Home NewsAlarmstufe Rot in Thüringen: Wolfsangriffe auf Pferde nehmen drastisch zu – Experten schlagen Alarm

Alarmstufe Rot in Thüringen: Wolfsangriffe auf Pferde nehmen drastisch zu – Experten schlagen Alarm

von Michelle Breitenfeld

Die Situation für Weidetierhalter in Thüringen spitzt sich dramatisch zu. Während im Vorjahreszeitraum kein einziges Pferd Opfer eines Wolfes wurde, verzeichnet die offizielle Statistik des Thüringer Umweltministeriums seit Jahresbeginn bereits neun gerissene Pferde. Experten warnen vor einer gefährlichen Konditionierung der Raubtiere und fordern Pferdehalter zum Handeln auf.

Die Zahlen: Eine besorgniserregende Entwicklung

Die Statistik für den Zeitraum von Jahresbeginn bis Anfang März 2026 (angenommenes aktuelles Jahr) ist nüchtern, aber erschreckend:

  • Pferde: 9 Tiere gerissen, 1 weiteres verletzt. (Vorjahr: 0)

  • Rinder: 5 Tiere gerissen.

  • Schafe: 6 Tiere gerissen.

Für den Landesjagdverband Thüringen (LJVT) ist diese Entwicklung “dramatisch“. LJVT-Präsident Ludwig Gunstheimer erklärt das Verhalten biologisch: “Wölfe nutzen bevorzugt leicht erreichbare und energetisch lohnende Beute.” Pferde auf offenen Weiden stellen eine attraktive Nahrungsquelle dar. Das Problem: Wölfe lernen schnell. Haben sie einmal Erfolg, lernen sie, dass Pferde eine “vergleichsweise einfache Beute” sind.

Gefahr der Verschleppung: Junge Wölfe als “Lehrmeister”

Besonders bedenklich ist die Situation im Hinblick auf abwandernde Jungwölfe. Diese verlassen im Alter von ein bis drei Jahren ihr Rudel, um neue Reviere zu besiedeln. “Haben sie gelernt, größere Weidetiere als Beute zu nutzen, besteht die Gefahr, dass dieses Verhalten in andere Regionen getragen wird”, warnt Gunstheimer. Dies könnte die Konflikte in bislang weniger betroffenen Gebieten massiv verstärken.

Was Pferdehalter jetzt tun müssen

Auch Heinz Bley vom Landesverband der Thüringer Pferdezüchter äußert große Sorge. Sein dringender Rat an alle Pferdehalter, insbesondere in den bestätigten Wolfsgebieten: Lasst euch individuell von Kompetenzzentren beraten, wie ihr eure Tiere am besten schützen könnt.

Herdenschutz: So schützt du deine Pferde

- Wolfsabweisende Elektrozäune: Nutze Zäune mit ausreichender Höhe und Spannung.
- Unterkriechen verhindern: Der Zaun muss so konstruiert sein, dass Wölfe nicht untendurch schlüpfen können.
- Überspringen erschweren: Achte auf eine ausreichende Gesamthöhe des Zauns.
- Individuelle Beratung nutzen: Kontaktiere Kompetenzzentren für maßgeschneiderte Schutzkonzepte für deine Weide.

Hintergrund: Wolfsterritorien in Thüringen

Derzeit gibt es im Freistaat sieben bestätigte Wolfsterritorien mit etwa 30 standorttreuen Tieren. Pferdehalter in diesen Regionen sollten besonders wachsam sein:

  • Rund um Neustadt am Rennsteig

  • Bei Ohrdruf

  • Altenburg

  • Trusetal-Seligenthal

  • Im Hainich

  • Am Großen Kalmberg bei Stadtilm

  • Bei Ilfeld

Der Konflikt zwischen Artenschutz und Weidetierhaltung erreicht in Thüringen eine neue Stufe. Damit das Miteinander langfristig funktionieren kann, braucht es mehr als nur Statistik – es bedarf eines aktiven Wolfsmanagements und finanziell tragbarer Schutzlösungen für die Landwirte. Bis dahin liegt die Hauptlast der Prävention bei den Pferdehaltern, für die ein technisches Upgrade ihrer Zäune nun zur dringenden Notwendigkeit wird.

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