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Voltigieren

von ehorses
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ehorses Trainingstagebuch

Turnen ist eine anspruchsvolle Sportart, Reiten eine weitere – aber was passiert, wenn man beide Sportarten kombiniert? Turnen auf dem Pferd, oder auch Voltigieren, ist nicht nur für viele Reitanfänger der erste Schritt auf dem Pferderücken, sondern auch eine hochprofessionelle Sportart. In diesem Beitrag erfährst Du alles Wissenswerte rund um das Voltigieren. 

Was ist Voltigieren?

Akrobatische Turnübungen auf einem galoppierenden Pferd – Voltigieren zu beherrschen und die Übungen mit Leichtigkeit und Eleganz zu präsentieren bedarf viel Übung. Die Turner brauchen nicht nur ein gutes Körpergefühl, eine akkurate Ausführung und eine tolle Präsenz, die auch im normalen Boden- oder Geräteturnen erforderlich ist, sondern müssen sich während der schwierigen Übungen gleichzeitig die Balance auf einem Pferd halten, das an der Longe im Kreis galoppiert. Dafür müssen Grundlagen des Reitens beherrscht werden und die Sportler müssen sich im Umgang mit Pferden gut auskennen. Schließlich müssen die Pferde ebenso wie in allen Reitsportdisziplinen ebenso gut gepflegt, versorgt und trainiert werden, um Höchstleistungen abrufen zu können.

Beim Voltigieren gibt es neben dem Sportler und dem Pferd eine weitere relevante Person, den Longenführer, der darauf achtet, dass das Pferd sich gleichmäßig im Kreis bewegt. Der Zirkel muss einen minimalen Durchmesser von 18 Metern aufweisen. Im Profisport werden alle Übungen im Galopp durchgeführt, in kleineren Klassen und bei Einsteigern wird allerdings zunächst im Schritt und Trab begonnen das Gleichgewicht auf dem sich bewegenden Tier zu trainieren.

Beim Voltigieren gibt es verschiedene Übungen, die auf, seitlich am Pferd oder beim Auf- und Absteigen aufgeführt werden.

Wie funktioniert Voltigieren?

Voltigieren ist das Ausüben von Turnübungen auf dem sich bewegenden Pferd. Ein Longenführer sorgt dafür, dass sich das Pferd konstant auf einer Kreisbahn bewegt, um dem Sportler beste Voraussetzungen zu schaffen.

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Geschichte des Voltigierens

Wie ist das Voltigieren entstanden? Diese Frage stellt sich beim Betrachten dieser komplexen, anspruchsvollen Sportart schnell.

Tatsächlich ist der genaue Ursprung von dieser Pferdesport-Art nicht bekannt. Fakt ist, dass Pferde seit jeher in allen Kulturen der Welt als Fortbewegungs- und Transportmittel genutzt wurden. Daher war der Umgang und das Reiten auf Pferden früher Gang und Gäbe. Vermutlich entstanden die ersten der heutigen Voltigierübungen beim Auf- und Absteigen auf die Pferde. Die Menschen mussten schließlich durch gekonnte Sprünge auf den Pferderücken gelangen. Beim Einsatz der Pferde beim Herdentreiben, Jagen oder Kämpfen war es außerdem praktisch, wenn die Reiter sich seitlich am Pferd bewegen konnten, um flexibler reagieren zu können. Demnach gehen die Ursprünge des Voltigierens vermutlich auf praktische Aspekte und alltägliche Aufgaben, die mit Pferden bewältigt wurden, zurück.

Mädchen am Voltigieren

Der genaue Ursprung des Voltigierens ist nicht bekannt.

Bereits aus der Zeit vor Christi gibt es Felsmalereien, die zeigen, wie Menschen akrobatische Übungen auf ihren Pferden machen. Das Turnen auf dem Pferd schult das Gleichgewicht und die reiterlichen Fähigkeiten und ist deshalb auch für Reitanfänger besonders gut geeignet. Im Laufe der Geschichte waren Pferde immer wieder entscheidende Faktoren in verschiedensten Kriegen. Wer die besten Manöver auf dem Pferd reiten konnte, war seinem Gegner im Kampf überlegen und hatte bessere Chancen, sein eigenes Leben zu retten. Vor allem im Mittelalter stellte das Reiten mit Ritterrüstungen eine besondere Herausforderung dar. Im alten Rom wurden akrobatische Übungen zu Pferde bei Unterhaltungsdarbietungen aufgeführt. Nicht nur das Hinauf- und Hinunterspringen auf und von den Pferden, sondern auch Pferdewechsel im Galopp und weitere Kunststücke sorgten für Begeisterung im Publikum. Und um die Voltigier-Geschichte weiter zu verfolgen, bleiben wir in Italien. Zur Zeit der Renaissance wurde dort erstmals ein Voltigiergurt statt eines Sattels verwendet. Der Gurt sorgte für mehr Bewegungsspielraum, besseren Halt und ganz neue Übungen.

Besonders interessant ist, dass das Turnen auf dem sich bewegenden Pferd zu Übungszwecken auch auf Holzpferden durchgeführt wurde. Im Laufe der Zeit hat sich darauf das Turnen auf dem Pferd, das im heutigen klassischen Turnsport eine eigene Disziplin darstellt, entwickelt. Die meisten Menschen glauben, dass sich aus dem Turnen auf dem Holzpferd das Voltigieren entwickelt hat, in Wahrheit ist es genau umgekehrt.

Im Jahr 1983 wurde das Voltigieren offiziell von der FEI als Pferdesportart aufgenommen und nur ein Jahr später wurden die ersten Europameisterschaften ausgetragen. Im Jahr 1985 wurde dann auch der erste Weltmeister gekürt. Bis heute ist Voltigieren kein olympischer Sport. Das hat damit zu tun, dass olympische Disziplinen bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen, die beim Voltigieren noch nicht alle erfüllt sind. So ist der Sport noch nicht in ausreichend vielen Ländern bekannt, wodurch die Internationalität der Spiele leiden würde. In Deutschland ist Voltigieren sehr beliebt – auch im Bereich vom Turniersport. Dabei gibt es Einzel-Prüfungen und Wettkämpfe im Team. Aber auch im Breitensport-Bereich ist die Sportart in Deutschland sehr beliebt.

Klassische Voltigierübungen

Im Voltigieren gibt es zahlreiche Übungen, die in verschiedenen Variationen ausgeübt werden. Die klassischen Grundübungen sind die Fahne, die Mühle sowie das Knien und Stehen. Dies Lektionen sind ein Pflichtbestandteil in allen Prüfungen und bilden die Grundlage für weiterführende Übungen.

Fahne

Die Fahne ist eine der klassischen Einstiegsübungen im Voltigiersport. Dabei kniet der Sportler auf dem Pferd, die Unterschenkel liegen dabei auf dem Rücken des Tieres, die Hände halten sich an den Griffen am Voltigiergurt fest. Die Arme sind leicht gebeugt. Der Rücken ist waagerecht zum Pferderücken ausgerichtet und befindet sich in einem 90 Grad Winkel zu den Oberschenkeln. In dieser Art Bankposition geht die Blickrichtung zwischen den Pferdeohren hindurch. Aus dieser Position heraus wird ein Arm und das diagonal dazu befindliche Bein ausgestreckt, beispielsweise wird der linke Arm gerade nach vorne und das rechte Bein gerade nach hinten gestreckt. Die Gliedmaßen sollen eine Verlängerung des Rückens darstellen. Das Becken des Turners muss dabei stets gerade bleiben.

Voltigieren in der Gruppe

Das Voltigieren ist für viele Leute der Einstieg in der Pferdesport.

Mühle

Die zweite wichtige Grundübung ist die Mühle. Darunter versteht man eine 360 Grad Drehung des Turners auf dem Pferderücken. Die Mühle ist in vier Schritte unterteilt. Zu Beginn sitzt der Reiter ganz normal im Vorwärtssitz auf dem Pferd. Dann wird das rechte Bein gerade über den Voltigiergurt auf die linke Seite des Pferdes gehoben. Nun sind beide Beine auf der linken Seite. Die Beine werden dabei geschlossen. Im nächsten Schritt wird das linke Bein über den Rücken des Pferdes auf die rechte Seite des Tieres gehoben. Der Reiter sitzt nun rückwärts auf dem Pferd. Anschließend wird das rechte Bein auf die rechte Seite gehoben, wo sich beide Beine wieder treffen. Im letzten Schritt wird das linke Bein über den Kopf des Pferdes gehoben, sodass der Reiter wieder gerade auf dem Pferd sitzt.

Bei der Mühle ist es wichtig, dass die Beine bei jedem Herüberheben gestreckt sind. Der Voltigierer kann sich die ganze Zeit an den Griffen des Gurtes festhalten, muss aber je nach Position seinen Griff ändern.

Wie gefährlich ist Voltigieren?

Voltigieren ist eine riskante Sportart. Anders als beim Reiten werden zugunsten eines besseren Körpergefühls keine Helme getragen. Allerdings sind Voltigierpferde in der Regel sehr verlässlich und sicher.

Knien

Das Knien ist eine der leichtesten Übungen auf dem Pferderücken. Der Voltigierer kniet auf dem Rücken des Pferdes. Der Blick ist nach vorne gerichtet. Die Unterschenkel liegen auf dem Rücken des Pferdes, dabei zeigen die Fußsohlen nach oben, das heißt, dass die Füße ausgestreckt auf dem Rücken liegen, um die empfindliche Rückenmuskulatur des Pferdes nicht zu verletzen. Aus dieser Position heraus richtet sich der Sportler auf bis der Rücken und die Hüfte gestreckt sind. Die Arme werden in einem 90 Grad Winkel vom Körper weggestreckt und waagerecht zum Boden mit ausgestreckten Fingern gehalten.

Stehen

Das Stehen auf dem Pferd ist eine Übung, die leicht aussieht, aber in der Praxis alles andere als leicht zu erlernen ist. Bereits auf dem stehenden Pferd verlangt es dem Voltigierer viel Balance und Körpergefühl ab ruhig auf dem Pferderücken zu stehen. Der sichere Stand wird aus der knienden Position heraus entwickelt. Die größte Schwierigkeit besteht darin, sich auf die Bewegungen des Pferdes locker einzulassen. Deshalb sind die Knie im Stand leicht gebeugt, um die Bewegungen abzufedern.

Ist Voltigieren gut für Kinder?

Voltigieren schult das Gleichgewicht, das Körpergefühl und die reiterlichen Fähigkeiten und wird deshalb vor allem für Kinder und Reitanfänger empfohlen. In einigen Reitschulen ist der Besuch der Voltigierstunden sogar verpflichtend bevor das Kind zum „richtigen“ Reitunterricht angenommen wird.

Die richtige Ausrüstung beim Voltigieren

Die richtige Ausstattung ist das A und O für einen erfolgreichen Sportler. Beim Voltigieren ist es deshalb wichtig sowohl eine passende Ausrüstung für das Pferd als auch für den Reiter zu haben. Das Pferd benötigt einen Voltigiergurt mit zwei festen Haltegriffen. Daran kann sich der Turner festhalten. Auch zwei Fußschlaufen gehören zur Standardausrüstung an den Gurten. Die Schlaufen ermöglichen es dem Voltigierer sich seitlich ab Pferd herabhängen zu lassen.

Voltigieren ÜbungDamit der Voltigiergurt nicht reibt, ist eine gute Gurtunterlage wichtig. Bei empfindlichen Pferden empfiehlt es sich außerdem auch den Bauchgurt zusätzlich zu polstern, um Druck- und Scheuerstellen zu vermeiden.

Damit der Rücken des Pferdes nicht zu punktuell belastet wird, wird das Voltigieren nur mit speziellen Pads durchgeführt. Diese bilden eine feste Unterlage, die den Druck verteilt und verhindert, dass der Turner direkt auf der Rückenmuskulatur des Pferdes steht.

Des Weiteren benötigt ein Voltigierpferd eine Trense, Ausbinder sowie Gamaschen oder Bandagen und Hufglocken. Je nach Witterung ist eine Fliegenhaube empfehlenswert, damit das Pferd nicht von herumfliegenden Insekten gestört wird. Die Ausrüstung wird durch eine Longe sowie eine Longierpeitsche vervollständigt.

Für Turniere ist es üblich die Pferde einzuflechten. Wichtig ist dabei auch, dass das gesamte Outfit des Pferdes sowie des Turners zusammenpasst.

Aber was zieht ein Voltigierer an? Zu den wichtigen Kleidungsstücken gehört eine Leggins und ein enganliegendes Oberteil oder ein Turnanzug. Als Fußbekleidung werden Turnschläppchen verwendet. Für Turniere werden oft aufwendige Outfits entworfen, die zu dem Thema der Kür und zur Ausrüstung des Pferdes passt.

Wie viel kostet eine Voltigierstunde?

Die Kosten einer Voltigierstunde sind regional sehr unterschiedlich. Außerdem kommt es auf die Professionalität und Kenntnisse des Ausbilders an.

Was muss man als Voltigieranfänger beachten?

Die ersten Schritte im Voltigieren

Voltigieren ist oft der Einstieg ins Reiterleben. Für den Voltigierunterricht nehmen viele Vereine bereits Kinder ab vier Jahren an, für den klassischen Reitunterricht ist sind die Kinder in dann oft noch zu jung. In diesem Alter müssen die Kinder zunächst den Umgang mit sensiblen Tieren erlernen. Dazu gehört das Führen und Vorbereiten des Pferdes. Die Kinder sollen von Anfang an lernen, Verantwortung zu übernehmen und sich um andere Lebewesen zu kümmern.

Sportlich gesehen geht es am Anfang zunächst darum, sein Gleichgewicht auf dem Pferd zu halten. Dazu reicht das reine „draufsitzen“ zunächst aus. Hat der Turner erste Sicherheit erlangt, kann im Stand oder im Schritt mit den Grundübungen Fahne, Mühle, Knien und Stehen begonnen werden. Das schult die Beweglichkeit und Balance sowie das Körpergefühl. Erst wenn der Reiter in allen Gangarten sicher auf dem Pferd sitzt, macht es Sinn mit fortgeschrittenen Übungen weiterzumachen.

Für Kinder ist das Turnen im Zusammenhang mit dem Umgang mit Tieren häufig eine sehr faszinierende und interessante Beschäftigung, die viel Spaß macht. Da zunächst auch viele Trockenübungen gemacht werden, können sich die Kinder gemeinsam mit Gleichaltrigen ausprobieren und ihre eigenen Grenzen kennenlernen.

Grundsätzlich ist es für Voltigieranfänger wichtig, dass sie ein gutes Verhältnis zu dem Pferd aufbauen, denn Voltigieren erfordert viel gegenseitiges Vertrauen.

Der Aufsprung

Nachdem die Kennenlernphase abgeschlossen ist, geht das Training zu etwas anspruchsvolleren Übungen über. Den Anfang macht der richtige Aufsprung, ohne den der Voltigierer nicht auf das Pferd hinauf kommt. Zunächst wird das im Schritt geübt, später ist der Aufsprung im Galopp erforderlich. Dabei läuft man mit beiden Händen am Voltigiergurt neben dem Pferd her und stößt sich im richtigen Moment mit beiden Beinen vom Boden ab. Wichtig ist es, den Schwung des Pferdes zu nutzen und weich auf dem Pferderücken zu landen

Aufwärmen vor dem Voltigieren

Vor jeder Trainingseinheit ist es wichtig, sich ordentlich und umfassend aufzuwärmen. Vor allem bei turnerischen, akrobatischen Übungen müssen die Sehnen, Bänder und Muskeln gut aufgewärmt sein, um schmerzhafte Zerrungen oder schlimmere Verletzungen zu verhindern.

Das Aufwärmen gilt übrigens nicht nur für den Reiter, sondern auch für das Pferd. In jeder Reitsportdisziplin sollte das Pferd vor Beginn einer jeden Einheit mindestens 15 Minuten Schritt gehen. Anschließend kann das Pferd ein paar Runden locker an der Longe abgetrabt und -galoppiert werden bevor sich der erste Voltigierer auf seinen Rücken schwingt.

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