es stimmt, die liebenswerten Burschen brauchen eine konsequente Erziehung. Und man muss bei ihnen auf manchen Schabernack gefasst sein. Aufdröseln vom Knoten am Anbindestrick oder das Öffnen von Stalltüren oder Koppeltoren sind nur einige Beispiele für den Einfallsreichtum der findigen Gesellen. Wer sich aber darauf einstellt und stolz darauf ist, ein cleveres Pony anstelle einer Trantüte zu besitzen, wird mit dem Haflinger viel Freude haben – eine solide Ausbildung vorausgesetzt.

Haflinger Herde im Schnee

Die Haflinger Pferde haben den Ruf, besonders stur zu sein.

Einsatzgebiete von Haflingern – ein echter Allrounder

Die meisten Haflinger sind heute im Bereich des Freizeitsports eingesetzt. In früheren Zeiten wurden sie in ihrer Heimat Österreich als Trag- und Reittiere verwendet, vornehmlich in bäuerlichen Betrieben, wo sie sowohl in den Tälern als auch auf den Höfen hoch oben am Berg unverzichtbare Arbeitstiere darstellten. Im Ersten Weltkrieg wurden sie als Tragtiere bei den Gebirgsdivisionen eingesetzt. Auch heute noch zeichnet sich der Haflinger dadurch aus, dass er sich trittsicher in schwierigem Gelände bewegt und schwere Lasten tragen kann. Obwohl er zu den Ponyrassen gehört, ist er dadurch vom Kinderreitpferd zum Familienpferd avanciert – er trägt den Familienopa ebenso beim Sonntagsausritt wie die Enkelin beim Ponyspaziergang.

Er ist auf den Turnierplätzen anzutreffen, wobei es Haflinger mit erstaunlichem Sprungvermögen gibt, andere begeistern in der Dressur. Beim Westernreiten sind viele Haflinger anzutreffen. Auch in Pferdeshows ist er zu bewundern, da es ihm aufgrund seiner Intelligenz leicht fällt, Auftritte einzustudieren und darzubieten. Quadrillen mit Haflingern zeigen bezaubernde Bilder. Vor der Kutsche ist er im Ein- und Mehrspänner einsetzbar, auch hier im Freizeitbereich ebenso wie im Turniersport. Doch die meisten Haflinger sind wohl in der Sparte Freizeitreiten anzutreffen. Als geliebtes Pony hinterm Haus, als treuer Gefährte bei abenteuerlichen Wanderritten, als Kumpel und Weggefährte bei Ausritten bis hin zur herbstlichen Jagd.

Sind Haflinger stur?

Nur dann, wenn es Erziehung und Besitzer zulassen. Sie sind willensstark und aufgrund ihrer Intelligenz ausgesprochen gewitzt. Wenn ein Haflinger eine konsequente Erziehung und eine solide Grundausbildung erhalten hat, ist er ebenso wenig stur wie ein anderes Pferd. Hat das Schlitzohr aber erst einmal herausgefunden, wie es „seinen“ Menschen austricksen kann und dass er womöglich mit seiner „Sturheit“ Vorteile erreicht – ja, dann kann er sehr stur sein.

Der Haflinger in der Reitschule

Haflinger zeichnen sich durch Lernwillen und Arbeitseifer aus, außerdem haben sie die passende Größe für Kinder und Erwachsene. Die nur mittelgroßen Pferde werden auf Ponyhöfen und Kinderreitschulen gern als Anfängerpferd eingesetzt, da sie nervenstark, zuverlässig und ausgeglichen sind. Dies sind unschätzbare Eigenschaften für ein Pferd, das dem Anfänger zunächst einmal Vertrauen einflößen soll.

Allerdings empfiehlt es sich, das Anfängerpferd regelmäßig von erfahrenen Reitern „Korrektur“ reiten zu lassen, da sich die cleveren Burschen sonst allzu leicht unliebsame Tricks angewöhnen und beispielsweise gerne die Ecken abkürzen oder auf Reiterhilfen eher zögernd reagieren. Der Korrekturberitt sollte im Prinzip bei jedem Anfängerpferd regelmäßig durchgeführt werden, was in der Praxis jedoch leider viel zu selten geschieht. Gerade beim Haflinger, der eine konsequente Anleitung braucht, führt das aber dazu, dass sie als „stur“ und „schlecht geritten“ verschrien sind. Wer einmal einen gut gerittenen, sauber an den Hilfen stehenden Haflinger erlebt hat, kann dieses Vorurteil nicht teilen.

Haflinger Herde auf Wiese

Haflinger zeichnen sich durch Lernwillen und Arbeitseifer aus, außerdem haben sie die passende Größe für Kinder und Erwachsene.

Die Ausbildung eines Haflingers

Wie alle Ponyrassen ist auch der Haflinger ein Spätentwickler, dafür werden viele Ponyrassen aber deutlich älter als Großpferde. Man sollte dem jungen Pferd ruhig die Zeit gönnen, sich zu entwickeln, es dankt es durch Einsatzfreude und hoher Lebenserwartung. Das bedeutet aber nun nicht, dass man mit der Erziehung erst beim erwachsenen Haflinger anfangen sollte. Ganz im Gegenteil. Je früher man damit beginnt, den jungen Pferden spielerisch die Grundsätze des Miteinanders beizubringen, desto besser.

Schon das Fohlen kann an ein variabel verstellbares Fohlenhalfter gewöhnt werden, es wird langsam aber sicher halfterführig gemacht, es lernt, alle vier Füße zu geben und beim Schmied brav stillzuhalten. Man kann mit dem Fohlen und Jungpferd Bodenarbeit machen, Übungen, die das Pferd interessieren und gymnastizieren. Später kommt die Arbeit an der Longe hinzu, dann das behutsame Heranführen an die Arbeit unter dem Sattel oder im Geschirr. Aber bei allem ist eines wichtig: Konsequenz.

Bekannte Pferde der Rasse

Das erste geklonte Pferd der Welt ist ein Haflinger, und zwar die im Jahre 2003 in Cremona (Italien) geborene Stute Prometea. Sie ist zuchttauglich und brachte fünf Jahre später das Hengstfohlen Pegaso zur Welt. Das Klonen von Pferden soll dazu beitragen, wertvolles Erbgut zu erhalten. Ein Wallach, der im Sport erfolgreich ist, kann sein Erbmaterial nicht mehr weitergeben. Durch das Klonen eröffnen sich hier völlig neue Möglichkeiten.

Wie viel kostet ein Haflinger?

Die Frage ist nicht pauschal zu beantworten, jedoch ist aufgrund der stetig steigenden Beliebtheit auch ein steigendes Preisniveau zu verzeichnen. Wer einen Haflinger kaufen möchte, muss zunächst wissen, was er sucht: ein Freizeitpferd, ein Kutschpferd, ein Turnierpferd? Jünger oder älter? Welchen Ausbildungsstand soll das Pferd haben? All das spielt in die Preisfindung hinein. Das Preisniveau spannt sich von etwa 2000 € für ein Fohlen über rund 5.000 € für einen gut ausgebildeten Haflinger und ist nach oben offen für den erfolgreichen Sporthaflinger.

Haflinger im Video

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