Warum wurde das Image des Reitsports überhaupt untersucht?
Die Diskussionen um Tierwohl und Leistungssport werden zunehmend hitziger geführt. Die Professorinnen Dr. Britta Rathje und Dr. Isabelle Hillebrandt von der Hochschule Mainz stellten jedoch eine starke Diskrepanz fest: Während auf Social Media massiv Kritik am Umgang mit Pferden geübt wird, fielen die Reaktionen auf den Reitsport in ihrem persönlichen, echten Umfeld fast immer positiv aus. Um dieses Phänomen wissenschaftlich zu untermauern und herauszufinden, wie die Deutschen wirklich denken, riefen sie eine repräsentative Studie ins Leben.
Wer hat an der Studie teilgenommen?
Um ein aussagekräftiges und unverfälschtes Bild zu erhalten, wurde gezielt ein Marktforschungsunternehmen einbezogen. Über 1.300 Personen haben an der Befragung teilgenommen, wobei die Struktur bewusst vielfältig gehalten wurde:
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Geschlecht: Ungefähr die Hälfte der Befragten war männlich.
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Alter: Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag bei 45 Jahren.
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Bezug: Etwa ein Viertel der Befragten hatte keinerlei Bezug oder bisherigen Kontakt zum Reitsport.
Welche vier Gruppen prägen das Bild des Reitsports?
Die Forschung zeigt klar, dass es „den einen“ pauschalen Blick auf den Reitsport nicht gibt. Mithilfe einer detaillierten Clusteranalyse haben die Forscherinnen vier völlig unterschiedliche Zielgruppen identifiziert. Diese unterscheiden sich stark durch den eigenen Bezug zum Pferd: von aktiven Turniersportlern über Freizeitreiter bis hin zu Menschen ohne jeglichen Kontakt zum Reitsport. Während Reiter das Thema Tierwohl naturgemäß differenzierter betrachten, zeigt sich bei Außenstehenden eine spürbare Distanz oder Neutralität.
Die vier Cluster der Studie im Überblick
| Gruppe | Beschreibung & Einstellung zum Reitsport |
|---|---|
| Positiv eingestellte Turnierreiter | Besteht aus aktiven sowie ehemaligen Turnierreitern. Sie sind fest davon überzeugt, dass Mensch und Pferd gut zusammenarbeiten und sich Spitzensport und artgerechtes Tierwohl problemlos vereinbaren lassen. |
| Kritische Freizeitreiter | Zeigen geringeres Interesse am Turniersport und betrachten den allgemeinen Umgang mit Pferden kritischer. Im Kern stimmen sie mit den Turnierreitern beim Thema Tierwohl jedoch überein. |
| Neutrale Beobachter | Personen ohne eigenen Reitbezug, die jedoch Reiter im Bekanntenkreis haben. Sie nehmen gegenüber dem Reitsport eine neutrale, wertfreie Haltung ein. |
| Skeptische Nicht-Reiter | Menschen ohne jeglichen Kontakt zu Pferden. Sie fallen auf, da sie tendenziell meinen, dass Pferde gar nicht geritten, sondern rein auf der Weide gehalten werden sollten. |
Warum Männer den Pferdesport oft kritischer sehen als Frauen
Ein besonders spannendes, vielleicht auch unerwartetes Ergebnis der Studie sind die deutlichen Geschlechterunterschiede. Frauen ordnen dem Reitsport eher positive Assoziationen wie „Leidenschaft“, „Vertrauen“ und „Verantwortung“ zu. Sie fordern zwar mehr Aufklärung und strengere Kontrollen auf Turnieren, stehen dem Sport aber wohlwollend gegenüber.
Männer nehmen den Reitsport hingegen deutlich kritischer wahr. Sie verbinden das Reiten häufiger mit negativ behafteten Begriffen wie „Geld“, „Leistungsdruck“, „Ehrgeiz“ und „Risiko“. Die Studie zeigt auch: Da der Großteil der „skeptischen Nicht-Reiter“ männlich ist, überrascht es nicht, dass es eher Männer sind, die sich für eine Abschaffung einzelner Disziplinen oder des kompletten Reitsports aussprechen. Ein möglicher Grund dafür liegt schlicht im fehlenden Kontakt und mangelnden Berührungspunkten zu den Tieren.
Wie können wir den Reitsport in Zukunft attraktiver machen?
Damit das Image des Reitsports nachhaltig positiv bleibt, müssen wir alle als Botschafter für das Pferd auftreten. Die Befragten lieferten konkrete Vorschläge, wie das Vertrauen der Öffentlichkeit gestärkt werden kann:
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Niederschwellige Einstiegsangebote: Tage der offenen Tür, Aktionen für Familien oder Angebote speziell für Senioren helfen dabei, Vorurteile abzubauen und den direkten Kontakt zum Pferd zu ermöglichen.
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Transparenz und Aufklärung: Eine positivere Berichterstattung in reichweitenstarken Medien sowie offene Einblicke hinter die Kulissen von Ausbildung und Pferdehaltung sind entscheidend.
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Fokus auf Tierwohl: Harmonisches, faires Reiten auf Turnieren und die gezielte Förderung von Reitschulen müssen weiter in den Vordergrund rücken.

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