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Pferdealter bestimmen: Diese versteckten Details an den Zähnen verraten es

von Michelle Breitenfeld

Wie lässt sich das Pferdealter bestimmen?

Das Alter eines Pferdes bestimmen Experten in erster Linie anhand der Zahniwschenräume, des Zahnwechsels und der spezifischen Abnutzung der Schneidezähne (Zahnaltersbestimmung). Da die Zähne eines Pferdes zeitlebens wachsen und sich durch das Kauen abreiben, hinterlässt jedes Lebensjahr charakteristische Spuren auf den Kauflächen. Bei jungen Pferden liefert zudem der Wechsel von Milchzähnen zu bleibenden Zähnen eine exakte Altersangabe.

Abgesehen von den Zähnen verändern sich im Laufe des Lebens auch der Körperbau und das Erscheinungsbild des Pferdes. Diese physischen Merkmale erlauben eine Schätzung des Alters, wenn ein Blick ins Maul nicht möglich ist oder die Zähne unregelmäßig abgenutzt sind.

Warum wird beim Alter von Pferden überhaupt geflunkert?

Pferdeverkäufer schönen das Alter eines Tieres in der Praxis oft, um einen deutlich höheren Verkaufspreis zu erzielen oder das Pferd im vermeintlich „besten Alter“ zwischen sieben und zwölf Jahren zu präsentieren. In dieser Lebensphase gilt ein Pferd als physisch voll belastbar, meistens solide ausgebildet und bringt die perfekten Voraussetzungen für den Sport- oder Freizeiteinsatz mit. Da die Spanne für den optimalen Verkaufserlös auf dem Pferdemarkt extrem schmal ist, versuchen unseriöse Anbieter, ältere oder zu junge Pferde durch falsche Angaben in dieses begehrte Altersfenster zu schmuggeln.

Ein jüngeres Pferd erfordert vom Käufer noch jahrelange, kostenintensive Ausbildung und birgt das Risiko von Entwicklungsfehlern, was den aktuellen Marktwert senkt. Ein älteres Pferd hingegen verliert ab etwa 13 bis 15 Jahren kontinuierlich an finanziellem Wert, da das Risiko für Verschleißerscheinungen steigt und die Phase der vollen Nutzbarkeit kürzer wird. Manche Verkäufer nutzen daher die Tatsache aus, dass ab dem zehnten Lebensjahr die genaue Altersbestimmung selbst für Experten schwieriger wird, um ältere Pferde jenseits der Teenager-Grenze jünger und damit attraktiver darzustellen.

Wie bestimmt man das Alter eines Pferdes anhand der Zähne?

Das Gebiss des Pferdes liefert anhand von Zahndurchbruch, Abnutzung und Form die präzisesten Hinweise auf das tatsächliche Alter des Tieres. Tierärzte und Experten betrachten hierzu vor allem die Schneidezähne des Unterkiefers. Da Pferde Zähne haben, die permanent nachschieben und sich durch das Kauen abnutzen, verändert sich das Gebiss ein Leben lang nach einem biologischen Muster.

Was verraten Milchzähne bei jungen Pferden?

Bis zum Alter von uns fünf Jahren lässt sich das Pferdealter exakt anhand des Zahnwechsels von Milchzähnen zu bleibenden Zähnen ablesen. Milchzähne sind weißer, kleiner und haben einen deutlichen Halsansatz, während die bleibenden Zähne gelblicher, größer und gerillt sind.Mit fünf Jahren ist das Pferdegebiss in der Regel vollständig „vollzahlig“ gewechselt. Der Wechsel der Schneidezähne (Zangen, Mittelzähne, Eckzähne) folgt einem genauen Zeitplan:

 

Wechsel von Milch- zu bleibendem Zahn

Zahnpaar Zeitpunkt
Zangen (innen) ca. 2,5 Jahre
Mittelzähne ca. 3,5 Jahre
Eckzähne (außen) ca. 4,5 Jahre

Zahnform und Winkel: Wie verändern sie sich im Alter?

Mit zunehmendem Alter verändern sich die Form der Zahn-Kauflächen und der Winkel, in dem Ober- und Unterkiefer-Schneidezähne aufeinandertreffen. Während junge Pferde eine ovale Zahnform und ein steiles Gebiss aufweisen, verändert sich dies beim älteren Pferd drastisch.

Die folgende Tabelle zeigt die Veränderung der Zahnform und des Winkels im Profil:

Alter des Pferdes Form der Kaufläche Winkel der Schneidezähne (Profil)
Junges Pferd (bis ca. 8 Jahre) Quer-oval Steil und fast senkrecht ($90^{\circ}$)
Mittleres Alter (ca. 9 bis 14 Jahre) Rundlich bis dreieckig Leicht schräg nach vorne geneigt
Altes Pferd (ab ca. 15 Jahre) Längs-oval (von innen nach außen) Sehr spitzer Winkel (Zähne ragen weit nach vorne)

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Ab wann hilft die Kundenbohne (Kunden) bei der Altersbestimmung?

Die sogenannten Kunden oder Kundenbohnen helfen ab dem sechsten Lebensjahr bei der Altersbestimmung, da in dieser Phase der eigentliche Zahnwechsel abgeschlossen ist und der kontinuierliche Abrieb der Kauflächen beginnt. Bei diesen Merkmalen handelt es sich um dunkle, becherförmige Einstülpungen des Zahnschmelzes auf den Kauflächen der Schneidezähne. Da sich die Pferdezähne durch das Kauen von Raufutter pro Jahr um etwa zwei Millimeter abnutzen, werden diese Vertiefungen mit zunehmendem Alter immer flacher, bis sie schließlich vollständig verschwinden. Dieser Prozess wird in der Fachsprache als das „Abreiben“ der Kunden bezeichnet und folgt einem präzisen chronologischen Zeitplan von innen nach außen.

Der sichtbare Abbau dieser Bohnen beginnt verlässlich mit sechs Jahren an den unteren Zangen, also den beiden inneren Schneidezähnen im Unterkiefer. Ein Jahr später, im Alter von sieben Jahren, sind die Kunden der direkt danebenliegenden mittleren Schneidezähne (Mittelzähne) komplett abgerieben, gefolgt von den äußeren Eckzähnen im achten Lebensjahr. Ab dem neunten Lebensjahr setzt sich dieser exakte Prozess an den oberen Schneidezähnen fort, wo die Kunden ebenfalls von den inneren Zangen bis zu den äußeren Eckzähnen verschwinden. Sind sämtliche Kundenbohnen im Ober- und Unterkiefer vollständig abgerieben und die Kauflächen glatt, ist das Pferd in der Regel älter als elf bis zwölf Jahre.

Was ist die Galvayne-Rinne und wie liest man sie ab?

Die Galvayne-Rinne ist eine rötlich-braune Vertiefung an der Außenseite des oberen äußeren Schneidezahns, die zur Altersbestimmung bei Pferden ab zehn Jahren dient. Diese Rinne wandert mit dem Wachstum und Abrieb des Zahns von oben nach unten.

  • Mit 10 Jahren: Die Rinne erscheint am Zahnfleischrand.
  • Mit 15 Jahren: Die Rinne hat die Mitte des Zahns erreicht.
  • Mit 20 Jahren: Die Rinne zieht sich über den gesamten Zahn.
  • Mit 25 Jahren: Die Rinne verschwindet in der oberen Hälfte.
  • Mit 30 Jahren: Die Rinne ist vollständig verschwunden.

Wichtiger Hinweis: Die Altersbestimmung anhand der Zähne verliert ab dem zwölften Lebensjahr an Genauigkeit. Faktoren wie Koppen, sandiges Futter oder die individuelle Zahnsubstanz beeinflussen den Abrieb massiv.

Welche äußerlichen Merkmale verraten ein älteres Pferd?

Neben den Zähnen zeigen sich die biologischen Altersprozesse eines Pferdes sehr deutlich an der Gesichtsform, der Beschaffenheit des Fells und der allgemeinen Körperhaltung. Diese physischen Merkmale lassen sich im Gegensatz zu Dokumenten oder Pässen nicht manipulieren und bieten potenziellen Käufern eine ehrliche Orientierung bei der Begutachtung. Wenn der Verdacht besteht, dass das Alter in den Papieren geschönt wurde, liefert der Gesamteindruck des Pferdekörpers oft die verlässlichsten Indizien. Da sich das Bindegewebe und der Stoffwechsel im Alter unaufhaltsam verändern, hinterlässt das Leben ab etwa dem 15. Lebensjahr unübersehbare Spuren, die jeder Pferdekäufer kennen sollte.

Bei einer Besichtigung gilt es daher, gezielt auf ganz bestimmte, typische Altersanzeichen zu achten. Ein markantes Zeichen sind tief eingefallene Augengruben, da das schützende Fettgewebe in den Vertiefungen oberhalb der Augenhöhlen (den sogenannten Supraorbitalgruben) im Alter schwindet. Zudem beginnt im Gesicht das Ergrauen des Fells, wobei sich erste weiße Stichelhaare meist zuerst rund um die Augen, an den Schläfen und im Bereich der Nüstern zeigen. Auch die nachlassende Muskelspannung und eine allgemeine Bindegewebsschwäche hinterlassen ihre Spuren: Die Unterlippe erschlafft und hängt im Alter oft locker nach unten. Am restlichen Körper macht sich der Alterungsprozess häufig durch die Ausbildung eines Senkrückens bemerkbar, da die stützende Rumpf- und Rückenmuskulatur im Laufe der Jahre schwächer wird und die Wirbelsäule der Schwerkraft nachgibt.

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Wie sicher schützt der Equidenpass vor Alters-Täuschungen?

Der Equidenpass ist ein amtliches Dokument und führt das Geburtsdatum des Pferdes auf, schützt jedoch nur dann vor Betrug, wenn die Identität des Pferdes zweifelsfrei mit dem Pass übereinstimmt. Es kommt vor, dass Pässe von bereits verstorbenen Pferden für ein anderes, ähnlich aussehendes Tier genutzt werden.

Vergleiche bei der Besichtigung immer das im Pass eingezeichnete Diagramm (Abzeichen, Wirbel, Narben) exakt mit dem vor dir stehenden Pferd. Der sicherste Weg ist das Auslesen des Mikrochips mit einem entsprechenden Lesegerät. Stimmt die Chipnummer auf dem Bildschirm des Geräts nicht exakt mit der eingeklebten oder eingetragenen Nummer im Equidenpass überein, liegt ein Betrugsversuch vor.

Eine Tierärztin im hellen Pferdestall hält einen blauen Equidenpass in der Hand und überprüft gleichzeitig die Schneidezähne eines grauen Pferdes.

Was tun, wenn das tatsächliche Alter des Pferdes unklar bleibt?

Bestehen trotz der Prüfung von Pass und Zähnen Zweifel am Alter des Pferdes, bringt eine tierärztliche Kaufuntersuchung (AKU) mit speziellem Fokus auf die Dentition die nötige Klarheit. Der Tierarzt kann das Alter anhand des Gesamtbildes einschränken und pathologische Veränderungen ausschließen.

Nutze für deine Entscheidung diesen Leitfaden:

  1. Szenario A (Pferd angeblich 4 Jahre alt): Prüfe, ob noch Milchzähne vorhanden sind oder gerade wechseln. Fehlen Milchzähne komplett und die Kunden sind bereits tief abgerieben, ist das Pferd älter als angegeben.
  2. Szenario B (Pferd angeblich 9 Jahre alt): Kontrolliere die Kaufflächen der unteren Schneidezähne. Sind dort noch tiefe Kunden zu sehen, ist das Pferd jünger. Sind die Kunden komplett weg und die Galvayne-Rinne ist sichtbar, ist das Pferd älter.
  3.  Szenario C (Verkäufer verweigert das Auslesen des Chips): Tritt vom Kauf zurück. Ein seriöser Verkäufer wird dem Abgleich der Chipnummer mit dem Equidenpass immer zustimmen.

Das Alter eines Pferdes ist am Ende nur eine Zahl. Ein gut gepflegtes älteres Pferd kann ein wunderbarer Lehrmeister sein. Wichtig ist nur, dass beim Verkauf mit offenen Karten gespielt wird, damit die Erwartungen und die tatsächliche Belastbarkeit des Pferdes zusammenpassen.

Michelle
Redakteurin bei ehorses

Fragen & Antworten

Man kann das Alter eines Pferdes am besten durch eine Untersuchung der Zähne (Abnutzung, Form und Färbung) bestimmen oder es exakt dem Equidenpass entnehmen.

Das Alter eines Pferdes lässt sich nicht mathematisch berechnen, sondern man schätzt es anhand der Entwicklung, Abnutzung und des Wechsels der Schneidezähne sowie der Entstehung der sogenannten „Kunden“.

Ein 27-jähriges Pferd entspricht in Menschenjahren etwa einem stolzen Alter von 78 bis 80 Jahren und gilt damit definitiv als Senior.

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