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Hufrehe erkennen: Die ersten Anzeichen im Überblick

von Michelle Breitenfeld

Hufrehe ist einer der gefürchtetsten Notfälle im Pferdestall, doch oft kündigt sie sich bereits durch subtile Warnsignale an, bevor der schmerzhafte Reheschub eintritt.

Woran erkenne ich den Beginn einer Hufrehe?

Erwärmte Hufe, eine deutlich spürbare Pulsation der Mittelfußarterie und eine allgemeine Bewegungsunlust sind die ersten ernstzunehmenden Warnsignale für eine drohende Hufrehe. Oft wirkt das Pferd zudem „fühlig“ auf hartem Boden, zeigt einen klammen Gang oder wechselt auffällig häufig die Entlastung der Vorderbeine im Stand.

Diese Symptome deuten auf eine Entzündung der Huflederhaut hin. Da bei einer Hufrehe das Risiko einer dauerhaften Hufbeinsenkung oder -rotation besteht, gilt bei Verdacht: Handel sofort.

Typische Warnsignale im Überblick

Ein Pferd zeigt bei einer beginnenden Hufrehe selten alle Symptome gleichzeitig. Achte bei Verdachtsmomenten besonders auf diese Anzeichen:

  • Pulsation: Die Zehenarterien am Fesselkopf sind deutlich fühlbar. Ein starker, deutlich pochender Puls ist ein Alarmsignal.

  • Wärmeentwicklung: Der Huf fühlt sich an der Hufwand oder am Kronrand deutlich wärmer an als üblich.

  • Klammer Gang: Das Pferd zeigt sich wendeunwillig und geht besonders auf hartem Boden sehr vorsichtig und kurztrittig.

  • Entlastungshaltung: Das Pferd verlagert das Gewicht häufig von einem Bein auf das andere.

  • Rehe-Stellung: In fortgeschritteneren Stadien versucht das Pferd, die Vorderhufe zu entlasten, indem es die Vorderbeine weit nach vorne streckt und das Gewicht auf die Trachten der Hinterhufe verlagert.

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Wie prüfe ich die Pulsation und Wärme am Huf korrekt?

Eine verstärkte Pulsation fühlst du an der Innen- oder Außenseite des Fesselkopfs; bei einem gesunden Pferd ist dort fast kein Herzschlag spürbar. Warme Hufe über einen längeren Zeitraum, ohne dass das Pferd vorher in der Sonne stand oder sich bewegt hat, deuten auf einen entzündlichen Prozess innerhalb der Hufkapsel hin. Am sogenannten Kronrand, dem oberen Rand der Hufkapsel, können auch leichten Schwellungen kommen.

Eine Detailaufnahme der Hände einer Person, die den Fesselkopf eines Pferdebeins abtasten. Ein leuchtender, rot-oranger Lichtkreis (Glow) strahlt direkt dort ab, wo die Fingerspitzen das Gelenk berühren, was auf eine Untersuchung auf lokale Wärme hindeutet. Die Person kniet auf Stroh in einem Stall.

Was tun bei Verdacht auf Hufrehe?

Wenn du den Verdacht auf Hufrehe hast, musst du sofort das Protokoll für einen medizinischen Notfall einleiten. Warte nicht ab, ob die Symptome am nächsten Tag von alleine verschwinden.

1. Sofortmaßnahmen ergreifen

Stelle das Pferd umgehend auf einen weichen, nachgiebigen Untergrund wie Sand oder Späne. Vermeide harte Böden konsequent.

2. Kühlen, aber richtig

Kühle die Hufe gezielt mit kaltem Wasser oder speziellen Kühlgamaschen. Die Kühlung reduziert die Entzündungsprozesse im Huf und lindert den Schmerz. Achte darauf, die Hufe nicht schockartig zu unterkühlen, sondern eine konstante, milde Kälte zu halten.

3. Tierarzt rufen

Kontaktiere sofort einen Tierarzt. Er ist die einzige Instanz, die eine verlässliche Diagnose stellen und die notwendige medikamentöse Therapie, wie entzündungshemmende Schmerzmittel, einleiten kann.

Niemand kennt dein Pferd so gut wie du. Vertraue deinem Instinkt: Bei Hufrehe ist es besser, einmal zu viel den Tierarzt zu rufen als zu zögern.

Michelle
Redakteurin bei ehorses

Die Ursachen von Hufrehe: Warum entsteht die Entzündung?

Hufrehe ist keine Krankheit, die isoliert im Huf entsteht. Sie ist das Resultat einer systemischen Störung im Körper, die dazu führt, dass die Versorgung der Huflederhaut unterbrochen wird. Die Verbindung zwischen Hufbein und Hornkapsel entzündet sich, was im schlimmsten Fall zum Ausschuhen führt.

Die Ursachen lassen sich in vier Hauptgruppen unterteilen:

  • Endokrinopathische Hufrehe (Stoffwechsel): Dies ist die häufigste Ursache. Erkrankungen wie das Equine Metabolische Syndrom (EMS) oder PPID (Cushing-Syndrom) führen zu einer Insulinresistenz. Der dauerhaft erhöhte Insulinspiegel schädigt die Zellen in der Huflederhaut direkt.

  • Fütterungsbedingte Hufrehe: Eine übermäßige Aufnahme von leicht verdaulichen Kohlenhydraten (wie Fruktan im Gras oder Stärke im Getreide) führt zu einer Fehlgärung im Dickdarm. Dabei entstehen Toxine, die in den Blutkreislauf gelangen und die Kapillaren im Huf verengen.

  • Sepsis-assoziierte Hufrehe: Schwere Entzündungen im Körper, etwa durch eine Nachgeburtsverhaltung bei der Stute, eine schwere Kolik oder eine Gebärmutterentzündung, setzen Bakterientoxine frei. Diese Toxine lösen eine systemische Entzündungsreaktion aus, die sich oft auf die Huflederhaut auswirkt.

  • Belastungsrehe: Wenn ein Pferd ein Bein aufgrund einer Verletzung oder Schmerzen entlastet, muss das gesunde Bein dauerhaft das gesamte Gewicht tragen. Diese extreme, einseitige Dauerbelastung kann die Durchblutung im Huf so stark stören, dass eine Hufrehe im eigentlich gesunden Bein entsteht.

Warum reagiert nicht jedes Pferd gleich?

Ob ein Pferd eine Hufrehe entwickelt, hängt von der individuellen Belastungsgrenze ab. Während ein robustes Pony bei großer Fruktanaufnahme sofort Symptome zeigt, bleibt ein anderes Pferd möglicherweise beschwerdefrei. Genetische Veranlagung, das aktuelle Körpergewicht (Body Condition Score) und das allgemeine Management bestimmen maßgeblich das individuelle Risiko.

Übrigens: Hufrehe aktiv vorbeugen – der entscheidende Start bei der Saat

Das Problem ist oft hausgemacht: Viele Weiden sind ursprünglich für die Milchwirtschaft auf hohen Ertrag und schnellen Wuchs gezüchtet. Diese „Power-Gräser“ enthalten oft hohe Fruktanwerte, die den Stoffwechsel des Pferdes überfordern können. Eine pferdegerechte Weideplanung beginnt daher schon bei der Auswahl des Saatguts.
Wer seine Weiden nachhaltig aufwerten möchte, setzt auf spezielle Mischungen, die auf einen niedrigen Fruktangehalt und eine hohe Strukturvielfalt ausgelegt sind. In unserem exklusiven Beitrag erfährst du, worauf es bei einer pferdegerechten Grasauswahl ankommt und wie du deine Weide gesund optimierst.
► Hier geht es zum Artikel: Pferdegerechte Weidepflege – Die richtige Saatwahl.

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Fragen & Antworten

Nein, Hufrehe kann das ganze Jahr über auftreten. Während im Frühjahr und Sommer das Fruktan im Gras ein hohes Risiko darstellt, können Stoffwechselerkrankungen oder mechanische Belastungen auch im Winter jederzeit einen Schub auslösen.

Nein, Bewegung ist im akuten Stadium streng verboten. Jeder Schritt kann den Aufhängeapparat des Hufbeins weiter schädigen und zu einer irreversiblen Hufbeinrotation führen. Das Pferd sollte absolut ruhig stehen.

Eine Hufrehe hinterlässt oft lebenslange Spuren am Huf, ist aber bei rechtzeitiger Diagnose und konsequenter Haltungsumstellung (Diät, Spezialbeschlag) gut therapierbar. Je früher du die Anzeichen erkennst, desto geringer sind die Folgeschäden.

Die Kälte bewirkt eine Gefäßverengung, was die Entzündungsreaktion verlangsamt und den Schmerz lindert. Ideal ist ein Wasserbad oder spezielle Kühlgamaschen, die den Huf bis über den Fesselkopf umschließen.

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