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Halsringreiten – Tipps zum Start

von Michelle Breitenfeld
Veröffentlicht: Letztes Update am

Spätestens seit dem Erscheinen des ersten „Ostwind“-Films im Jahr 2013 ist das Halsringreiten in aller Munde. Auch auf Messen, Showevents oder verewigt in YouTube-Videos – das Zusammenspiel von Reiter und Pferd ohne Zaum, mit nur einem dünnen Halsring begeistert den Zuschauer. Zwischen Pferd und Reiter besteht, trotz fehlender Zügel- und Gebisseinwirkung, eine feine Verbindung. In diesem Artikel kannst Du mehr über das Halsringreiten erfahren.

Halsringreiten – was ist ein Halsring?

Das Halsringreiten ist eine Alternative zum Reiten mit klassischer Trense, mit Gebiss oder mit gebissloser Zäumung, und gibt Dir als Reiter ebenfalls die Möglichkeit, mit Deinem Pferd zu kommunizieren.

Halsringe gibt es in verschiedenen Materialien. Fest oder weich. Die häufigsten Vertreter bestehen aus einem steifen, kunststoffüberzogenen Lassoseil oder aus Leder. Oft sind die Halsringe zudem auch in der Größe verstellbar. Viele Halsringe bestehen auch aus gewachstem Sisal und sind dadurch relativ steif. Weicher und flexibler ist das Halsseil, ein Seil, das zu einem Ring verknotet wird. 

Der Halsring wird, wie der Name bereits vermuten lässt, lose um den Pferdehals gelegt und meist einhändig vom Reiter gehalten. Es gibt Reiter, die sowohl auf dem Reitplatz oder in der Reithalle, als auch im Gelände mit Halsring reiten. Bekannt wurde der Halsring im Freizeitreiten durch Ursula Bruns, die Autorin der Bücher, auf denen die „Immenhof“-Filme basieren. Gemeinsam mit Linda Tellington-Jones führte sie das sogenannte „Leichte Reiten“ ein, eine Mischung aus verschiedenen Reitweisen. In dieser Ausbildung wird bis heute oft mit Halsring statt Trense geritten.

Wie beginnt man mit dem Halsringreiten?

Die beste Vorbereitung ist das einhändige Reiten am hingegebenen Zügel. Man gibt also so viel Zügelfreiheit, dass das Pferd seine Nase bis zum Boden strecken kann. Achte aber darauf, dass die Zügel nicht so lang werden, dass das Pferd darauftreten könnte.

Checkliste für das Halsringreiten

Bevor Du mit dem Halsringreiten startest, solltest Du einige Dinge beachten, um die Sicherheit für Dich und Dein Pferd zu gewährleisten! Auch wenn der Halsring oft als Spaß-Zubehör gilt: Für Reitanfänger ist er nichts.

Das sind die wichtigsten Punkte:

  • Du sitzt sicher und unabhängig von der Hand im Sattel, kannst Dein Pferd über Schenkel– und Gewichtshilfen reiten und fühlst Dich auch am langen Zügel wohl.
  • Du hast ein Signal etabliert, mit dem Du Dein Pferd in jeder Situation anhalten kannst. Am besten eignen sich hier Stimmkommandos.
  • Du hast einen umzäunten Platz oder eine Reithalle, in der Du in sicherer Umgebung üben kannst.

Wo wirkt und sitzt der Halsring?

Der Halsring wird mit einer Hand gehalten, diese kann aber beliebig oft gewechselt werden. Für die Grundposition des Ringes eignet sich die dickste Stelle des Halses kurz vor dem Widerrist. So lässt es sich bequem sitzen, ohne sich nach vorne lehnen zu müssen.

Halsringreiten startest Du am besten mit zusätzlicher Unterstützung von Halfter oder Trense

Wie beginnt man mit dem Halsringreiten?

Wenn Du mit dem Halsringreiten beginnst, solltest Du noch keine großen Erwartungen an Dich und Dein Pferd stellen. Zu Beginn verwende den Halsring zusätzlich zur normalen Zäumung. Zeige Deinem Pferd die Hilfengebung mit dem Halsring. Es lernt sicher schnell, von dem leichten Druck am Hals zu weichen. Wichtig ist jedoch: Der Halsring ist niemals zum Ziehen da! Ein zu starker Druck führt zu Unzufriedenheit und stört die Balance Deines Pferdes. Besser geeignet sind kleine, kurze Impulse mit kurzem Nachgeben. Im Prinzip nutzt Du Deine normalen Reithilfen, nur eben ohne Zügelhilfen. Der Halsring unterstützt sie lediglich. Zum Anhalten sitzt Du tief ein, nimmst den Oberkörper leicht zurück und legst den Halsring mit leichtem Zug an den Hals. Für eine Wendung nach rechts verlagerst Du den Oberkörper nach rechts, trittst etwas mehr in den rechten Steigbügel und legst den Ring links an den Hals. Nach links funktioniert es genau andersherum.

Reagiert Dein Pferd mit Halsring und Trense gut auf Deine Impulse, kannst Du die Trense abnehmen und sie durch ein Halfter ersetzen. Alternativ kannst Du Dich zunächst vom Boden aus unterstützen lassen. Das gibt nicht nur Dir, sondern auch Deinem Pferd Sicherheit.

Nach und nach kannst Du die Hilfen reduzieren und schließlich nur noch frei mit dem Halsring reiten. Achte dabei immer auf Dein Gefühl. Im Zweifel gehst Du lieber einen Schritt zurück und übst, was bereits klappt. Starte am besten mit einfachen Übungen wie Wendungen im Schritt, korrektem Halten und Anreiten. Klappt das, kannst Du mit Trab und Galopp weitermachen. Und hör auf, wenn es am schönsten ist: Wenn eine Übung gut gelingt, beende die Einheit.

Welches Pferd passt zum Halsringreiten?

Das Pferd sollte in seiner Ausbildung so weit sein, dass es Sitz- und Gewichtshilfen gut kennt und versteht. Außerdem muss es unbedingt zuverlässig anhalten können.

Tipps und Grenzen beim Halsringreiten

Probiere beim Halsringreiten zunächst einmal aus, was sich für Euch gut anfühlt. Es wird viel diskutiert, ob das Halsringreiten auch im Gelände sicher ist, und viele Reiter und Ausbilder raten davon ab. Möchtest Du es trotzdem ausprobieren, müssen Du und Dein Pferd eine Einheit bilden, und Du musst es absolut sicher über Deine Hilfen reiten können. Dennoch ist und bleibt Dein Pferd ein Fluchttier und das kann mitunter gefährlich werden! Bevor Du mit Halsring ins Gelände gehst, solltest Du mit Deiner Versicherung klären, wer im Schadensfall die Kosten übernimmt. Das gilt übrigens auch für das Reiten am heimischen Stall. Manche Versicherungen decken inzwischen auch das Reiten ohne Zaumzeug oder Sattel ab. Prüfe Deine Police deshalb genau.

Halsringreiten ist auch im Gelände möglich, jedoch sollten Du und Dein Pferd dafür unbedingt eine perfekte Einheit bilden und Du solltest vorher mit Deiner Versicherung sprechen!

Fazit zum Halsringreiten

Ob Western-, Dressur-, Spring- oder Freizeitreiter – bei dieser Art des Reitens haben alle was davon. Hier gibt es keine Einschränkungen. Der Schweizer Ausbilder Markus Eschbach empfiehlt das Halsringreiten jedem Reiter, weil es die Beziehung zum Pferd verbessert und Vertrauen aufbaut. Auch bei jungen Pferden hilft es, die Hilfen zu verfeinern. Wer viel mit Halsring arbeitet, kann sogar Dressurlektionen wie Traversalen reiten. Und selbst Olympiareiterin Ingrid Klimke reitet im Training immer wieder mit Halsring und Pad. Dem Pferd vertrauen sowie seine eigenen Fähigkeiten verfeinern machen diese Sache so besonders. Halsringreiten ist Teambildung par excellence und schenkt Euch ein neues Gefühl von Freiheit.

Weitere häufige Fragen zum Halsringreiten

  • Hat der Halsring auch einen Nutzen für den Reiter und das Pferd? Durch das Halsringreiten wird aufgezeigt, wo es möglicherweise Probleme in der Kommunikation gibt. Außerdem ist es ein gutes Mittel zur Sitzschulung und zur Überprüfung der Hilfengebung.
  • Wie gewöhne ich mein Pferd an das Halsringreiten? Um sicherzugehen, dass Pferd und Reiter für das Reiten mit Halsring bereit sind, ist es sinnvoll, langsam mit einigen Vorübungen zu beginnen. Reite zum Beispiel einhändig am hingegebenen Zügel Tempowechsel und Hufschlagfiguren. So testest Du, wie gut Dein Pferd schon auf Sitz und Schenkel reagiert.
  • Wie lenke ich mit Halsring? Tatsächlich ist Halsringreiten schnell und intuitiv zu lernen: Zum Lenken wird der Ring mittig am Hals angesetzt, beim Halten liegt er höher, in Wendungen wird er aus dem Handgelenk seitlich gegen den Hals gedreht.

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