Warum ist das Festliegen so gefährlich?
Das Festliegen ist lebensgefährlich, da es beim Fluchttier Pferd massive Todesangst auslöst und bereits nach kurzer Zeit schwere Gewebeschäden sowie Kreislaufversagen verursacht. Durch die instinktive Panik versucht das Tier, sich mit aller Kraft freizuschlagen, was häufig zu Trümmerbrüchen, Sehnenrissen oder schweren Kopfverletzungen durch das Aufschlagen auf den harten Boden führt. Je länger das Pferd in dieser hilflosen Position verweilt, desto geringer werden die Chancen auf eine folgenlose Genesung.
Neben den mechanischen Verletzungen stellt der enorme Druck des eigenen Körpergewichts auf die unten liegenden Organe und Muskeln das größte Risiko dar. In der Rücken- oder engen Seitenlage werden die Lungenflügel komprimiert und die Durchblutung der Muskulatur unterbrochen, was innerhalb kurzer Zeit zum sogenannten Crush-Syndrom oder zu Nervenlähmungen führt. Zudem gerät die Verdauung ins Stocken, was schmerzhafte Aufgasungen und lebensbedrohliche Koliken zur Folge haben kann, die selbst nach dem Aufstehen noch eine tierärztliche Behandlung erfordern.
Eigenschutz geht vor: Ruhe bewahren
Bevor du die Box betrittst, musst du tief durchatmen. Ein panisches Pferd achtet nicht darauf, wo seine Hufe landen. Gehe niemals unüberlegt in die Reichweite der schlagenden Beine. Versuche, das Pferd mit ruhiger Stimme anzusprechen. Wenn möglich, lege eine Decke oder ein weiches Polster über den Kopf des Pferdes, um seine Sicht einzuschränken, das beruhigt viele Pferde sofort und mindert den Drang, wild um sich zu schlagen.
So hilfst du dem Pferd sicher aus der Klemme
Das Ziel ist es, das Pferd von der Wand wegzuziehen oder es auf die andere Seite zu rollen, damit es wieder Platz zum Aufstehen hat.
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Longe als Hebel: Wirf eine Longe um die Beine, die der Wand am nächsten sind (meist die unteren). Ziehe das Pferd vorsichtig und mit mehreren Personen von der Wand weg.
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Den Kopf sichern: Eine Person sollte versuchen, den Kopf des Pferdes am Boden zu fixieren (vorsichtig Druck auf den Hals ausüben), damit es nicht unkontrolliert versucht aufzuspringen, solange die Beine noch keinen Platz haben.
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Wälzhilfe: In manchen Fällen ist es sicherer, das Pferd über den Rücken auf die andere Seite zu rollen. Das erfordert jedoch viel Kraft und sollte nur mit erfahrenen Helfern durchgeführt werden.
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Wann muss der Tierarzt kommen?
Ein Tierarzt muss immer dann sofort gerufen werden, wenn das Pferd Anzeichen von Erschöpfung zeigt, Verletzungen sichtbar sind oder das Tier trotz ausreichender Hilfe nicht aus eigener Kraft aufstehen kann. Auch nach einer erfolgreichen Befreiung ist eine professionelle Untersuchung oft ratsam, da innere Schäden an Organen oder der Muskulatur von Laien erst spät erkannt werden. Die Entscheidung für den Notruf hängt maßgeblich von der Dauer des Festliegens und dem Allgemeinzustand des Pferdes ab.
Szenario A: Das Pferd lag nur kurz fest, konnte mit Hilfe aufstehen und läuft sofort klar: In diesem Fall ist meist keine sofortige Behandlung nötig. Du solltest dein Tier jedoch für mindestens 24 Stunden intensiv auf Schwellungen, Druckstellen oder erste Anzeichen einer Kolik beobachten, da der Stress den Magen-Darm-Trakt verzögert beeinflussen kann.
Szenario B: Das Pferd lag über einen längeren Zeitraum fest, ist erschöpft, zittert oder bleibt liegen: Hier besteht akute Lebensgefahr durch Kreislaufüberlastung oder Muskelschäden. Wähle umgehend den Notruf deines Tierarztes, damit dieser kreislaufstützende Medikamente verabreichen und mögliche Nervenschädigungen oder innere Verletzungen direkt vor Ort behandeln kann.
Prävention: So verhinderst du das Festliegen
Um das Festliegen effektiv zu verhindern, müssen bauliche Sicherheitsvorkehrungen in der Box mit einem korrekten Einstreu-Management kombiniert werden. Da die meisten Vorfälle nachts oder in unbeobachteten Momenten beim Wälzen passieren, ist eine präventive Gestaltung der Umgebung der beste Schutz für dein Pferd. Durch gezielte Optimierungen an der Boxenstruktur lässt sich das Risiko minimieren, dass das Tier in eine hilflose Lage gerät oder beim Aufstehversuch den Halt verliert.
Ausreichend Platz: Die Box muss groß genug sein, damit sich das Pferd beim Wälzen einmal komplett um die eigene Achse drehen kann, ohne die Wände zu berühren. Als Faustregel für die Boxengröße gilt oft 2 x Widerristhöhe²
Antirutsch-Matten: Gummimatten im Bodenbereich bieten einen großen Vorteil gegenüber glattem Beton. Sie geben den Hufen den nötigen Grip, damit das Pferd beim Aufstehen nicht wegrutscht, selbst wenn die Einstreu zur Seite gescharrt wurde.
Wand-Polsterung oder Schrägen: Spezielle „Anti-Festliege-Leisten“ oder abgeschrägte Holzelemente an den Boxenwänden sorgen dafür, dass das Pferd mit dem Rücken nicht direkt bündig an die Wand rollen kann. Dieser gewonnene Abstand von wenigen Zentimetern reicht oft aus, damit die Beine nicht blockiert werden.
Hohe Einstreu (Bande): Das Anlegen einer sogenannten „Strohbande“, also das Hochstapeln von Einstreu an den Rändern der Box, dient als natürliche Barriere. Diese weiche Begrenzung verhindert das Überrollen in Richtung Wand und bietet dem Pferd einen Widerstand, um sich im Notfall mit den Hufen wieder abzustoßen.
In der Ruhe liegt die Kraft! Wer im Moment des Festliegens die Nerven behält, ist der beste Lebensretter für sein Pferd.
Michelle
Redakteurin bei ehorses
Fragen & Antworten
Nein, das ist schmerzhaft und wenig effektiv. Nutze immer Longen oder dicke Stricke, um die Beine oder den Körper zu bewegen, während du ausreichend Sicherheitsabstand zu den Hufen hältst.
Versuche nicht, das Pferd alleine mit purer Muskelkraft zu rollen. Sichere den Kopf, damit es sich nicht verletzt und rufe sofort Hilfe herbei (Stallkollegen oder Feuerwehr/Tierarzt bei schweren Fällen).
Ja, durch den massiven Stress, Kreislaufversagen oder schwere Folge-Koliken. Deshalb ist ein schnelles, aber besonnenes Eingreifen innerhalb der ersten Minuten so wichtig.
Meistens passiert es beim Wälzen. Das Pferd schätzt den Abstand zur Wand falsch ein, rollt über den Rücken und bleibt mit den Beinen „oben“ an der Wand hängen, ohne Hebelwirkung zum Zurückrollen.











