Muskelaufbau beim Pferd und was Aminosäuren damit zu tun haben

Damit Dein Pferd Muskeln aufbauen kann, braucht es Training in Intervallen und gezielte Fütterung. Aminosäuren spielen dabei eine wesentliche Rolle. Besonders wichtig sind sie beim Fohlen und beim Jungpferd im Aufbautraining. Wieso Aminosäuren für Pferde so wichtig sind, wie Du Dein Pferd beim Muskelaufbau unterstützen kannst und wie passende Futterrationen aussehen, erklärt Sophia Riegger, Expertin bei marstall.

Grundsätzlich gilt: Egal ob Du Dein Pferd reitest, fährst, longierst oder mit ihm Bodenarbeit machst – Dein Pferd braucht zum Aufbau von Muskeln sowohl Trainingsreize als auch Pausen, in denen nicht wieder die gleiche Muskulatur angesprochen wird.

Aminosäuren, die Bausteine des Körpers

Aminosäuren sind die Grundbausteine der Proteine (Eiweiße). Man kann man sie sich wie Legobausteine vorstellen. Es gibt 20 verschiedene dieser Bausteine. Nach dem genetischen Bauplan setzt der Körper diese „Legosteine“ in unterschiedlichsten Kombinationen zusammen. Es entstehen daraus alle Proteine des Körpers. Somit sind Aminosäuren nicht nur Grundbaustoff für alle (Muskel-) Zellen, sondern auch für den Stütz- und Halteapparat, für Hufhorn und Haare, für Hormone, Antikörper, Milchprotein und vieles mehr.

Etwa die Hälfte der verschiedenen Aminosäuren sind essenziell. Das heißt, sie müssen gefüttert werden, da der Pferdekörper sie nicht selber herstellen kann. Die wichtigsten dieser essenziellen Aminosäuren sind: Lysin, Methionin (Cystein) und Threonin.

Übrigens, wenn nur eine dieser wichtigen essenziellen Aminosäuren zu knapp im Futter enthalten ist, dann ist das so, wie wenn auf der Baustelle ein Material ausgeht. Der Bau kann nicht fertiggestellt werden, die restlichen anderen Baustoffe können nicht genutzt werden und müssen über Leber und Niere entsorgt werden. Letztlich vermindert also schon eine fehlende essenzielle Aminosäure den eigentlich möglichen Muskelaufbau. Zudem belastet das den Leber- und Nierenstoffwechsel.

Klar also, dass nicht nur Fohlen und wachsende Jungpferde diese Bausteine besonders brauchen, sondern, dass man auch bei SportpferdenSenioren, leber- und nierenkranken Pferden, sowie bei laktierenden Stuten besonders auf die Versorgung achten sollte. Alle marstall-Futtermittel für diese Pferdegruppen enthalten besonders viele und leicht verdauliche Aminosäuren „in Reinform“, so Sophia Riegger.

Essenzielle Aminosäuren füttern

Die kleinsten Untereinheiten im Muskel sind Myosin und Aktin. Sie wiederum bestehen aus Ketten von über 300 Aminosäuren.

Muskelzellen sind komplett aus Aminosäuren aufgebaut, also auch die kleinsten Einheiten. Lysin ist z.B. wichtiger Baustein der kraftübertragenden Mikrofilamente des Muskels, Aktin und Myosin. Während der Leistung werden manche Aminosäuren zur Energiegewinnung aus dem Muskelgewebe ausgebaut und genutzt. Andere Aminosäuren helfen beim Muskelstoffwechsel. Letztlich benötigt der Muskel die Aminosäuren also nicht nur zum Aufbau, sondern auch zur Leistung und Regeneration.

Wissenschaftlich bestätigt

In den letzten 2 Jahrzehnten wurde intensiver zum Bedarf der Pferde an Aminosäuren geforscht. Dabei wurde mehrfach nachgewiesen, dass sich das Wachstum von Jungpferden signifikant durch die Zufuhr essenzieller Aminosäuren verbessert (Graham-Thiers&Kronfeld, 2005; Koslowski, 2009; Krumbiegel, 2011). Die genannten Studien konnten auch nachweisen, dass eine gezielte Zufuhr essenzieller Aminosäuren den Stoffwechsel entlastet, denn bei weniger fehlenden Aminosäuren und besserer Nutzung, müssen weniger „unbrauchbare“ Aminosäuren zu Harnstoff umgebaut und mit dem Harn ausgeschieden werden. Auch ein stärkerer Zuwachs der Muskelmasse wurde durch die Zulage essenzieller Aminosäuren bewiesen (Koslowski, 2014).

Zu viel Proteine? Auf die Qualität kommt es an!

„Viele Pferdebesitzer haben Angst, zu viel Eiweiß zu füttern“, weiß Sophia Riegger aus unzähligen Futterberatungen. Doch Eiweiß ist nicht gleich Eiweiß. Man muss viel mehr auf die Qualität, also die Zusammensetzung des Eiweißes achten, als nur auf die Reduktion der Menge! Grundsätzlich sind in allen Futtermitteln Aminosäuren vorhanden. Manche Futtermittel enthalten aber mehr essenzielle Aminosäuren als andere. Zudem stehen die enthaltenen Aminosäuren dem Pferd nur zu Anteilen zur Verfügung. Genutzt kann nur das Eiweiß werden, das noch im Dünndarm verdaut werden kann. Heu liefert je nach Erntezeitpunkt stark unterschiedliche Mengen an nutzbaren Aminosäuren. Stammt das Heu aus einem ersten späten Schnitt – was auch viele gute Eigenschaften hat – sind die Proteine so fest in die Zellwände der schon verholzten Stängel eingebunden, dass das Pferd sie nicht bis Ende des Dünndarms aufgeschlossen bekommt. Früh geschnittenes Heu ist ein besserer Aminosäurelieferant.

Gute Proteine erkennen

Wie gut Aminosäuren vom Pferdekörper aufgenommen werden können, macht also einen großen Unterschied aus. „Wir bei marstall kennzeichnen das dünndarmverdauliche, also gute, Protein mit ‚pcv Rohprotein‘ bei allen Produkten mit hohem Proteingehalt – egal ob Müsli, Ergänzungsfutter, Mineralfutter oder auch Diät-Ergänzungsfutter. „pcv“ steht für präcaecal verdaulich, was dünndarmverdaulich, also fürs Pferd verfügbar bedeutet“, erklärt Sophia Riegger. Ist das Rohprotein mit pcv angegeben, ist sicher, dass es sich um besonders hochwertiges Rohprotein handelt. Besonders viel davon enthalten zum Beispiel folgende marstall-Futtermittel.

Beispielrationen, die den Muskelaufbau und -erhalt unterstützen

Ration für ein Jungpferd (2-3 Jahre) im Aufbautraining

Endgewicht 600 kg

Futtermittel                                                      Menge

Getreidefreie Ration
normalfuttriges Pferd mit 600 kg

Futtermittel                                                             Menge

Trainingsreize setzen

Noch zum wichtigen Bereich Training. Denn eine noch so gute Fütterung bringt nichts, wenn die Muskulatur nicht ausreichend oder auch nicht optimal trainiert wird. Das optimale Muskeltraining besteht abwechselnd aus anstrengendem Training, das die Muskulatur an ihre Grenzen bringt ohne sie zu überfordern.

Und einer Pause, in der das Pferd zwar bewegt, aber die Muskeln nicht deutlich gefordert werden. Während dieser leichten Bewegung passiert im Pferdekörper viel: Die Durchblutung der beanspruchten Muskeln wird verstärkt, Zellen werden erneuert und die zuvor belasteten Muskelregionen wie die Rückenmuskeln werden aufgebaut, damit sie den nächsten Trainingsreiz besser umsetzen können.

Rassetypische Muskulatur

Wichtig zu wissen: Pferde verfügen muskulär über unterschiedliche genetische Voraussetzungen. Man unterscheidet slow-twitch und fast-twitch Muskelfasern. Die einen sind ideal für Langstreckenbeanspruchung (slow-twitch), die anderen für kurze schnelle Kraftübertragung (fast-twitch). In welchem Verhältnis beide Typen im Körper angelegt sind, ist genetisch festgelegt. So eignet sich ein Vollblutaraber von Natur aus mehr zum Distanzreiten, als ein Spring- oder Rennpferd, dem dank vieler Fast-twitch Fasern kraftraubender, schneller Sport leichter fällt. Welche Fasern verstärkt ausgeprägt werden, kann mit Training bis zu einem gewissen Grad beeinflusst werden.

Fazit – Aminosäuren für Pferde sind wichtig!

Bedarfsgerechte Fütterung bedeutet, auch die Aminosäuren-Zufuhr im Blick zu haben. Das gilt generell und speziell bei besonderen Bedürfnissen: Pferde, die wachsen und Muskeln ausbilden sollen, oder Mutterstuten sowie deckende Hengste, für Pferde im Reha-Training, für Pferde, die abnehmen aber ihre Muskulatur nicht verlieren sollen und für Senioren, die generell an Substanz verlieren. Besondere Bedeutung hat der Gehalt an Aminosäuren im Futter, die im Dünndarm aufgenommen werden können. Diesen müssen Hersteller nicht extra kennzeichnen. Marstall macht dies aber freiwillig, das Kürzel dafür lautet „pcv“.

Bei Fragen rund um die Pferdefütterung allgemein oder speziell zu Proteinen und Aminosäuren erreichst Du kostenlose Futterberatung Montag bis Freitag 7 bis 17 Uhr unter Tel. +49 – 83 86 – 93 33-15, per Mail info@marstall.eu oder PN bei facebook unter @MarstallPferdefutter

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Frederieke Wenning

Frederieke Wenning

Frederieke Wenning ist Auszubildene Kauffrau für Marketingkommunikation. Sie besitzt selbst Pferde und hat noch einige Tipps und Tricks für Dich auf Lager.

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