Sommerhitze belastet den Organismus von Pferden extrem, weshalb Reiter das Training an heißen Tagen drastisch anpassen oder komplett pausieren müssen.
Ab welcher Temperatur wird das Reiten für Pferde gefährlich?
Intensives Training wird für Pferde ab einer Umgebungstemperatur von 28 Grad Celsius in Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit gefährlich. Ab dieser kritischen Schwelle stößt das körpereigene Thermoregulationssystem an seine biologischen Grenzen, da die Thermoregulation über das Abgeben von Schweiß nicht mehr ausreichend kühlt. Wenn die Muskelarbeit während des Reitens zusätzliche Wärme produziert, droht dem Pferd ohne sofortige Entlastung ein lebensgefährlicher Hitzeschlag oder ein akuter Kreislaufkollaps.
Das Risiko für hitzebedingte Gesundheitsschäden hängt dabei stark von der Disziplin und der Kondition des Pferdes ab. Während ein trainiertes Vielseitigkeitspferd bei 28 Grad im Schatten noch leichte Schrittarbeit leistet, führt ein Galopptraining in der prallen Sonne bei gleicher Temperatur sofort zu akutem Hitzestress. Besonders gefährlich wird es, wenn zu den 28 Grad eine hohe Luftfeuchtigkeit von über 70 Prozent hinzukommt. In diesem Fall verdunstet der Pferdeschweiß kaum noch auf der Haut, wodurch der kühlende Effekt vollständig ausbleibt und die Körperkerntemperatur des Tieres rasant auf kritische Werte über 41 Grad ansteigt.
Warum vertragen Pferde Hitze schlechter als Menschen?
Pferde besitzen im Verhältnis zu ihrer enormen Muskelmasse eine sehr kleine Körperoberfläche, was den Wärmeaustausch massiv erschwert. Die arbeitende Muskulatur produziert bei Bewegung große Mengen an Wärme, die der Organismus nur langsam abführt. Zudem kühlt der Pferdeschweiß aufgrund der Fellstruktur und bei hoher Luftfeuchtigkeit schlechter auf der Haut, was den körpereigenen Kühlmechanismus blockiert.
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Wann genau wird das Training lebensbedrohlich?
Das Risiko für einen Hitzeschlag hängt immer von der Kombination aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab. Feucht-warmes Wetter nach einem Sommergewitter stellt die größte Gefahr dar. Bei hoher Luftfeuchtigkeit verdunstet der Schweiß nicht auf dem Fell. Die wichtigste Kühlfunktion des Pferdes versagt.
Bereits 17 Minuten moderates Training bei schwülem Wetter reichen aus, um die Körpertemperatur gefährlich in die Höhe zu treiben. Die Normaltemperatur eines Pferdes liegt zwischen 37 und 38 Grad Celsius. Steigt sie auf 41 Grad, besteht akute Lebensgefahr. Die Muskeltemperatur erreicht in diesem Stadium bis zu 43 Grad. Die Folgen sind fatal: Körpereigene Proteine bauen ab, der Blutdruck fällt massiv, Koliken und Nierenversagen drohen.
Nutze zur Risikoeinschätzung die thermische Faustformel (Außentemperatur in Celsius plus relative Luftfeuchtigkeit in Prozent).
Wie berechnet man die Temperaturgrenze für das Pferdetraining?
Die exakte Belastungskennzahl für das Pferd bestimmt der sogenannte Heat Index (Hitzestress-Index). Dieser errechnet sich aus der Summe von der Außentemperatur (umgerechnet in Grad Fahrenheit) und der relativen Luftfeuchtigkeit (in Prozent). Reiter nutzen diese Werte der Tabelle, um das Risiko vor dem Training präzise einzuschätzen:| Heat Index (Summenwert) | Auswirkung auf den Pferdekörper | Konkrete Handlungsempfehlung für Reiter |
| Unter 130 | Das körpereigene Kühlsystem arbeitet uneingeschränkt. | Normales Training ist ohne Einschränkungen möglich. |
| 130 bis 150 | Das Pferd schwitzt vermehrt, um die Temperatur zu regeln. | Trainingsintensität reduzieren und großzügige Schrittpausen einlegen. |
| 150 bis 180 | Die körpereigene Kühlung ist stark beeinträchtigt. | Reiten vermeiden, höchstens leichte Bewegung in den kühlen Morgenstunden. |
| Über 180 | Der Körper kann sich gar nicht mehr kühlen. | Akute Lebensgefahr! Jede körperliche Anstrengung strikt unterlassen. |
Woran erkenne ich eine Dehydrierung beim Pferd?
Der Hautfaltentest zeigt zuverlässig an, ob dein Pferd genug Wasser im Körper hat. Greife eine Hautfalte am Hals deines Pferdes. Halte sie für wenige Sekunden fest und lass sie los. Glättet sich die Falte sofort wieder, ist der Wasserhaushalt intakt. Bleibt die Falte stehen, leidet das Pferd unter akutem Wassermangel.
Ein dehydriertes Pferd verliert durch das starke Schwitzen extrem viele Elektrolyte. Stelle deinem Pferd daher neben frischem, sauberem Wasser immer einen Salzleckstein zur Verfügung. So füllt es verlorene Mineralien selbstständig wieder auf.
Wer im Sommer trotzdem reiten möchte, muss den Wecker stellen. Bei extremen Temperaturen verlege ich meine Stallzeit konsequent in die frühen Morgenstunden. Ab mittags wird die Hitze für den Pferdekörper einfach zu einer unberechenbaren Belastung.
Michelle
Redakteurin bei ehorses
Welche Symptome deuten auf einen Hitzschlag hin?
Ein Hitzestau oder Hitzschlag äußert sich durch eine Kombination aus veränderter Atmung, Verhaltensauffälligkeiten und körperlichen Ausfallerscheinungen. Wenn sich die Atmung zehn Minuten nach der Belastungsphase nicht beruhigt, liegt eine Überhitzung vor.
Achte im Sommer auf folgende Warnsignale:
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Stark erhöhte Atemfrequenz und auffälliges Pumpen mit den Flanken
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Extreme Teilnahmslosigkeit und Lethargie
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Futterverweigerung
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Unkoordinierte Bewegungen und ein taumelnder Gang
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Stark gerötete Schleimhäute (z. B. am Zahnfleisch)
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Vollständiger Stopp des Schwitzens bei gleichzeitig kochend heißer Haut
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Kreislaufkollaps
Wichtig: Ein fortgeschrittener Hitzeschlag ist ein lebensbedrohlicher tiermedizinischer Notfall. Bringe das Pferd sofort in den kühlen Schatten und informiere umgehend den Tierarzt oder die nächste Pferdeklinik.

Wie passe ich Reiten und Haltung im Sommer an?
Passe das Management an, indem du Trainingseinheiten ausschließlich in die kühlen Morgenstunden verlegst und den gesamten Koppelalltag hitzegerecht umstellst.
Folgende Maßnahmen schützen dein Pferd effektiv vor einem Hitzekollaps:
- Früh trainieren: Verlege Reitstunden und Ausritte konsequent in die Zeit zwischen 6:00 Uhr und 8:00 Uhr morgens.
- Schattenplätze garantieren: Stelle sicher, dass auf Ausläufen und Weiden ganztägig ausreichend Schatten durch Unterstände oder Bäume vorhanden ist.
- Mähne einflechten: Flechte dicke Pferdemähnen vor der Arbeit hoch, damit die Luft ungehindert an die Schweißdrüsen am Hals gelangt.
- Fell scheren: Schneide Pferden mit dichtem Fell oder Cushing-Erkrankung (PPID) ein Teilschur-Muster, um die Wärmeabgabe zu erleichtern.
- Stallbelüftung optimieren: Sorge für Durchzug im Stall oder installiere pferdesichere Ventilatoren zur Senkung der Raumtemperatur.
- Salz und Elektrolyte bieten: Stelle permanent einen Salzleckstein bereit und füttere nach starkem Schwitzen spezielle Elektrolyte über das Krippenfutter zu, um den Mineralienverlust auszugleichen.
Wie kühle ich das Pferd nach dem Reiten richtig ab?
Die effektivste Abkühlung erfolgt durch das Abspritzen mit moderat kühlem Wasser, gefolgt vom sofortigen Abziehen der Wasserschicht mit dem Schweißmesser. Beginne mit dem Wasserstrahl immer herzfern an den hinteren Hufen und führe ihn langsam über die Beine aufwärts zu Brust, Hals und Rumpf.
Wichtiger Praxishinweis: Verwende direkt im Anschluss ein Schweißmesser. Verbleibt das Wasser auf der Haut, erhitzt es sich innerhalb von Sekunden durch die extreme Körperwärme. Es wirkt dann wie eine Isolationsschicht, die einen gefährlichen Hitzestau nach dem Reiten begünstigt. Wiederhole das Abspritzen und Abziehen so lange, bis das ablaufende Wasser kühl bleibt.
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Fragen & Antworten
Ab einer Grenze von 28 Grad solltest du das Reiten tatsächlich nur noch auf die frühen Morgenstunden verlegen, um die Hitze des Tages komplett zu meiden und dein Pferd zu schonen.
Bei 30 Grad kannst du dein Pferd morgens oder abends entspannt grasen lassen, es ausgiebig mit moderat kühlem Wasser abspritzen, einen schattigen Spaziergang machen oder gemeinsame Wellnesszeit beim Putzen verbringen.
Die absolute Wohlfühltemperatur von Pferden liegt überraschend niedrig, nämlich zwischen 5 °C und 15 °C (maximal bis 25 °C im absoluten Ruhemodus).
Pferde vertragen Kälte durch ihre körpereigene “Heizung” im Darm extrem gut, tun sich mit dem Abkühlen aufgrund ihrer großen Muskelmasse aber deutlich schwerer als wir Menschen. Ab 28 bis 30 °C stoßen sie an ihre Belastungsgrenze: Bei dieser Hitze müssen sie bereits im Stehen viel Energie aufwenden, um ihre Körpertemperatur zu regulieren. Kommt dann noch körperliche Arbeit oder eine hohe Luftfeuchtigkeit hinzu, droht ohne lange Pausen und viel Schatten schnell ein gefährlicher Hitzestress.











