Die Frage nach der genauen Dauer der Trächtigkeit beschäftigt Stutenbesitzer und angehende Züchter oft monatelang. Wer mit neun Monaten wie beim Menschen rechnet, liegt jedoch deutlich daneben. Eine fundierte Vorbereitung und das Wissen über die einzelnen Entwicklungsphasen helfen dir dabei, die spannende Zeit bis zur Geburt deines Fohlens entspannt zu meistern.
Wie lange dauert die Trächtigkeit beim Pferd im Durchschnitt?
Pferde sind im Durchschnitt zwischen 335 und 345 Tagen tragend. Das entspricht rund elf Monaten. Im Gegensatz zum Menschen oder anderen Haustieren gibt es beim Pferd jedoch einen wesentlich größeren Toleranzbereich, was den Geburtstermin betrifft. Die Natur hält sich hier selten an exakte Kalendertage. Tragzeiten zwischen 320 und 360 Tagen gelten in der Tiermedizin als völlig normal.
In Einzelfällen kann eine Trächtigkeit sogar bis zu 380 Tage dauern, ohne dass es zu gesundheitlichen Komplikationen für die Stute oder das Fohlen kommt. Solange deine Stute fit wirkt, einen guten Appetit hat und keine Anzeichen von Stress zeigt, besteht meist kein Grund zur Panik, wenn der errechnete Termin überschritten wird.
Welche Faktoren beeinflussen die Tragzeit einer Stute?
Jedes Fohlen bestimmt sein eigenes Tempo, doch es gibt verschiedene äußere und genetische Parameter, die maßgeblich mitwirken, wie lange der Nachwuchs auf sich warten lässt.
Die wichtigsten Einflussfaktoren im Überblick:
Jahreszeit und Tageslicht: Stuten, die sehr früh im Jahr (zwischen Januar und März) gedeckt werden, tragen in der Regel einige Tage länger als Stuten, deren Trächtigkeit in die lichtreichen und wärmeren späten Frühjahrs- oder Sommermonate fällt.
Stress und Haltungsbedingungen: Hoher Stress, plötzliche Herdenwechsel oder mangelnde Bewegung im letzten Trimester beeinflussen den Hormonhaushalt (insbesondere den Cortisolspiegel) massiv, was die Trächtigkeit entweder unnatürlich verzögern oder eine Frühgeburt auslösen kann.
Individuelle Veranlagung: Manche Stuten sind dafür bekannt, ihre Fohlen grundsätzlich etwas früher zur Welt zu bringen, während andere bei jeder Trächtigkeit einige Tage überfällig sind. Oft vererbt sich diese zeitliche Tendenz auch innerhalb von Stutenlinien.
In welche Phasen lässt sich die Trächtigkeit unterteilen?
Die knapp elf Monate der Trächtigkeit lassen sich grob in drei wichtige Phasen (Trimester) einteilen, in denen sich der Fötus ganz unterschiedlich entwickelt. Das Wissen um diese Stadien ist wichtig, um die Fütterung und Bewegung deiner Stute optimal anzupassen.
1. Trimester (Tag 1–110): In dieser sensiblen Anfangsphase nistet sich der Embryo in der Gebärmutter ein und alle lebenswichtigen Organe bilden sich. Dies ist die kritischste Phase, da hier das Risiko für Resorptionen (das unbemerkte Absterben der Frucht) am höchsten ist.
2. Trimester (Tag 111–220): Das Fohlen wächst nun gleichmäßig und die Organe reifen weiter heran. Etwa ab dem fünften bis siebten Monat kannst du oft schon erste zarte Fohlenbewegungen an der Bauchdecke deiner Stute ertasten oder sogar sehen.
3. Trimester (Tag 221 bis zur Geburt): Dies ist die absolute Hauptwachstumsphase. Das Fohlen legt in den letzten Monaten enorm an Größe und Gewicht zu. Gleichzeitig steigt der Energie- und Mineralstoffbedarf der Stute spürbar an.

Die letzten Wochen der Trächtigkeit kosten selbst erfahrenen Züchtern viel Schlaf. Du starrst nachts auf die Stallkamera, deutest jeden Harztropfen und am Ende wartet die Stute genau auf die fünf Minuten, in denen du dir einen Kaffee holst. Man braucht vor allem eines: Gelassenheit.
Michelle
Redakteurin bei ehorses
Welche Anzeichen deuten auf die nahende Geburt hin?
Wenn der Tag der Geburt näherrückt, sendet der Körper der Stute deutliche Signale. Da der Nachwuchs bevorzugt in den ruhigen Nachtstunden auf die Welt kommt, solltest du deine Stute in den letzten Wochen gut im Auge behalten.
Die wichtigsten Vorboten im Überblick:
Aufeutern: Das Euter der Stute schwillt in den zwei bis vier Wochen vor der Geburt sichtbar an und prallt auf.
Harztropfen: Oft bilden sich ein bis zwei Tage vor der Geburt klebrige, gelbliche Tropfen an den Zitzen, die wie Baumharz aussehen. Das ist getrocknete Vormilch (Kolostrum).
Einsinken der Beckenbänder: Die Bänder links und rechts neben der Schweifrübe werden weich und fallen sichtlich ein. Der Körper der Stute schafft so Platz für das Fohlen im Geburtskanal.
Unruhe und Schwitzen: Unmittelbar vor der Geburt wird die Stute unruhig, läuft in der Box umher, scharrt im Stroh, schaut häufig zu ihrem Bauch und beginnt zu schwitzen.

Wann spricht man beim Pferd von einer Früh- oder Spätgeburt?
Erblickt ein Fohlen vor dem 320. Trächtigkeitstag das Licht der Welt, gilt es als Frühgeburt. Diese Fohlen benötigen sofortige tierärztliche Unterstützung, da ihre Lunge und der überlebenswichtige Saugreflex oft noch nicht vollständig ausgereift sind. Sie sind meist klein, schwach und haben ein seidiges, kurzes Fell.
Geht deine Stute hingegen weit über den 345. Tag hinaus, spricht man von einer Übertragung. Anders als beim Menschen ist dies beim Pferd in der Regel kein medizinischer Notfall, solange die Plazenta intakt bleibt und die Stute einen gesunden Eindruck macht. Dennoch empfiehlt sich bei starker Überschreitung des Termins ein kurzer Kontrollanruf beim Tierarzt, um auf der sicheren Seite zu sein.
Wie kannst du deine trächtige Stute optimal unterstützen?
Eine stressfreie Haltung, viel soziale Interaktion mit der Herde und eine angepasste Fütterung sind der beste Weg, um eine gesunde Trächtigkeit zu gewährleisten. Spätestens ab dem 8. Trächtigkeitsmonat steigt der Bedarf an hochwertigem Eiweiß, Mineralien und Spurenelementen drastisch an. Spezielles Zuchtstutenfutter und qualitativ hochwertiges Raufutter zur freien Verfügung bilden die wichtigste Basis, um die Stute optimal zu versorgen und das Fohlenwachstum zu unterstützen.
Zudem darf und sollte eine trächtige Stute bei einem unauffälligen Verlauf moderat bewegt werden. Regelmäßige, lockere Bewegung fördert die Durchblutung, verhindert Wassereinlagerungen und hält die Muskulatur fit für die anstrengende Geburt.
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Fragen & Antworten
Eine erste Trächtigkeitsuntersuchung per Ultraschall ist bereits ab dem 14. bis 16. Tag nach dem Deckakt oder der Besamung möglich. Dieser frühe Zeitpunkt ist besonders wichtig, um eine gefährliche Zwillingsträchtigkeit sofort zu erkennen.
In den ersten Wochen (bis ca. zum 40. Tag) kann es zur sogenannten Resorption kommen, bei der der Körper den Embryo unbemerkt auflöst. Äußerlich zeigt die Stute meist keine Symptome, wird aber häufig überraschend wieder rossig. Deshalb ist eine Kontrolluntersuchung per Ultraschall rund um den 28. bis 45. Tag besonders wichtig.
Ja, als Richtwert gilt die Faustformel: Deckdatum minus 1 Monat plus 5 Tage (oder einfach das Deckdatum plus 11 Monate). Wenn deine Stute beispielsweise am 10. Mai gedeckt wurde, liegt der voraussichtliche Geburtstermin um den 15. April des Folgejahres. Da die individuelle Tragzeit jedoch stark schwankt, dient dieses Datum lediglich als Orientierungspunkt für deinen Kalender.











