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Faktencheck Showpferde: 6 Mythen über Stress & Licht

von Michelle Breitenfeld

Anzeige: Laute Musik, grelle Scheinwerfer, jedes Wochenende eine neue Halle: Über Showpferde kursieren viele Vorurteile. Aber was ist wirklich dran? Wir haben hinter die Kulissen der aktuellen CAVALLUNA-Show „Die Farben des Lebens“ geschaut und sechs verbreitete Mythen einem Faktencheck unterzogen.

Das Wichtigste vorab

Natürlich ist ein Leben als Showpferd etwas anderes als ein Leben auf der Koppel. Bei CAVALLUNA gilt aber ein einfacher Grundsatz: Nur ein zufriedenes und motiviertes Pferd kann seine Leistung regelmäßig abrufen und dabei leicht und unbeschwert aussehen. Dafür sorgen eine sorgfältige Auswahl, jahrelange Ausbildung, behutsame Gewöhnung, vertraute Bezugspersonen, eine erholsame Woche im Heimatstall und regelmäßige Kontrollen.

Diese sechs Mythen haben wir für dich geprüft:

Mythos 1: Showpferde leben auf Tour praktisch im LKW

Klingt plausibel, schließlich tourt CAVALLUNA monatelang durch zahlreiche Städte. Tatsächlich reisen die über 50 Pferde und Ponys aber nur an den Wochenenden in die Showstädte. Von Montag bis Freitag leben sie in einem festen, zentral gelegenen Stall in der Nähe von Düsseldorf.

Dort erwartet sie ein ganz normales Pferdeleben: eine rund 30 Hektar große Anlage, die nur den CAVALLUNA-Pferden zur Verfügung steht, mit etwa 70 Boxen, zahlreichen Weiden und Paddocks, zwei Reithallen und weitläufigem Ausreitgelände. Einen großen Teil des Tages verbringen die Pferde gemeinsam auf der Weide. Ausritte oder Training kommen je nach Alter, Temperament und Bedarf dazu.

Und auch wenn es unterwegs ist, bleibt vieles vertraut: Die Pferde stehen im Heimatstall und im Stallzelt neben denselben Artgenossen und werden von denselben Bezugspersonen versorgt, denn jede Equipe kümmert sich selbst um ihre Tiere.

Zwei Pferde grasen auf einer grünen Weide: Im Vordergrund ein braunes Pferd mit Halfter, dahinter ein Pferd mit einer Fliegendecke im Zebramuster und Fliegenmaske.

FaktDie Woche gehört der Erholung, die Tour beschränkt sich aufs Wochenende.

Mythos 2: Die laute Showmusik stresst die Pferde

Wer schon einmal in einer großen Arenashow saß, weiß: Auf den Rängen ist die Musik richtig laut. Für die Pferde in der Mitte der Reitbahn sieht das aber anders aus. Die Lautsprecher sind nach außen ausgerichtet, also Richtung Publikum. Die Reitfläche wird dadurch deutlich leiser beschallt, und die Pferde hören die Musik wesentlich leiser als die Zuschauer.

Das beugt nicht nur Stress vor, sondern ist auch für die Arbeit selbst wichtig. Die Kommunikation zwischen Reiter und Pferd ist fein, und gerade bei den Freiheitsdressuren wird viel mit der Stimme gearbeitet. Würde die Musik alles übertönen, käme diese Verständigung gar nicht an.

Dazu kommt: Neu ist die Musik für die meisten Pferde nicht. Die Equipen können mit den Showstücken bereits im heimischen Stall trainieren. Wenn die Pferde zu den Proben anreisen, kennen sie die Klänge also schon. Auch im laufenden Tourbetrieb entscheiden die Reiter im Training selbst, ob Musik läuft oder zunächst weggelassen wird.

FaktAuf der Reitfläche ist es leiser als auf den Rängen, und die Musik ist den Pferden vertraut.

Mythos 3: Scheinwerfer und LED-Wand machen Pferde panisch

Zugegeben, 202 Scheinwerfer und eine LED-Wand von 9,6 x 20,4 Metern sind eine Menge Input. Genau deshalb wird die Gewöhnung bei CAVALLUNA ernst genommen. Besonders intensiv passiert das in den Proben vor der Premiere: Drei Wochen vorher reisen alle Pferde, Reiter, Tänzer und die Crew nach Deutschland. Dort lernen die Pferde Schritt für Schritt die Arena, das Licht, die Tänzer und die Requisiten kennen.

Einige Pferde gewöhnen sich schnell an Lichter und Effekte, andere brauchen etwas länger. Kommt ein neues Pferd dazu, wird ihm in dieser Phase großzügig Zeit eingeräumt.

Auch an jedem neuen Tourort gibt es vor der ersten Show eine Eingewöhnungsphase. Samstags ab 7 Uhr können die Reiter frei in der Arena trainieren. Dabei wählen sie selbst, ob sie mit normalem Hallenlicht oder schon mit Showlicht arbeiten. Am Aufbau werden von Stadt zu Stadt keine gravierenden Veränderungen vorgenommen, damit sich die Pferde in einem möglichst vertrauten Umfeld bewegen.

Zwei mystisch verhüllte Reiter in langen, schwarzen Kapuzenumhängen reiten auf Rappen mit wallenden Mähnen durch eine bläulich beleuchtete Show-Arena vor einem leuchtenden Portal.

FaktLicht und Effekte werden behutsam eingeführt, und der Aufbau bleibt in jeder Stadt weitgehend gleich.

Mythos 4: Für Feuer und Effekte wird den Pferden die Angst abtrainiert

Fliegende Tücher, brennende Fackeln: Bei solchen Nummern fragen sich viele, wie das mit einem Fluchttier überhaupt gehen soll. Showreiterin Dajana Pfeifer und ihr Mann Nicki, die in „Die Farben des Lebens“ eine Wind- und eine Feuernummer zeigen, setzen dabei nicht auf Mut, sondern auf Vertrauen. Das Ziel ist ausdrücklich nicht, den natürlichen Fluchtinstinkt zu unterdrücken, sondern dem Pferd durch Geduld Sicherheit zu vermitteln.

Das Training beginnt am Boden mit einer einzigen kleinen Fackel, die dem Pferd aus verschiedenen Richtungen gezeigt wird. Erst später geht es vom Pferderücken aus weiter. Weitere Flammen oder größere Requisiten kommen nur dazu, wenn das Pferd gelassen bleibt. Das Tempo gibt das Pferd vor, und bis eine solche Nummer bühnenreif ist, können mehrere Jahre vergehen. In Training und Show begleiten und überwachen ausgebildete Crewmitglieder die Effekte jederzeit.

FaktEffekttraining dauert Jahre, baut auf Vertrauen auf und ist laut Dajana nicht für jedes Pferd geeignet.

Mythos 5: Jedes Pferd wird einfach in die Manege gesteckt

Showpferd wird bei CAVALLUNA nicht jedes Pferd. Für die Ausbildung kommen nur Tiere infrage, die charakterlich zu dieser Aufgabe passen: ausgeglichen und trotzdem motiviert, selbstbewusst und nervenstark. Die Auswahl ist damit der erste Baustein fürs Pferdewohl, noch bevor überhaupt die erste Probe stattfindet.

Danach werden die Pferde über Jahre sorgfältig von ihren Reitern ausgebildet. Eingesetzt werden sie erst, wenn sie körperlich und mental bereit sind. Wichtig zu wissen: CAVALLUNA besitzt keine eigenen Pferde. Die Show arbeitet mit Equipen aus ganz Europa zusammen, die Pferde und Reiter auf ihren eigenen Höfen ausbilden. Viele Reiter sind seit ihrer Kindheit mit ihren Pferden verbunden, Hauptdarsteller Matteo Rufini war sogar bei der Geburt seines Pferdes Te Quiero dabei.

Auch im Training wird auf die Belastung geachtet. Freiheitskünstler Bartolo Messina etwa arbeitet mit seinen Pferden höchstens 45 Minuten am Stück, um sie nicht zu überfordern.

Ein Mann kniet auf einem Reitplatz inmitten einer Gruppe von Pferden verschiedener Fellfarben, darunter ein auffälliger Tigerschecke, die ihre Köpfe vertrauensvoll zu ihm herabsenken.

FaktAusgewählt wird nach Charakter, eingesetzt erst nach jahrelanger Ausbildung.

Mythos 6: Bei Showpferden schaut niemand so genau hin

Das Gegenteil ist der Fall. Bei CAVALLUNA ist Anita Förster für das Wohlergehen der Pferde verantwortlich. Sie trägt die Verantwortung nach § 11 des Tierschutzgesetzes und damit auch die rechtliche Verantwortung dafür, dass die tierschutzrechtlichen Vorgaben eingehalten werden. Sie meldet die Show bei den zuständigen Veterinärämtern an und macht morgens wie abends ihren Kontrollgang durch den Stall.

Kontrolliert wird außerdem in jeder Showstadt: Samstags prüft das Ordnungsamt die Stallzelte auf ihre Sicherheit, und ein Amtstierarzt kontrolliert Pferde und Equipment. Anita stellt den Amtstierärzten die Pferde und Unterlagen vor und zeigt ihnen Stallungen und Transporter.

Und wenn sich ein Pferd verletzt oder krank wird? Dann wird sofort ein Tierarzt hinzugezogen. Bei einer schwereren Verletzung bleibt das Pferd im Heimatstall und reist nicht in die nächste Stadt mit. Weil die Choreografien flexibel angelegt sind, springt ein anderes Pferd ein oder die Szene wird angepasst.

Eine lächelnde blonde Frau in dunkelblauer Jacke steht in einer Stallgasse vertraut neben einem edlen Fuchspferd mit weißer Blesse und berührt sanft dessen Hals.

FaktEs gibt eine feste Verantwortliche nach § 11 Tierschutzgesetz und behördliche Kontrollen in jeder Stadt.

Fragen & Antworten

Bei CAVALLUNA sind die Lautsprecher nach außen in Richtung Publikum ausgerichtet. Auf der Reitfläche hören die Pferde die Musik deshalb wesentlich leiser als die Zuschauer. Viele kennen die Showmusik außerdem schon, weil die Equipen damit vorab im heimischen Stall trainieren können.

Vor der Premiere gibt es drei Wochen Endproben, in denen die Pferde Schritt für Schritt Arena, Licht und Requisiten kennenlernen. An jedem Tourort folgt vor der ersten Show eine Eingewöhnungsphase, in der die Reiter selbst entscheiden, ob sie mit Hallenlicht oder schon mit Showlicht trainieren.

Nein. Die Pferde reisen nur an den Wochenenden in die Showstädte. Von Montag bis Freitag leben sie in einem festen Stall in der Nähe von Düsseldorf mit Weiden, Paddocks und Ausreitgelände.

Durch behutsame Gewöhnung über mehrere Jahre. Das Training beginnt am Boden mit einer kleinen Fackel, weitere Flammen kommen nur dazu, wenn das Pferd gelassen bleibt. Das Tempo gibt immer das Pferd vor, und ausgebildete Crewmitglieder überwachen die Effekte jederzeit.

Nein. Ausgewählt werden nur Pferde, die charakterlich geeignet sind: ausgeglichen, motiviert, selbstbewusst und nervenstark. Eingesetzt werden sie erst, wenn sie körperlich und mental bereit sind.

Bei CAVALLUNA trägt Anita Förster die Verantwortung nach § 11 des Tierschutzgesetzes. Zusätzlich kontrolliert in jeder Showstadt ein Amtstierarzt Pferde und Equipment, und das Ordnungsamt prüft die Stallzelte.

Es wird sofort ein Tierarzt hinzugezogen. Bei einer schwereren Verletzung bleibt das Pferd im Heimatstall und tritt nicht auf. Ein anderes Pferd springt ein oder die Choreografie wird angepasst.

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