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Pferdezucht – Ziele, Geschichte & das Zucht-ABC

von Felix Ortmann
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Die Pferdezucht ist ein sehr großes und komplexes Thema. Um den Überblick zu behalten, haben wir für Dich ein Zucht-ABC zusammengestellt, in dem die wichtigsten Begriffe und Praktiken der Pferdezucht erklärt werden. Welche Ziele die Pferdezucht verfolgt und welche Geschichte dahintersteckt, erfährst Du in diesem Beitrag.

Welches Ziele verfolgt die Pferdezucht?

Die Pferdezucht wird seit Jahrtausenden mit der Zielsetzung betrieben, die Merkmale einer Rasse sowie deren Gesundheit und Leistungsvermögen zu verbessern oder den Erhalt der Rasse zu fördern. Im Vordergrund steht die Vermehrung von Pferden unter Auswahl geeigneter Stuten und Hengste, die den Rassestandards und dem jeweiligen Zuchtziel bestmöglich entsprechen. Dies geschieht im Zuge der Befolgung unterschiedlicher Zuchtverfahren, unter anderem in Reinzucht. Bei dieser Methode mit geschlossenem Zuchtbuch erfolgt ausschließlich eine Paarung von Pferden, die derselben Rasse abstammen. Wird hingegen eine Zusammenführung positiver Eigenschaften angestrebt, werden zwei verschiedene Rassen miteinander gekreuzt, wodurch im Zuchtverlauf neue Zuchtrichtungen oder gar Rassen entstehen können. Ein Standard im Zuge der Pferdezucht ist jedoch auch die Veredelung durch die gezielte Einzucht von einzelnen Pferden anderer Rassen. Im Unterschied zur Kreuzung wird eine Auswahl anhand der gewünschten Eigenschaften durchgeführt, um die vielversprechendsten Veredler für die erfolgreiche Pferdezucht herauszufiltern.

Auswahlkriterien in der Pferdezucht

Für die Verwendung im Zuge der Pferdezucht werden ausschließlich Stuten und Hengste in Betracht gezogen, die dem Zuchtziel ihrer jeweiligen Rasse möglichst nahe kommen. Dementsprechend erfolgt eine strenge Auswahl anhand verschiedener Kriterien, die insbesondere das Exterieur und Interieur, die Nachkommen- und Eigenleistung sowie die Gesundheit und die Abstammung des Pferdes umfassen. Die Vererbungskraft ist hierbei ebenso von großer Bedeutung wie hervorragende Rittigkeitswerte und ausgezeichnete Ergebnisse in den Leistungsprüfungen. Nicht selten steht jedoch die Abstammung im Mittelpunkt, denn ein namhafter Stammbaum mit exzellenten Vorfahren lässt auch in Zukunft auf die Zucht von wertvollen Nachkommen mit besten Genen hoffen.

Pferdezucht: Stute und Fohlen

Für die Verwendung im Zuge der Pferdezucht werden ausschließlich Stuten und Hengste in Betracht gezogen, die dem Zuchtziel ihrer jeweiligen Rasse möglichst nahe kommen.

Ungeachtet dessen müssen Tiere, die bei der Pferdezucht eine Rolle spielen sollen, in das Zuchtbuch ihrer Rasse eingetragen sein. Hierzu ist die erfolgreiche Absolvierung von Leistungsprüfungen erforderlich, da ausschließlich gekörte Hengste und Stuten mit bestandenem Leistungstest zugelassen werden. Die exakten Richtlinien der Zulassung zur Zucht sind der jeweiligen Zuchtbuchordnung einer Rasse zu entnehmen, die von den zuständigen Zuchtverbänden geführt und auf ihre Einhaltung hin kontrolliert werden. Jede Rasse unterliegt einem Zuchtbuch, in dem ebenso die Zulassung zur Pferdezucht wie das Zuchtziel und die anzustrebenden Rassemerkmale festgehalten sind.

Wie viel kostet ein Pferd vom Züchter?

Betrachtet man die Ausgaben, die ein seriöser Züchter für ein 6 Monate altes Fohlen hat, sind Summen im vierstelligen Bereich realistisch. Abhängig ist der Kaufpreis jedoch auch von der Rasse und der Abstammung sowie dem Leistungsstand. Ein Fohlen kostet entsprechend weniger als ein angerittener Dreijähriger.

Die Geschichte und der Zweck der Zucht

Die Geschichte der Pferdezucht reicht bis in die Zeit vor Christus zurück, denn seit jeher haben sich Menschen den Einsatz von Pferden im Sinne der Mobilität, Nahrungszufuhr und Arbeitskraft zu Nutze gemacht. Schon früh gab es Bemühungen, möglichst leistungsfähige Pferde aus dem besten zur Verfügung stehenden Zuchtmaterial heranzuziehen, um sie als Zug- und Lastpferde für den Transport zu verwenden. Aber auch der Zweck der Fleischproduktion und später die Verwendung für das Reiten sowie der Einsatz als Arbeitspferd in der Landwirtschaft spielten eine zunehmende Rolle.

Pferdezucht: Pferd im Portrait

Die Geschichte der Pferdezucht reicht bis in die Zeit vor Christus zurück, denn seit jeher haben sich Menschen den Einsatz von Pferden im Sinne der Mobilität, Nahrungszufuhr und Arbeitskraft zu Nutze gemacht.

Darüber hinaus wurde die Pferdezucht vielfach betrieben, um Militärpferde für den Kriegseinsatz zu züchten. Heute hat sich dieses Bild durch die Industrialisierung längst gewandelt. Die Pferdezucht dient inzwischen allein der Erhaltung und Verbesserung von Rassen sowie dem Reitsport. Nicht selten sind die erfolgreichsten Sportpferde, vor allem Hengste, für die Zucht sehr gefragt, denn ihr hohes Leistungsvermögen lässt auf vielversprechende und ebenso leistungsfähige Nachkommen schließen. Bei Hengsten, die zahlreiche Erfolge im Reitsport vorzuweisen haben, liegt die Decktaxe dementsprechend hoch.

Das ABC der Pferdezucht

Eine Abfohlmeldung bekommen Besitzer von eingetragenen und besamten Stuten immer zum Jahresbeginn von dem jeweiligen Zuchtverband. Auf der Abfohlmeldung werden die Geburten der Fohlen und alle wichtigen Informationen zu den Fohlen eingetragen. Sie ist damit die Grundlage für den Pferdepass. Die Meldung muss innerhalb von wenigen Tagen nach der Geburt beim Zuchtverband zurückgegeben werden.

Falls eine Stute nicht tragend ist, sie verfohlt hat oder das Fohlen stirbt, bevor es registriert werden konnte, muss auch dies in die Abfohlmeldung eingetragen werden.

Der Abstammungsnachweis wird von dem Zuchtverband ausgestellt. Er dient der Zuchtbescheinigung und ist eine Urkunde über die Abstammung und Leistung eines Zuchtpferdes. Er kann nur dann ausgestellt werden, wenn die Eltern in das Zuchtbuch der Rasse eingetragen sind.

Folgende Anforderungen müssen immer erfüllt sein:

  • Beide Elternteile sind im Jahr der Bedeckung (bzw. im Jahr der Fohlengeburt) im Zuchtbuch eingetragen
  • Die Abfohlmeldung wurde fristgerecht nach der Geburt eingereicht
  • Das Fohlen wurde durch den Zuchtleiter oder einen Beauftragten bei Fuß der Mutterstute identifiziert

Weitere Anforderungen an die Leistungen der Pferde mit einem Abstammungsnachweis sind in der Zuchtverbandsordnung (ZVO) der jeweiligen Rassen geregelt.

Für jede eingetragene Zuchtstute bekommen Züchter zum Jahresbeginn vom Zuchtverband einen Besamungsschein bzw. Deckschein zugeschickt. Vor der Besamung wird dieser dann dem Hengsthalter übergeben. Welcher ihn wiederum ausgefüllt an den Zuchtverband schickt. Der Besamungsschein dient damit als Grundlage für die Abfohlmeldung im folgenden Jahr.

Pferde werden mittels eines kleinen Microchips (Transponder) gekennzeichnet. Dieser wird an der linken oberen Halsseite in den Muskel gesetzt. Seit 2010 schreibt die Viehverkehrsordnung vor, dass alle nach dem 1. Juli 2009 in Deutschland geborenen alle Equiden (Pferde, Ponys, Esel) mit einem Chip gekennzeichnet sein müssen.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung e.V. ist der Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht in Deutschland. 25 Zuchtverbände sind Mitglieder bei der FN. FN ist die Abkürzung für Fédération Equestre Nationale.

Die Eigentumsurkunde wird zusätzlich zum Equidenpass ausgestellt. Zumindest, wenn dieser zusammen mit dem Abstammungsnachweis in einer gemeinsamen Mappe vorhanden ist. Die Eigentumsurkunde steht – wie der Name es vermuten lässt – dem Eigentümer des Pferdes zu. Beim Verkauf wird sie zusammen mit allen weiteren Papieren dem Käufer übergeben. Beim Tod des Pferdes wird die Eigentumsurkunde an den Verband zurückgeschickt.

Der Equidenpass dient zur Identifizierung von Pferden. Bei Zuchtpferden wird der Pass zusammen mit der Zuchtbescheinigung in einer gemeinsamen Mappe zusammengefasst. Der Equidenpass gehört zum Pferd – Stallbesitzer, die Einsteller haben, sind daher angehalten, die Equidenpässe ihrer Einstellpferde zu sammeln. Ebenso wie die Eigentumsurkunde muss auch der Equidenpass bei Verkauf des Pferdes dem neuen Besitzer übergeben werden.

Äußeres Erscheinungsbild von Pferden und Ponys (s. auch Interieur). Exterieur und Interieur bestimmen über die Verwendbarkeit des einzelnen Pferdes. Z.B. die Kopfform, die Hufstellung und auch die Stellung der Beine.

Die Geburtsbescheinigung wird vom zuständigen Zuchtverband ausgestellt. Die Urkunde beinhaltet die Abstammung und die Leistung eines Zuchtpferdes und ist auch als Zuchtbescheinigung bekannt. Sofern die Elterntiere im Zuchtbuch der Rasse eingetragen sind, kann sie als Abstammungsnachweis ausgestellt werden. Die Anforderungen an die Pferde mit einer Geburtsbescheinigung sind in den jeweiligen Bestimmungen der Rassen der Zuchtverbandsordnung geregelt.

Folgende Anforderungen müssen immer erfüllt sein:

  • Die Bedingungen für die Ausstellung eines Abstammungsnachweises sind nicht vollständig erfüllt
  • Beide Elterntiere sind im Zuchtbuch eingetragen
  • Die Abfohlmeldung wurde fristgerecht nach der Geburt eingereicht
  • Das Fohlen wurde identifiziert

Pferde werden durch die Zuchtverbände identifiziert. Hierzu gibt es folgende Methoden:

  • Angabe des Geschlechts, Beschreibung von Farbe & Abzeichen
  • Elektronische Kennzeichnung und Vergabe des Fohlen- und/oder Nummernbrandes (je nach Zuchtbuchordnung des Zuchtverbandes)
  • Vergabe der 15-stelligen Lebensnummer
  • Vergabe eines Namens bei der Eintragung in das Zuchtbuch

Die inneren Eigenschaften von Pferden und Ponys. Unter dem Begriff werden verschiedene Verhaltens- und Charaktereigenschaften gesammelt. Zu den wichtigsten zählen z.B. positive Eigenschaften wie Ausgeglichenheit, Ruhe, Nervenstärke, oder Temperament.

Von einer Inzestdepression spricht man, wenn die negativen Merkmale der Elterntiere an das Fohlen weitergegeben werden. Dies kann bei der Inzestzucht und der Inzucht passieren. Die negativen Merkmale der Eltern werden verstärkt auf das Fohlen vererbt. Auch rezessive Erbkrankheiten können so wieder zum Ausbruch kommen.

Paarung von Pferden im ersten und zweiten Verwandtschaftsgrad. Diese Zuchtmethode sollte nicht einfach „ausprobiert“ werden und sind nicht die Regel. Bei der Inzestzucht sollen die guten Merkmale der Elterntiere potenziert werden. Hierbei kann es jedoch schnell zu der sogenannten „Inzestdepression“ kommen.

Unter Inzucht versteht man die Anpaarung von 3. Bis 6. Grades verwandter Pferde. Bei dieser Zuchtmethode sollen die guten Merkmale der Elterntiere potenziert werden. Auch hier kann es zu Inzestdepressionen kommen.

Unter der Körung versteht man eine Selektionsentscheidung für die Eintragung von Hengsten in eine Abteilung des Zuchtbuches eines Zuchtverbandes. Die Entscheidung wird beeinflusst von:

  • Merkmale der äußeren Erscheinung (besondere Berücksichtigung des Bewegungsablaufes)
  • Ergebnisse anderer Leistungsprüfungen
  • Zuchttauglichkeit und Gesundheit

Jedes Fohlen erhält bei der Registrierung die universelle Equiden-Lebensnummer (UELN) gemäß der europäischen Verordnung. Die Nummer besteht aus 15 Stellen und ist alpha-numerisch. Die ersten drei Stellen stehen für das Herkunftsland des Pferdes, die darauffolgenden drei Stellen für den Zuchtverband, die letzten neun Stellen sind die Registriernummer innerhalb des Zuchtverbandes. Für die aktive Kennzeichnung gelten als Brenn-Nummer die Stellen 12 und 13. Das Geburtsjahr steht an Stelle 14 und 15.

Mit der Leistungsprüfung wird die Leistung von Pferden ermittelt und die Zuchtzielmerkmale mittels der Berechnung von Zuchtwerten erfasst.

Folgende Anforderungen werden an Leistungsprüfungen gestellt:

  • Die Zuchtzielmerkmale müssen erblich sein
  • Die „Prüfumwelt“ sollte möglichst ähnlich sein
  • Die Umwelteffekte sollten standardisiert sein (Störgrößen möglichst gering)
  • Möglichst frühzeitig vor der Zuchtbenutzung durchführbar
  • Von vielen Pferden nutzbar

Die Leistungsprüfungen sind auf die Bestimmungen für die Eigenleistungsprüfungen der verschiedenen Rassen abgestimmt.

Bei der Linienzucht werden Pferde einer Rasse gepaart, die sich in ihren Eigenschaften sehr ähnlich sind. Oft werden verwandte Pferde angepaart, jedoch nicht sehr enge Verwandtschaften wie Vater und Tochter oder Bruder und Vollschwester. Die Population soll so auf bestimmte, spezielle Merkmale selektiert werden.

Die Selektion ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Pferdezucht. Unter der Selektion versteht man die Auswahl von Tieren mit erwünschten Merkmalen.

Eine Stute kann frühestens ab dem 3. Lebensjahr – und muss spätestens im Jahr der Geburt ihres ersten Fohlens eingetragen werden. Für die Eintragung muss die Stute beim Zuchtverband angemeldet sein und die Zuchtbescheinigung vorgelegt werden. Der Zuchtverband beurteilt die Stute dann anhand des Exterieurs.

Das Zuchtbuch ist in die Abschnitte Stutbuch I, Stutbuch II und Anhang unterteilt.

Für jede Rasse existiert im Ursprungsland eine Organisation, die das Ursprungszuchtbuch führt. Hier werden die Grundsätze der Rasse aufgestellt. Die Grundsätze im Ursprungszuchtbuch einer Rasse ist für alle entsprechenden Zuchtverbände entscheidend.

Die Zuchtbescheinigung ist eine Urkunde, die vom entsprechenden Zuchtverband ausgestellt wird. In ihr ist sowohl die Abstammung als auch die Leistung des Zuchtpferdes festgehalten. Sie kann als Abstammungsnachweis oder als Geburtsbescheinigung ausgestellt werden. Zumindest, wenn die Elterntiere in das Zuchtbuch der Rasse eingetragen sind.

Das Zuchtbuch wird vom Zuchtverband geführt. In ihm ist das Zuchtprogramm zur Identifizierung und zum Nachweis der Abstammung und Leistung von Zuchtpferden festgelegt. Es ist in eine Hauptabteilung und eine besondere Abteilung unterteilt, wenn der Zuchtverband unterschiedliche Regelungen zur Abstammung trifft. Trifft dieser zusätzlich noch unterschiedliche Regelungen hinsichtlich der Leistung der Zuchtpferde, so wird die Hauptabteilung noch einmal in Abschnitte unterteilt.

Man unterscheidet zwischen geschlossenen und offenen Zuchtbüchern. Geschlossene Zuchtbücher lassen nur Pferde zu, deren Eltern selbst in einem Zuchtbuch der gleichen Rasse eingetragen sind. Diese müssen außerdem eine nach den Regeln des Zuchtbuches festgestellte Abstammung haben.

Davon abweichend können auch Pferde anderer Rassen in das Zuchtbuch eingetragen werden, um Fremdgene hereinzunehmen. Diese werden als Veredlerrassen verstanden. Die Eintragung dieser Rassen erfolgt nach den Grundsätzen des Ursprungszuchtbuches.

Unter der Zuchtbucheintragung wird die Entscheidung des Zuchtverbandes über die vorläufige bzw. endgültige Eintragung eines Zuchtpferdes in eine Abteilung des Zuchtbuches verstanden.

Die Zuchtbuchordnung ist für alle Zuchtverbände vorgeschrieben. Sie muss folgende Punkte enthalten:

  • Mindestangaben im Zuchtbuch
  • Unterteilung der Zuchtbücher
  • Eintragung in das Zuchtbuch
  • Abstammungsnachweis und Geburtsbescheinigung als Zuchtbescheinigung sowie Equidenpass und Eigentumsurkunde
  • Mindestangaben in Zuchtbescheinigung (Abstammungsnachweis, Geburtsbescheinigung) sowie Equidenpass und Eigentumsurkunde
  • Identifizierung
  • Identitätssicherung

Als Zuchtfortschritt oder Selektionserfolg wird die erwünschte Veränderung durch Selektion bezeichnet. Ein züchterischer Erfolg liegt z.B. vor, wenn:

  • die Genauigkeit der Zuchtwertschätzung steigt
  • die Selektionsintensität zunimmt
  • die phänotypische Varianz (die Streuung der Merkmalsausprägung in einer
  • Population) hoch ist
  • die Generationsfolge bzw. das –intervall verkürzt wird.

Bisher wurden bereits sowohl Inzestzucht und Inzucht als auch die Linienzucht erklärt. Dazu kommen noch folgende Zuchtmethoden:

  • Reinzucht:
    Anpaarung von Pferden einer Rasse ohne Hereinnahme fremder Gene, zur Konsolidierung von Merkmalen (hierzu gehören auch Inzucht und Linienzucht)
  • Veredlungszucht:
    In der Reinzucht gezielte Hereinnahme einer oder mehrerer definierter Rassen zur Verbesserung bestimmter Merkmale; „Blutauffrischung“
  • Kreuzungszucht:
    Anpaarung von Pferden verschiedener Rassen
  • Verdrängungszucht:
    Einsatz von Tieren einer fremden Rasse in eine bestehende Population bis die genetischen Anteile der ursprünglichen Rasse sehr gering sind.
  • Gebrauchskreuzung:
    Anpaarung von Tieren unterschiedlicher Rassen mit der Absicht ausschließlich die Nachkommen zu nutzen ohne weiteren Gebrauch als Zuchttier.

Alle Pferde, die in einem mehr oder weniger geschlossenem Zuchtgebiet den Zuchtpferdebestand bilden.

Das Zuchtprogramm umfasst alle Selektionsmaßnahmen innerhalb einer Rasse im Hinblick auf das angestrebte Zuchtziel. Hierzu zählen:

  • Festlegung eines Zuchtzieles
  • Durchführung von Leistungsprüfungen
  • Festlegung von Eintragungs- und Selektionskriterien
  • Durchführung einer Zuchtwertschätzung
  • Umfang der Zuchtpopulation
  • Zuchtmethoden

Die Zuchtstutenprüfungen werden für alle Stuten der Population angeboten. Sie sollen den Züchtern Möglichkeiten zur objektiven Bewertung geben, sowie Vergleichbarkeit zu anderen Stuten schaffen. Die Zuchtstutenprüfung ist keine Voraussetzung für die Eintragung im Stutbuch. Die Prüfung muss jedoch abgelegt sein, damit eine Warmblutstute den Titel Staatsprämienstute erhalten kann. Es gibt zwei Möglichkeiten für Stuten an Leistungsprüfungen teilzunehmen: Feldprüfungen und Stationsprüfungen.

Alle jährlich neu eingetragenen Stuten können an einer Zuchtstutenprüfung teilnehmen. Somit ist das Problem einer Vorselektion der Stuten nahezu ausgeschlossen.

Ein Zuchtverband ist eine nach dem deutschen Tierschutzrecht anerkannte Zuchtorganisation. Jeder Zuchtverband ist vom Staat anerkannt. Von Zuchtverbänden werden im wesentlichen folgende Hauptaufgaben durchgeführt:

  • Aufstellung und Durchführung von Zuchtprogrammen
  • Führung des Zuchtbuches: Identifikation von Zuchttieren und deren Nachzucht und Ausstellung von Zuchtbescheinigungen
  • Zuchtleitung: Erarbeitung und Durchführung von Zuchtprogrammen, Selektion von Zuchttieren, Organisation und Durchführung von Leistungsprüfungen, Beratung der Züchter
  • Vermarktung: Organisation und Durchführung von Absatzveranstaltungen und Werbung sowie PR-Arbeit

Die ZVO ist die Zuchtverbandsordnung der FN. Diese dient der Förderung der Pferdezucht durch Koordination der züchterischen Arbeit der anerkannten Zuchtverbände, die Mitglieder der FN sind.

Unter Zuchtwert versteht man den erblichen Einfluss von Tieren auf die Leistungen ihrer Nachkommen unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit. Zuchtwerte sind also Schätzwerte für die erblich bedingte Leistungsfähigkeit eines Pferdes, die es an seine Nachkommen weitergibt.

Mit der ZWS wird der erbliche Einfluss von Pferden auf die Leistung ihrer Nachkommen unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit ermittelt. Die Zuchtwertschätzung ist ein statistisches Verfahren auf der Grundlage von Ergebnissen der Leistungsprüfung und unter Berücksichtigung der Verwandtschaft. Das Ziel ist es, erblich bedingte Leistungsunterschiede möglichst genau zu schätzen, um so dem Züchter die benötigte Grundlage zur Entscheidung der Selektion zu geben.

Das Zuchtziel formuliert Eigenschaften, die die Zuchtpferde aufweisen sollen und Selektionsmerkmale werden benannt. Nach diesen wird die Auswahl der Zuchtpferde gemacht. Zuchtzielkriterien müssen objektiv und genau feststellbar, erblich bedingt und von wirtschaftlicher Bedeutung sein. Im Zuchtziel sind also die Merkmale einer Rasse festgelegt, welche die Basis der Exterieurbeurteilung und der Leistungsprüfung bilden.

Der Züchter ist der Eigentümer der Zuchtstute zur Zeit der Bedeckung.

Gezielte Paarungsplanung und Selektion der Nachkommen.

Wie züchtet man ein Pferd?

Die korrekte Paarung zweier zusammenpassender Tiere ist das Erfolgsrezept für eine gute Nachzucht. Berücksichtigt werden müssen dabei beispielsweise Körperbau, Größe, Charakter, aber auch Eigenschaften, welche für den Sport mitzubringen sind.

Zuchtverfahren im Überblick

  1. Leistungszucht: Unter der Leistungszucht versteht man die Auswahl von Hengst und Stute als Elterntiere, welche im Sport besondere Leistungen erbracht haben und Nachkommen erzeugen, welche ebenfalls für den Leistungssport geeignet sind. Charakter und Farbe spielen bei der Leistungszucht kaum eine Rolle.
  2. Reinzucht: Die Reinzucht besagt, dass nur Pferde einer einzigen Rasse miteinander gekreuzt werden dürfen – beispielsweise Trakehner-Hengst mit Trakehner-Stute. Die Einkreuzung beispielsweise vom Vollblut zur Veredelung ist nicht gestattet. Dennoch darf eine Veredelung VOR der Reinzucht stattgefunden haben.
  3. Kreuzung: In der Zucht bedeutet Kreuzung, dass verschiedene Rassen miteinander vermischt werden dürfen. Dies ist sinnvoll, wenn beispielsweise eine Rasse veredelt oder in bestimmten Bereichen eine Verbesserung von Leistungen erreicht werden soll. In einigen Fällen erfolgt eine Kreuzung auch dann, wenn neue Farben in einer Rasse generiert werden sollen.
  4. Veredlung: Um eine Rasse zu veredeln, werden oftmals Vollblüter oder Araber eingesetzt. Der Trakehner, der gern selbst als Veredler eingesetzt wird, wird oftmals ebenfalls durch Vollblüter veredelt. Auch der Arabo-Haflinger (Araber x Haflinger) ist ein gutes Beispiel für eine Veredlung.
  5. Neueste Trends in der Pferdezucht: Neben der Reinzucht, die von vielen Züchtern erfolgreich betrieben wird, ist die Einkreuzung und auch Veredlung von bestehenden Reinzuchten ein immer präsenteres Thema. Warmblüter werden mit Halbblütern gekreuzt, neue Farben, aber auch vielseitig nutzbare Rassen entstehen. Auf der einen Seite entstehen somit Pferde, welche eine noch höhere Leistung bei sehr gutem Charakter abrufen können, auf der anderen Seite entstehen immer mehr Rassen, welche sich für den Freizeitbereich eignen und mittlerweile in nahezu allen Farben vorkommen.
  6. Abstammung von Pferden: Die Abstammung von Pferden zeigt, von welchen Elterntiere diese abstammen und geht über mehrere Generationen zurück. Dies ist vor allem für Züchter interessant.
Pferdezucht: Stute und Fohlen grasen auf Weide

Es gibt verschiedene Zuchtverfahren, die bei einer Pferdezucht angewandt werden können.

Wie wird man Pferdezüchter?

Pferdezüchter müssen, bevor sie sich offiziell als Züchter vorstellen können, einige Eintragungen vornehmen. So beginnt die eigene Zuchtgeschichte bereits mit der Mitgliedschaft in einem Zuchtverband. Hierbei sollte man sich vorab genau überlegen, welche Rasse gezüchtet werden soll, denn einige Zuchtverbände betreuen beispielsweise nur ein bis zwei Rassen. Eine weitere Voraussetzung für die Pferdezucht ist ein vorhandener Equidenpass. Dieser enthält die Adresse des Zuchtverbandes, aber auch den Abstammungsnachweis des registrierten Pferdes sowie die Zuchtbescheinigung.

Soll das Fohlen aus der eigenen Pferdezucht einen Abstammungsnachweis erhalten, muss die Mutterstute im Zuchtbuch des Zuchtverbandes eingetragen werden. Dies ist spätestens im Geburtsjahr des Fohlens zu erledigen. Erst wenn die Mutterstute dort eingetragen ist, erhält man als Pferdezüchter für diese Stute einen Deck- bzw. Besamungsschein. Dieser wird von vielen Hengsthaltern gefordert.

Das Fohlen erhält erst dann seinen Equidenpass, wenn sein Geburtsdatum und weitere Informationen an den Zuchtverband gemeldet wurden. Einige Zuchtverbände fordern die persönliche Vorstellung der Fohlen bei Fuß der Mutter. Die Zuchtverbände organisieren hierfür meist einmal im Jahr eine Fohlenschau, bei welcher das Fohlen gleichzeitig bewertet wird und durch diese Bewertung einen höheren Marktwert erhalten kann. Zudem ist es für einen Pferdezüchter wichtig, solche Schauen zu durchlaufen. Man erhält so die Chance, seine eigene Zucht bewerten zu lassen, kann sich vergleichen und Kontakte knüpfen. Zusätzlich sind solche Schauen gute Möglichkeiten, sich und seinen Namen – vor allem wenn man neu mit der Pferdezucht startet – bekannt zu machen.

Wichtig: Einen guten und seriösen Züchter erkennt man meist daran, dass er sich gewissenhaft um alle erforderlichen Unterlagen und Dokumente kümmert und diese ohne Nachfragen aushändigt bzw. vorzeigt.

Wie wird man Pferdezüchter:in?

Folgende Punkte bilden die Grundlage, um mit der Zucht starten zu können: bestehende Mitgliedschaft im Zuchtverband sowie ein vorhandener Equidenpass für die Mutterstute.

Pferdezucht Kosten: So viel kann es kosten, wenn man eine Pferdezucht startet

Hengst und Stute zusammen auf die Koppel lassen und schon entsteht mit dem Fohlen die eigene Zucht. So einfach ist es in der Regel nicht. Tatsächlich unterschätzen viele neue Pferdezüchter die Kosten, welche mit Beginn der Zucht entstehen. So beginnen die Kosten bereits bei der Mitgliedschaft im Zuchtverband. So kann man mit 100 Euro Jahresbeitrag rechnen. Ist die Stute im Zuchtverband gemeldet, sind 30 Euro zusätzlich realistisch. Für einen Zuchthengst hingehen zahlt man oftmals bis zu 500 Euro im Jahr. Der Equidenpass kostet zwischen 70 und 160 Euro.

Die Decktaxe eines Hengstes variiert je nach Rasse und Bekanntheits- bzw. Leistungsgrad. Zwischen 200 bis zu 5.000 Euro sind möglich. Wird nur das Sperma des Hengstes gekauft, fallen noch Kosten für die Besamung und anschließend die medizinische Versorgung der Stute an. Auch hier sind 500 Euro realistisch und vorausgesetzt, dass die Stute bereits beim ersten Versuch aufnimmt.

Mit Schmied, Wurmkuren, medizinischer Versorgung als auch Fütterung und Unterbringung von Stute und später Fohlen, sind 5000 Euro an Ausgaben keine Seltenheit für ein Fohlen, welches mit 6 Monaten von der Mutterstute abgesetzt wird.

Pferdezucht: Mann bei Pferden auf Weide

Wer den Beruf als Pferdezüchter einschlagen möchte, absolviert eine dreijährige Ausbildung als Pferdewirt mit der Fachrichtung Pferdezucht.

Pferdezüchter als Beruf

Wer den Beruf als Pferdezüchter einschlagen möchte, absolviert eine dreijährige Ausbildung als Pferdewirt mit der Fachrichtung Pferdezucht. Im Anschluss kann man – kein Muss – den Weg zum Pferdewirtschaftsmeister einschlagen. In der Ausbildung erlernt man alles, was man als erfolgreicher Züchter wissen muss: Von der Fütterung der Tiere, über die Haltung bis hin zur Geburtshilfe und Aufzucht durchläuft man den gesamten Weg, um sich in allen Bereichen bestens um die Tiere kümmern zu können.

Wer sich weiterbilden möchte, kann zusätzlich weitere Ausbildungen absolvieren. Als Züchter kann es sinnvoll sein, sich zum Besamungswart weiterzubilden, um die Besamung der Stuten selbst durchführen zu können.

Auch Fütterungsmanagement ist eine interessante Weiterbildungsmöglichkeit – sofern keine Pferdewirt-Ausbildung durchlaufen wurde. Die Fütterung von Stuten, welche als Zuchtstute eingesetzt werden soll, ist sehr individuell und ändert sich im Laufe der Trächtigkeit und nach dem Abfohlen. Mit der richtigen Fütterung kann man die Mutterstute bestens unterstützen.

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