Woher stammt die Tradition von Trickreiten und Ungarischer Post?
Die Ungarische Post stammt von den traditionellen Pferdehirten der ungarischen Puszta, während das Trickreiten seine Wurzeln in militärischen Ausweichmanövern der Kosaken hat.
Die sogenannten Csikós lenkten früher riesige Pferdeherden über das flache Land. Um den Überblick zu behalten, stellten sich die Hirten auf den Rücken ihrer Pferde. Aus dieser landwirtschaftlichen Arbeitstechnik entwickelte sich eine anspruchsvolle Reitkunst. Heute lenkt ein Reiter bei der Ungarischen Post mehrere Pferde gleichzeitig und steht dabei sicher auf dem Rücken der beiden hintersten Tiere.
Das Trickreiten entstand in der militärischen Kavallerie. Kosaken und andere Reitervölker nutzten spektakuläre Manöver im vollen Galopp, um feindlichen Angriffen auszuweichen. Sie verbargen sich an der Flanke des Pferdes oder täuschten Stürze vor. Diese Überlebenstechniken bilden heute das Fundament für die Akrobatik im modernen Showreiten.
Wie trainieren Reiter Balance, Rumpfkraft und Sturztechniken?
Ein Trickreiter benötigt maximale Rumpfkraft, ein herausragendes Balancegefühl und automatisierte Sturztechniken für die Manöver im vollen Galopp. Der Reiter gleicht bei jeder Bewegung die massiven Fliehkräfte aus. Ohne eine extrem starke Rumpfmuskulatur hält niemand die Position auf, unter oder neben dem galoppierenden Pferd.
Reiter trainieren Rumpfkraft und Balance zuerst abseits des Pferdes. Sie nutzen Turngeräte, Trampoline und Voltige-Fässer. Hier üben sie die Bewegungsabläufe, bis das Muskelgedächtnis sie speichert. Erst wenn ein Trick auf dem Übungsgerät fehlerfrei funktioniert, überträgt der Reiter ihn auf das echte Pferd.
Ein weiteres Kern-Element ist das Falltraining. Trickreiter üben spezielle Sturztechniken wie das gezielte Abrollen. Sie leiten die Aufprallenergie um und vermeiden so Verletzungen. Diese Techniken geben dem Reiter die nötige Sicherheit für riskante Positionswechsel im vollen Tempo.
Wie bleiben die Pferde im vollen Galopp taktrein und gelassen?
Pferde bewahren Rhythmus und Gelassenheit durch einen kleinschrittigen Trainingsaufbau und absolutes Vertrauen zum Reiter. Ein Pferd reagiert als Fluchttier sensibel auf plötzliche Gewichtsverlagerungen. Wenn der Reiter im vollen Galopp die Position wechselt, verschiebt sich der Schwerpunkt massiv.
Der Ausbilder beginnt das Training immer im Stand oder im ruhigen Schritt. Der Reiter turnt vorsichtig auf dem Pferderücken, verändert seine Position und lobt das Tier sofort. Das Pferd lernt, dass diese unruhigen Bewegungen keine Gefahr darstellen. Takt und Losgelassenheit haben stets oberste Priorität.
Im Galopp agiert das Pferd später völlig autark. Der Reiter gibt die Zügel bei vielen akrobatischen Übungen komplett aus der Hand. Das Pferd balanciert sich selbst aus und läuft in einem gleichmäßigen Rhythmus weiter. Diese rhythmische Konstanz bildet die Grundvoraussetzung für die sichere Ausführung der Tricks.

Wie bereiten sich CAVALLUNA-Pferde auf Spezialeffekte vor?
Showpferde lernen den Umgang mit fliegenden Tüchern und Feuer durch jahrelange, behutsame Gewöhnung und tiefes Vertrauen zum Reiter. Die Showreiter Dajana und Nicki Pfeifer demonstrieren dies in der aktuellen CAVALLUNA-Show „Die Farben des Lebens“ mit einer Windnummer und einer Feuernummer.
Feuertraining eignet sich nicht für jedes Pferd und erfordert feste Grundlagen. Das Tier muss zuverlässig auf Hilfen reagieren, dem Reiter vertrauen und in ungewohnten Situationen ruhig bleiben. Der Trainingsaufbau erfolgt in klaren Schritten:
- Bodenarbeit: Das Training beginnt am Boden mit einer kleinen Fackel.
- Gewöhnung: Die Trainer zeigen dem Pferd die Requisite aus verschiedenen Richtungen und bewegen die Fackel zunehmend deutlicher.
- Satteltraining: Bei völliger Gelassenheit wiederholt der Reiter die Übung vom Pferderücken aus.
- Steigerung: Erst später ergänzen die Trainer das Bild durch weitere Flammen oder größere Requisiten.
Bis eine Feuernummer bühnenreif ist, vergehen oft mehrere Jahre. Sicherheit hat dabei immer oberste Priorität. Ausgebildete Crewmitglieder überwachen die Spezialeffekte in der Arena durchgehend. Das Ziel besteht darin, dem Pferd durch Geduld Sicherheit zu vermitteln und nicht den Fluchtinstinkt zu unterdrücken.
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Fragen & Antworten
Für die Ungarische Post und das Trickreiten eignen sich besonders robuste, nervenstarke und rittige Rassen mit breitem Rücken und taktreinem Galopp. Häufig kommen Nonius, Lipizzaner, Iberer (Pura Raza Española, Lusitanos) sowie kompakte Warmblüter oder Kaltblut-Mixe zum Einsatz. Entscheidend ist nicht allein die Rasse, sondern ein ausgeglichenes Interieur und ein stabiler Knochenbau.
Trickreiter nutzen spezielle Kosakensattel (Dschigitowka-Sattel) oder modifizierte Western- und Fellsättel mit stabilen Haltegriffen und extra verstärkten Steigbügelriemen. Diese Konstruktionen bieten dem Reiter bei extremen Hang- und Hänge-Übungen den nötigen Halt und verteilen das Reitergewicht gleichmäßig auf den Pferderücken.
Nein, nicht jedes Pferd bringt die mentale Veranlagung für Feuerszenen mit. Voraussetzung ist ein extrem hohes Grundvertrauen zum Menschen und ein ruhiges, unerschrockenes Wesen. Trainer wie Dajana und Nicki Pfeifer von CAVALLUNA testen die Reaktion der Tiere behutsam am Boden; zeigt ein Pferd anhaltenden Stress oder Panik, schließen sie es von solchen Nummern konsequent aus.
Richtig ausgeführt schadet das Stehen auf dem Pferderücken dem Tier nicht, setzt aber eine hervorragend trainierte Rücken- und Bauchmuskulatur des Pferdes voraus. Der Reiter steht nicht mittig auf der empfindlichen Wirbelsäule, sondern stützt sich über die Knie und Fußballen elastisch auf den muskulösen Partien über den Rippenbögen ab und federt die Bewegungen aktiv aus den Sprunggelenken ab.
Die solide Grundausbildung eines Trick- oder Showpferdes dauert in der Regel zwei bis vier Jahre. Erst wenn die Grundausbildung nach klassischen Richtlinien gefestigt ist und das Pferd absolut taktrein und durchlässig läuft, folgen Lektionen wie Stehen auf dem Rücken, Spezialeffekte oder akrobatische Gewichtsverlagerungen im Galopp.











