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Fohlen – Zucht, Aufzucht und Erziehung

von Felix Ortmann
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Der Begriff Fohlen stammt in seiner Wortherkunft von dem althochdeutschen Wort „fulo“ ab und wird als Bezeichnung für alle Jungtiere von Einhufern, insbesondere für junge Pferde, bis zu einem Alter von einem Jahr verwendet.

Tragzeit und Geburt bei Hauspferden

Eine Pferdestute ist meist zwischen 315 und 340 Tage lang tragend, bevor das Fohlen zur Welt kommt. Die Geburt nimmt etwa 30 Minuten in Anspruch und findet oftmals nachts statt. Je nach Rasse ist das neugeborene Fohlen 75 bis 145 Zentimeter groß und wiegt rund 30 bis 60 Kilogramm. Bei Ponys sind Größe und Gewicht deutlich niedriger als bei großen Pferderassen. Wenn das Fohlen gesund zur Welt gekommen ist, liegt es noch für einige Minuten neben seiner Mutter. Die Nabelschnur ist noch intakt und reißt in der Regel beim Aufstehen der Stute. Das Fohlen wird von ihr abgeleckt und steht nach etwa einer viertel Stunde selbstständig auf. Es steht zwar noch wackelig auf seinen Beinen, muss aber in Bewegung kommen, damit sich die Lungen entfalten können, seine Kraft nicht verloren geht und es die erste Muttermilch zur Stärkung trinken kann. Das Aufstehen des Fohlens wenige Minuten nach der Geburt ist seit jeher von der Natur so vorgesehen. Bereits zu früheren Zeiten, als Pferde nur in der freien Wildnis lebten, mussten sich die Neugeborenen schnell bewegen können, um mit der Herde mithalten und vor einer möglichen Gefahr weglaufen zu können.

Besonders wichtig ist in den ersten Minuten nach der Geburt die Aufnahme der Erstmilch, die auch als Kolostral- oder Biestmilch bezeichnet wird. Diese enthält lebensnotwenige Stoffe zur Stärkung des Stoffwechsels und des Immunsystems. Darüber hinaus löst die erste Muttermilch den Abgang des Darmpechs aus, den ersten Stuhlgang eines Fohlens. Trinkt das Fohlen die Milch nicht in den ersten 36 Lebensstunden, in denen die Darmwand die Abwehrstoffe aufnehmen kann, ist die Gefahr einer Erkrankung sehr groß. Mitunter können Infektionskrankheiten, vor allem die Fohlenlähme, auftreten. In den folgenden Tagen wird das Fohlen etwa alle 30 Minuten von der Mutterstute gesäugt. Dabei ist jeden Tag eine Gewichtszunahme von rund 10 Prozent festzustellen. Je älter das Fohlen wird, umso weniger häufig nimmt es Muttermilch zu sich, bis es im Alter von sechs bis zwölf Monaten abgesäugt wird.

Als ursprüngliches Steppentier in freier Wildnis kann das Fohlen seine Bewegungen bereits nach wenigen Tagen gut kontrollieren. Bei den ersten Weidegängen nimmt es Gräser zu sich – ein Anzeichen für eine normale Verdauung. Zugleich zeigen die Fohlen eine schnelle Lernfähigkeit, wenn es darum geht, sich der Herde anzupassen und mit anderen Pferden zu spielen. Durch die Bewegung werden die Muskulatur gestärkt sowie die motorischen Fähigkeiten und die Kondition entwickelt. In den ersten Monaten leben Fohlen eng mit ihrer Mutterstute zusammen. Während sie sich in der freien Natur meist erst in einem Alter von einem Jahr von ihrer Mutter loslösen müssen, erfolgt die Trennung im Zuge der Pferdezucht oftmals schon nach drei Monaten. Zugleich gibt es durchaus unterschiedliche Ansichten hinsichtlich der Art und des richtigen Zeitpunkts der Trennung, des sogenannten Absetzens. Weit verbreitet ist beispielsweise die Meinung, dass die frühe Trennung und die danach erfolgende Einzelaufzucht negative Auswirkungen auf das Sozialverhalten des Fohlens haben können. Auch das Vorgehen beim Absetzen wird unterschiedlich bewertet und gehandhabt. Einige Züchter entscheiden sich für eine abrupte Trennung. Andere bevorzugen eine schrittweise Loslösung, bei der die Trennungszeit kontinuierlich erhöht wird. Wenn die Absetzung komplett erfolgt ist, wird das Fohlen auch Absatzfohlen genannt.

Bis zur Geschlechtsreife vergehen bei einem Hengstfohlen etwa zwölf Monate, während es bei einem Stutfohlen etwa doppelt so lange dauert, bis es erstmals paarungsbereit wird. Bei Zuchtpferden erfolgt die erste Deckung aber meist nicht vor dem dritten Lebensjahr. Erst dann ist das junge Pferd weitestgehend ausgewachsen, sodass beim Decken kein Auftreten von Schäden am Bewegungsapparat zu befürchten ist. Stut- und Hengstfohlen werden aus diesem Grund meist getrennt voneinander aufgezogen, um eine ungewollte, zu frühe Trächtigkeit zu vermeiden.

Die Erziehung des Fohlens

Damit das Fohlen später für die verschiedenen Disziplinen des Pferdesports eingesetzt werden kann, muss es von Geburt an erzogen werden. Die Erziehung sollte die Gewöhnung an den Menschen in den Mittelpunkt stellen und mit Geduld, aber auch Konsequenz erfolgen. Fohlen, die nicht erzogen werden, sind an den Umgang mit Menschen nicht gewöhnt und lassen sich dementsprechend kaum zu einem Reit- oder Fahrpferd ausbilden. In Betracht kommen verschiedene Erziehungs-Schulen, von denen die klassische Erziehung bis heute die gängigste Möglichkeit darstellt.

 

Die klassische Erziehungsmethode

Bei dieser Methode ist eine langsame Gewöhnung an den Menschen vorgesehen, in dem zunächst erreicht werden soll, dass das Fohlen die Nähe und die Berührung des Menschen zulässt. Als nächster Schritt ist dann an das Anlegen des Halfters und eines Führstricks sowie an das Striegeln oder an erste Übungen wie das Hufegeben zu denken.

Imprinting

Eine weitere, aber umstrittene Methode der Erziehung besteht im sogenannten Imprinting, bei der direkt und nicht erst ein bis zwei Tage nach der Geburt mit der Prägung und Erziehung begonnen wird. Entgegen den natürlichen Instinkten des Neugeborenen wird das Fohlen am Aufstehen gehindert und stattdessen am gesamten Körper berührt. Alle Körperöffnungen werden abgetastet, bis das Fohlen ruhig bleibt und nicht mehr versucht, sich gegen die Berührungen zu wehren. Dies dauert bis zu einer Stunde und wird in den folgenden Tagen regelmäßig wiederholt – mit dem Ziel, den späteren Umgang zu erleichtern. Fohlen, die mit dieser Methode erzogen wurden, erweisen sich später als sehr brave, aber auch oftmals als zu unterwürfige Pferde.

Das Fohlenkommando

Das Fohlenkommando wird heute nur noch selten durchgeführt. Diese Methode beruht darauf, dass der Pferdeausbilder die Position des Anführers, also die Rolle des Leittieres, übernimmt.

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