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Muskelaufbau beim Pferd: Aminosäuren richtig füttern

von Michelle Breitenfeld
Veröffentlicht: Letztes Update am

Was sind Aminosäuren und warum sind sie wichtig für dein Pferd?

Aminosäuren sind die Grundbausteine der Proteine (Eiweiße). Man kann sie sich wie Legosteine vorstellen: Es gibt 20 verschiedene dieser Bausteine. Nach dem genetischen Bauplan setzt der Körper diese „Legosteine“ in unterschiedlichsten Kombinationen zusammen. So entstehen alle Proteine des Körpers. Aminosäuren sind daher nicht nur Baustoff für alle (Muskel-)Zellen, sondern auch für den Stütz- und Halteapparat, Hufhorn und Haare, Hormone, Antikörper, Milchprotein und vieles mehr.

Etwa die Hälfte dieser Aminosäuren sind essenziell. Das heißt: Sie müssen über das Futter aufgenommen werden, da der Pferdekörper sie nicht selbst herstellen kann. Die wichtigsten essenziellen Aminosäuren für Pferde sind Lysin, Methionin (bzw. Cystein) und Threonin.

Übrigens: Wenn auch nur eine dieser wichtigen Aminosäuren im Futter fehlt, ist das so, als würde auf einer Baustelle ein zentrales Material ausgehen. Der Bau kann nicht fertiggestellt werden – die restlichen Baustoffe bleiben ungenutzt und müssen über Leber und Niere entsorgt werden. Schon eine einzige fehlende essenzielle Aminosäure kann also den Muskelaufbau deutlich einschränken und den Stoffwechsel belasten.

Deshalb ist klar: Nicht nur Fohlen und wachsende Jungpferde brauchen diese Bausteine besonders dringend. Auch bei Sportpferden, Senioren, leber- oder nierenkranken Pferden sowie laktierenden Stuten solltest du auf eine gezielte Versorgung achten.

Wie funktionieren essenzielle Aminosäuren im Muskelaufbau?

Bild: Die kleinsten Untereinheiten im Muskel sind Myosin und Aktin. Sie wiederum bestehen aus Ketten von über 300 Aminosäuren.

Muskelzellen sind komplett aus Aminosäuren aufgebaut, also auch die kleinsten Einheiten. Lysin ist z.B. wichtiger Baustein der kraftübertragenden Mikrofilamente des Muskels, Aktin und Myosin. Während der Leistung werden manche Aminosäuren zur Energiegewinnung aus dem Muskelgewebe ausgebaut und genutzt. Andere Aminosäuren helfen beim Muskelstoffwechsel. Letztlich benötigt der Muskel die Aminosäuren also nicht nur zum Aufbau, sondern auch zur Leistung und Regeneration.

Was sagen wissenschaftliche Studien zur Wirkung von Aminosäuren?

In den letzten zwei Jahrzehnten wurde intensiver zum Bedarf der Pferde an Aminosäuren geforscht. Dabei wurde mehrfach nachgewiesen, dass sich das Wachstum von Jungpferden signifikant durch die Zufuhr essenzieller Aminosäuren verbessert (Graham-Thiers&Kronfeld, 2005; Koslowski, 2009; Krumbiegel, 2011). Die genannten Studien konnten auch nachweisen, dass eine gezielte Zufuhr essenzieller Aminosäuren den Stoffwechsel entlastet, denn bei weniger fehlenden Aminosäuren und besserer Nutzung, müssen weniger „unbrauchbare“ Aminosäuren zu Harnstoff umgebaut und mit dem Harn ausgeschieden werden. Auch ein stärkerer Zuwachs der Muskelmasse wurde durch die Zulage essenzieller Aminosäuren bewiesen (Koslowski, 2014).

Warum ist Qualität bei der Eiweißversorgung so wichtig?

Viele Pferdebesitzer haben oft Angst, zu viel Eiweiß zu füttern. Doch Eiweiß ist nicht gleich Eiweiß. Man muss viel mehr auf die Qualität, also die Zusammensetzung des Eiweißes achten, als nur auf die Reduktion der Menge. Grundsätzlich sind in allen Futtermitteln Aminosäuren vorhanden. Manche Futtermittel enthalten aber mehr essenzielle Aminosäuren als andere. Zudem stehen die enthaltenen Aminosäuren dem Pferd nur zu Anteilen zur Verfügung. Genutzt kann nur das Eiweiß werden, das noch im Dünndarm verdaut werden kann. Heu liefert je nach Erntezeitpunkt stark unterschiedliche Mengen an nutzbaren Aminosäuren. Stammt das Heu aus einem ersten späten Schnitt – was auch viele gute Eigenschaften hat – sind die Proteine so fest in die Zellwände der schon verholzten Stängel eingebunden, dass das Pferd sie nicht bis Ende des Dünndarms aufgeschlossen bekommt. Früh geschnittenes Heu ist ein besserer Aminosäurelieferant.

Darauf kommt es bei Eiweiß im Pferdefutter an:

  • Nicht alle Eiweiße sind gleich verwertbar – entscheidend ist der Gehalt an essenziellen Aminosäuren
  • Nur Eiweiß, das im Dünndarm verdaut werden kann, steht dem Pferd wirklich zur Verfügung
  • Früh geschnittenes Heu enthält deutlich mehr nutzbare Aminosäuren als spät geschnittenes
  • Verholzte Pflanzenanteile im späten Schnitt binden Proteine in Zellwänden – schlechter verdaulich
  • Mehr ist nicht besser: Qualität und Verdaulichkeit übertrumpfen reine Eiweißmenge

Wie erkennst du gutes, verdauliches Eiweiß?

Wie gut Aminosäuren vom Pferdekörper aufgenommen werden können, macht also einen großen Unterschied aus. 

Aminosäuren sind der Schlüssel zu gesundem Muskelaufbau – wenn Fütterung und Training zusammenpassen.

Michelle
Redakteurin bei ehorses

Welche Futterrationen sind sinnvoll?

  • Futterrationen für Muskelaufbau- und -erhalt
  • Futterrationen für Sportpferde

Futterration: Jungpferd (2–3 Jahre) im Aufbautraining

Endgewicht: 600 kg

FuttermittelMenge
Heu (1,5 kg / 100 kg LG)7,5–9,0 kg
Haferfrei oder Complete2,0 kg
Fohlen-Mix1,0–1,5 kg

Getreidefreie Ration: Normalfuttriges Pferd mit 600 kg

FuttermittelMenge
Heu (1,7 kg / 100 kg LG)8,5–10,0 kg
Wellfeed Sensation-Free (getreidefrei)1,5 kg
Amino-Muskel120 g
Lein-Distel-Öl50–100 ml

Warum ist gezieltes Training für den Muskelaufbau so wichtig?

Noch zum wichtigen Bereich Training. Denn eine noch so gute Fütterung bringt nichts, wenn die Muskulatur nicht ausreichend oder auch nicht optimal trainiert wird. Das optimale Muskeltraining besteht abwechselnd aus anstrengendem Training, das die Muskulatur an ihre Grenzen bringt ohne sie zu überfordern.

Und einer Pause, in der das Pferd zwar bewegt, aber die Muskeln nicht deutlich gefordert werden. Während dieser leichten Bewegung passiert im Pferdekörper viel: Die Durchblutung der beanspruchten Muskeln wird verstärkt, Zellen werden erneuert und die zuvor belasteten Muskelregionen wie die Rückenmuskeln werden aufgebaut, damit sie den nächsten Trainingsreiz besser umsetzen können.

Welche Muskelfasern hat dein Pferd und was bedeutet das fürs Training?

Aminosäuren beim Pferd: Springpferd springt über Hindernis

Wichtig zu wissen: Pferde verfügen muskulär über unterschiedliche genetische Voraussetzungen. Man unterscheidet slow-twitch und fast-twitch Muskelfasern. Die einen sind ideal für Langstreckenbeanspruchung (slow-twitch), die anderen für kurze schnelle Kraftübertragung (fast-twitch). In welchem Verhältnis beide Typen im Körper angelegt sind, ist genetisch festgelegt. So eignet sich ein Vollblutaraber von Natur aus mehr zum Distanzreiten, als ein Spring- oder Rennpferd, dem dank vieler Fast-twitch Fasern kraftraubender, schneller Sport leichter fällt. Welche Fasern verstärkt ausgeprägt werden, kann mit Training bis zu einem gewissen Grad beeinflusst werden.

Auf einen Blick: Muskelfasertypen beim Pferd

  • Slow-twitch-Fasern → ideal für Langstrecken, z. B. bei Distanzpferden
  • Fast-twitch-Fasern → optimal für kurze, explosive Kraft, z. B. bei Spring- oder Rennpferden
  • Verhältnis ist genetisch vorgegeben, aber durch Training modifizierbar
  • Training sollte an den Fasertyp angepasst werden, um gezielt Muskulatur aufzubauen

Handlungsempfehlung: Aminosäuren gezielt einsetzen

Bedarfsgerechte Fütterung bedeutet, auch die Aminosäuren-Zufuhr im Blick zu haben. Das gilt generell und speziell bei besonderen Bedürfnissen: Pferde, die wachsen und Muskeln ausbilden sollen, oder Mutterstuten sowie deckende Hengste, für Pferde im Reha-Training, für Pferde, die abnehmen aber ihre Muskulatur nicht verlieren sollen und für Senioren, die generell an Substanz verlieren. Besondere Bedeutung hat der Gehalt an Aminosäuren im Futter, die im Dünndarm aufgenommen werden können. Diesen müssen Hersteller nicht extra kennzeichnen. 

Fragen & Antworten

Aminosäuren fördern beim Pferd den gezielten Muskelaufbau, unterstützen Regeneration und Leistung und sind essenziell für Zellen, Bindegewebe, Hufe, Haare und den gesamten Stoffwechsel.

Ein Mangel an Aminosäuren zeigt sich beim Pferd durch Muskelabbau, Leistungsabfall, verzögerte Regeneration und schwaches Huf- oder Fellwachstum.

Für Pferde besonders wichtig sind die essenziellen Aminosäuren Lysin, Methionin (bzw. Cystein) und Threonin – sie fördern Muskelaufbau, Stoffwechsel und Gewebestruktur.

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