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Warum schäumen Pferde beim Schwitzen?

von Michelle Breitenfeld

Nach einer flotten Trainingseinheit sieht dein Pferd aus, als hätte es ein Schaumbad genommen? Weiße Flocken am Hals, unter dem Sattelgurt oder zwischen den Hinterbeinen gehören bei vielen Pferden einfach dazu. Wir erklären dir, welches clevere Protein dahintersteckt, warum der Schaum meist ganz normal ist und wann du trotzdem genauer hinschauen solltest.

Latherin: das „Seifenprotein“ im Pferdeschweiß

Der Grund für den Schaum heißt Latherin. Das Eiweiß ist schon seit den 1980er Jahren bekannt und kommt reichlich im Schweiß von Pferden vor. Es gilt als wahrscheinliche Ursache dafür, dass stark arbeitende Pferde so schäumen. Gebildet wird Latherin in den Schweißdrüsen der Haut, außerdem in den Speicheldrüsen.

Das Besondere: Latherin wirkt wie ein natürliches Netzmittel. Schon in geringer Menge senkt es die Oberflächenspannung von Wasser deutlich. Es funktioniert also ähnlich wie Seife, nur eben körpereigen. Spannend ist auch, dass das Protein bei Pferd, Zebra, Onager und Esel nahezu gleich aufgebaut ist. Die ganze Pferdefamilie setzt also auf dasselbe Prinzip.

Wie genau es arbeitet, wird noch erforscht. Die gängige Vermutung: Das zylinderförmige Eiweiß klappt an der Grenze zwischen Wasser und Luft auf und legt sich flach an. Erst dadurch bekommt es seine seifenartige Wirkung.

Warum Pferde überhaupt so schäumen

Pferde gehören zu den wenigen Säugetieren, die zur Temperaturregulation richtig stark schwitzen. Diese Fähigkeit teilen sie im Grunde nur mit dem Menschen und dem Husarenaffen. Der Unterschied liegt im Detail: Unser Schweiß ist salzreich und eiweißarm, Pferdeschweiß dagegen eiweißreich und salzarm.

Das hat einen guten Grund. Das Fell deines Pferds ist von Natur aus wasserabweisend. Ohne Hilfe würde der Schweiß an den Haaren abperlen, statt sich zu verteilen und zu verdunsten. Latherin benetzt die Haare, damit sich der Schweiß rasch über das Fell ausbreiten und kühlen kann. Für große Fluchttiere, die auf Ausdauer gebaut sind und viel Wärme loswerden müssen, ist das eine echte Anpassung.

Sichtbar wird der Schaum vor allem dort, wo Reibung entsteht: unter Sattel und Gurt, an Hals und Brust, zwischen den Hinterbeinen und unter Zügeln oder Riemen. Dort wird der eiweißhaltige Schweiß regelrecht aufgeschlagen.

Und der Schaum am Maul?

Auch beim Schaum am Maul ist Latherin im Spiel, denn das Protein steckt ebenfalls im Pferdespeichel. Warum es dort vorkommt, war lange ein kleines Rätsel. Eine einleuchtende Erklärung: Latherin ist vermutlich zuerst im Speichel entstanden, um Pferden beim Kauen großer Mengen trockenen Futters zu helfen.

Die benetzende Wirkung könnte das Kauen erleichtern und die Arbeit der Enzyme im Speichel unterstützen. Erst im Lauf der Evolution hat die Natur das Protein dann zusätzlich für das Fell genutzt. Der Schaum im Maul und der Schaum am Hals haben also denselben Ursprung.

Nahaufnahme eines Pferdemauls mit Gebiss und feinem weißem Schaum an den Lippen.

Nach dem Training: so unterstützt du dein Pferd

Wer viel schwitzt, verliert Wasser und Mineralstoffe, vor allem Natrium, Chlorid und Kalium. Bei harter Arbeit in der Hitze können das schnell mehrere Liter pro Stunde sein.

Deshalb gilt nach dem Training: Pferd im Schritt trockenführen, Sattel und Zaumzeug abnehmen, kleine Mengen Wasser anbieten und mit Wasser sowie Luftzug abkühlen. Spül Salzreste an den Stellen ab, wo das Equipment aufliegt, und trockne oder putze dein Pferd, bevor es eine Decke bekommt. Wasser steht immer an erster Stelle, dazu sollte dein Pferd freien Zugang zu Salz haben. Elektrolyte sind vor allem nach starkem Schwitzen, schwüler Arbeit, Transporten oder Turnieren ein Thema. Gibst du sie ins Wasser, sollte zusätzlich immer auch normales Wasser bereitstehen.

Schwitzen im Winterfell: Geduld beim Abschwitzen

Gerade jetzt in der kalten Jahreszeit kennst du das vielleicht: Im dichten Winterfell kommt dein Pferd schnell ins Schwitzen und braucht danach eine gefühlte Ewigkeit, bis es wieder trocken ist. Auch hier gilt: im Schritt trockenführen und dein Pferd erst trocknen oder putzen, bevor die Decke draufkommt. Denn eine Decke bremst die Verdunstung.

Viele Reiter scheren ihre Pferde im Winter. Geschorene Pferde kühlen schneller ab und trocknen schneller, und kalter Schweiß tritt seltener auf. Der Haken: Komplett geschorene Pferde brauchen deutlich mehr Aufmerksamkeit beim Eindecken, weil ihnen das natürliche Fell als Wärmeschutz fehlt. Pferde, die nur leicht arbeiten und draußen leben, bekommen deshalb oft nur eine Teilschur.

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Wenn dein Pferd ohne Arbeit schwitzt

Nach dem Training ist Schweiß ganz normal. Schwitzt dein Pferd dagegen ohne erkennbaren Anlass, lohnt sich ein genauer Blick. Schwitzen ohne Belastung kann ein Anzeichen für Schmerzen sein. Achte dann auch auf weitere Signale wie beschleunigte Atmung in Ruhe, Unruhe, Zittern, Stöhnen oder häufiges Umschauen zum Bauch.

Auch eine Hormonerkrankung kann sich über das Schwitzen bemerkbar machen. Beim Equinen Cushing-Syndrom (PPID) gehört fleckiges Schwitzen zu den möglichen Anzeichen, oft zusammen mit Hufrehe, auffälligen Fettpolstern, vermehrtem Trinken und Harnabsatz oder einem matten Eindruck. Hinzu kommt, dass das lange, dichte Fell betroffener Pferde schnell zu Überhitzung führen kann.

Wann du genauer hinschauen solltest

Schaum allein ist kein Grund zur Sorge, er zeigt vielmehr, dass die Kühlung deines Pferds arbeitet. Aufmerksam solltest du aber werden, wenn dein Pferd bei Hitze kaum oder gar nicht schwitzt, die Atmung schnell oder angestrengt bleibt und sich nicht beruhigt oder die Temperatur nach dem Training deutlich erhöht ist und nicht sinkt. Auch Schwäche, Taumeln oder starkes Schwitzen mit langsamer Erholung sind Warnzeichen. In diesen Fällen gilt: Tierarzt hinzuziehen.

Hinter fehlendem Schwitzen kann eine Anhidrose stecken, also die eingeschränkte oder fehlende Fähigkeit zu schwitzen. Typisch sind schweres Atmen schon nach leichter Arbeit, nachlassende Leistung und wiederholte Überhitzung. Ein überhitztes Pferd solltest du übrigens nie eindecken, denn die Decke verhindert die Verdunstung. Besser ist es, durchgehend mit kühlem Wasser und Luftzug zu kühlen.

Fragen & Antworten

Nein, die Schaumbildung entsteht rein mechanisch durch das Protein Latherin in Kombination mit Bewegung und Reibung. Selbst hochtrainierte Spitzenpferde schäumen an Gurt-, Schenkel- oder Zügellagen völlig natürlich.

Nicht zwingend: Feiner Schaum („Kauschlag“) spricht zwar oft für entspanntes Kauen, entsteht durch Latherin im Speichel aber vor allem physikalisch. Entscheidend für echte Zufriedenheit ist immer das Gesamtbild aus Losgelassenheit, Takt und einer leichten, nachgiebigen Anlehnung.

Ja, ein zügiges Abkühlen mit kühlem Wasser entlastet den Kreislauf bei Hitze enorm und beugt einem Hitzestau vor. Wichtig ist lediglich, an den Beinen zu beginnen und das erwärmte Wasser zügig mit dem Schweißmesser abzustreifen.

Bei normalem Freizeittraining reichen frisches Wasser und der freie Zugang zu einem Salzleckstein völlig aus, um den Mineralhaushalt auszugleichen. Elektrolytgaben sind erst bei starkem Schweißverlust, Turnieren, Transporten oder schwüler Hitze nötig.

Das liegt vor allem an individuellen Faktoren wie Fellstruktur, Schweißmenge und dem Körperbau, der bestimmt, wie stark Haut- oder Ausrüstungsflächen aneinanderreiben. Auch die Konzentration von Latherin im Schweiß kann von Pferd zu Pferd leicht variieren.

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