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Entzündung der Hufe: Notfall Hufrehe

von Felix Ortmann
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ehorses Trainingstagebuch

Hufrehe fürchtet jeder Pferdehalter. Hufrehe bezeichnet eine diffuse Entzündung der Huflederhaut und ist für das Pferd sehr schmerzhaft. Neben einer Sofortbehandlung ist es vor allem wichtig, die Ursache für die Erkrankung zu finden. Alles über Hufrehe beim Pferd erfährst Du in diesem Artikel.

Hufrehe: Krankheitssteckbrief

Was versteht man unter Hufrehe?

Unter Hufrehen versteht man eine Erkrankung, bei der die Huflederhaut des Pferdes betroffen ist, genauer genommen die Lederhautblättchen. Diese befinden sich in der Zehenwand und verbinden das Hofhorn mit der Lederhaut. Die Krankheit äußert sich als eine diffuse, aseptische Entzündung. Darunter versteht man einen Entzündungsprozess, der nicht von einem Keim ausgelöst wird, sondern seine Ursache woanders hat. 

Häufig sind veränderte Stoffwechselprozesse des Pferdes Schuld an den Hufrehen. Störungen des Hormonhaushalts, Fütterungsbedingungen, wie auch Vergiftungen können ursächlich sein. Hufrehe können zu einer Veränderung der Hufposition führen, vor allem wenn sie unbehandelt bleiben. Die Erkrankung ist für das Pferd äußert schmerzhaft und sollte daher schnellstmöglich erkannt und behandelt werden. Üblicherweise sind nur die Vorderhufe betroffen, in schlimmen Fällen können jedoch alle vier Hufe erkrankt sein. Bestehen die Rehe länger als 48 Stunden, werden sie als chronisch angesehen. Folgen können ein Absenken des Hufbeines sein, wie auch eine Veränderung der Hufgelenkhaltung. Meist kommt es zu einer Rotation im Gelenk, wodurch sich die Hufbeinspitze Richtung Boden senkt und kein paralleles Vorliegen von Sohlen- und Hufbein mehr garantiert ist. Das Worst-Case-Scenario wäre ein Bruch der Sohle oder das sogenannte „Hausschuhen“. 

Welches Mineralfutter bei Hufrehe?

Bei der Auswahl von Mineralfutter sollte unbedingt tierärztlicher Rat befolgt werden. Je nachdem ob das Pferd Mangelerscheinungen aufweist, sollten Zusätze gefüttert werden. Vielen Pferden hilft Bierhefe ohne Treber.

Ursachen und Auslöser

Für das Auftreten der Hufrehe bei Pferden kommen verschiedene Ursachen infrage, die zu einer Störung der Blutzirkulation in der Huflederhaut führen. Bisherige wissenschaftliche Untersuchungen lassen vermuten, dass der Erkrankung Fehlfunktionen vorangehen, die durch die Ernährung und Verdauung bedingt sind. Zu den vorrangigen Ursachen zählt in jedem Fall die sogenannte Futterrehe, die besonders weit verbreitet ist und durch eine falsche Fütterung verursacht wird. Dabei kommt es zu Stoffwechselerkrankungen, in deren Folge Giftstoffe freigesetzt werden und in den Blutkreislauf der Huflederhaut gelangen. Dort lösen sie Entzündungsprozesse und Enzymreaktionen aus, die eine Ablösung der Lederhaut hervorrufen. Weniger auf die Fütterung, sondern vielmehr auf die Bewegung zurückzuführen ist hingegen die Belastungsrehe. Diese entsteht durch die Überbelastung des Hufes aufgrund von äußeren Faktoren wie ungeeigneten Untergründen, zu langen Stallphasen oder übermäßigem Training. Aber auch Giftpflanzen oder Pestizide, die über das Futter aufgenommen werden, können Hufrehe bei Pferden auslösen.

Vor allem Robinien, Eicheln, Rizinus oder Fungizide und Schimmelpilze sind Auslöser für eine sogenannte Vergiftungsrehe. Darüber hinaus kann eine Medikamentenrehe vorliegen, bei der Cortison-Präparate als Auslöser verdächtigt werden, oder eine traumatische Rehe durch Zerrungen, Zerreißungen oder Quetschungen der Huflederhaut auftreten. Entwickelt sich die Hufrehe bei Pferden hingegen nach dem Abfohlen, kann es sich auch um eine Geburtsrehe handeln. Hierbei führen Nachgeburt-Überreste in der Gebärmutter zu einer bakteriellen Zersetzung, die den Blutkreislauf beeinträchtigt.

Neben ungeeigneter Fütterung und Vergiftungen können auch Stoffwechselstörungen wie das Equine Cushing Syndrom (kurz ECS) oder das Equipe Metabolische Syndrom (kurz EMS) der Hufrehe zugrunde liegen. Dem ECS liegt ein zu hoher Cortisolspiegel zugrunde, wodurch der Blutzuckerspiegel des Pferdes nicht mehr richtig kontrolliert wird und abweicht. EMS ähnelt dem Equine Cushing Syndrom. Bei beiden Erkrankungen entgleist der Blutzuckerspiegel, was im weiteren Verlauf zu Hufrehen führen bzw. beitragen kann. Jedoch liegt die Abweichung im Blut-Glucose-Spiegel bei EMS an dem Übergewicht des Pferdes oder der Freisetzung von Hormonen aus dem Fettgewebe, die zu einer Insulinresistenz führen kann. Pferde die im Vorhinein schon an einer Insulinresistenz leiden, sind anfälliger für Fütterungsrehe, was bei der Futtergabe unbedingt beachtet werden sollte. 

Fehler bei der Hufarbeit oder Beschlagsfehler können ebenso eine Ursache für die Entwicklung von Hufrehen sein. Des Weiteren können orthopädische Probleme, wie auch eine anormale Hufform den Rehen zugrunde liegen. 

Wissenschaftlich wird davon ausgegangen, dass meist mehrere Ursachen den auftretenden Rehen zugrundeliegen. Selten kann ein einziger, spezieller Grund ausgemacht werden. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass das Pferd ganzheitlich betrachtet wird und vor der Behandlung alle Aspekte mit einbezogen werden. 

Ist Hufrehe heilbar?

Die Prognose wird meist vorsichtig gestellt. Ob Hufrehe heilbar sind, wird meist an der Winkelveränderung durch die Hufbeinrotation im Zuge einer Rötgnebildanalyse beurteilt. Eine einmal auftretende akute Rehe ist heilbar.

Formen der Hufrehe, Symptome und Krankheitsverlauf

Liegt eine Entzündung der Huflederhaut vor, ist die betroffene Hufe zunächst wärmer als üblich und es stellt sich eine leichte Schwellung am oberen Rand der Hufkapsel, am sogenannten Kronrand, ein. Charakteristisch ist zudem der auffällige Gang, denn erkrankte Pferde bewegen sich vorsichtig, steif und gebremst oder zeigen Anzeichen des Lahmens. Im Zuge einer akuten Hufrehe bei Pferden tritt außerdem ein starkes Pulsieren der Blutgefäße im Bereich des Fesselkopfes ein. Darüber hinaus versucht das Pferd eine Schonhaltung einzunehmen und sein Gewicht auf die gesunden Beine zu verlagern, um die erkrankte Hufe zu entlasten.

Bei einem Verdacht auf Hufrehe sollte umgehend ein Tierarzt konsultiert werden, damit durch Abtasten, Blutuntersuchungen und Röntgenbilder eine sichere Diagnose gestellt wird. Erste Maßnahmen umfassen ungeachtet dessen die sofortige Kühlung des Hufbeins, das Vermeiden von Weidegängen und die Futterumstellung hin zu Mineralfutter, Heu und Stroh. Hilfreich ist zudem eine Entlastung des Hufes durch das Einstellen auf weichen Untergründen sowie durch Polsterungen mit Verbänden und Schwämmen. In jedem Fall ist bei einem Verdacht schnelles Handeln geboten, denn je früher die Hufrehe bei Pferden diagnostiziert wird, desto positiver wirkt sich dies auf den Krankheitsverlauf aus.

Hufrehe können in verschiedenen Stadien erkannt werden, weshalb hier ein geschultes Auge besonders wichtig ist. Außerdem hängen die Symptome und der Krankheitsverlauf stark davon ab, ob es sich um das Vorläuferstadium, einen akuten Rehschub oder Hufrehe im chronischen Stadium handelt.

Im Anfangsstadium, auch Prodromalstadium genannt, treten wenig klinisch erkennbare Symptome auf. Das Pferd wird meist unruhiger, lehnt sich beim Aufheben der Hufe gerne gegen den Reiter oder verhält sich widerwillig beim Hufeauskratzen. Ponys lassen sich die Schmerzen weit weniger anmerken als Pferde. Hin und wieder kann auch ein vermehrtes Aufheben der Hufe beobachtet werden. Anfangs spiegelt sich die sich anbahnende Entzündung der Huflederhaut nicht im Gangbild des Pferdes wider. 

Auf das Anfangsstadium folgt das akute Stadium, bei dem auch erstmals klinisch erkennbare Symptome für eine Hufreh-Erkrankung auftreten. Die Körperhaltung des Pferdes verändert sich und auch im Gangbild sind hier eindeutige Abweichungen zu erkennen. Das Pferd weist einen klammernden Gang auf, läuft im schlimmsten Fall nur unter Zwang und auch Lahmheit ist möglich. Wendeschmerzen, ein verstärktes Pulsieren der Digitalarterien, wie auch eine Schwellung des Kronsaums sind typisch für dieses Stadium. Hinzu kommt eine Erhöhung der Temperatur der Hornkapsel, durch die sich immer weiter ausbreitende Entzündung im Huf. Das Pferd zeigt außerdem eine Druckempfindlichkeit bei Berührung oder Abklopfen des Hufes. Es kommt im weiteren Krankheitsverlauf zur Trachtenfußung.

Dauert die Hufrehe länger als 48 Stunden spricht man von chronischer Hufrehe. Die ersten Anzeichen sind hier eine Verlagerung des Hufbeins. Es verändert seine Position in der Hufkapsel, was dem Pferd unheimliche Schmerzen bereitet. Auf Röntgenbildern ist hier möglicherweise bereits eine Rotation oder Senkung des Hufbeins zu sehen, wie auch eine Aufhellung im Hufbeinträger. Typisch sind auch Deformierungen des Hufbeinrandes, wie auch divergierende Hornringe. Von außen sichtbar kann eine verbreiterte, weiße Linie sein, sowie eine nach vor gewölbte Hufsohle. Möglicherweise ist auch eine eingesunkene Krone erkennbar. 

Im chronischen Stadium der Hufrehe können weitere Komplikationen auftreten, wenn keine rechtzeitige Behandlung erfolgt. Zu möglichen Komplikationen zählen ein auftretender Hufabszess, eine Nekrose des Hufbeines oder ein Durchbruch des Hufbeins durch die Hufsohle. Die wohl schlimmste Folge der Hufrehe stellt das Ausschuhen dar. 

Maßnahmen zur Selbsthilfe

An erster Stelle bei Entdeckung von möglichen Hufrehen steht schnelles Handeln. Es sollte umgehend der Tierarzt des Vertrauens konsultiert werden, damit eine richtige Diagnose gestellt werden kann. Eine Maßnahme, die sofort ergriffen werden kann, ist das Kühlen des Hufbeins. Am besten wird hier am Röhrbein gekühlt und nicht am Huf des Pferdes, da die Hornsubstanz isolierend wirkt. Es sollte möglichst ohne Unterbrechung gekühlt werden, idealerweise in einem Bereich zwischen 0 und 0,5 Grad Celsius. Verwendet werden sollte ausschließlich Eiswasser in hohen Behältnissen, sogenannte Kryotherapiestiefel. Kühlmanschetten sind nicht geeignet, da diese meist keine ausreichende Kühlung verursachen und sogar negative Auswirkungen haben können. Sporadisches Kühlen mit Unterbrechungen bringen keinen positiven Effekt, sondern wirkt im Gegenteil sogar durchblutungsfördernd. 

Sind Futterhufrehe bekannt, sollte sofort das Futter umgestellt werden. Wichtig ist außerdem eine Entlastung des Hufes. Das Pferd sollte nicht auf hartem Untergrund stehen, sondern möglichst weich und geolstert stehen. Das Pferd sollte außerdem, bis eine Abklärung mit dem Tierarzt erfolgt ist, auf keinen Fall geritten werden. 

Was tun bei akuter Hufrehe?

Bei akuter Hufrehe sollten die Röhrenbeine des Pferdes ununterbrochen gekühlt werden und der Tierarzt verständigt werden. Außerdem sollte kein Kraftfutter mehr gefüttert werden und das Pferd auf weichen Untergrund gestellt werden. Auf Gras sollte unbedingt verzichtet werden.

Behandlung und Therapie

Empfehlungen zur Fütterung

Die richtige Fütterung ist entscheidend, um den Genesungsverlauf zu unterstützen. Liegt eine Hufrehe beim Pferd vor, sollten ausschließlich Heu, Mineralfutter, Kräuter und Stroh in geringen Maßen gefüttert werden. Die Menge richtet sich wie bei der normalen Fütterung nach dem Energieverbrauch des Tieres und sollte daran bemessen werden. Nicht gefüttert werden sollten Küchen- und Gartenabfälle, stark zuckerhaltige Futtermittel, sowie leicht verdauliche Kohlenhydrate. Dazu zählen beispielsweise Getreide und Mais. Außerdem sollte auf fruktanhaltiges Gras sowie große Mengen an Gras vermieden werden. Lange Weidegänge sind für Pferde mit Hufrehbefall vorerst nicht annehmbar. Es ist außerdem sehr wichtig, dass keine ansäuernden Futtermittel gefüttert werden. Darunter versteht man beispielsweise Silage und Ähnliches. 

Vorbeugemaßnahmen

Um Hufrehen vorzubeugen, spielen besonders die Haltung und Fütterung eine essenzielle Rolle. Dies gilt insbesondere für Pferde, die noch nie von der Erkrankung betroffen waren. Regelmäßiger Weidegang ist für Pferde wichtig, doch auf die richtigen Zeiten wie auch die Weidepflege kommt es an. Außerdem sollte unbedingt Übergewicht vermieden werden, damit es zu keinen Stoffwechselstörungen, wie einer Insulinresistenz, kommen kann. Die artgerechte Fütterung ist vor allem für Pferde wichtig, die empfindlich auf Futterumstellungen und -inhaltstoffe reagieren. Natürlich sollte im Zuge der Prophylaxe von Hufrehen auch auf eine gute Hufpflege geachtet werden. Die Hufe sollen weder zu trocken, noch zu feucht sein, und hin und wieder geölt werden. Auch der Hufschmied sollte regelmäßig einen Blick auf die Hufe werfen. Um insgesamt zur Gesundheit des Pferdes beizutragen, können Entgiftungs- und Stoffwechselkuren durchgeführt werden. 

Für Pferde die zuvor bereits mit Hufrehen konfrontiert waren, gilt eine besondere Achtsamkeit. Schäden, die durch vorangegangene Erkrankungen entstanden sind, können leider nicht rückgängig gemacht werden, deshalb ist es umso wichtiger die Hufgesundheit zu erhalten. Das Hauptaugenmerk sollte darauf liegen, erneute Hufreh-Schübe zu vermeiden und einem chronischen Verlauf vorzubeugen. 

Kann man ein Pferd reiten, wenn es Hufrehe hat?

Ob ein Pferd bei Erkrankung an einer Hufrehe geritten werden kann, ist von Pferd zu Pferd unterschiedlich und sollte mit dem behandelnden Tierarzt abgeklärt werden.

Fazit und Genesungsverlauf

Bei der Erkrankung Hufrehe ist vor allem schnelles Handeln essentiell. Es sollte sofort ein Tierarzt kontaktiert werden und Selbstmaßnahmen erfolgen. Hufrehe sind eine Krankheit, die nicht unterschätzt werden sollte und die sich schnell verschlimmern kann bei fehlender Behandlung. Erfolgt eine Diagnose und eine Behandlung der auftretenden Symptome, tritt meist nach einigen Stunden die erste Besserung auf. Besonders wichtig ist es, die Ursache für die Erkrankung zu finden, damit erneute Schübe der Hufrehe vermieden werden können. Der Genesungsverlauf unterscheidet sich, je nachdem welches Stadium der Hufrehe vorliegt. 

Wann ist eine Hufrehe geheilt?

Eine Hufrehe gilt als geheilt, wenn das Pferd keine Entzündung der Huflederhaut mehr aufweist und schmerzfrei ist. Bei Veränderungen im Huf muss sich dieser noch erholen.

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