„Hals & Bein!“ – das bedeutet im Galopprennsport „Viel Glück!“

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Ein Trainingsmorgen im Galopprennstall

Deutscher GaloppSechs Uhr morgens in den Stallungen: Die ersten Reiter laufen zwischen Sattelkammer, Führplatz und Boxen hin und her. Hastig werden die letzten Bürsten und Satteldecken gegriffen, jetzt aber schnell!

Ungeduldig wartet auch schon die kleine Stute in ihrer Box – wo bleibt nur das Mädchen? Die Morgenfütterung liegt bereits eine Stunde zurück, Zeit „auf Bahn zu gehen“! Die Bahn, das ist die Galopprennbahn, die direkt neben den Stallungen liegt. Warum der Artikel weggelassen wird? Das weiß niemand. Der kleinen Stute jedenfalls ist es egal. Sie will jetzt nur endlich laufen! Wenn das Mädchen sie „fertig gemacht hat“ (das bedeutet im Rennstall Putzen, Hufe auskratzen, Fieber messen, Satteln, Trensen), wird sich auf dem Hof im Schritt warmgelaufen, dann geht es zum Traben in den Wald. Hier wird sie heute wahrscheinlich wieder ungeduldig sein und die anderen Pferde, ca. 20, werden sie in ihrer Trainingsgruppe sein, etwas ärgern. Das Mädchen sagt: „Das ist nicht so schlimm, ich bin froh, wenn sie wild ist, das zeigt nur, dass es ihr gut geht.“

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Der Trainer hat alles fest im Blick

Doch der Trainer, der entscheidet, welche Pferde wann wie schnell laufen, um optimal auf die Rennen vorbereitet zu sein, der wird das gar nicht gerne sehen. Die Ruhe in der Trainingsgruppe ist wichtig, damit alle Pferde beste Leistungen bringen können. Nach dem Traben werden sie die letzten Meter bis zum Eingang auf die Trainingsbahn wieder im Schritt gehen. Das Mädchen wird sich die Bügel kürzer schnallen, noch einmal nachgurten und die Schutzbrille vom Helm über die Augen ziehen. Nacheinander werden die Pferde die Sandbahn betreten, die umliegende Grasbahn ist für die Rennen und die schnelleren Trainingsgalopps reserviert. Heute ist es nebelig, die Sonne geht langsam auf. Der letzte Reiter wird das Betreten seines Pferdes der Bahn mit einem „Okay!“ ankündigen, dann geht es los. Dann darf die kleine Stute endlich galoppieren. Eine Runde wird es heute auf der Bahn gehen, das sind immerhin fast zwei Kilometer. Das ist anstrengend, doch sie liebt es, wurde dazu geboren. Sie wird sich strecken und den weichen Sand unter ihren Hufen spüren, den Wind in ihrer Mähne. Das Mädchen sagt, wenn sie mit der Stute galoppiert, dann gibt es nur sie beide. Keine anderen Menschen, keine Sorgen, keine Probleme. Dann sind die Gedanken frei. Kennengelernt haben die beiden sich vor einem Jahr, seitdem trainieren sie zusammen. Da war die kleine Stute zwei Jahre alt, lief noch keine Rennen. Sie war noch zu schmächtig, nicht fit genug und nicht so weit entwickelt wie die meisten anderen Vollblüter in diesem Alter. Also wurde gewartet. Jetzt ist sie drei und immer noch klein – doch sie ist stark und schnell. Das hat sie in ihren ersten Rennen gezeigt. Das Mädchen sagt, wenn die kleine Stute ein Rennen läuft, dann nimmt sie auch ihr Herz mit. Sie sagt, dann sieht sie die anderen Zuschauer nicht, sieht keine schicken Hüte und den Flair am Renntag, den sie sonst so genießt – wie eigentlich jeder, der vor der Corona-Krise schon einmal auf einer Galopprennbahn zu Gast war.

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Aktion im Rennen

Reiten im Rennen tut der Jockey, das ist sein Beruf. Das Mädchen steht dann am Zaun und schaut zu. „Hals & Bein!“, ruft sie dem Jockey jedes Mal zu – das bedeutet im Galopprennsport „Viel Glück!“. „Lauf schnell wie der Wind und komm heile nach Hause!“, die Worte an die kleine Stute. Ob das Mädchen Angst hat, wenn die Stute ein Rennen läuft? „Nein“, sagt sie, „sieh sie dir doch an. Sie will laufen, das ist alles, was sie glücklich macht. Ihr das zu verbieten wäre eine Strafe. Wenn sie läuft, das ist Perfektion.“ Der Trainer beschreibt die kleine Stute als „kleine Kämpferin“, er muss es wissen, kennt er doch jeden seiner Schützlinge in- und auswendig.

Deutscher GaloppNach ihrer Karriere als aktives Rennpferd wird die kleine Stute Mutter werden. Ihre Abstammung ist außergewöhnlich gut und siegreich ist sie auch schon. Das ist nicht bei jedem Rennpferd so. Wallache, oder Pferde, die einfach nicht genug sind, werden meist tolle Freizeitpartner oder starten noch in anderen Disziplinen durch. Die kleine Stute jedoch wird mit ihren Fohlen über die Wiesen des Gestütes laufen. Wird sie vorbereiten auf ihre Laufbahn als Rennpferde, als englische Vollblüter dem Galoppieren verpflichtet. Wird sie erziehen und mit den anderen Pferden vertraut machen. Und vielleicht wird sie ihnen erzählen von ihrer Zeit auf der Rennbahn – und von dem Mädchen, das jeden Tag nur Augen hatte für das kleinste Pferd im Stall. Doch dieser Tag ist noch nicht heute. Heute kommt das Mädchen fünf Minuten zu spät in den Stall gerannt. „Motte, ich hab‘ dich vermisst“, ruft sie der kleinen Stute zu und schiebt schnell eine Möhre als Entschuldigung hinterher. Die kleine Stute wiehert zur Begrüßung, wie jeden Morgen. Es ist ein neuer Morgen, ein neuer Tag – eine neue Chance. Denn im Galopprennsport ist eines sicher: Es ist alles möglich.

Deutscher Galopp ist die nach dem Tierschutzgesetz und der Verordnung über die Zuchtorganisationen anerkannte Züchtervereinigung auf dem Gebiet der Vollblutzucht.

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Deutscher Galopp fördert die Ausrichtung von Rennen als Leistungsprüfungen der deutschen Vollblutzucht. Er tritt für die Gesundheit & den sachgerechten Tierschutz des Englischen Vollbluts ein & vertritt die Interessen der an Zucht & Rennsport Beteiligten gegenüber allen gesellschaftlichen Interessen & Gruppen.

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